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15.2.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Fußball, angeblich die schönste Nebensache der Welt, ist knallharte Politik. In den Vereinen und Verbänden finden wir regelmäßig in Schlüsselpositionen Leute mit allerbesten Polit-Connections. Manche der Funktionäre sind selbst (ehemalige) Politiker. Mitunter übertreiben diese Politik-Fans ihren Enthusiasmus und kommen wegen Bestechung und/oder Bestechlichkeit mit dem Gesetz in Konflikt.
Bei wichtigen Spielen lassen es sich Minister und sogar Regierungschefs nicht nehmen, der Mannschaft vor und nach dem Spiel in der Kabine beizustehen. Gern geben sie vor laufender Kamera den Bundestrainern Ratschläge zur Spielgestaltung und wetteifern mit den Sportreportern in der hohen Kunst des Fußballkommentars. Hier dürfen sie so reden, dass sie - was sie sonst tunlichst vermeiden - von den Zuschauern auch wirklich verstanden werden.
Für manche Zeitgenossen ist die Politik ohnehin eine Grauzone, in der die Unterschiede zwischen den Ämtern des Bundestrainers und des Bundeskanzlers zu verschwimmen scheinen - und ob der erste Teamchef nach dem Weltkrieg Sepp Adenauer oder Konrad Herberger hieß, muss man nun wirklich nicht so genau wissen. Gespielt wird auf dem Platz.
Was ist schon eine schnöde Kneipenschlägerei verglichen mit dem Krieg im Stadion? Wer in der Fußballarena in die Schlacht zieht, kann sicher sein, dass die Kameras blitzen und surren. Und dies nicht nur bei Spitzenspielen. Ist die Randale frech und blutig genug, dann schweben die Geier der Medien auch über den Kampfbahnen der Dorfvereine.
Unter den gegebenen Bedingungen ist es nicht weiter erstaunlich, dass Politiker am lautesten tönen mit Vorschlägen, wie der Gewalt in den Stadien zu begegnen sei. Spiele sollten ohne Zuschauer stattfinden, und wenn das nicht genüge, müsse man Spiele halt verbieten, fordern sie. Die Funktionäre und Muftis der Fanprojekte stimmen diese Vorschläge skeptisch und geben zu bedenken, ob nicht noch mehr Staatsknete für ihre menschenfreundliche Sozialarbeit die effektivere Lösung sei.
Natürlich verstehe ich gut, dass man angesichts der widerlichen Exzesse dieser kriminellen Hooligans einschneidende Maßnahmen fordert. Aber leider ist es ein Irrglaube, dass viel viel hilft. Das ist nicht nur bei Medikamenten so, sondern auch bei der Gewaltvorbeugung. Wie bei Medikamenten muss man sich langsam von unten am die optimale Dosis herantasten.
Als erste Maßnahme schlage ich vor: Kameraverbot für Politiker in Sachen Fußball. Wenn dies nicht reicht: Stadionverbot. Die nächste Stufe der Eskalation bestünde darin, Fernsehübertragungen zu verbieten. Spätestens dann, so vermute ich, werden die meisten Hooligans, vor allem die gut durchgebräunten, das Interesse an ihren Kleinkriegen in Fußballarenen verlieren. In Italien geht man leider den falschen Weg. Man sperrt die Zuschauer aus und überträgt die Spiele im TV. Umgekehrt wird ein Schuh draus.
Sperrt man die Zuschauer aus, so suggeriert man fälschlicherweise, dass die Gefahr von diesen ausgehe. In Wirklichkeit ist aber die überwiegende Mehrheit der Fußballfans friedlich. Die Gefahr wird durch die Publizität erzeugt. Das ist genauso wie beim Terrorismus. Terroristen legen auch den allergrößten Wert darauf, dass ihre Schandtaten weltweit ausgestrahlt werden, am besten mit Enthauptungsvideo.
Mancher mag einwenden, dass es bei den Spitzenspielen, die im Fernsehen kommen, meist verhältnismäßig ruhig bleibe; wohingegen die Ausschreitungen in der Fußballprovinz stattfinden. Dieses Argument sticht nicht, denn erstens sichert die Gewalt den Spielen nachträgliches Medieninteresse und zweitens verleiht das Medieninteresse, ganz gleich bei welchen Spielen, dem Fußball erst jene (politische) Bedeutung, die ihn interessant macht für Gewalttäter - und nicht nur für braune.
Je präsenter eine Sportart in den Medien ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit gewalttätiger Auseinandersetzungen. Diese Erfahrungstatsache kann man nicht ernsthaft bestreiten, und daher ist mein Lösungsvorschlag auch nicht von der Hand zu weisen. Er hat aber dennoch keine Durchsetzungschance, weil Politiker einfach nicht davon ablassen können, beim Fußball ihre Fratzen in die Kameras zu halten. Wer Wertsachen öffentlich herumliegen lässt, darf sich über Diebstahl nicht wundern. Wer Fußball im Fernsehen zelebriert, lockt Hooligans an wie eine offene Limonade die Wespen.
Geschrieben in Sport, Sozialwissenschaften, Politik | Drucken | 1 Kommentar »