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Archiv der Kategorie Satanisch Ritueller Missbrauch

Aufmerksamkeit und Persönlichkeit

Persönlichkeit ist ein Repertoire von Verhaltensweisen, kombiniert mit einem System von Regeln. Dadurch unterscheiden sich Persönlichkeiten voneinander. Ein Beispiel für eine solche Verhaltensweisen wäre “Aufbrausen”. Die Regel dazu könnte lauten: “Wenn eine Provokation einen gewissen subjektiven Schwellenwert überschreitet, dann brause auf.”

Unter Aufmerksamkeit versteht man den Prozess der Konzentration unseres Geistes auf bestimmte Bereiche unseres Bewusstseins. Was im Brennpunkt der Aufmerksamkeit steht, erscheint klar und deutlich; alles andere gerät in den Hintergrund und wird dort weniger, kaum noch oder gar nicht beachtet.

Unsere Aufmerksamkeit ist also selektiv. Sie kann sich nach außen richten und Gegenstände oder Vorgänge einschließen, oder sie kann sich nach innen richten und sich unseren Gedächtnisinhalten widmen (Erinnerung). Bleiben gewisse äußere oder innere Zusammenhänge dauerhaft ausgepart, sprechen wir von Abwehr (Verdrängung, Verleugnung, Projektion, Dissoziation etc.).

Zu den Verhaltensweisen und Regeln, die unsere Persönlichkeit konstituieren, zählen auch Regeln und Verhaltensweisen, die der Aufmerksamkeit zuzurechnen sind. Ist beispielsweise ein Mann sehr sachorientiert, rational und nüchtern, dann wählt seine Aufmerksamkeit andere Brennpunkte als seine Ehefrau, wenn diese sehr beziehungsorientiert, emotional und überschwänglich ist. Die unausweichlicen Konflikte zwischen den Beiden sind also auch persönlichkeitsbedingt.

Wenn wir einen Menschen als multiple Persönlichkeit bezeichnen, dann verhält sich diese so, als wohnten mehrere Persönlichkeiten unter ihrer Schädeldecke. Der Grund dafür besteht darin, dass der betroffene Mensch mal das eine Repertoire von Verhaltensweisen mit den zugehörigen Regeln aktiviert und mal das andere. Da die jeweils aktivierte Persönlichkeit auch die Aufmerksamkeitssteuerung konfiguriert, kann es vorkommen, dass die jeweils aktivierte Persönlichkeit nichts von der Existenz der anderen unter der Schädeldecke des Betroffenen hausenden Persönlichkeiten weiß.

Es handelt sich hier also um ein Subjekt, dass auf der Bühne des Lebens unterschiedliche Charaktere verkörpert. Man kann eine multiple Persönlichkeit durchaus mit einem Schauspieler vergleichen, der völlig in seinen Rollen aufgeht. Heute steht er als King Lear auf der Bühne und es steht für ihn außer Frage, King Lear zu sein. Morgen gibt er den Faust und hat keinen Zweifel daran, dass er sich der Magie ergeben hat und mit dem Teufel spricht. Übermorgen wieder ist er der Hase Harvey, den es nach Grünzeug gelüstet. In seiner Freizeit ist er der Burgschauspieler Edelbert Liebtmich und nichts anderes.

Wird ein solcher fiktiver Schauspieler Realität, dann haben wir eine ausgeprägte multiple Persönlichkeit vor uns. Meist handelt es sich um einen Schauspieler wider Willen. Warum?

Weil er von geheimdienstlichen oder militärischen Organisationen durch Folter, Hypnose, Drogen und ein ausgefeiltes System der Dissoziativen Verhaltensmodifikation von Kindesbeinen an so abgerichtet wurde. Eine multiple Persönlichkeit ist das Opfer geheimdienstlicher oder militärischer Projekte.

Immer?

Immer dann, wenn die oben beschriebenen Selbstinszenierungen zwanghaften Charakter besitzen und den Symptomen einer komplexen Zwangserkrankung gleichen, dann kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass der Betroffene ein Opfer derartiger Projekte geworden ist.

Wirklich immer?

Ja. So etwas entsteht nicht spontan. So etwas entsteht auch nicht durch einen selbstbestimmten Lernprozess. Es handelt sich hier vielmehr um das Ergebnis eines systematischen, wissenschaftlich fundierten Trainings.

Wozu?

Die multiple Persönlichkeit ist eine Marionette in den Händen ihrer Erzeuger. Sie führt bedenkenlos Befehle aus, und koste es auch das eigene Leben. Für jede Aufgabe wurde eigens eine “Persönlichkeit” geschaffen, deren Sinn im Leben darin besteht, die jeweilige Aufgabe zu meistern.

Wie funktioniert das?

Vor allem durch Folter. Jeder Mensch hat seinen Bruchpunkt. Zunächst leistet das Opfer, ein Kleinkind, Widerstand, doch wenn der Bruchpunkt überschrittet ist, dann wird es höchstgradig suggestibel und unterwürfig.  Es tut dann alles, was der Folterer will. Dies ist eine genetisch programmierteReaktion für ausweglose Situationen, in denen die einzige Überlebenschance darin zu bestehen scheint, sich in dieser Weise zu verhalten. Inzwischen beginnt man, die neurophysiologischen Grundlagen dieses Prozesses durh empirische Befunde zu verstehen.

Was ist von den Tätern zu halten?

Sie stehen auf einer moralischen Stufe mit den Nazi-Ärzten, die in Nürnberg zum Tod durch den Strang verurteilt wurden.

Was hilft beim sog. Rituellen Missbrauch?

Mitunter fragen mich Betroffene, interessierte Laien und seltener sogar Fachleute: Was hilft beim Rituellen Missbrauch. Ich bin es müde, mir auf derartige Fragen differenzierte Antworten auszudenken, denn die richtige Antwort ist zwar nicht populär, aber sie ist eindeutig: Rache.

Wer von Kindesbeinen an

  • gefoltert, unter Drogen gesetzt, hypnotisiert, mit Elektroschocks traktiert, mit Reizentzug und sozialer Isolation gequält, mit brutalen Erziehungsmethoden gedemütigt wurde,
  • wessen soziale Beziehungen und schulische bzw. universitäre und berufliche Entwicklung beständig torpediert wurden,
  • nur um ihn in einen mentalen Sklaven zu verwandeln, der auf Knopfdruck bereit ist, für die Täter Kopf und Kragen zu riskieren…
  • wer all diese Torturen überstanden hat - gebeutelt, zerbrochen, seiner Seele, seiner Menschenartigkeit beraubt - dem kann nur noch eins helfen:
  • Rache.

Der muss den Rachedurst in sich kultivieren, der muss lernen, Freude zu schöpfen aus der Vorstellung, dass er dazu beitragen kann, den Tätern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er muss sein Leben einem Ziel weihen: rächende Gerechtigkeit - angemessene Strafe für Täter, die das unmenschlichste Verbrechen begangen haben, das sich ein Menschenhirn nur auszudenken vermag.

Dies ist im Kern die einzige Therapie, die diesen Namen verdient.

Welches Motiv, sagt mir, wäre denn auch stärker als die tief ins Unbewusste eingegrabene Furcht vor endloser Folter - wenn nicht die Rache, wo doch die alles verzeihende Liebe angesichts der Ungeheuerlichkeit des Verbrechens einer Verhöhnung der Humanität gleichkäme?

Woran erkennt man den Fortschritt der Therapie?

Wie oft höre ich die Klagen von Therapeuten, dass der Patient nach einigen Fortschritten immer wieder in das alte, programmierte, selbstschädigende Verhalten zurückfalle, dass man sich mit diesem Patienten im Kreis bewege und nie wisse, ob er sich nach vor oder zurück bewege.

Gut, wer sich im Kreis bewegt, der bewegt sich immer vom jeweiligen Ausgangspunkt weg und auf ihn zu. Er gibt zum Glück ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein tatsächlicher Fortschritt, ein entscheidender Durchbruch geschafft wurde. Dieses Zeichen ist die Entwicklung eines tödlichen Hasses auf die Täter. Solange das Opfer noch Teil des Tätersystems ist, wirkt ein Programm, das die Entwicklung dieses nur zu verständlichen, durch und durch menschlichen Hasses blockiert. Dies ist ein zentrales Programm im System der Bewusstseinskontrolle. Sobald diese Schwelle überschritten ist, sobald er endlich da ist, dieser langersehnte und erflehte tödliche Hass - wenn das endlich geschafft ist, dann zeigt sich Licht am Ende des Tunnels.

Nun besteht die Aufgabe des Therapeuten darin, das Opfer nicht im Feuer dieses tödlichen Hasses verglühen zu lassen. Der Hass braucht eine Richtung. Und diese Richtung ist das vom Rachedurst angetriebene Streben nach Gerechtigkeit, nach der angemessenen Strafe für die Täter, ihre Hintermänner, ihre Helfershelfer, für die willigen Vollstrecker. Allein die Beschäftigung mit Taktiken und Strategien zur Lösung dieser Aufgabe besitzt heilende Kraft. Und der kleinste Schritt in diese Richtung ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Überwindung der seelischen Verkrüppelung, die von Kindesbeinen an durch Folter, Hypnose, Drogen, sensorische Deprivation, brutale, demütigende Erziehung und Abrichtung zur Selbstzerstörung auf Befehl verursacht wurde. Eine vollständige Heilung so schwerer psycho-physischer Schäden ist allerdings unmöglich. Doch das Leben der Opfer wird erträglich, wenn sie sich klug und zielstrebig von Hass und Rachedurst leiten lassen: unverzagt, beharrlich, intelligent, umsichtig, bis ans Lebensende.

Ideologisch motivierte Verbrechen

Niemals auf diesem wunderschönen Erdenrund voll bizarrer Verbrechen gelang es der Polizei, eine satanistische Organisation des rituellen Missbrauchs zu überführen, bei dem Kinder durch Folter, Drogen, Hypnose und Vergewaltigung mental versklavt wurden. Und so ist der Begriff “Satanisch Ritueller Missbrauch” fragwürdig geworden; viele suchen nach einer neuen Bezeichnung für das, was den mutmaßlichen Opfern einer systematischen Spaltung ihrer Persönlichkeit und der Dressur der entstehenden Persönlichkeitsfragmente widerfuhr.

Zu diesen Suchern  zählt auch Thorsten Becker. Er ist Sozialarbeiter, Kultberater und Forscher. Er schlägt den Begriff “Ideologisch motivierte Verbrechen” vor. Der Begriff “Satanisch ritueller Missbrauch” werde manchmal, so begründet er seinen Vorschlag, reduziert auf das Bild der Praktiken intergenerativer satanischer Kulte, die auch Kindermord und das Verspeisen von Babys umfassen. Diese Definition sei also zu speziell.

Gegen einen solchen Begriffswandel habe ich prinzipiell nichts einzuwenden - Definitionen sind ja immer willkürlich und warum sollte man die eine willkürliche Definition nicht durch eine andere willkürliche Definition ersetzen. Stutzig macht mich dann allerdings Beckers Aufzählung von Beispielen für “ideologisch motivierte Verbrechen”. Er führt nicht nur Straftaten auf, die von Hexenzirkeln und Voodoo-Kulten begangen wurden, sondern auch die Experimente zur Kontrolle des Bewusstseins, die von amerikanischen und kanadischen Ärzten mit Forschungsgeldern der CIA und anderen staatlichen Institutionen realisiert wurden.

Diese Experimente waren also, folgt man Becker, ideologisch motivierte Verbrechen. Man stelle sich vor, eine Gruppe von Bankräubern raube eine Bank aus. Die Täter werden gefasst und nach ihren Motiven befragt, geben sie zu Protokoll, Geld sei für sie der höchste Wert im Leben, Geld sei für sie fast so etwas wie eine Religion. War dann der Bankraub ein ideologisch motiviertes Verbrechen? Vielleicht, wenn die Bankräuber nach der Tat zum Zündholz gegriffen und mit den Geldscheinen ein Rauchopfer dargebracht hätten.

Es trifft schon zu, dass die Experimente zur Bewusstseinskontrolle während des Kalten Krieges stattfanden und der Kalte Krieg war ja nicht zuletzt auch eine ideologische Auseinandersetzung. Genügt dies, diese Experimente (für die im übrigen niemals ein Experimentator rechtskräftig verurteilt wurde) als ideologisch motivierte Verbrechen zu bezeichnen.

Man halte sich vor Augen, dass diese Experimente keineswegs ideologischen Zielen dienten. Sie sollten handfeste militärische und geheimdienstliche Probleme lösen - real existierende Probleme, für die eine Lösung gefunden werden musste. Und dies keineswegs aus ideologischen Gründen, sondern weil ohne adäquate Problemlösungen  die militärischen und geheimdienstlichen Strategien, für die sich der freie Westen entschieden hatte, nicht hätten realisiert werden können.

Natürlich: Ideologien sind Systeme von Ideen und da menschliche Handlungen immer auf Ideen beruhen, ist in diesem weiten Sinne jedes Verbrechen ein ideologisches. Wenn wir den Begriff der Ideologie aber nicht so weit verwässern wollen, dann sollten wir uns schon zu einer Unterscheidungen zwischen ideologischen und beispielweise militärischen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Motiven bequemen.

Geheimdienste sind keine Kulte, auch keine politischen Kulte, deren Handeln allein ideologisch erklärt werden könnte oder müsste. Dies gilt insbesondere für die CIA, die im Grunde gar kein Geheimdienst ist, sondern die geheime Armee des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ihre Hauptaufgabe ist nicht das Beschaffen von Informationen, sondern die Durchführung verdeckter Operationen. Und die Mind-Control-Experimente, die in ihrem Auftrag verwirklicht wurden, sollten ihr helfen, die Effizienz der verdeckten Operationen zu steigern. Diese Operationen mögen ideologische Ziele verfolgen oder durch Ideologien begründet sein, aber an den unsichtbaren Fronten bestimmen Fakten ihren Verlauf und das Vorhandensein oder Fehlen von Methoden, ihnen angemessen zu begegnen.

Auch die US-Armee, die ebenfalls Mind-Control-Methoden entwickelte, ist kein Kult - und handfeste militärische Aufgaben lassen sich nicht mit rituellen Handlungen bewältigen. Die militärischen Führer mit Verantwortung für Soldaten, die an der Front ihre Knochen hinhalten, suchen vielmehr nach Methoden, die den Sieg gewährleisten und zugleich die eigenen Verluste so gering wie möglich halten.

Experten wie Thorsten Becker sind auf dem richtigen Weg, wenn sie ihre Aufmerksamkeit von der nebelhaften Welt eines fiktiv anmutenden Satanisch Rituellen Missbrauchs abziehen. Nun müssen sie lernen, ihr Fernglas und ihr Mikroskop richtig zu adjustieren, damit die tatsächlichen Prozesse, um die es hier geht, in ihren Fokus treten.

Es wäre fatal, die Täter vorschnell zu ‘kultifizieren’. Dadurch legt man sich nämlich fest, ihre Ziele und Motive als irrational und ihre Taten als Ausdruck einer zum Selbstzweck gewordenen Inhumanität zu betrachten. Durch diese Vorentscheidung schließt man logisch zwingend jene Menschen aus dem Kreis der Verdächtigen aus, die ein ausschließlich rationales Interesse an der mentalen Versklavung von Menschen haben könnten.

Zu diesen Verdächtigen zählen zweifellos Geheimdienste und Streitkräfte. Und selbst wenn man die Kult-Anhänger auch in diesen Institutionen wähnt, so verstellt man sich durch die Kult-Vorannahme den Blick auf das gesamte Spektrum möglicher Ziele und Motive dieser Verbrechen. Es sollte einleuchten, dass die Aufklärung dieser Straftaten und die Überführung der Täter durch einengende Sichtweisen nicht gerade erleichtert wird.

Natürlich sind schwarze Roben  und Teufelsmasken Spuren, denen man nachgehen muss. Doch seitdem Menschen Verbrechen begehen, neigen sie dazu, falsche Spuren zu legen und eigene Taten Anderen in die Schuhe zu schieben.

Selbstverständlich gibt es weltweit okkultistische Gruppen, deren Weltbild zumindest bei oberflächlicher Betrachtung menschenverachtend erscheint. Für diese Gruppen hat sich die Bezeichnung ‘Satanisten’ eingebürgert, obwohl sich die meisten dieser Gruppe entschieden gegen eine derartige Einordnung verwahren würden. Setzt man sich jedoch näher mit den Ideologien dieser Gruppen auseinander, dann stellt man fest, dass diese vielfach aus einem Sammelsurium von Einstellungen bestehen, die auch außerhalb dieser “destruktiven Kulte” weit verbreitet sind. Hier denke ich beispielsweise an die Einstellung einer ’satanistischen Kirche’, dass man den sozial Schwachen nicht helfen dürfe. Ach, du meine Güte, wie viele Manchester-Liberale, Sozialdarwinisten und Harz-IV-Befürworter denken genauso? Leute mit diesen Einstellungen könnte man natürlich alle als Satansjünger bezeichnen, aber wer außer Fundamentalchristen hätte etwas davon?

Dass diese “destruktiven Kulte” tatsächlich kleine Kinder sexuell missbrauchen, foltern, hypnotisieren, unter Drogen setzen, mit Elektroschocks traktieren, um sie mental zu versklaven, ist keineswegs erwiesen. Es gibt dafür den den blassen Anschein eines Beweises. Und es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass sich aus den Glaubenslehren dieser Kulte foltergestützte Gehirnwäsche ableiten ließe. Manche Kult-Kenner tun sich dennoch leicht, ’satanistische Zirkel’ pauschal diesem Verdacht auszusetzen - gelegentlich mit der Einschränkung, dass wahrscheinlich nicht alle so schlimm seien.

So geht das nicht, meine Damen und Herren Kult-Experten! So geht das wirklich nicht. Warum hackt ihr hier auf Leute ein, die auch nur von ihrer Religionsfreiheit und ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen? Warum sprecht ihr nur so selten und wenn, dann in nebelhaften Formulierungen, von jenen Gruppen, die tatsächlich und nachweislich Menschen gequält, hypnotisiert, mit Elektroschocks traktiert und unter Drogen gesetzt haben, mit dem erklärten Ziel, sie in willenlose Befehlsempfänger zu verwandeln - und zwar aus Gründen, die kultisch zu nennen im krassem Widerspruch zu der sinnvollen Gepflogenheit stünde, nach einer Entsprechung zwischen Begriff und Sachverhalt zu suchen.

So geht das nicht, so geht das nicht, meine Damen und Herren Kult-Versteher. In dem Film ‘Casablanca’ lässt der korrupte Captain Renault immer “die üblichen Verdächtigen” verhaften, wenn ihn an der Aufklärung eines Vorfalls nicht gelegen ist. Da ‘Casablanca’ ein Kult-Film ist, könnte mancher Kult-Versteher auf die Idee kommen, sich den Captain Renault zum Vorbild zu nehmen und die Verhaftung der einschlägigen Satanisten zu fordern (was praktischerweise folgenlos bliebe, da sie nie beim Namen genannt werden).

Doch Ernst beiseite: Ich will die hier keinen der üblichen Kult-Versteher verdächtigen, er stünde mit den tatsächlichen Tätern im Bunde und verfolge deren Verschleierungsstrategie. Dies bedeutet nicht, dass ich ausschließen mag, der eine oder andere Experte, die eine oder andere Expertin für Satanisch Rituellen Missbrauch sei immer vor der Versuchung gefeit gewesen, mit Apparaten zu kooperieren, die ja letztlich für unser aller Sicherheit sorgen und sich darum weitgehend der demokratischen Kontrolle entziehen müssen. Doch diese Welt ist schon nebelhaft genug, da muss ich nicht auch noch mit Nebelkerzen werfen.

Bei Licht betrachtet wissen wir de facto sehr viel über das Phänomen, das fälschlich als “Satanisch Ritueller Missbrauch” bezeichnet wird. Wir wissen sehr viel und können, Hand aufs Herz, nur sehr, sehr wenig beweisen. Seit 1994 erforsche ich diesen Komplex systematisch und ich habe an mir beobachtet, das ich im Laufe der Jahre, ohne bewusste Absicht, immer weniger nach Beweisen suchte und immer mehr nach stringenten Argumenten für und gegen die eine oder andere Position. Und dies nicht etwa, weil ich Beweise gering schätze, sondern weil Beweise in dieser vertrackten Grauzone ein wertvolles, aber überaus seltenes Gut sind. Eine Argumentation aber, die auf Beweise weitgehend verzichten muss, ist in umso stärkerem Maße auf eine solide Begriffsarbeit angewiesen und kann ohne präzise Definitionen nicht auskommen. Aus meiner Sicht erfüllt die Bezeichnung “ideologisch motivierte Verbrechen” nicht die Voraussetzungen für eine saubere, zielführende Begriffsarbeit.

Lektüreempfehlung: Becker, T. (2008). Re-Searching for New Perspectives: Ritual Abuse / Ritual Violence as Ideologically Motivated Crime. In: Noblitt, R. & Perskin Noblitt, P. (eds.) Ritual Abuse in the Twenty-First Century. Psychological, Forensic, Social, and Political Considerations. Bandon, OR: Robert D. Reed Publishers

Warum sind schwarze Roben und Satansmasken so kleidsam?

Weltweit behaupten Menschen, sie seien von frühester Kindheit an durch Folter, Drogen, Hypnose, systematischen Reizentzug, soziale Isolation, Elektroschock-Behandlung und eine generell erniedrigende Erziehung absichtlich in multiple Persönlichkeiten verwandelt worden. Die Persönlichkeitsfragmente, die sog. Alters seinen brutal dressiert worden, damit die Betroffenen die - oft kriminellen - Aufträge der Täter willenlos ausführen, ohne sich hinterher an die Aufträge, die Täter und die Gehirnwäsche erinnern zu können. Die Täter hätten Schwarze Roben und Satansmasken getragen und die absichtliche Spaltung der Persönlichkeit des Opfers sei in satanische Rituale eingebettet gewesen.

Die meisten Menschen, die noch halbwegs bei Trost sind, halten derartige Geschichten für den Ausdruck purer Hysterie, für überhitzte Phantasie oder für die Folge der Suggestionen feministischer Psychotherapeutinnen.

Und in der Tat: Wer noch halbwegs bei Trost ist, der muss derartige Geschichten auch für nackten Wahnsinn halten. Und dies nicht, weil die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer bizarre Grausamkeiten enthalten. Dass Menschen zu bizarren Grausamkeiten fähig sind, beweisen tagtäglich die Fernsehnachrichten.  Und dies nicht, weil es keine Satanisten gäbe. Die gibt es natürlich, und viele bekennen sich freimütig zu ihrem Glauben. Dies auch nicht, weil die mentale Versklavung von Menschen durch eine absichtlich erzeugte Multiple Persönlichkeitsstörung unmöglich wäre. Die psychologischen Mechanismen und Methoden, die dies möglich machen, sind seit mehr als einem Jahrhundert Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen; es kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung effektiv ist. Und man weiß auch, warum sie effektiv ist.

Dennoch sind diese Geschichten nackter Wahnsinn, diese Geschichten von den Satanisten, die Gehirne waschen. Sie sind nackter Wahnsinn, weil die Machtstrukturen unserer Welt derartige satanistische Organisationen nicht zulassen. Wem gehört diese Welt?

Sie gehört nicht den Satanisten, sie gehört nicht irgend welchen durchgeknallten Sadisten, die in schicker Satansrobe mit furchterregender Teufelsmaske in muffigen Kellern ihr Unwesen treiben. Sie gehört Eliten, die sich geistig und emotional auf der Höhe des 21. Jahrhunderts bewegen. Diese Eliten sind fest davon überzeugt, dass die reichen Staaten die armen Staaten beherrschen müssen. Sie sind fest davon überzeugt, dass die wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Eliten die reichen Staaten beherrschen müssen. Und sie sind fest davon überzeugt, dass es den Eliten durch die Mittel der Massenkommunikation, zur Not auch durch Erpressung, Bestechung und zuletzt durch schiere Gewalt gelingen muss, die Massen zur Wahl ihrer Gewährsleute in die Parlamente zu bewegen. Fest überzeugt sind sie auch davon, dass es ihnen, den Eliten nur in äußersten Notfällen  erlaubt ist, sich über die Regeln des Rechtsstaats hinwegzusetzen.

Diese Eliten würden eine globalen satanistischen Untergrund, eine weltweite Satanistenverschwörung, die Menschen mental versklavt, auf keinen Fall dulden. Sie akzeptieren keinen fremden, unberechenbaren Mächte neben sich. Und sie hätten die Mittel, derartige Bewegungen schon im Keim zu ersticken.

Und so wissen Menschen, die noch ganz bei Trost sind, instinktiv, dass an diesen Geschichten über satanisch rituellen Missbrauch etwas faul ist. Doch was ist faul daran?

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem jungen Mann mit schwarzen Haaren und starkem Knoblauchgeruch vergewaltigt worden.  Nennen wir diese Annahme “Fall 1″.

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem Wesen mit grüner Haut, Insektenaugen und Antennen auf dem Kopf vergewaltigt worden. Nennen wir diese Annahme “Fall 2″.

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem kräftigen Mann, der nach Schwefel roch und einen Klumpfuß hatte, vergewaltigt worden. Nennen wir diese Annahme “Fall 3″.

Am nächsten Morgen erscheinen die üblichen Pressemeldungen. Ich stelle hier drei Schlagzeilen zur Auswahl:

Schlagzeile 1: “Junge Frau im Stadtpark vergewaltigt. Die Polizei verfolgt mehrere heiße Spuren.”

Schlagzeile 2: “Verwirrte Frau im Stadtpark aufgegriffen. Die 23-jährige wurde zur Diagnose in die Psychiatrie eingewiesen.”

Schlagzeile 3:  “Vergewaltigung im Stadtpark. Kirchen besorgt.”

Welche Schlagzeile passt zu welchem Fall?

Gesetzt den Fall, die mutmaßlichen Opfer seien tatsächlich in Kindheit und Jugend einer systematischen Gehirnwäsche unterzogen worden, warum erinnern sie sich dann an etwas so offensichtlich Unglaubwürdiges wie Satanisch Rituellen Missbrauch?

Man braucht kein Übermaß an kriminalistischem Spürsinn, um auf die wahrscheinlichste Lösung zu kommen. Die Täter haben ihren Opfern suggeriert, sie seien Satanisten. Und dies nicht, um den Verdacht auf andere zu lenken, sondern um das Opfer, das dies behauptet, unglaubwürdig zu machen.

Denn jeder Mensch, der noch halbwegs bei Trost ist, hat doch mühelos Erklärungen bei der Hand, warum Satanisch Ritueller Missbrauch eine “urbane Legende” sei. Hier ein paar Beispiele:

  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung der Kirchen. Die sind doch immer noch auf Dämonenjagd.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung von Feministinnen. Die lassen doch keine Gelegenheit aus, dem sog. Patriarchat die aberwitzigsten Verbrechen anzudichten.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Phantasie schwacher Geister, die zu viel Horrorfilme im Fernsehen gucken.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung von Leuten, die sich Aufmerksamkeit verschaffen wollen.

Wenn tatsächlich Kinder und Jugendliche mental versklavt wurden, dann wären die Täter nicht schlecht beraten gewesen, sich als Satanisten zu tarnen.

Wie sollten Strafverfolgungsbehörden in diesen Fällen also vorgehen? Wie üblich, denke ich. Wenn irgendwo beispielsweise ein Kind gefunden wird, das vergewaltigt und getötet wurde, dann fragt sich die Polizei routinemäßig, wer im Einzugsgebiet des Tatorts wegen sexuell motivierter Gewaltdelikte oder Pädophilie vorbestraft ist.

Wenn der Verdacht besteht, dass Menschen in Kindheit und Jugend einer Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung unterzogen wurden, dann sollte sich die Polizei entsprechend fragen, wer ähnliche Taten in der Vergangenheit schon begangen hat. Im Fall des angeblichen Satanisch Rituellen Missbrauchs fragt sich die Polizei dies offenbar nicht gründlich genug, denn ein Hauptverdächtiger wird überhaupt nicht berücksichtigt. Seltsam, nicht wahr?

Satanisch Ritueller Missbrauch

Ein Leser, der sich mit meinen Texten zum Satanisch Rituellen Missbrauch und zur Multiplen Persönlichkeitsstörung vertraut gemacht hat, schreibt mir:

“Warum reiten Sie nur so verbissen darauf herum, wer die wahren Täter waren? Wenn Therapeuten und Klientinnen davon überzeugt sind, dass es Satanisten waren, dann muss man doch nicht unbedingt weiter in der Vergangenheit herumwühlen. Die Wahrheit, gibt es die denn? Die ist doch immer subjektiv. Hauptsache, eine Erklärung gibt den schrecklichen Erfahrungen der Betroffenen einen Sinn. Ob sich das alles 100-pro so zugetragen hat - wer will das wissen?”

Sicher, lieber Leser, mitunter ist es klüger, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Schließlich kann man Sie nicht ungeschehen machen - und der offene Blick in die Zukunft sollte nicht durch düstere Erinnerungen und schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit verstellt werden. Konzentrieren wir uns also lieber auf das Hier & Jetzt und schauen wir, welche Ressourcen im Augenblick für eine sinnvolle Zukunft genutzt werden können.

Dummerweise nur… nein, “dummerweise” klingt viel zu salopp… Die Tragik besteht darin, dass Menschen mit einer sog. Multiplen Persönlichkeit nicht mit solchen “narrativen”, also subjektiven, mehr oder weniger sinnvoll ausgedachten Wahrheiten leben können. Sie werden mit solchen netten und zukunftsorientierten Selbstbetrügereien blind für jeden Lebenssinn, depressiv und suizidal.

Warum? Die Antwort ist brutal. Weil die Identität dieser Menschen zersplittert ist und immer bleiben wird. Darum? Weil die Identität dieser Menschen zersplittert ist, können wohlmeinende Therapeutinnen einem Persönlichkeitsfragment ihrer Klientinnen zwar das Ammenmärchen auftischen, die Täter seien nebelhafte Satanisten gewesen. Aber ein anderer, nicht bewusster Teil ihrer Seele kennt die Wahrheit. Es ist der gefolterte Teil der Seele dieser Menschen, In diesen Teil der Seele ist die Wahrheit unauslöschlich eingebrannt. Kein Ammenmärchen kann die Wunden auf Dauer überkleistern, Der Eiter bricht immer wieder hervor.

Wer Opfern der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung also Ammenmärchen auftischt, der verstärkt die Dissoziation. Darum werden die Klientinnen, die einer derartigen Überkleisterungstherapie unterzogen werden, ja auch nicht wirklich gesünder, sondern kränker, immer immer kränker.

Satanisch Ritueller Missbrauch

Die zweite, überarbeitete und erweiterte Ausgabe von Ulla Fröhlings Buch “Vater unser in der Hölle“, in dem die Autorin die Geschichte eines Opfers, Angela Lenz erzählt, wirft einige Fragen auf. Hierzu werde ich eine Serie von Kommentaren schreiben. Den ersten habe ich soeben abgeschlossen: SRA-Traumatherapie: Was danach kommt

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