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31.1.2009 von Hans Ulrich Gresch.
Früher galt der Alkoholismus als Sünde oder Charakterschwäche. Als ihn die Medizin dann zur Krankheit erklärte und die Justiz dieser Einstufung folgte, wurde dies von wohlmeinenden Menschen als wissenschaftlicher Fortschritt betrachtet. Seit vielen Jahrzehnten wird eine beständig wachsende Zahl von Substanzen mit bewusstseinsverändernden Wirkungen per Gesetz als Rauschmittel deklariert und verboten. Wer sie im Übermaß konsumiert, gilt als Süchtiger.
Früher glaubte man, Psychotiker seien von Dämonen besessen; mitunter meinte man auch, der göttliche Funke sei in sie eingeschlagen. Später wurden Menschen, die ihre außergewöhnlichen Erfahrungen nicht mehr unter Kontrolle hatten, als “Schizophrene” in psychiatrischen Lehrbüchern beschrieben und in diagnostische Manuale aufgenommen. Wohlmeinende Menschen begrüßten dies als wissenschaftlichen Fortschritt.
Und so wurde eine große und immer noch wachsende Zahl von Verhaltensmustern und Erlebnisweisen zu medizinischen Problemen erklärt. Die amerikanische Soziologie prägte für diesen Vorgang den Begriff “medicalization”. Die deutsche Übersetzung “Medikalisierung” ist dem Sachverhalt noch angemessener, weil er so unschön klingt, wie es die hässliche Sache verdient.
Nun werden die wohlmeinenden Menschen verständnislos mit dem Kopf schütteln. Schließlich würden heute, dank dieser Medikalisierung, arme, gequälte, leidende Menschen nicht mehr von Exorzisten traktiert oder in Zwangsjacken gesteckt, sondern von qualifizierten Fachkräften wissenschaftlich fundiert behandelt.
Dieses Argument klingt beim ersten Hinhören überzeugend. Man bleibt auch überzeugt, solange man die Nase nicht in die einschlägige Fachliteratur steckt. Dort nämlich finden sich, versteckt unter einem Wust von Lobhudeleien und Propaganda einschlägiger Interessengruppen, wissenschaftliche Studien zur Effizienz der üblichen Behandlungen für die sog. psychisch Kranken.
Die Methoden der Psychotherapien, heißt es da, gestützt auf eine Vielzahl empirischer Studien, seien für den Erfolg der Therapie unwichtig. Die Qualifikation des Therapeuten sei ebenso unerheblich, blutige Laien erzielten keine schlechteren Ergebnisse. Bedeutender schon seien die Persönlichkeit des Psychotherapeuten und sein Glaube an die Wirksamkeit der von ihm gewählten Methode. Einen größeren Einfluss habe auch die “Chemie” zwischen dem Psychotherapeuten und seinem Patienten. Doch all dies sei nicht entscheidend. Der therapeutische Wirkfaktor, der alle anderen Einflussgrößen weit in den Schatten stelle, sei die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit des Patienten.
Nun, rufen einige aus dem Chor der wohlmeinenden Menschen, die Psychotherapie… das ist halt so eine Sache. Auf der anderen Seite habe die Psychopharmakologie gewaltige Fortschritte gemacht. Früher sei der Langzeit-Patient charakteristisch für die Nervenheilanstalten gewesen, heute betrage die durchschnittliche Verweildauer in modernen Kliniken nur noch wenige Tage.
Das ist aber erfreulich, antworte ich. Vielmehr, so korrigiere ich mich, das wäre ja erfreulich, wenn es denn stimmte. Ob es stimmt, steht allerdings in den Sternen, die, entgegen der Meinung vieler Astrologen, durchaus manchmal lügen. Man halte sich vor Augen, dass die Geschicke der Patienten psychiatrischer Anstalten vor dem Siegeszug der Psychopharmaka nicht systematisch statistisch erfasst wurden. Wir wissen daher gar nicht, ob sich die durchschnittliche Verweildauer tatsächlich verkürzt hat. Manche hätten es nur zu gern so, weil eine mutmaßliche Entwicklung dieser Art wunderbar im Einklang steht mit dem propagierten Fortschrittsglauben.
Doch viel gewichtiger als solche Zahlenspielereien ist die Tatsache, dass, nach einer Vielzahl von systematischen Meta-Evaluationen der Wirkung von Psychopharmaka, nüchtern festgestellt werden muss: Sie sind in der Regel kaum effektiver als Placebos. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich also keineswegs positiv von den Psychotherapien. Anders als diese aber haben sie teilweise gravierende, unerwünschte Neben- und Folgewirkungen. Und oft helfen sie, wenn überhaupt, nur kurzfristig; bei langfristiger Einnahme überwiegen die Nachteile oft eindeutig die Vorteile.
Vom Fortschritt der Medikalisierung bleibt also nicht viel übrig, wenn man die Dinge etwas genauer unter die Lupe nimmt. Natürlich: die Medikalisierung hat viele Ärzte und psychologische Psychotherapeuten in Arbeit und Brot gebracht, und auch die Pharma-Industrie verdient nicht schlecht daran. Doch - unabhängig vom segensreichen Wirken dieser Berufsstände und Branchen - leisten nach wie vor die Patienten die Hauptarbeit bei der Überwindung der sog. psychischen Störungen. Ganz gleich, ob man ihnen in der Psychopharmaka-Therapie bittere Pillen oder in der Psychotherapie bittere “Wahrheiten” zu schlucken gibt: Es hängt von ihrer Motivation und ihrer Kompetenz zur Selbstveränderung ab, ob die “Behandlung” erfolgreich ist oder nicht.
Doch die psychiatrische Propaganda verfehlt ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit nicht. Betroffene und Nicht-Betroffene glauben mehrheitlich, dass psychische Krankheiten tatsächlich existierten und mit medizinischen Mitteln, wenn überhaupt, geheilt werden könnten. Dadurch werden nicht nur die Einkommen der beteiligten Berufsstände und Branchen legitimiert, sondern auch die Patienten entmündigt. Diese Entmündigung spricht natürlich den Tatsachen Hohn, denn wenn einer von ihnen “geheilt” wird, dann nicht trotz seiner Unmündigkeit, sondern dank seiner Mündigkeit.
Wenn ich die Existenz psychischer Krankheiten leugne, so bedeutet dies keineswegs, dass ich die Augen vor den Verhaltensweisen und Erlebnisformen verschließe, auf die sich diese Diagnosen beziehen. Zweifellos gibt es Menschen mit problematischem Verhalten. Man kann dieses Verhalten sicher auch als gestört auffassen, wobei man sich aber immer auch fragen sollte, wer da mehr gestört ist: der Patient oder seine Umwelt.
Die Störung beschränkt sich ja nicht auf die einzelne Person; vielmehr ist die Umwelt, in der sich der “Gestörte” bewegt, mehr oder weniger gestört. Wo liegen die Ursachen? Viele Menschen neigen dazu, die Ursache im sog. Patienten zu verorten. Diese Sichtweise wird ja auch durch die moderne Neuro-Psychiatrie bestärkt, die zu jeder dieser angeblichen psychischen Krankheiten ein Brain-Scan mit allerlei Absonderlichkeiten vorweisen kann. Ob diese Absonderlichkeiten nun aber die Ursache oder die Folge der Störung (die den Betroffenen und seine Umwelt einschließt) sind, vermag niemand zu beurteilen.
Jedenfalls können die Brain-Scans diese Frage nicht klären. Aber, so rufen die wohlmeinenden Menschen, es gäbe ja auch noch die Zwillingsforschung. Zeigt diese nicht, dass psychische Störungen zu einem großen Teil angeboren sind?
Die Zwillingsforschung zeigt dies schon, antworte ich ermattet, korrigiere mich dann aber wieder, der Vernunft gehorchend: Die Zwillingsforschung könnte dies u. U. zeigen, wenn sie die notwendigen methodischen Voraussetzungen erfüllen würde. Damit sie aussagekräftig ist, muss sie eineiige Zwillinge miteinander vergleichen, die getrennt aufgewachsen sind, und zwar in deutlich unterschiedlichen Milieus. Alle anderen Zwillingsstudien können aus logischen Gründen nur Ergebnisse hervorbringen, die man nicht eindeutig interpretieren kann. Nun gibt es aber nur wenige Zwillingspaare, die diese Voraussetzungen erfüllen, und noch weniger Zwillingspaare können für genetische Studien dieser Art rekrutiert werden. Und so ist die Zwillingsforschung beim gegenwärtigen Stand der Forschung keineswegs in der Lage nachzuweisen, dass psychische Störungen überwiegend auf den Erbanlagen beruhen.
Was bleibt also von den sog. psychischen Krankheiten? Offenbar nur, dass es sich um Normabweichungen handelt. Es ist aber keineswegs logisch zwingend, Normabweichungen als medizinische Probleme zu definieren. Ein simples Beispiel: Früher betrachtete die Psychiatrie die Homosexualität als psychische Krankheit - heute würde sich kein Psychiater mehr trauen, diverse Bürgermeister deutscher Städte oder andere hochrangige Politiker als Kranke einzustufen, nur weil sie mit Partnern des gleichen Geschlechts Sex haben.
Da also keineswegs bewiesen ist, dass psychische Störungen Krankheiten im medizinischen Sinne sind und da derartige Diagnosen offensichtlich auf sozialen Bewertungen beruhen, ist aus meiner Sicht eine Psychodiagnose eine Verleumdung des so Diagnostizierten.
Die störenden Verhaltensmuster und Erlebnisweisen sind natürlich da, keine Frage. Ich betrachte sie - wertfrei - als Strategien der Lebensbewältigung, die problematisch, gar riskant sein können, aber nicht müssen. Als Problemlösungsstrategien gehören sie zu Lebensstilen, die eine Lebenspraxis prägen. Diese Lebenspraxis aber vollzieht sich nicht im luftleeren Raum, sondern sie entfaltet sich gemäß der Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Gesellschaftssystems.
Will man also die sog. psychischen Krankheiten verstehen, dann muss man die Lebensgeschichte des Betroffenen analysieren. Nur die Lebensgeschichte bezieht alle relevanten Faktoren ein - Brain-Scans können durchaus aufschlussreich sein, aber nur vor dem Hintergrund dieser Lebensgeschichte. Um die Lebensgeschichte eines Betroffenen analysieren zu können, muss man ihm zuhören, muss man den Storys lauschen, die er über sich und seine Welt zu erzählen weiß. Es mag ja sein, dass der Betroffene seine eigene Lebensgeschichte nur bruchstückhaft kennt und in der Erinnerung verzerrt. Aber wer würde sie denn besser kennen als er? Die Psychiater? Die diagnostischen Manuale? Die Lehrbücher? Sein Friseur?
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27.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Wer Frauen mit Partnerschaftsproblemen berät, stößt fast unvermeidlich auf einen Grund, der für Männer nur schwer nachvollziehbar ist. Es handelt sich um eine Erwartung an den Partner, derer sich, trotz ihrer Allgegenwart, viele Ehemänner und Lebensgefährten gar nicht bewusst sind.
Viele Frauen mit Partnerschaftsproblemen erwarten von ihren Männern, dass diese die Bedürfnisse ihrer Ehefrau oder Lebensgefährtin erahnen. Die Männer sollen auf diese Wünsche eingehen, ohne dass sie ihnen eigens mitgeteilt werden müssten. Diese Frauen sind fest davon überzeugt, dass ein Mann, der sie wirklich liebe, dazu nicht nur willens, sondern auch in der Lage sei. Im Umkehrschluss bedeutet dies natürlich, dass ein Mann, der ihr nicht jeden Wunsch von den Augen abliest, sie auch nicht wirklich liebt.
Nun sind Männer in aller Regel weder Hellseher, noch mit besonders ausgeprägten intuitiven Gaben ausgestattet, die es ihnen ermöglichten, allzu tief in die Psyche der Frau an ihrer Seite einzudringen. Sogar Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, bekannte einmal, dass er nach mehreren Jahrzehnten der Erforschung weiblicher Seelen immer noch nicht die Frage beantworten könne, was die Frau eigentlich wolle.
Wer Männer mit Partnerschaftsproblemen berät, kommt also nicht umhin, diese darauf hinzuweisen, dass ihre Frauen sich möglicherweise von ihren Ehemännern oder Lebensgefährten aus dem genannten Grund nicht geliebt fühlen. In aller Regel reiben sich die so Aufgeklärten dann die Augen, blicken irritiert und ungläubig um sich, manchen kommen auch die Tränen wie überforderten kleinen Kindern. Ist alles verloren?
Nachdem diese Männer ihre Fassung halbwegs wiedergewonnen haben, wollen sie natürlich wissen, aus welchen Tiefen der weiblichen Seele diese Erwartung kommt und welchen - hilf Himmel! - welchen gottverdammten Grund es dafür geben mag, von Männern aus Fleisch und Blut titanenhafte Fähigkeiten zu erwarten.
Das erste, was uns Männern dazu einfällt, sind die Liebesfilme aus Hollywood und all die romantischen TV-Serien, in denen Erwartungen wie diese kultiviert werden.In solchen Streifen und Streifchen sind selbstverständlich die Partner vom Schicksal füreinander bestimmt, die Männer umsorgen und beschützen ihre Frauen rührend selbst unter den allerwidrigsten Umständen und die Frauen danken es ihnen durch eine bei aller Emanzipation letztlich bedingungslose Bereitschaft zur Unterordnung.
Mancher Mann atmet dann beruhigt auf. Der Schuldige ist dingfest gemacht. Handfeste Aufklärung über die Verlogenheit und Realitätsferne dieser Filme wird helfen. Doch gemach, lieber Mann. Für wie dumm hältst du deine Frau eigentlich? Glaubst du wirklich, deine Frau könne nicht erkennen, dass diese Filme verlogen und wirklichkeitsfern sind?
“Ja, aber warum sind sie dann so wild auf diese Filme?”
Rätsel über Rätsel. Und warum raucht mancher Mann, trinkt zu zu viel, isst zu viel - obwohl er genau weiß, wie schädlich das ist? Sein Verstand ist einsichtig, doch das Unbewusste macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Das Ich ist nicht der Herr im eigenen Haus.
Den Frauen geht es nicht anders. Diese Hollywood-Filme, diese romantischen TV-Serien erfüllen tief sitzende, unbewusste Bedürfnisse vieler Frauen. In ihrem Buch “Weiblicher Narzissmus” beschreibt Bärbel Wardetzki es als das Kern-Syndrom des weiblichen Hungers nach Anerkennung (Kösel-Verlag). Der Grund: Viele Frauen besitzen kein stabiles Selbstwertgefühl. Sie brauchen also immer wieder hochdosierte Anerkennung und Bestätigung - wie der Junkie die Spritze.
Die Liebesfilme sind also nicht die Ursache des Problems, aber sie verstärken es und sie behindern eine Lösung.
“Ja, wir Frauen sind aber so emotional, das können Männer nicht verstehen!”
Das habe ich auch schon bemerkt, liebe Frau. Viele Frauen sind sehr emotional, wie kleine Kinder. Das liegt aber nicht an der weiblichen Biologie, sondern daran, dass sie im Patriarchat ein Leben lang wie kleine Kinder bleiben sollten: hilfsbedürftig, niedlich, anhänglich, unselbständig, gefühlsinnig bis -duselig… und natürlich ohne kritisch rationales Bewusstsein.
Doch damit sollte jetzt eigentlich Schluss sein.
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23.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Man glaubt es kaum, aber es ist so. Psychiater und Psychotherapeuten sind oftmals unfähig zu logischem Denken, zumindest partiell. Diesen Eindruck zumindest habe ich gewonnen durch zahlreiche Beratungsgespräche mit Klienten, die von Pontius zu Pilatus gelaufen und dann schließlich bei mir gelandet sind.
Diese Menschen hatten ungewöhnliche Erfahrungen gesammelt, genauer: durchlitten und waren nicht in der Lage oder willens, diese allein zu verkraften. Sie brauchten Unterstützung, um diese oft bedrohlichen, Angst und Stress auslösenden Erfahrungen zu meistern.
Und so gingen diese Menschen zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten - ach, was schreibe ich da? Sie brachten eine Odyssee hinter sich durch Praxen und Kliniken, um immer wieder dasselbe zu hören zu bekommen: Sie seien paranoid, sie würden sich das alles nur ausdenken, sie müssten diese oder jene Pille schlucken, dann würden sie von ihren Wahnideen erlöst. Irgend etwas mit ihrem Hirnstoffwechsel stimme nicht und das sei angeboren. Dumm gelaufen, eben.
Wenn nun der Gastwirt, der Friseur oder der Ehepartner in dieser Weise auf ungewöhnliche Erfahrungen reagieren würde, hätte ich dafür in Grenzen Verständnis. Manche dieser Erfahrungen klingen ja beim ersten Hinhören durchaus verrückt. Doch ein Psychiater, ein Psychotherapeut, ein Fachmann, eine Fachfrau?
Ein Experte sollte doch wissen, wie der Hase läuft. Nehmen wir einmal an, der Experte glaube ernsthaft daran, sein Klient oder Patient leide unter Wahnideen. Dann sollte ihm eigentlich klar sein, dass es völlig fruchtlos ist, diesen Menschen mit dieser “Wahrheit” zu konfrontieren, weil der “Paranoiker” dies nicht akzeptieren kann. Vielmehr wird er glauben, der Psycho-Experte sei selbst Teil der “Verschwörung”.
Glaubt der Psycho-Experte aber selbst nicht an seine eigene Diagnose, dann führt er sich erst recht ad absurdum, wenn er sie dennoch dem Patienten nahelegt. Denn eine Behandlung auf Basis einer wissentlich unglaubwürdigen Diagnose ist ja ein Widersinn.
Ich kann nur darüber spekulieren, warum schätzungsweise 98 Prozent der Psychiater und Psychotherapeuten bei Patienten, denen sie eine paranoide Psychose unterstellen, in der beschriebenen, höchstgradig unlogischen Weise reagieren.
Die erste, spontane Erklärung bestünde darin, dass es sich um eine Berufskrankheit handelt. Diese Leute sind einfach überfordert, stehen unter Stress - und wer gestresst ist, hat oft Probleme, logisch zu denken, weil die Emotionen durchbrechen.
Die zweite Erklärung wäre, dass diese Leute schon schwach in Logik waren, bevor sie ihren Beruf ergriffen. Vielleicht zieht dieses Gewerbe ja Menschen an, die von Haus aus nicht so versiert sind im folgerichtigen Denken.
Eine weitere, dritte Erklärung lautet: Man will, dass sich die Betroffenen defekt und minderwertig fühlen, oder dass sie angesichts dieser unerhörten Anschuldigung, paranoid zu sein, ausrasten, durchdrehen, sich “gemeingefährlich” aufführen. Derartige Reaktionen würden es den Psycho-Experten nämlich leichter machen, diesen Patienten Neuroleptika aufs Auge zu drücken, eventuell sogar zwangsweise.
Diese Neuroleptika, so liest und hört man immer wieder, sollen ja ein verdammt gutes Geschäft sein für die Pharmaindustrie.
Es geht natürlich auch anders. Die Lösung ist verblüffend einfach. Wie wäre es, wenn wir unsere Klienten mit ungewöhnlichen Erfahrungen einfach ernst nehmen und respektieren würden. So schlau jedenfalls bin ich wirklich nicht, dass ich eindeutig erkennen könnte, was Wahn, was Wirklichkeit sei. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Ich bin kein Philosoph, kein Detektiv. Ich begleite und berate Menschen, die Unterstützung brauchen, um seelische Probleme zu lösen, um ihre Persönlichkeit zu entfalten, um mehr Durchblick zu bekommen.
Die Erfahrungen meiner Klienten, wie ungewöhnlich sie auch immer sein mögen, deute ich nicht als Wahn oder Wirklichkeit, sondern als Ressourcen, als Hilfs- und Kraftquellen, die - gewusst natürlich wie - auf die Mühlen der eigenen Interessen geleitet werden können. So zu handeln, liegt selbstverstädnlich nicht nur im Interesse meiner Klienten, sondern auch in meinem eigenen. Mein eigenes Leben wird dadurch leichter. Ist das nicht schön? Was spricht dagegen?
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16.8.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Mitunter fragen mich Betroffene, interessierte Laien und seltener sogar Fachleute: Was hilft beim Rituellen Missbrauch. Ich bin es müde, mir auf derartige Fragen differenzierte Antworten auszudenken, denn die richtige Antwort ist zwar nicht populär, aber sie ist eindeutig: Rache.
Wer von Kindesbeinen an
Der muss den Rachedurst in sich kultivieren, der muss lernen, Freude zu schöpfen aus der Vorstellung, dass er dazu beitragen kann, den Tätern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er muss sein Leben einem Ziel weihen: rächende Gerechtigkeit - angemessene Strafe für Täter, die das unmenschlichste Verbrechen begangen haben, das sich ein Menschenhirn nur auszudenken vermag.
Dies ist im Kern die einzige Therapie, die diesen Namen verdient.
Welches Motiv, sagt mir, wäre denn auch stärker als die tief ins Unbewusste eingegrabene Furcht vor endloser Folter - wenn nicht die Rache, wo doch die alles verzeihende Liebe angesichts der Ungeheuerlichkeit des Verbrechens einer Verhöhnung der Humanität gleichkäme?
Woran erkennt man den Fortschritt der Therapie?
Wie oft höre ich die Klagen von Therapeuten, dass der Patient nach einigen Fortschritten immer wieder in das alte, programmierte, selbstschädigende Verhalten zurückfalle, dass man sich mit diesem Patienten im Kreis bewege und nie wisse, ob er sich nach vor oder zurück bewege.
Gut, wer sich im Kreis bewegt, der bewegt sich immer vom jeweiligen Ausgangspunkt weg und auf ihn zu. Er gibt zum Glück ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein tatsächlicher Fortschritt, ein entscheidender Durchbruch geschafft wurde. Dieses Zeichen ist die Entwicklung eines tödlichen Hasses auf die Täter. Solange das Opfer noch Teil des Tätersystems ist, wirkt ein Programm, das die Entwicklung dieses nur zu verständlichen, durch und durch menschlichen Hasses blockiert. Dies ist ein zentrales Programm im System der Bewusstseinskontrolle. Sobald diese Schwelle überschritten ist, sobald er endlich da ist, dieser langersehnte und erflehte tödliche Hass - wenn das endlich geschafft ist, dann zeigt sich Licht am Ende des Tunnels.
Nun besteht die Aufgabe des Therapeuten darin, das Opfer nicht im Feuer dieses tödlichen Hasses verglühen zu lassen. Der Hass braucht eine Richtung. Und diese Richtung ist das vom Rachedurst angetriebene Streben nach Gerechtigkeit, nach der angemessenen Strafe für die Täter, ihre Hintermänner, ihre Helfershelfer, für die willigen Vollstrecker. Allein die Beschäftigung mit Taktiken und Strategien zur Lösung dieser Aufgabe besitzt heilende Kraft. Und der kleinste Schritt in diese Richtung ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Überwindung der seelischen Verkrüppelung, die von Kindesbeinen an durch Folter, Hypnose, Drogen, sensorische Deprivation, brutale, demütigende Erziehung und Abrichtung zur Selbstzerstörung auf Befehl verursacht wurde. Eine vollständige Heilung so schwerer psycho-physischer Schäden ist allerdings unmöglich. Doch das Leben der Opfer wird erträglich, wenn sie sich klug und zielstrebig von Hass und Rachedurst leiten lassen: unverzagt, beharrlich, intelligent, umsichtig, bis ans Lebensende.
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28.4.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Ein Leser meiner Web Site “psychoscripte” schrieb mir: “Herr Gresch, Sie sind so furchtbar negativ. Sie verdammen Glauben und Religion, Psychotherapie und Psychotherapeuten. Sie verunglimpfen jede Form der Hilfe, gleich welche, und lassen nur die Selbsthilfe gelten. Wenn einer sich nicht selber helfen kann, dann soll er doch verrecken! Finden Sie, das ist human?”
Meine Antwort: Meine Position mag grausam klingen, sie ist es aber nicht. Sie mag unmenschlich klingen, aber sie ist das Gegenteil. Ebenso wenig, wie wir Hilfe von Höheren Mächten erwarten dürfen, können uns die Erben früherer Priesterherrschaft, die Psychotherapeuten oder Psychiater Aufgaben abnehmen, die nur und nur wir selbst meistern können.
Manchmal rufen mich Menschen an, schwankend zwischen Verzagtheit und Wut, weil ein geliebter Mensch, sei es der Ehepartner, sei es ein Kind, in die “Fänge einer Sekte” geraten ist.
Bestimmt, so lautet oft die Klage, sei der geliebte Mensch durch Hypnose, Gehirnwäsche gar abhängig gemacht, seines freien Willens beraubt worden. Ob ich nicht helfen könne.
Wäre ich geldgierig, dann würde ich den Ratsuchenden ein Wundermittel verkaufen, und, ob dies nun hilft oder nicht, sie wären zufrieden. Denn meist sind sie ja aus demselben Holz geschnitzt wie jene, um die sie sich sorgen. Sie wollen glauben, egal, an was.
Oft entscheide ich mich, die Aussicht auf die schnelle Mark in den Wind zu schreiben und den Ratsuchenden den Bittersaft der Wahrheit einzuschenken. Und also frage ich: “Sind Sie Christ, sind Sie christlich erzogen worden, sind Ihr Kind, Ihre Ehefrau christlich erzogen worden?”
Meist werden diese Fragen bejaht, nicht immer uneingeschränkt, aber im Prinzip.
Dann sage ich: “Dann wurde also bei Ihnen und bei Ihren Lieben schon früh jenes Immunsystem ruiniert, das uns vor den Sekten und allen anderen Verführern schützt. Dann wurde Ihre Kritikfähigkeit und die Ihrer Lieben schon von Kindesbeinen an untergraben. Und da wundern Sie sich?”
Wenn sie nicht sofort auflegen, behaupten die Anrufer meistens, das sei doch übertrieben.
Nein, das ist nicht übertrieben. Die Zerstörung unserer Kritikfähigkeit gegenüber Höheren Mächten und deren Stellvertretern auf Erden, sei es in der traditionellen Variante in Form von Priestern, sei es in der weltlichen Form der Psychotherapie, schwächt unsere Selbstheilungskräfte und unser Vertrauen in die Macht unseres unabhängigen menschlichen Geistes.
Wenn die Ratsuchenden dann wider Erwarten doch noch einen Rat von mir wollen, dann lautet dieser: Kämpfen Sie nicht gegen Windmühlenflügel. Rennen Sie nicht mit dem Kopf vor die Wand. Entwickeln und pflegen Sie lieber Ihren eigenen Unglauben. Dann steigen die Säfte und Kräfte in Ihnen auf, die sie drigend benötigen, um Ihr Problem zu lösen.
Geschrieben in Sekte, Hypnose, Mind Control, Religion, Psychotherapie | Drucken | 1 Kommentar »
8.2.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Ich habe einige Texte zu den Themen “extrem sadistischer Missbrauch” und “Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung” im Internet veröffentlicht, u. a. das eBook “Unsichtbare Ketten”. Daher werde ich häufig von Menschen angerufen oder via eMail kontaktiert, die behaupten, sie seien Opfer Satanisch Rituellen Missbrauchs geworden. Manchen berichten, dass sie durch Drogen, Folter und Hypnose in willenlose Marionetten der Täter verwandelt worden seien. Dies sei ihnen nach härtesten Kämpfen bewusst geworden und sie versuchten nun, sich zu befreien. Sie sind meist verwirrt, verzweifelt, voller Zweifel, haben eine Odyssee von Psychiater zu Psychotherapeut zu Psychiater hinter sich und bitten mich um Rat. Sie fragen mich, an welche Psychotherapeuten oder Psychiater in ihrer Nähe sie sich wenden, wem sie vertrauen könnten.
Diese Menschen brauchen dringend Hilfe, manche sind suizidal, manche fürchten um ihr Leben, viele stehen vor einem Scherbenhaufen, haben Arbeit und Ehepartner verloren. Sie haben in meinem Schriften vielleicht zum erstenmal Verständnis für ihre Situation gefunden und nun vertrauen sie darauf, dass ich ihnen helfen könnte, einen Weg aus ihrer schauerlichen Situation zu finden.
Und ich stehe da und kann nicht anders als ihnen zu sagen, dass es im Grunde schon ein Fehler war, mich anzurufen - denn woher konnten sie wissen, dass ich vertrauenswürdig bin? Wenn die Anrufer ihre Erfahrungen richtig deuten und wenn sie tatsächlich Opfer der in meinen Schriften beschriebenen Verbrechen wurden, dann stehen sie Tätern gegenüber, die über eine unvergleichliche Macht verfügen - man könnte diese Macht allemfalls mit der eines international operierenden Geheimdienstes vergleichen, der die Interessen des mächtigsten Staates der Welt wahrnimmt.
Unter diesen Bedingungen kann man niemandem vertrauen. Auch keiner Psychotherapeutin, keinem Psychotherapeuten. Auch keiner Expertin für Satanisch Rituellen Missbrauch, auch keinem Experten für Satanisch Rituallen Missbrauch. Sie alle könnten gekaufte oder erpresste Gewährsleute der Täter sein.
Seit numehr 15 Jahren setzte ich mich bewusst und systematisch mit diesem Thema auseinander - und mitunter habe ich das Gefühl, als begleite es mich schon ein Leben lang. Ich gerate nicht mehr so schnell in Panik, wenn ich Berichte über Rituellen Missbrauch, über Gehirnwäsche, über satanistische Ritualmorde, Mind Control und programmierte geistige Sklaven höre. Und so kann ich den meisten, die mich um Rat bitten, reinen Herzens und festen Glaubens empfehlen, die Ruhe zu bewahren und auf die Rationalität der Täter zu vertrauen. Diese werden Menschen nur in äußersten Not- und damit Ausnahmefällen töten. Sie wissen, dass sie über eine zwar nicht grenzenlose, aber doch sehr weitreichende Macht zur Vertuschung verfügen.
Und so rate ich dazu, die Ruhe zu bewahren - es sei denn, die Täter müssten fürchten, dass Opfer könne sie dank zwingender Beweise überführen oder in einer laufenden Operation auffliegen lassen. Wenn dies nicht der Fall ist, gibt es keinen Grund, die Nerven zu verlieren. Und so gibt es auch keinen Grund, sich unter den Röcken von Psychotherapeutinnen zu verstecken, von denen der oder die Betroffene nicht weiß, ob er ihnen vertrauen kann.
Arbeiten diese Psychotherapeutinnen nämlich mit den Tätern zusammen, dann besteht ihre Aufgabe in der Schadensbegrenzung. Sie sollen verhindern, dass die Betroffenen die Schleier der Tarnung und Täuschung durchdringen und sich an Details erinnern, mit denen die Täter entlarvt werden könnten. Sie sollen verhindern, dass die Opfer im Geiste hinter die schwarzen Roben und die Satansmasken schauen und erkennen, von wem und warum ihnen all dies angetan wurde.
Die Matrjoschkas, die ineinander schachtelbaren russischen Puppen, auch Babuschkas genannt, kommen mir unweigerlich in den Sinn, wenn ich an die Täter des sog. Satanisch Rituellen Missbrauchs denke. Mag sein, dass sich unter der Satansrobe der Kittel eines Psychiaters und unter diesem eine militärische Uniform verbirgt. Wer könnte denn mentale Sklaven, also willenlos jedes Kommando befolgende Marionetten besser gebrauchen als Streitkräfte?
Wem können wir vertrauen? An wen können wir uns vertrauensvoll wenden. Wer glaubt uns, wer hilft uns? Dies fragen mich die Opfer und ich darf sie nicht belügen und muss ihnen sagen, dass sie niemandem vertrauen dürfen. Das Telefonat, das sie mit mir führen, die eMail, die sie mir schreiben, könnten abgehört oder mitgelesen werden. Der Therapeut, die Therapeutin, die sie aufsuchen, können mit den Täter zusammenarbeiten. Die Bücher der Experten können bewusste Irreführungen enthalten.
Ist das nicht der Stoff für paranoide Albträume? Wer tatsächlich Opfer ist, hat keinen Grund, sich verfolgt zu wähnen, er wird ja mit absoluter Sicherheit verfolgt. Das Opfer hat auch keinen Grund, nach Leuten zu suchen, denen es vertrauen kann. Denn das Schicksal hat es unwiederruflich in eine Situation gestellt, in der es ohne Vertrauen auskommen muss. Es darf noch nicht einmal sich selbst vertrauen.
Unter den bestehenden Bedingungen, und dies kommt erschwerend hinzu, werden die Opfer, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten, von den meisten Zeitgenossen für verrückt gehalten. Für die Täter ist das eine höchst komfortable Situation. Für die Opfer bedeutet dies nicht nur, dass sie niemandem vertrauen können, sie können sich auch niemandem anvertrauen.
Es gibt wenig Tröstliches zu sagen zu dieser Situation. Nur eins: Ratsuchender, wenn du es wirklich aushältst, dich dieser Situation existenziell zu stellen, ohne auszuweichen, ohne Verdrängung, ohne Flucht, dann stehst du nur noch vor einer Alternative: Freiheit oder Tod.
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2.2.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Sie forschen numehr schon seit rund fünfzig Jahren - mit zunehmender wissenschaftlicher Raffinesse und immer dem gleichen Ergebnis. Durchforstet man die empirischen Studien zur Effektivität der Psychotherapie, so zeigt sich - nicht in jeder Studie, so doch in der Gesamtschau - dass keine der untersuchten Methoden sich als eindeutig überlegen erwiesen hat. Die große Ernüchterung hat einen Namen bekommen: Dodo-Bird-Effekt, benannt nach einer Episode aus “Alice in Wonderland”: “Alle haben gewonnen, alle müssen Preise bekommen.”
In der Tat: Psychotherapie ist effektiv. Den Klienten geht es hinterher ein bisschen besser als vorher. Nicht wenige Klienten werden angesichts dieser Wohltaten sogar zu leidenschaftlichen Therapie-Gläubigen und können nicht genug bekommen davon. Und sie schwören auf jene Therapie, die ihnen angeblich geholfen hat. Unisono mit ihren Therapeuten behaupten sie, diese und nur diese Therapie habe sie gerettet, alle anderen Therapien seien viel schlechter.
Die Forschung allerdings zeigt, dass die Methode keinen Einfluss hat auf den Therapie-Erfolg. Zum Glück lassen sich weder die Klienten, noch die Therapeuten von diesen nackten Zahlen allzu sehr beeindrucken. Denn ließen sie sich beirren, würde dies die Erfolgsquoten senken. Das klingt verwirrend, ist aber leicht zu erklären. Die Forschung beweist zwar, dass die Methoden unerheblich sind - sie belegt aber auch, dass der Glaube von Klienten und Therapeuten an die Methode ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist.
Es liegt also nahe zu vermuten, dass in Psychotherapien neben der offiziellen Methode - z. B. Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, was auch immer - eine weitere, verborgene Methode angewendet wird. Diese ist den Klienten nicht bewusst - und es ist wahrscheinlich, dass sie häufig auch von den Therapeuten nicht erkannt wird. Diese verborgene Methode hat das Ziel, den Glauben der Klienten und der Therapeuten an die offizielle Methode zu verstärken.
Gibt es Beweise für die Existenz und die Wirksamkeit der verborgenen Methode? Die Psychotherapieforschung hat sich zunächst auf die offiziellen Methoden konzentriert - unter der Vorannahme, das diese einen nennenswerten Einfluss auf das Ergebnis haben müssten. Als sich dies als falsch herausstellte, wandte man sich den sog. unspezifischen Wirkfaktoren zu, also solchen, die allen Methoden gemeinsam sind. Der Glaube von Therapeuten und Klienten an die Methode wurde als einer dieser Faktoren erkannt. Ob es eine offene oder verborgene Methode gibt, diesen Glauben zu verstärken, stand bisher nicht zur Debatte.
Aus meiner Sicht kann es sich nicht um eine offene Methode handeln, denn diese würde vermutlich das Gegenteil von dem erreichen, was angestrebt wird. Deren Botschaft würde nämlich lauten: “Es kommt gar nicht auf die offizielle Methode an, sondern nur darauf, dass ihr an sie glaubt. Es ist im Grunde Wurst, welche Methode wir anwenden, solange ihr euch nur von eurem Glauben daran motivieren und beflügeln lasst.”
Die glaubensverstärkende Methode hätte eindeutig dann die höchste Wirksamkeit, wenn sie dem Bewusstsein von Klienten und Patienten entzogen wäre. Und so kann ich nur hoffen, dass sich kein Psychotherapie-Klient und auch kein Psychotherapeut durch diese Zeilen zum erfolgreichen Nachdenken anregen lässt. Reflexion in Sachen “Psychotherapie” wäre nämlich eindeutig kontraproduktiv. Es ist ein Sakrileg, das Placebo zu entschleiern.
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2.12.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) setzt sich in ihrem neuen GEK-Report mit dem Schwerpunkt “Psychotherapie” auseinander.
“Zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2006 nahm die Zahl der ambulant Behandelten in der Psychotherapie um 61 Prozent zu. Dabei, …, zeigen die Daten der GEK für die ambulante Kurzzeitpsychotherapie keine deutlich nachweisbaren positiven Wirkungen”, heißt das nüchterne Fazit der empirischen Untersuchung, die von einem wissenschaftlichen Institut im Auftrag der GEK verwirklicht wurde.
Der Erlanger Diplom-Psychologe und Psychologische Psychotherapeut Dr. Rudolf Sponsel unterzieht diese Studie in seiner Web Site einer harschen Kritik. Gleichzeitig regte er in der Usenet-Newsgroup de.sci.psychologie (Message-ID firamn$cp0$1@news1.nefonline.de) eine Diskussion darüber an. Ich beteiligte mich mit folgendem Beitrag (Message-ID pan.2007.12.01.13.57.05.714781@ppsk.de) an dieser Auseinandersetzung:
Hallo Rudolf,
du schreibst: “Der Ansatz ‘positive Wirkungen’ über die Anzahl von
Arztkontakten zu messen ist vollkommen falsch…” Dem stimme ich
weitgehend zu, allenfalls störe ich mich an dem Begriff der “vollkommenen
Falschheit”.
Dennoch ist die Frage, wie effektiv Psychotherapien eigentlich sind,
natürlich legitim und, nicht nur angesichts der Kosten, auch notwendig.
Aus der bisherigen Psychotherapieforschung ergeben sich vier grundlegende
Einsichten, die durch eine Vielzahl von Studien erhärtet wurden:
1. Psychotherapie-Patienten geht es im Schnitt besser als
Vergleichsgruppen, die nicht behandelt wurden. Dieser Effekt ist
statistisch signifikant (Wampold, B. E. (2001). The Great Psychotherapy
Debate. Models, Methods, and Findings. Mahwah, N. J. & London, Lawrence
Erlbaum Ass, Pub.)
2. Die klinische Signifikanz dieser Verbesserungen ist jedoch nur
moderat. ‘Klinische Signifikanz’ ist ein Maß dafür, wie sehr sich die
behandelten Klienten von der jeweils relevanten Normal-Population (den
sog. Gesunden) unterscheiden (siehe z. B. Jacobson, N. (1995). The
overselling of therapy. Family Therapy Networker, 19, 41-41.).
3. Hinsichtlich des Therapieerfolgs spielen die eingesetzten Methoden (die
Therapieschulen) nur eine höchst untergeordnete Rolle, die aus
praktischer Sicht vernachlässigt werden kann (Wampold, a.a.O.).
4. Desgleichen haben die Therapieausbildungen der Therapeuten keinen
Einfluss auf den Therapieerfolg. Laientherapeuten sind nicht weniger
efffektiv, mitunter haben sie sogar den größeren Erfolg (Christensen, A.
& Jacobson, N. (1994). Who (or what) can do psychotherapy: The status and
challange of nonprofessional therapies. Psychological Science, 5, 8-14).
Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die Erfolge der
Psychotherapie nur mittelmäßig, also alles andere als berauschend sind.
Angesichts dessen, was wir über psychische Störungen und über die
Psychologie der Veränderung (sie braucht Zeit) wissen, ist dies nicht
anders zu erwarten und wird sich auch durch eine “Verbesserung” der
Methoden nicht ändern, denn diese haben ja kaum Einfluss.
Deswegen das Kind mit dem Bade auszuschütten und ganz auf Psychotherapie
zu verzichten, wäre mit Sicherheit die falsche Lösung, denn ein
moderater Erfolg ist immerhin besser als gar keiner und kann im Extremfall
über Leben oder Tod entscheiden.
Unter dem gegebenen Bedingungen aber stellt sich selbstverständlich die
Frage der Kosteneffizienz. Könnte man den erreichbaren moderaten Erfolg
auch mit geringeren Kosten erreichen?
Punkt 4 meiner Aufzählung weist in die Richtung, in der eine sinnvolle
Antwort gefunden werden könnte. Sie lautet: Förderung der Selbsthilfe
und Senkung der völlig überzogenenen, aberwitzigen
Qualifikationsanforderungen für Psychotherapeuten.
Es ist nicht weiter erstaunlich, nachvollziehbar und verzeihlich, wenn
sich Psychotherapeuten mit Kassenzulassung an den Status Quo klammern.
Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Wissenschaftliche Untersuchungen,
die auf unterschiedlich hohem Niveau die Unhaltbarkeit des gegenwärtigen
Zustandes enthüllen, werden das Kartenhaus der gegenwärtigen
Psychotherapie früher oder später zum Einsturz bringen.
Die Frage ist, was übrig bleibt. Wenn Psychotherapeuten aus
wirtschaftlichen Interessen weiter mauern und vor der Realität die Augen
verschließen, dann prophezeie ich einen Kahlschlag. Öffentlichkeit,
Politik und Kosten- bzw. Leistungsträger werden sich irregeführt fühlen
und eine radikale “Lösung” des leidigen Problems fordern bzw.
durchsetzen: Kahlschlag.
Eine andere Lösung bestünde darin, dass sich alle Verantwortlichen schon
jetzt zu Maßnahmen zur Steigerung der Kosteneffizienz durchringen.
Es sollte sich also die alte Einsicht durchsetzen, dass es das Klügste sei,
sich an die Spitze einer Bewegung zu stellen, wenn man sie nicht aufhalten kann.
Mit dem Erstarken der Neuro-Wissenschaften ist der Psychotherapie ohnehin
eine neue Konkurrenz erwachsen, der man mit wohlgesetzten Argumenten
allein nicht begegnen kann. Auch wenn die Psychoanalyse, die alte Einsicht
beherzigend, sich als Neuro-Psychoanalyse an die Spitze der Bewegung zu
stellen versucht, sollte man dennoch nicht die Augen davor verschließen,
dass die “Logik” der Neuro-Wissenschaften den psychopharmakologischen
Ansatz begünstigt (und das hat die Pillenwirtschaft
forschungsförderungsmäßig wohl auch schon richtig erkannt).
Der Konkurrenzkampf zwischen Pille und Therapie (der im Bereich der
Psychosen und weitgehend auch der Depressionen schon verloren wurde) wird
eben nicht nur auf dem Schlachtfeld des Marketings ausgefochten, sondern
vielmehr auch auf dem der Kosteneffizienz.
Junge Menschen, die am Psychotherapeuten-Beruf interessiert sind, müssen
sich heute fragen, ob sie die Kosten der aufwändigen Ausbildung sowie der
beständigen Weiterbildungen jemals erwirtschaften können - zumal ja auch
damit zu rechnen ist, dass die Vergütung weiter sinkt (ebenso wie der
Glaube an die Effizienz der Psychotherapie bei Kostenträgern). Auch mit
diesem Hebel kann man das Angebot reduzieren und Kahlschlag-Politik
betreiben.
Mein Vorschlag:
Eine kostenneutrale Verbesserung der Situation aus Sicht der Kostenträger
und der Patienten könnte darin bestehen, die Personalkosten des
Psychotherapiesektors zu senken, um bei unveränderten Gesamtausgaben eine
größere Zahl von Psychotherapien zu finanzieren.
Ein halbjähriger Lehrgang für unbescholtene, umgängliche Menschen mit
mindestens Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung
könnte passable Psychotherapeuten hervorbringen, die hochdotierten
ärztlichen und nicht ganz so gut, aber doch immer noch recht ordentlich
bezahlten psychologischen Psychotherapeuten in nichts nachstehen würden.
Das Arbeitsamt könnte diese Lehrgänge, beispielsweise als
Umschulungsmaßnahme, bezahlen. Diese neue Klasse von Psychotherapeuten
hätte also weitaus weniger Vorleistungen zu erbringen und könnte und
würde daher auch wesentlich kostengünstiger arbeiten.
Im Grunde könnte man auf den Lehrgang sogar verzichten, weil
Psychotherapieausbildungen, wie wir aus der empirischen Forschung wissen,
ja hinsichtlich des Therapie-Erfolgs nichts bringen. Dennoch plädiere ich für diesen Kurs, der hohe Ansprüche stellen sollte, um die Spreu vom
Weizen zu trennen und die wirklich Motivierten auszuwählen.
Wie würden die Klienten darauf reagieren? Am Anfang gäbe es vielleicht
einige Verwirrung. Manche würden glauben, sie sollten nun mit einem
Billigangebot abgespeist werden. Andere, ja sogar eine wachsende Gruppe
von Hilfsbedürftigen geht schon heute zu Leistungsanbietern, die den von
mir beschriebenen Voraussetzungen entsprechen, die also als Heilpraktiker
oder als sonstige Psycho-Werkler ihren Lebensunterhalt bestreiten. Deren
Berufstätigkeit wurde damit auf eine solide Basis gestellt, so dass sie
in geringerem Maß als bisher sich gezwungen fühlen würden, mit
unseriösen Mitteln auf Kundenfang zu gehen. Entsprechende gesetzliche
Regelungen würden ihr Übriges tun.
Desweiteren wäre natürlich die Selbsthilfe zu fördern. Damit meine ich
nicht nur Selbsthilfegruppen, sondern jede Form der Selbsthilfe,
beispielsweise die Lektüre eines Psycho-Ratgebers. Wer statt eines
Besuchs beim Arzt oder Psychotherapeuten wegen eines psychischen Problems
eine Selbsthilfemaßnahme ergreift und den Erfolg durch einen Test
nachweist, bekommt einen Bonus. Der volkspädagogische Effekt einer
solchen Lösung kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden.
Eine Utopie? Natürlich. Angesichts der gegebenen Situation schon fast
eine Satire. Das Tragische besteht darin, dass die Fakten, aus denen sich
diese Satire herleitet, unumstößlich wahr sind. Sie wurden durch
Jahrzehnte intensiver Psychotherapieforschung erhärtet.
Gruß
Ulrich
Geschrieben in Wirtschaft, Psychotherapie, Politik | Drucken | 3 Kommentare »
28.10.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Es kommt drauf an. Wenn mich einer fragt, warum sein Kind in der Schule nicht lernen oder sein Frau im Bett was weiß ich nicht machen wolle, ich müsse das doch wissen, ich sei schließlich Psychologe… wenn ich also Derartiges gefragt werde, dann kommt es ganz darauf an, was ich für Laune habe. Ist die schlecht, dann antworte ich: “Ach weißt du, jetzt bin ich schon verdammt alt geworden und ich sag dir, so aus Erfahrung, mein Lieber, die Psychologie, die kannst du in der Pfeife rauchen. Das ist doch nur eine Sammlung von bestenfalls Lebensweisheiten, meist auch nur Banalitäten, denen hochtrabende Begriffe angepappt wurden wie ein Etikett im Supermarkt.”
“Klar”, lautet dann meist die Antwort. “Hab ich mir auch schon oft gedacht und mich’s nur nicht zu sagen getraut. Also, ich will dir ja nicht zu nahe rücken…” - Mein Gesprächspartner kommt dann meist ganz dicht auf mich zu. - “Also, ich will dir ja wirklich nicht zu nahe rücken, aber, sag mal ehrlich, die meisten Psychologen haben doch selbst eine Klatsche. Ist es nicht so?”
“Zweifellos. Aber nicht nur die Psychologen. Auch die Psychiater. Die Psychotherapeuten, alle, kannst du alle in einen Sack stecken!”
“Ja, wie kommt denn das bloß?”
Wenn es die Zeit erlaubt, lade ich meinen Gesprächspartner an diesem Punkt des Geschehens gern auf ein Bier ein und bestelle selbst ein Mineralwasser. Das ist natürlich verdächtig, aber ich lasse ihm keine Chance, um dieses sprudelnde Getränk herumzuschleichen wie um den heißen Brei und fahre fort: “Schau mal, wenn du zum Hausarzt gehst und an der Haustür steht, die Praxis sei wegen einer Erkrankung des Arztes geschlossen, dann wechselt du doch auch auf der Stelle den Hausarzt wegen Unfähigkeit!”
“Quatsch, wieso das denn? Auch Ärzte können doch einmal krank werden.”
“Sicher, und jetzt erklär ich dir, warum die Psycho-Fuzzis alle einen an der Klatsche haben!”
“Ich bin ganz Ohr!”
“Pass auf! Von Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten erwartet man, dass sie immer psychisch voll gesund sind, dass sie private und berufliche Probleme stets besser lösen als Normalsterbliche, dass ihre Kinder Musterkinder und ihre Ehepartner stets glücklich und folgsam sind.”
“Hmm ja, so betrachtet, also dein Beispiel mit dem Arzt und immer gesund…”
“Nun lass mich mal weitermachen! Also, muss man denn nicht wirklich einen an der Klatsche haben, wenn man sich freiwillig so einem Erwartungsdruck aussetzt? Wer zwingt dich denn dazu. Man könnte doch auch Rechtsanwalt werden oder Feuerwehrmann.”
Meist schweigt mein Gegenüber dann irritiert, ich lasse ihm keine Chance, weitere blöde Fragen zu stellen und galloppiere voran: “Nun fragst du dich bestimmt… also ich kann mir gut vorstellen, wie du dich jetzt tief im Innern fragst: ‘Also, du bist doch Psychologe, du musst das doch wissen, wieso haben die denn alle einen an der Klatsche, die Psychologen?’ Und ich antworte dann: ‘Hast du schon einmal was vom Helfersyndrom gehört?’”
“Na”, sagt mein Gegenüber dann meist, “das sagt doch schon der Name, was das ist. Da will einer immer nur helfen und helfen, übernimmt sich dabei und hinterher ist er vor lauter Helfen fix und foxy.”
“Falsch”, antworte ich mit wissendem Blick. “Ganz falsch. Helfer mit Helfersyndrom wollen in erster Linie gar nicht helfen, sondern sie wollen die Position des Überlegenen einnehmen und bewundert, gar vergöttert werden. Das Helfen benutzen sie nur als Instrument, um sich in diese konfortable Lage zu bringen.”
“Du meinst, die wären…”
“Richtig”, falle ich ihm ins Wort, damit er jetzt gar nichts Falsches sagt. “Genau, die sind Narzissten. Sie leiden an einer bösartigen, an einer höchst destruktiven Form des Narzissmus, die verharmlosend das Helfersyndrom genannt wird.”
“Igitt”, sagt mein Gegenüber, “gut das wir damit nichts zu tun haben”.
“Genau!” sagte ich, ganz entspannt im Hier und Jetzt.
Mein Gesprächspartner schweigt eine Weile. Dann sagt er: “Ey, sag mal, warum trinkst du denn heute nur Mineralwasser?”
“Das möchtest du wohl wissen, ey. Wir können ja darüber reden, ein Stück weit…”
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14.1.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Ein Süchtiger ist ein Mensch, der zu viel säuft, raucht, Heroin spritzt oder anderen Lust erzeugenden Verhaltensweisen im Übermaß frönt. Früher nannte man diese Menschen charakterlos oder sah sie gar mit dem (Sauf-)Teufel im Bunde. Heute jedoch ist sich die Fachwelt einig, dass Süchtige krank seien. Deshalb nennt man sie nunmehr Abhängigkeitskranke.
Weniger einig ist man sich allerdings hinsichtlich der Ursachen. Die einen meinen, der Süchtige leide an einem Sozialisationsdefizit. Daher sei sein Gewissen nicht stark genug entwickelt. Andere behaupten, die Sucht sei die Folge frühkindlicher Traumatisierung. Wieder andere führen die Abhängigkeit auf einen Defekt im Gehirn zurück.
Keine dieser Theorien ist empirisch bewiesen, was jedoch ihre Anhänger nicht davon abhält, inbrünstig an sie zu glauben. Die Wahrheit dieser Theorien ist allerdings auch ohne Belang. Denn erstens haben die angeblich aus diesen Theorien abgeleiteten Behandlungsmethoden keinerlei Einfluss auf den ohnehin eher mäßigen Erfolg. Und zweitens werden die Süchtigen, unabhängig von den Theorien, immer noch so behandelt, als seien sie charakterlos und/oder vom Saufteufel besessen.
Im Grunde verfolgen alle Suchttherapien ein Ziel: Bekehrung. Methodisch orientiert man sich dabei an jenen Spezialisten, die mit Bekehrung die meiste Erfahrung haben, nämlich die Pfaffen. Das geht so: Zunächst macht man den zu Bekehrenden ein fürchterlich schlechtes Gewissen wegen ihres bisherigen verwerflichen Lebenswandels. Meist bedient man sich dabei eines bewährten Mittels, das schon in den frühchristlichen Gemeinden seine Wirkung nicht verfehlte: Gruppendruck. So erzeugt man extremen Stress. Extremer Stress macht bekanntlich suggestibel. In diesem Zustand wird der zu Bekehrende mit der Frohen Botschaft überflutet.
Die moderne Suchttherapie verzichtet bei diesem Bekehrungsprozess auf das religiöse Beiwerk und bietet “Gehirnwäsche pur”. Zur Rechtfertigung der mitunter doch recht brutalen Behandlung müssen pseudo-psychologische Theorien herhalten. Zeitweilig waren auch humanistische Ansätze beliebt, die zwecks Verklärung Räucherstäbchen abfackelten, geheimnisvollen Mantras murmelten und allerlei anderen fernöstlichen Firlefanz zelebrierten.
Nunmehr zeichnet sich jedoch ein neuer Trend ab: Suchteinrichtungen christlicher Träger unterbreiten den Süchtigen spirituelle Angebote. Diese heißen “spirituell”, damit nicht jeder gleich merkt, dass es sich um den alten Wein in neuen Schläuchen handelt. Diese Behandlungen werden selbstverständlich als medizinische Rehabilitation Suchtkranker bezeichnet und von den Rentenversicherungsträgern bzw. den Krankenkassen oder Sozialhilfeträgern bezahlt. Man muss halt nur den Arztkittel über die Soutane ziehen…
Man mag dies für verwerflich halten und die Leistungsträger tadeln, weil sie christliche Mission als medizinische Leistung finanzieren. Doch dies wäre aus meiner Sicht zu streng geurteilt: Die sog. Suchttherapie war schon immer Bekehrung nach christlichem Vorbild, trotz psychotherapeutischer Fassade. Es ändert sich also nicht allzu viel, wenn die Süchtigen nun zusätzlich noch ein bisschen mit Weihwasser besprüht werden.
Doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Eine große Zahl von Drogenabhängigen sind ja nicht freiwillig in diesen Einrichtungen. Ein Richter hat sie vor die Alternative gestellt: Therapie oder Strafe. Und nun kommen diese Leute in die Suchteinrichtung, werden, wie üblich, zusammen geschissen wegen ihres verwerflichen Lebenswandels und wenn sie dann ganz am Boden und zerknirscht sind, hörten sie ein zartes Stimmchen. Es ruft: Hosiannah! So etwas hat dann schon das Odium der zwangsweisen Bekehrung von Heiden.
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