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7.5.2010 von Hans Ulrich Gresch.
1. Man kann den Begriff „Psychische Krankheit“ auf zwei grundsätzliche Weisen auf ein Verhaltensmuster beziehen, und zwar so:
a) Ein Mensch ist „psychisch krank“, wenn er die Verhaltensweisen a, b, c… zeigt.
b) Ein Mensch ist „psychisch krank“, weil er die Verhaltensweisen a, b, c… zeigt.
Im Fall a) handelt es sich bei dem Begriff „psychisch krank“ um ein Kürzel für die Verhaltensweisen a, b, c… In diesem Fall ist „psychisch krank“ eine beliebige, austauschbare Zeichenkette. Man könnte genauso gut „marsmenschlich“ statt „psychisch krank“ schreiben, was auch immer. Im Fall b) jedoch handelt es sich um ein Hypothese, um eine Tatsachenbehauptung, die natürlich bewiesen werden muss.
Ein Beweis setzt voraus, dass man einen von a, b, c… unabhängigen Faktor F findet und dass man zeigt, dass dieser unabhängige Faktor F diese Verhaltensweisen verursacht.
Folgendes Beispiel soll die Logik verdeutlichen:
Peter stürzt. Die Hypothese lautet: Peter stürzte, weil er von Paul gestoßen wurde. Um diese Hypothese zu beweisen, müssen wir zunächst einen Paul identifizieren. Dieser Paul kann nicht Peter selbst sein, sonst wäre Peter ja nicht gestoßen worden, sondern aufgrund anderer Ursachen gefallen. Wenn es uns nun gelingt, diesen Paul zu identifizieren, dann können und müssen wir nachweisen, dass er der Stoßende war.
Genauso verhält es sich auch mit den psychischen Krankheiten: Wenn wir nachweisen wollen, dass die Verhaltensweisen a, b, c… durch eine psychische Krankheit verursacht wurden, dass sie „Symptome“ einer psychischen Krankheit sind, dann müssen wir einen Faktor F finden, der logisch unabhängig von diesen Verhaltensweisen ist.
Der Begriff „psychische Krankheit“ legt nun nahe, diesen Faktor F in der „Psyche“ zu suchen. Doch was ist die Psyche. Wir haben hier offensichtlich dasselbe Problem wie mit der „Psychischen Krankheit“. Entweder Entweder wir verwenden den Begriff der Psyche als Kürzel oder als Hypothese. Verwenden wir ihn als Kürzel, dann ist er nichts weiter als eine beliebige Zeichenkette. Ansonsten brauchen wir wieder einen unabhängigen Faktor F.
2. Der Zeitgeist entsprechend wird heutzutage im Allgemeinen angenommen, der Faktor F sei sowohl im Falle der Psyche, als auch im Falle der „psychischen Krankheiten“ das Nervensystem.
Hinsichtlich der „psychischen Krankheiten“ sieht die Situation wie folgt aus:
a. Es wird versucht, die neuronalen Grundlagen der als „psychisch krank“ bezeichneten Verhaltensweisen durch Korrelationsstudien zu belegen. Korreliert werden psychiatrische Diagnosen mit neurologischen Parametern.
Es ist aber logisch unmöglich, aus Korrelationen Kausalität abzuleiten. Eine Korrelation lässt immer drei Möglichkeiten offen: A verursachte B; B verursachte A; ein dritter Faktor C verursachte A und B. Daher sind diese Studien zum Beweis der Hypothese, dass die Verhaltensweisen a, b, c … durch eine „psychische Krankheit“ verursacht seien, nicht geeignet.
b. Die Befunde der einschlägigen empirischen Studien sind ohnehin uneinheitlich, widersprüchlich.
c. Im Jahr 2004 veröffentlichten elf führende Neuro-Wissenschaftler (Monyer, Rösler, Roth, Scheich, Singer, Eiger, Friederici, Koch, Luhmann, van der Malsberg, Menzel) ein Manifest in der Zeitschrift Gehirn & Geist (Heft 6): „Nach welchen Regeln das Gehirn arbeitet; wie es die Welt so abbildet, dass unmittelbare Wahrnehmung und frühere Erfahrung miteinander verschmelzen; wie das innere Tun als „seine“ Tätigkeit erlebt wird und wie es zukünftige Aktionen plant, all dies verstehen wir nach wie vor nicht einmal in Ansätzen. Mehr noch: Es ist überhaupt nicht klar, wie man dies mit den heutigen Mitteln erforschen könnte. In dieser Hinsicht befinden wir uns gewissermaßen noch auf dem Stand von Jägern und Sammlern.“
3. Aus all dem folgt, dass die Psychiatrie den Beweis für die Behauptung, es gäbe „psychische Krankheiten“ bisher noch nicht erbracht hat. Leider geht unsere Gesetzgebung in den Gesetzen für „psychisch Kranke“ davon aus, dass diese angeblichen Krankheiten erwiesenermaßen existierten. Hier widerspricht die Gesetzgebung dem elementaren Rechtsprinzip, dass vom Tatsächlichen auszugehen ist und nicht von bloßen Hypothesen.
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9.2.2009 von Hans Ulrich Gresch.
Als sich die Psychologen im vorigen Jahrhundert aus ihren Lehnstühlen erhoben, sich den Staub philosophischer Wälzer aus dem Gesicht wischten und begannen, in psychologischen Laboren mit Menschen zu experimentieren, da wurde dies als großer Fortschritt der Wissenschaft gefeiert. Mit naturwissenschaftlichen Methoden wollte man den Durchbruch in der psychologischen Forschung erzwingen. Harte Fakten sollten an die Stelle unverbindlicher Spekulation treten. Charakteristisch für diese Geisteshaltung ist ein Satz, mit dem der Psychologe Hermann Ebbinghaus auf dem internationalen Kongress für Psychologie im Jahre 1900 in Paris viel Beifall erntete, dass nämlich die Psychologie eine lange Vergangenheit, aber eine kurze Geschichte habe. Damit wurden alle geisteswissenschaftlichen Bemühungen zur Erkundung der menschlichen Seele in die Vorgeschichte verwiesen. Die Geschichte der Psychologie begann erst mit dem Experiment.
Inzwischen gilt das psychologische Experiment als der Goldstandard psychologischer Erkenntnis. Die Logik, die diesem Erkenntnisweg zugrunde liegt, entspricht dabei dem Grundgedanken jeder experimentellen Wissenschaft, sei es die Physik, die Chemie oder z. B. die Molekularbiologie. Um den Einfluss eines Faktors X auf einen Prozess P zu analysieren, variiert man diesen und versucht, alle anderen Einflüsse konstant zu halten. In den klassischen Naturwissenschaften hat die Anwendung dieses Grundprinzipps gigantische Fortschritte ermöglicht.
Doch hat der Psychologie stößt die experimentelle Strategie auf ein Problem. Dieses Problem ist so gravierend, dass es die Mehrheit der Forscher schamhaft verschweigt. Zwar hört man in wissenschaftstheoretischen oder methodischen Grundlagenseminaren gelegentlich die Begriffe “externe Validität” oder auch “ökologische Validität” - aber wenn es dann darum geht, die Befunde der experimentellen psychologischen Forschung den Medien oder Auftraggebern außerhalb des Wissenschaftsbetriebs zu verkaufen, dann tauchen diese Begriffe nicht mehr auf. Und erst recht ist dann das Problem, auf das sie sich beziehen, kein Thema mehr.
Es gibt allerdings auch Ausnahmen, Nestbeschmutzer. Über deren Motive könnte man trefflich streiten. Leute, denen das Thema nicht behagt, streiten sich gern über die Motive. Es scheint mir aber konstruktiver zu sein, sich mit den Argumenten auseinander zu setzen - und nicht mit den Beweggründen derer, die sie vertreten.
Einer dieser Nestbeschmutzer ist der amerikanische Kriminalpsychologe Prof. Dr. Christopher J. Ferguson. In einem Interview mit der Web Site “Gamespot” behauptete er, dass die Qualität psychologischer Forschung im Allgemeinen sehr schlecht sei. Es könne sich dabei durchaus um 90 bis 95 Prozent der Studien handeln.
“The way that we study questions, the way that we support our hypotheses are not very scientific, quite frankly. And social science is kind of an oxymoron, to some extent.”
Ein “Oxymoron” ist ein Widerspruch in sich. In gewissem Maße… Welches Maß meint der Professor?
Ferguson illustriert seine Behauptung mit der Forschung zur Frage, ob Computerspiele gewalttätiges Verhalten förderten. In den entsprechenden Experimenten werden die Versuchspersonen üblicherweise in zwei Gruppen geteilt, die Versuchsgruppe und die Vergleichsgruppe. Die Versuchsgruppe spielt eine Weile Computerspiele, die Vergleichsgruppe beschäftigt sich in demselben Zeitraum mit neutralen, also nicht mutmaßlich aggressionsfördernden Tätigkeiten. Danach werden beide Gruppen aufgefordert, ein bestimmtes aggressives Verhalten zu zeigen. In einer Reihe von Studien bestand dieses Verhalten darin, Mitarbeiter des Versuchsleiters mit lauten Tönen zu beschallen.
Wenn die Computerspieler sich bei diesem Tests aggressiver zeigten, wurde daraus geschlossen, dass Computerspiele die Gewaltbereitschaft stimulierten.
“There is a big difference between such an action and the sort of school shootings or other violent outbursts that concerned groups try to pin on violent games.”
Allerdings. Wer Menschen mit Lärm pisackt, nimmt deswegen nicht auch eine Knarre und legt seine Mitschüler um. In diesem Falle können die Ergebnisse des Experiments also allein schon darum nicht auf das reale Leben außerhalb des psychologischen Labors übertragen werden, weil es im Labor aus ethischen Gründen nicht möglich ist, das reale Leben in einem Ausmaß zu simulieren, das durch die Forschungsfrage erforderlich wäre. Aus erkenntnistheoretischer und methodologischer Sicht muss also davon gesprochen werden, dass die ökologische Validität von Experimenten dieser Art eingeschränkt sei.
Doch nicht nur ethische Momente bedrohen die ökologische Validität - auch solche, die mit der Natur psychologischer Experimente an sich zusammenhängen. Die Übertragbarkeit experimenteller Resultate ist ja immer in Frage gestellt, wenn sich die Bedingungen des Experiments gravierend von denen im realen Leben unterscheiden. Ein psychologisches Experiment ist eine Form menschlicher Interaktion. Die Versuchsperson befolgt die Anweisungen des Versuchsleiters.
Menschliche Interaktionen werden determiniert durch ein Wechselspiel von Variablen, die in der Person liegen, und solchen, die von außen auf sie einwirken. Es sind also nicht nur die objektiven Gegebenheiten allein, die menschliches Verhalten steuern, sondern auch die subjektiven Verarbeitungen dieser äußeren Reize haben einen erheblichen Einfluss. Denken wir beispielsweise daran, dass sich Versuchspersonen in einem Experiment auch selbst als Versuchspersonen definieren und dass sie Hypothesen entwickeln, was mit dem Experiment bezweckt werden soll. Kurz: Im Experiment wirken Einflussgrößen auf das Verhalten ein, die es im realen Leben außerhalb des Labors nicht gibt - und umgekehrt.
Die amerikanische Psychologin Elizabeth F. Loftus versuchte experimentell zu überprüfen, ob man Versuchspersonen falsche Erinnerungen einpflanzen kann. In dem berühmten “Shopping Mall Experiment” suggerierte sie den Teilnehmern, sie seien in ihrer Kindheit in einem Einkaufszentrum verloren gegangen. Loftus bezeichnete diese Erfahrung als “mildly traumatic”.
Studien dieser Art verfolgen natürlich nicht nur rein akademische Zwecke. Sie stehen im Zusammenhang mit einer politischen Debatte über die Glaubwürdigkeit von Frauen, die behaupten, sexuell missbraucht worden zu sein. In den Vereinigten Staaten und inzwischen auch anderswo haben sich Interessenverbände gebildet, die propagieren, diesen Frauen seien von ihren Therapeutinnen falsche Erinnerungen eingepflanzt worden. Als Beweis für diese These berufen sich diese Verbände dann auf Studien im Stil des “Shopping Mall Experiments”.
Über die Motive dieser Interessengruppen möchte ich nicht spekulieren. Konzentrieren wir uns auf das Argument, dass man Menschen falsche Erinnerungen an sexuellen Missbrauch einpflanzen könne und dass dies experimentell bewiesen sei. Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass es einen gravierenden Unterschied macht, ob man in einem Einkaufszentrum von der Mutter vergessen oder ob man vom Vater sexuell missbraucht wurde. Es dürfte heute nicht mehr möglich sein, sich ein Experiment genehmigen zu lassen, in dem Versuchspersonen suggeriert wird, sie seien in der Kindheit sexuell missbraucht worden. Und erst recht ist es undenkbar, Kinder in einem Experiment sexuell zu missbrauchen, um dann hinterher festzustellen, ob sie diese Erfahrung vergessen und erst später, beispielsweise während einer Psychotherapie, wiedererinnern können.
Daher ist die ökologische Validität - auch von Experimenten zum Thema “sexueller Missbrauch” - immer eingeschränkt, und dies auch in diesem Fall nicht nur aus ethischen Gründen. Die Interaktion in einem psychologischen Labor unterscheidet sich nun einmal grundsätzlich von der Interaktion im Behandlungszimmer eines Psychotherapeuten. Die Versuchspersonen im Labor machen sich Gedanken, was der Versuchsleiter mit seinem Experiment wohl bezwecken will. Die Klienten einer Psychotherapie machen sich Gedanken, was der Psychotherapeut mit seiner Therapie wohl bezwecken will. Versuchspersonen und Klienten dürften in der Regel zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Und diese unterschiedlichen Ergebnisse werden ihr Verhalten und Erleben auch unterschiedlich beeinflussen.
Dies muss zumindest vermutet werden, und daher ist die Übertragbarkeit von Laborstudien auf das reale Leben immer in Frage gestellt. Betrachtet man also das Experiment als den Königsweg zur psychologischen Erkenntnis und entwertet alle anderen Ansätze als mehr oder weniger unwissenschaftlich, dann stellt man die Psychologie auf eine überaus fragwürdige Grundlage.
Man möge mich nicht missverstehen: Ich halte Experimente in der Psychologie keineswegs für wertlos. Sie sind nur kein eigenständiger Weg zur psychologischen Erkenntnis - und wenn Experimentatoren dies vorgeben, dann täuschen sie nicht nur die Öffentlichkeit, sondern sie hemmen auch den Erkenntnisfortschritt.
Eine Erzählung hat einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss. Ein psychologisches Experiment beginnt damit, dass ein Forscher mit einem wissenschaftlichen Problem konfrontiert wird und sich dazu eine Hypothese einfallen lässt. Nun denkt er sich einen Versuchsplan aus, um die Hypothese zu überprüfen. Er setzt den entsprechenden Versuchsplan um und dokumentiert das Verhalten seiner Versuchspersonen. Schließlich wertet er seine Datenbasis aus und veröffentlicht seine Ergebnisse. In einem Kriminalroman wird der Detektiv mit einer Leiche konfrontiert. Er lässt sich eine Hypothese einfallen, wer der Täter sein könnte. Nun dokumentiert er das Verhalten seiner Verdächtigen, wertet das Ergebnis seiner Investigation aus und präsentiert seinen mutmaßlichen Täter schließlich dem Staatsanwalt. Das psychologische Experiment ist also eine Story. Es gehört nicht zum Genre der Kriminalromane, es ist ein Genre sui generis. Aber es ist eine Erzählung - und nur wenn man es als Erzählung versteht und interpretiert, kann es zur psychologischen Erkenntnis beitragen.
Nicht nur psychologische Experimentatoren, wir alle sind Geschichtenerzähler. Wir alle versuchen, unserem Leben Sinn zu geben, indem wir uns und anderen Storys über uns selbst und unsere Welt erzählen. Diese Geschichten sind die Leitschnur unseres Verhaltens und Erlebens - bewusst und unbewusst. Nach wie vor beherrschen die pseudo-naturwissenschaftlichen Experimentatoren das Feld in der sog. wissenschaftlichen Psychologie, aber die Kritiker gewinnen an Einfluss. Zu den Forschern, für die Erzählungen der Stoff sind, aus dem die Seele gemacht ist, zählen die Anhänger der Narrativen Psychologie. Eine gute Einführung in dieses Wissensgebiet stammt aus der Feder der amerikanischen Psychologin Michele L. Crossley.
“Drawing on some of dominant theories in this area, it has argued that human life carries within it a narrative structure to the extent that the the individual, at the level of tacit, phenomenological experience, is constantly projecting backwards and forwards in a manner that maintains a sense of coherence, unity, meaningfulness and identity.”
Indem der psychologische Experimentator durch sein Experimentieren seine Identität als Naturwissenschaftler begründet und seinen Ergebnissen einen naturwissenschaftlichen Charakter zuschreibt, erzählt er eine nicht authentische, eine irreführende, eine entfremdete Geschichte über sich selbst und seine Welt.
Psychologie - alles Schrott? Oder zu 90 bis 95 Prozent, wie Ferguson behauptet? Die heutige empirische Psychologie gleicht in der Tat einem riesigen Schrottplatz. Unter einem Haufen Müll verbirgt sich jedoch mancher Wertgegenstand, der eine Geschichte erzählt, die nachzuerzählen es sich durchaus lohnt. Aber ist nicht jedes Experiment eine Geschichte? Durchaus, allerdings werden heute Forschungsberichte über derartige Experimente so verfasst, dass ihr Geschichten-Charakter möglichst verhüllt wird. Sie werden dadurch zur Fiktion, indem sie alles Fiktive zu vermeiden versuchen und nur “Daten” präsentieren wollen. Sie werden zur Fiktion, weil sie dabei die Menschen aus dem Blick verlieren und den Eindruck erwecken, die Versuchspersonen seien mechanische Objekte, die durch eine Handvoll von Merkmalen hinlänglich beschrieben werden könnten. Aber das ist eine andere Geschichte…
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22.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Mitunter werde ich gefragt, ob ich, wenn nicht gleich vorausgesetzt wird, dass ich an außersinnliche Wahrnehmung, Geistheilungen und feinstoffliche Energien glaube. Schließlich bin ich Psychologe, und Psychologen, diese windigen Gesellen, glauben nun einmal an so etwas, denkt man. Und wer sich wie ich mit Hypnose, Trance-Psychologie und Meditation beschäftigt, der muss doch einfach auch esoterisch angehaucht sein. Oder etwa nicht?
Nein, nicht. Auf den spirituellen Hauch reagiere ich in etwa so wie auf den spirituösen: Ich kann ihn nicht riechen. Ebenso wie alkoholische Getränke verschmähe ich geistliches Gebräu, das besoffen macht. Mich interessieren Fakten und die logischen Schlüsse, die man aus ihnen ziehen kann oder muss. Was die Lehren der Heiligen Männer, Weisen Frauen, Gurus, Swamis, Hexern, Zauberer und sonstigen Oberpriester betrifft, so halte ich es mit Gautama, dem Buddha, der einst sagte: “Glaubt keinen Lehren. Glaubt auch meiner Lehre nicht. Prüft alles selber nach. Wägt und behaltet, was gut ist.”
Während ich dies niederschreibe, ist mir sehr wohl bewusst, dass ich hier nur die halbe Wahrheit zu Papier bringe. Bezogen auf das, was man überhaupt zu Papier bringen, also in Worte fassen kann, ist es zwar die ganze Wahrheit, sofern ich diese zu ermessen vermag. Doch wer sagt, dass alles, was die menschliche Existenz betrifft, zu Papier gebracht werden könne? Schließlich ist ein erkenntnistheoretisches Dilemma Kern der “Conditio Humana”. Es besagt, dass wir im Prinzip alles objektivieren, also versachlichen, analysieren, erforschen können - nur nicht uns selbst während des Objektivierens. Es bleibt immer ein subjektiver Rest.
Natürlich: Auch das Subjektive können wir in einen Gegenstand der Forschung verwandeln. Wir vergegenstädnlichen es dann, betrachten es von außen. Die Innerlichkeit der Subjektivität muss uns dabei zwangsläufig entgehen. Während wir das Subjektive analysieren, rückt die Subjektivität des Analysierens in einen Blinden Fleck, wird unsichtbar. Wie im Großen, so im Kleinen. Wir können nicht wissen, wie das Universum unabhängig von unserem Bewusstsein ist. Denn Wissen setzt Bewusstsein voraus. Und ebenso wenig können wir wissen, wie und was unsere Subjektivität ist, denn wenn wir Subjektivität betrachten, ist der Betrachter selbst, das Subjekt nämlich, nicht Gegenstand der Betrachtung. Das Auge kann sich nicht selber sehen, nur sein Spiegelbild.
Und so gibt es eine Innenwelt, die weder ein Abbild der Außenwelt ist, noch so behandelt werden könnte wie die Außenwelt. Diese Innenwelt, dieser innere Bezirk unseres Daseins ist kategorial verschieden von der Außenwelt. Dies bedeutet natürlich auch, dass in diesem Bereich die Naturgesetze ebenso wenig gelten wie die Logik, die ja nichts anderes ist als eine Ordnung von Objekten, also von Entitäten, die wesensgemäß der Außenwelt zugehören. Der innere Bezirk ist das Andere. wir können ihn”betreten”, aber nicht beschreiben.
Darum gehen mir diese “Esoteriker” ja auch so fürchterlich auf die Nerven, weil sie beschreiben, was sich nicht beschreiben lässt. Was dabei herauskommt, ist unsägliches Geschwalle - und als solches entweder Ausdruck wohlmeinender Naivität oder mehr oder weniger gewieftes Marketing. Der innere Bezirkt ist pure Erfahrung, über die man weder direkt, noch in Bildern und Metaphern sprechen oder schreiben kann.
Beschreiben allerdings kann man die Gestelle, die sich vor dem Tor zum inneren Bezirk auftürmen. Betreten kann den inneren Bezirk natürlich jener, denn er ist ja “Conditio Humana”. Er ist niemandem verschlossen - und im Prinzip könnte jeder durch dieses Tor ein- und ausgehen, so wie er sich ins Bett legen, schlafen und wieder aufwachen kann. Doch für viele ist dieser Weg verbaut, durch Gestelle, die den Weg heillos verstellen. Es handelt sich dabei um falsche Vorstellungen zur “Conditio Humana”, zur Rationalität, zur Objektivität und Subjektivität.
Die Gestelle werden also von uns Menschen selbst erstellt. Wir verstellen uns den Weg selbst. Wir tun dies unbewusst. Und so haben wir den Eindruck, die Gestelle seien von einer fremden Macht dorthin gestellt worden. Wir können dieser fremden Macht verschiedene Namen geben: Wissenschaft, Vernunft, Rationalität, sogar “Gott”, denn auch Gott, zumindest manche Versionen Gottes wollen ja nicht, dass man vom Baum der Erkenntnis isst.
Doch mit diesen Namen bezeichnen wir nur einen Teil unserer Seele. Es ist der unbewusste Anteil unseres Ichs. Dieses Ich-Teil handelt zielstrebig, erwartungsgesteuert und absichtlich. Doch da wir uns dessen nicht bewusst sind, erscheinen uns die Handlungen des unbewussten Ichs wie Automatismen, die sich unserer Kontrolle entziehen.
Methoden, diese Kontrolle zurückzugewinnen, scheinen Wunder zu wirken. Seit altersher heißen diese Methoden Magie.
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20.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
1962 verwirklichte der amerikanische Psychologe Stanley Milgram ein Experiment, das unter seinem Namen weltberühmt wurde. Es zeigte, dass die meisten seiner Versuchspersonen gute Versuchspersonen sein wollten. Um dies zu beweisen, folterten sie auf Anweisung des Experimentators und hörten damit auch nicht auf, als die Gefolterten vor Schmerzen aufschrieen und das Experiment abbrechen wollten. Die Versuchspersonen wussten nicht, dass die Folter nur vorgetäuscht war und die Schmerzen von den “Gefolterten” nur simuliert wurden. Damals wurde das Experiment in vielen Weltgegenden wiederholt, mit vergleichbaren Ergebnissen.
2006 wollte der amerikanische Psychologe Jerry M. Burger wissen, ob das Bedürfnis von Versuchspersonen, gute Versuchspersonen zu sein, heute noch unverändert stark ausgeprägt ist. Sein Experiment bestätigte Milgrams Befund. Zur Zeit berichten die Medien weltweit darüber, weil nun der entsprechende Forschungsbericht in der Fachzeitschrift “American Psychologist” vröffentlicht wird.
Erschütternd finde ich nicht diese auch nach Jahrzehnten unveränderten Ergebnisse, sondern das ungläubige Entsetzen, das sie auslösen. Als wäre es etwas Neues, dass Menschen - und nicht nur die Deutschen - willige Vollstrecker sind. Wozu sind derartige Experimente denn überhaupt erforderlich. Abu Ghraib. Guantanamo. Brutale Misshandlung in russischen Gefängnissen. Ich könnte dieses Blog überquellen lassen mit Stichworten zum Thema “Folter”.
Es müssen aber nicht immer glühende Eisen, Elektroschocker oder Streckbänke sein. Auch die alltägliche seelische Grausamkeit kann Menschen psychisch und physisch vernichten. Ich habe es am eigenen Leibe erlebt, wie ein ehemaliger Arbeitgeber, dem meine politische Gesinnung und mein Kampf gegen Folter-Gehirnwäsche nicht gefiel, Kollegen gegen mich instrumentalisierte: Bossing. Sie machten alle mit, selbst jene, die mir zuvor wohlgesonnen waren.
Ich will mich nicht beklagen. Ich habe oftmals Fälle beobachtet, in denen die Opfer ungleich härter betroffen waren als ich. Was mich am meisten erschüttert ist das Eingeständnis, dass ich selbst unter Umständen so missbraucht werden könnte - das auch ich wahrscheinlich im tiefsten Grunde meiner Seele nicht besser bin, in dieser Hinsicht, als andere Menschen.
Und so frage ich mich: Ist das die menschliche Natur? Oder sind es die Umstände?
Früher wäre es mir leicht gefallen, diese Frage zu beantworten: Klar, der Kapitalismus ist schuld. Er richtet die Menschen zu willigen Befehlsempfängern ab, damit er sie besser beherrschen und ausbeuten kann. So dachte ich als Heißsporn in meiner Jugend und ließ die rote Fahne flattern. Diese habe ich inzwischen wieder eingerollt, nachdem mich meine psychologischen Analysen menschlicher Geschichte eines Schlechteren belehrt haben. So einfach ist das nicht.
Menschen fürchten allzu große Komplexität. Wenn die Welt zu unübersichtlich wird, streben sie nach Komplexitätsreduktion. Vertrauen ist, wie Luhmann in einem gleichnamigen Werk beschrieb - Vertrauen ist ein Mechanismus zur Reduktion von Komplexität. Unterordnung unter den Willen anderer, die als überlegen betrachtet werden, ist ein anderer derartiger Mechanismus. Die individuelle Moral bleibt da leicht auf der Strecke. Auch sie reduziert Komplexität, gibt Verhaltenssicherheit, aber doch in weitaus geringerem Maße als der Befehl einer Autorität.
Daran müssen wir Menschen arbeiten. Wir müssen uns umerziehen. Die Zeit des Individuums ist noch nicht angebrochen. Die Morgenröte des Individualismus beleuchtet eine humane Welt.
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14.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Nein, sicher nicht!
Dies ist der erste Gedanke, der einem halbwegs aufgeklärten Menschen aus dem alten Europa durch den Kopf schießt. Nein, das ist billigste Verschwörungstheorie, mit den üblichen braunen Rändern, die schnell in hirnrissige UFO-Gläubigkeit oder kriminell widerlichen Antisemitismus ausufert.
Der zweite Gedanke, der den halbwegs aufgeklärten Alteuropäer beschleicht, weist in eine andere Richtung. Gab es da nicht diese “Propaganda Due”, jene freimaurerische Geheimorganisation, die während des Kalten Kriegs die italienische Politik steuerte? Hatte diese Loge nicht beste Kontakte zur CIA, die durch klingende Münze orchestriert wurde? Gab es nicht Verbindungen zur ultrageheimen Partisanen-Organisation “Gladio”, die der NATO unterstand und deren operative Geschäfte von der CIA und anderen westlichen Geheimdiensten (einschließlich BND) geführt wurden? Plante die Propaganda Due nicht gar einen Staatsstreich, um die Demokratie in Italien abzuschaffen?
Natürlich! Der dritte Gedanke des halbwegs aufgeklärten Alteuropäers schließt sich nahtlos an. Natürlich, das sind Fakten. Und Fakten, nicht Ideologien oder andere Vorurteile sollten unser Denken bestimmen. Die Propaganda Due gab es wirklich, Gladio gab es wirklich. Schlimm genug. Doch das waren Betriebsunfälle der Demokratie, die durch die Hysterie und Paranoia des Kalten Krieges zu erklären sind.
Dann atmet der halbwegs aufgeklärte Alteuropäer erst einmal durch, um dann seinen vierten Gedanken zu zelebrieren. Die dummen Amis, denkt er, sind ja so furchtbar ungebildet und blasen jede Halbwahrheit schnell zu einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie auf. Wir halbwegs aufgeklärten Alteuropäer sollten uns auf unsere Kultur des Denkens besinnen. Haben uns nicht die alten Griechen die Logik geschenkt - dieses unschätzbar wertvolle Instrument, mit dem wir erkennen können, welche Schlüsse aus vorhandenen Fakten zulässig sind und welche nicht?
In aller Regel lehnt sich der halbwegs aufgeklärte Alteuropäer nun in seinen Sessel zurück und verbirgt seinen Kopf hinter einem Nachrichtenmagazin oder einer Zeitung für die gebildeten Stände. Es gibt allerdings auch den einen oder anderen Desperado unter den halbwegs gebildeten Alteuropäern, dessen Atem nach vier aufeinander folgenden Gedanken noch nicht erschöpft ist. Er fragt sich,welchen Erklärungswert die Vokabeln “Hysterie”, “Paranoia” und “Kalter Krieg” denn eigentlich besitzen.
Sind das die Fakten, aus denen die logisch zulässigen Schlüsse gezogen wurden, so dass kein anderes Urteil legitim erscheint als jenes, dass die große Illuminaten-Verschwörung eine haltlose Theorie sei? Oder handelt es sich hier nur um Impressionen, um Wertungen auf schwammiger Fakten-Basis?
Wir leben in einer Demokratie. Die Bürger dürfen regelmäßig zur Wahl gehen und die politischen Geschicke ihres Landes in die Hände von Menschen legen, denen sie vertrauen oder denen sie zumindest die damit verbundenen, erforderlichen Leistungen zutrauen. In einer Demokratie, freilich, sind Verschwörer ein Störfaktor, der mit polizeilichen und juristischen Mitteln zu bekämpfen ist - und wenn Verschwörer dennoch zu einigem Einfluss gelangen, dann handelt es sich um einen Betriebsunfall.
Das ist die eine Seite. Die andere Seite besteht darin, dass der Reichtum in den Demokratien höchst ungleich verteilt ist. Einer kleinen Zahl von Menschen mit gigantischem Vermögen steht die überwiegende Mehrheit des Volkes gegenüber. Einigen geht es recht gut, viele Leben in bescheidenen Wohlstand, doch eine steigende Zahl von Menschen hat kaum das Nötigste zum Leben.
Allerdings: Geld, wir wissen es, ist Macht. Viel Geld ist viel Macht. Gigantische Vermögen bedeuten gigantische Macht. Werden die Menschen mit gigantischer Macht tatsächlich die Geschicke ihres Landes vertrauensvoll in die Hände jener Politiker legen, die von der Mehrheit der Habenichtse gewählt wurden? Oder werden sie versuchen, ihre gigantische Macht zu nutzen, um die politischen Verhältnisse in ihrem Lande in ihrem Sinne zu beeinflussen - unabhängig davon, was die Mehrheit will oder nicht will?
Ich zweifele keine Sekunde daran, dass die Mehrheit der Superreichen echte Demokraten sind. Auch für sie hat die Demokratie reale Vorteile - solange das Volk sich als Souverän wähnt und dennoch den Reichtum der Superreichen nicht antastet. Es wäre also höchst unklug, die gigantische Macht zu nutzen, um offen in die politischen Verhältnisse einzugreifen. Das Volk ist ja nicht dumm, o nein; so plump will es nicht betrogen werden. Da müssen sich die Superreichen schon etwas Intelligenteres einfallen lassen.
Gut, das es die Illuminaten gibt. Gäbe es sie nicht, könnte man auf den Gedanken kommen, es wären die Superreichen selbst, die sich verschworen haben. Aber nein, Gott bewahre, man möge doch die netten Leutchen in ihren schlichten Häuschen am Hang zufrieden lassen. Die sind doch so bescheiden, dass wir sie kaum zu Gesicht bekommen. Wer verirrt sich schon einmal in den Ghettos der Superreichen?
Die Illuminaten sind für die Verschwörung zuständig. Und die kommen von einem anderen Stern oder sie stammen aus dem braunen Phantasiereich der Antisemiten. Nachdem der durchschnittliche, halbwegs aufgeklärte Alteuropäer nach dem vierten Gedanken selig in seinem Sessel einschlummerte, ist nun auch der Desperado des Gebetsmühlengeklappers seiner anarchischen Gedanken überdrüssig und macht die Klappe dicht.
Klar, sagt er sich, es gibt Netzwerke hinter den Kulissen, Geheimgesellschaften, Illuminaten. Die sind so geheim, dass wir uns kein klares Bild von ihnen machen können. Ein klares Bild brauchen wir aber auch nicht, weil wir - wie einst Louis Renault in “Casablanca” - die üblichen Verdächtigen verhaften können.
Doch wäre dieser Schluss wirklich die letzte Weisheit, die wir aus unserer alteuropäischen Geistestradition herauspressen können? Sollten wir nicht vielmehr dem Prinzip der Sparsamkeit folgen? Sollten wir nicht auf Annahmen verzichten, die durch die Fakten nicht erzwungen werden? Sollten wir nicht vor allem keine Begriffe verwenden, die sich nur dem Klang, aber nicht dem Inhalt nach von bereits eingeführten Begriffen unterscheiden.
Ein eingeführter Begriff ist die “Bourgeoisie”. Auf Deutsch heißt das Bürgertum. In einer Demokratie sind natürlich wir alle Bürger. Das aber ist nicht damit gemeint. Bürger in Sinne des “Bourgeois” sind Menschen, die so reich sind, dass sie ihr Leben frei und unabhängig gestalten können - die arbeiten können, wenn sie es möchten, die aber nicht arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der harte Kern der Bourgeoisie sind die Superreichen, also jene Bürger mit gigantischer Macht. Warum sollten wir diese Bürger Illuminaten nennen? Widerspricht dies nicht einer guten alteuropäischen Tradition, dem Prinzip der gedanklichen Sparsamkeit?
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6.9.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Wer auf sein Vaterland stolz sei, meinte einst der bekanntermaßen griesgrämige und scharfzüngige Philosoph Schopenhauer, sei ein erbärmlicher Tropf. Der Nationalstolz verrate “in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz seyn könnte, indem er sonst nicht zu Dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen theilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen (Parerga und Paralipomena I).”
Man könnte Schopenhauers bissige Sätze durchaus als Folie benutzen, um die aktuelle Forderung einiger Politiker der CDU und CSD einzuordnen, dass sich diese konservativen Parteien wieder verstärkt zu den sog. deutschen Tugenden bekennen sollten, als da sind: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, Treue und Anstand.
Ob diese, früher als Sekundärtugenden gering geschätzten, Eigenschaften tatsächlich Stolz begründen könnten, wäre zu diskutieren - dass sie nicht als Grundlage eines deutschen Nationalstolzes taugen, steht außer Frage, denn welches Volk auf diesem Erdball könnte nicht mit gleichem Recht (oder Unrecht) diese Tugenden für sich beanspruchen wie das deutsche.
Hinter derartigen Appellen verbirgt sich vermutlich die realistische Einsicht, dass die Stimme erbärmlicher Tröpfe an der Wahlurne ebenso viel zählt wie die jener, die bedeutende persönliche Vorzüge besitzen.
Dennoch halte ich den Nationalstolz für eine bedeutende politische Produktivkraft und ich fände es verheerend, wenn die Linke dieses hohe Gefühl den Rechten überließe, die, daran kommt man nicht vorbei, in deutscher Geschichte damit schon mehrfach schlimmen und schlimmsten Missbrauch getrieben haben.
Beim Nationalstolz lautet die kritische Frage nämlich nicht: “Stolz worauf?” sondern: “stolz wozu?” Ich wähle keine Politiker, die Stolz bekunden, weil sie zu einem Volk gehören, das sich seiner Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, Treue und seines Anstandes rühmt. Ich wähle Politiker, von denen ich hoffe, dass sie zu stolz sind, sich vor dem Imperium in den Staub zu werfen und die Stiefel seiner Militärmacht zu lecken. Das nenne ich tätigen deutschen Nationalstolz. Sehe ich einen Deutschen stolz auf sein Land der Tyrannis widerstehen, dann höre ich klingendes Spiel und Marschmusik mit meinem inneren Ohr.
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17.2.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Ist Nationalstolz berechtigt? Diese Frage würde in den meisten Staaten der Welt wohl eher mit einem Kopfschütteln quittiert, in Deutschland vermag sie immer noch heiße Debatten zu entfachen. Meine Antwort: Es kommt darauf an, was man unter “Nationalstolz” versteht. Es gibt zwei Lesarten:
Ob der Nationalstolz im Sinne der zweiten Variante berechtigt ist, entzieht sich jeder vernünftigen Diskussion. Nur ein charakterlich völlig verrotteter Mensch könnte bestreiten, dass Deutschland, trotz der Untaten Hitlers und seiner Spießgesellen, viel Edles, Hilfreiches und Gutes hervorgebracht hat.
Schwieriger ist die Frage des Nationalstolzes hinsichtlich der ersten Variante zu beantworten. Der Begriff des Stolzes bezieht sich ja auf eine lobens- bzw. liebenswerte Tat, z. B. auf eine wissenschaftliche, künstlerische oder praktische Leistung. Wer also ein Recht zu haben glaubt, stolz darauf sein zu dürfen, dass er ein Deutscher sei, muss für sich die Teilhabe an den positiven Taten Deutschlands beanspruchen. Die passive Teilhabe allein genügt allerdings nicht. Sonst könnte einer ja behaupten, er sei zu recht stolz, ein Deutscher zu sein, weil mit seinen Steuergroschen z. B. irgendwo in der Welt ein Bewässerungsprojekt finanziert oder eine Polizeitruppe geschult worden sei. Diese Form des Stolzes würde nur durch eine freiwillige Leistung bzw. einen Verzicht gerechtfertigt. Und auch diese zusätzliche Bedingung reichte nicht aus für den Stolz in der Variante 1. Die freiwillige Leistung, der freiwillige Verzicht müsste auch noch im Namen oder im Geiste Deutschlands erbracht worden sein und nicht etwa (nur) aus christlicher Nächstenliebe oder aufgrund anderer, nicht-nationaler Glaubensbekenntnisse.
Bei genauerem Hinsehen entlarvt sich der Stolz in der Variante 1 nur zu oft als Überschätzung der eigenen Bedeutung angesichts der Geschichte und Größe unseres Volkes. Dies erklärt auch, warum sensible Menschen die PR-Kampagne mit dem Slogan “Du bist Deutschland” als vollends lächerlich empfunden haben. Dieser Gefahr entgeht der Nationalstolz in der zweiten Version. Sie rückt nicht das eigene Ego, das individuelle Selbstwertgefühl in den Mittelpunkt. Unproblematisch ist allerdings auch diese Variante nicht. Sicher, man kann stolz sein auf den großen Bruder, weil er das Abitur mit Auszeichnung bestanden hat. Man kann stolz sein auf einen Sportler, weil er höher gesprungen oder schneller gelaufen ist als andere. Doch kann man auch stolz sein auf ein Abstraktum, auf Deutschland? Wurden die edlen, hilfreichen und guten Taten, die zu Stolz berechtigen, tatsächlich von Deutschland begangen? Oder sind die Urheber heroische, geniale Menschen oder Eliten?
Manche patriotisch gestimmte Sportler bekunden, nachdem sie vom Siegertreppchen bestiegen sind, im Gespräch mit den Reportern, sie hätte ihren Sieg fürs Vaterland errungen. Manche räumen auch ein, dass ihre Leistung ohne die Unterstützung ihres Staates nicht möglich gewesen sei. Diese Äußerungen mögen ehrlich gemeint sein. In Gesellschaften, die dem Kult des Individualismus frönen, gewinnen Sieger im Allgemeinen jedoch für sich selbst und schreiben sich selbst die Gründe für ihren Erfolg zu. Ist es unter diesen Bedingungen nicht lächerlich, beispielsweise stolz auf Deutschland zu sein, weil unsere Fußballelf bei der Weltmeisterschaft gut abgeschnitten hat?
Stolz auf die eigene Nation ist eigentlich nur dann vernünftig begründbar, wenn das Vaterland als überindividuelle Dimension der eigenen Identität bzw. wenn das Ich als Identifizierung der nationalen Geschichte begriffen wird. Ein derartiger Nationalstolz wäre unabhängig von individuellen Zuschreibungen der Ursachen für Leistungen und Fehlleistungen. Er wäre freilich in einer Vernunft begründet, die den Raum der klassischen Logik verlässt und in der dialektischen Logik fußt. Dieser Nationalstolz wurzelt in einem Wirgefühl, das dem Ichbewusstsein vorausgeht.
Menschen anderer Völker schwimmen in diesem Nationalgefühl wie Fische im Wasser. Sie müssen darüber nicht nachdenken. Sie lieben ihr Vaterland, ohne über dieses Gefühl reflektieren zu müssen, um es in sich hervorzurufen.
In Deutschland ist dies nicht so einfach. Die Verbrechen des Hitlerismus - der weder national, noch sozialistisch, sondern rassistisch, räuberisch und elitär-größenwahnsinnig war - haben es den jungen Menschen, die nach dem Kriege in der Bundesrepublik aufwuchsen, schwer gemacht, Gefühle des Stolzes für ihr Vaterland zu entwickeln. Die Vaterlandsliebe degenerierte einerseits zu einer rechtsradikalen Perversität. Andererseits wurde das Triebschicksal der Vaterlandsliebe durch staatstragende konservative Tendenzen masochistisch geformt. Seinen edelsten Ausdruck, hieß es, fände die Liebe zu Deutschland in der Unterwerfung unter das Imperium. Das Imperium verwandelte unser Land in ein Lagerhaus für Atomwaffen und spielte mit dem Gedanken, den Atomkrieg gegen die Sowjetunion auf deutschem Boden zu gewinnen. Auch in der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Vaterlandsliebe mit der Liebe zu einer fremden Macht identifiziert. Die Konsequenzen für das Seelenleben der Menschen waren in beiden Teilen Deutschlands verheerend.
Werfen wir das Ruder herum!
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14.2.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Mit zarten Glücksgefühlen beobachte ich den Niedergang des Christentums in den Städten und hoffe inständig, dass es auch auf dem Lande in diesen Sog hineingezogen werden möge. In meinen Ohren klingt es wie Hohn, wenn das Christentum Nächstenliebe predigt, der biblische Gott aber die mitleidslose Ausrottung von Feinden fordert. In meinen Augen ist es eine Ungeheuerlichkeit, wenn das Christentum Hass und Gewalt anprangert, wohingegen hochverehrte Lehrer des christlichen Glaubens, allen voran Luther, sich in den widerlichsten antijüdischen Hasstiraden ergingen. Der Gestank der Hölle steigt mir in die Nase, wenn ich in verstaubten Folianten die Bannflüche allerchristlichster Geister gegen Frauen und Homosexuelle lese. Der Atem stockt mir beim Gedanken daran, dass Kirchenlehrer die bedingungslose Unterwerfung unter den Willen Gottes und seiner Stellvertreter und Sachwalter auf Erden fordern.
Jeder Kirchenaustritt bringt mein Herz zum Klingen. Aber in diesen hellen, lustigen Klang mischt sich die bange Frage: Was kommt danach? Wo bleibt die Moral ohne ein Fundament im Glauben? Wer sich in früheren Zeiten ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzte, ja, aufopferte, der berief sich auf “Gott und Vaterland”. Mag mag sich vor solch religiös-nationaler Inbrunst fürchten, man mag sie als Relikt vergangener Zeiten belächeln. Aber, aus welchen Motiven sollte sich ein Mensch unentgeltlich, ohne egoistische Motive für die größere Gemeinschaft einsetzen, wenn ich für Gotteslohn und aus patriotischer Leidenschaft?
Darauf gibt es, so denke ich, nur eine Antwort, die dem nachforschenden Gedanken standhält: Wir müssen glauben. Und, zum Glück, können wir auch gar nicht anders. Wir können das religiöse Bedürfnis zwar verdrängen und verleugnen; die Wiederkehr des Verdrängten ist jedoch unvermeidlich. Wir haben die Wahl zwischen religiöser Neurose als Folge der Abwehr spiritueller Bedürfnisse und einer rationalen Auseinandersetzung mit dem Unausweichlichen.
Unter modernen Christen und anderen Begeisterten werden heutzutage Brainscans herumgereicht, die angeblich Gott im Gehirn verorten. Ich glaube kaum, dass es erforderlich ist, nach Hirnzentren oder neurophysiologischen Prozessen zu fahnden, um zu beweisen, dass uns ein religiöses Bedürfnis angeboren sei. Dieses ergibt sich zwangsläufig aus der “Conditio Humana”, aus unserer existenziellen Situation. Es ergibt sich aus der Dialektik zwischen der raum-zeitlichen Begrenzheit unseres physischen Körpers und der Ungegrenztheit unseres Vorstellungsvermögens.
Und das ist gut so. Wir brauchen einen guten Glauben, um gut zu handeln. Die meisten Menschen spüren dies, manche wissen es auch; aber immer weniger sind bereit, sich diesen Glauben von oben verordnen zu lassen. Sie stricken sich ihren Glauben selbst. Davor warnen Amtskirchen ebenso wie Skeptikervereine und staatliche Autoritäten. Sie sprechen von Esoterik, warnen vor Ausbeute und Gehirnwäsche. Doch: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werden.
Fraglos gibt es unter den esoterischen Glaubensangeboten höchst zweifelhafte Gebilde. Es hat sich ein milliardenschwerer Markt entwickelt, der neben manchen Perlen auch viel Schrott feilbietet. Manches Produkt, dass auf diesem Basar der Weltanschauungen angeboten wird, ist auch gefährlich, ohne dass man dies auf den ersten Blick erkennen könnte. Dennoch, trotz aller Gefahren, trotz allem Widersinn, entspricht dieser Markt, wie jeder Markt, der Natur des Menschen, befriedigt ursprüngliche Bedürfnisse.
Es ist gut, dass es diesen Markt gibt. Es ist gut, dass die alten monotheistischen Unterwerfungsreligionen Konkurrenz bekommen. Vielfalt gewährt Freiheit. Jeder kann sich hier die passenden spirituellen Kleider aussuchen, um den Stürmen zu trotzen. Man nehme… man nehme z. B. den Glauben an die Wiedergeburt, damit wir dem Erdball und dem Universum verbunden bleiben. Dies hebt die Umwelt-Moral. Man nehme den Glauben an magische Kräfte. Dies fördert das Einfühlungsvermögen in die Natur menschlicher und außermenschlicher Beziehungen. Man nehme z. B. den Glauben an die Erneuerungskräfte des Vaterlandes. Dies stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Es gibt viel zu glauben. Packen wir’s an.
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31.12.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Saddam ist tot. Er war ein arger Schlächter. Die Freude der Überlebenden seiner Gräueltaten lässt auch mein Herz höher schlagen. War seine Hinrichtung also ein Akt der Gerechtigkeit? Es scheint so - bei oberflächlicher Betrachtung. Sieht man jedoch genauer hin, dann drängen sich Fragen auf: Hat Saddams Politik der harten Hand vielleicht einen Bürgerkrieg im Irak verhindert und damit wesentlich mehr Menschenleben gerettet als vernichtet? War Saddams Kampf gegen das Imperium gar ein menschheitsgeschichtlich notwendiger, für andere Völker beispielgebender Akt des Ungehorsams?
Gerechtigkeit? Dient die Todesstrafe der Gerechtigkeit, Strafen überhaupt? Man mag dies bezweifeln - zumal die Frage, ob der Mensch überhaupt einen freien Willen besitze und schuldig werden könne, philosophisch und biologisch umstritten ist.
Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Tötung von Staatsverbrechern. Menschen, die im Namen und unter dem Schutz eines Staates Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, haben ihr Leben verwirkt. Dies gilt nicht nur für Saddam, sondern für zahllose Despoten und deren Handlanger, auch für Amerikaner und deren Helfershelfer.
Es geht dabei nicht um Gerechtigkeit. Auch nicht um Abschreckung. Diese Verbrecher sollen auch nicht aus symbolischen Gründen sterben. Es geht darum, Tatsachen zu schaffen. Ihr Tod soll so real sein wie das Leiden ihrer Opfer. Mehr nicht. Das war’s.
Die Todesstrafe lehne ich ab. Ein gewöhnlicher Verbrecher bricht das Gesetz, aber er stellt sich nicht über das Gesetz. Er soll deswegen auch nach dem Gesetz gerichtet werden. In unserem Land wurde die Todesstrafe aus guten Gründen abgeschafft. Ein Verbrecher, der sich Verbrechen unter staatlichem Schutz begeht, stellt sich jedoch über das Gesetz. Er soll daher auch nach überstaatlichen, übergesetzlichen Maßstäben behandelt werden, er soll, wenn dies die Schwere seiner Tat gebietet, sterben. Seine Hinrichtung ist nicht Vollzug der Todesstrafe, sondern Notwehr des Volkes: eine Mini-Revolution, blutig und schön.
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14.11.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Das eMag “Herz, Hirn und Hand” interviewte die Autorin des Sciencefictionromans “Ufo-Entführung mit Gehirnwäsche“:
HHH: Frau Solwega, glauben Sie eigentlich an Außerirdische?
Solwega: Es kommt wohl ganz darauf an, was man unter Außerirdischen versteht.
HHH: Intelligente Wesen, die irgendwo im Universum hausen.
Solwega: Irgendwo im Universum werden vermutlich intelligente Wesen leben. Es wäre höchst unwahrscheinlich, wenn es anders wäre. Es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, warum es anders sein sollte.
HHH: Meinen Sie, dass uns Außerirdische bereits hier auf der Erde besucht haben?
Solwega: Das ist eine schwierige Frage. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein intelligentes Wesen große Lust hat, Urlaub auf einem anderen Planeten zu machen, wenn die Anreise einige tausend Jahre dauern würde. Auf diese Idee könnte allenfalls ein höchst unintelligentes Wesen kommen, aber dann wäre es vermutlich kaum in der Lage, Raumschiffe zu bauen, die solche Distanzen zurück legen könnten.
HHH: Halten Sie Reisen durch Wurmlöcher für undenkbar.
Solwega: Nicht unbedingt. Wenn man die Realitätstheorie ein wenig schüttelt und ein bisschen Phantasie mitbringt, dann kann man sich einiges vorstellen. Allerdings vermute ich, dass unser Universum noch nicht alt genug ist.
HHH: Wieso alt genug?
Solwega: Es braucht schon einige Zeit, Wesen hervorzubringen, die intelligent genug wären, um eine Wurmloch-Technologie zu entwickeln und darauf fußende Transportmittel zu verwirklichen.
HHH: Dann können wir also lange warten, bis uns einmal Außerirdische besuchen?
Solwega: Das will ich so nicht sagen. Wir sind ja bisher von der stillschweigenden Voraussetzung ausgegangen, dass alle Außerirdischen körperliche Wesen sind, so wie wir. Dies ist aber eine selbstauferlegte Beschränkung unseres Denkens, die nicht unbedingt die wirklichen Verhältnisse da draußen widerspiegeln muss.
HHH: Und was ist da draußen?
Solwega: Die Frage ist doch die: Braucht der Geist einen materiellen Träger, einen Körper, ein Gehirn.
HHH: Körperlose Aliens? Wären das nicht Dämonen in modernem Gewande?
Solwega: Wenn man die Theorie so platt entwickelt, sicher. Mir widerstrebt es ohnehin, körperlose Intelligenz für möglich zu halten. Dies wäre vermutlich ein Widerspruch in sich. Ich will auf etwas anderes hinaus: Wenn wir von Intelligenz sprechen, dann denken wir im allgemeinen - zu recht oder auch nicht - an Wesen wie wir. Unser Körper nimmt einen bestimmten Raum ein, er bewegt sich in einer linearen Zeit, die sich von der Vergangenheit über ein unfassbares Jetzt in die Zukunft bewegt. Die Vorstellung besteht also im Kern darin, dass Intelligenz auf einer lokalen, begrenzten Ansammlung von Elementarteilchen beruht.
HHH: Uns will sich nicht erschließen, wie es anders sein könnte.
Solwega: Eine lokal begrenzte Ansammlung von Elementarteilchen ist an sich nicht intelligent, da fehlt noch was. Da fehlt ein Subjekt. Das Subjektive lässt sich aber nicht vollständig objektivieren. Es bleibt immer ein Rest.
HHH: Ein Rest?
Solwega: Ja sicher. Das Auge sieht sich niemals, auch nicht im Spiegel. Dort sieht es nur sein Spiegelbild. Wir können - zumindest im Prinzip - fast alle Bereiche der Welt objektiv beschreiben, nur nicht den Beschreiber im Augenblick der Beschreibung. Dieser entzieht sich der Objektivierung. Es bleibt also ein subjektiver Rest.
HHH: Ein subjektiver Rest? Was hat der mit außerirdischer Intelligenz zu tun.
Solwega: Knüpfen wir noch einmal an unseren Gedanken der lokalen, begrenzten Ansammlung von Elementarteilchen an. Aus dieser Ansammlung wird ja nur eine intelligente Struktur, wenn ihr eine nicht völlig objektivierbare Subjektivität “Geist einhaucht”.
HHH: Klingt irgendwie mystisch?
Solwega: Kennen Sie irgend etwas in der neurowissenschaftlichen Forschungsliteratur, was präziser wäre?
HHH: Wir glauben Ihnen, dass es das nicht gibt!
Solwega: Eine weise Entscheidung. Wie auch immer: Es ist denkbar, dass es Subjektivität gibt, die nicht einer lokal begrenzten Anordnung von Elementarteilchen Intelligenz einhaucht, sondern die das ganze Universum nutzt, um sich mal hier, mal da zu verkörpern.
HHH: Ein faszinierender Gedanke. Aber wie soll das funktionieren.
Solwega: Wenn ich es wüsste, hätte ich keinen Sciencefictionroman geschrieben, sondern eine neurowissenschaftliche Abhandlung.
HHH: Ich Buch ist über zwanzig Jahre alt. Gibt es heute neuere Erkenntnisse?
Solwega: Nein. Das Buch war seiner Zeit - bei aller Bescheidenheit - mindestens zwanzig Jahre voraus.
HHH: Frau Solwega, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Christiane F. Solwega: Ufo-Entführung mit Gehirnwäsche. Sciencefictionroman
Anmerkung: Christiane F. Solwega ist ein Pseudonym von Hans Ulrich Gresch.
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