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27.8.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Mann sein ist nicht leicht.
Beispiel: Klamotten. Ein Mann interessiert sich eigentlich nicht für Klamotten. Rein in den Laden, das Erstbeste gegriffen, raus aus dem Laden. So macht das der echte Mann.
Und da fängt es an. Das merkt man auch daran, dass ich, um die Verästelungen dieses Problems zu erläutern, gleich schon in den Konjunktiv wechseln muss. Das heißt: Schluss mit dem schnörkellosen Stakkato des rechten Mannes.
Es muss nämlich heißen: So würde es der echte Mann machen, wenn man ihn denn ließe. Das tut man aber nicht, denn Hemd, Hose, Jacke, ja, sogar - man glaubt es kaum - die Socken sind keineswegs nur Bekleidung, also Gegenstände zum Verhüllen unvorteilhafter Ausbuchtungen des Körpers, sondern sie sind Status-Symbole.
Diese aber sind erforderlich, wenn man seine Position in der Hierarchie finden und halten will. Das will der echte Mann. Und so hat er ein Problem, eins zusätzlich. Ein echter Mann interessiert sich weniger für Herrenmode als seine Frau. Also muss er seine Frau zum Einkaufen mitnehmen. Das kostet wertvolle Lebenszeit. Zum Glück ist der echte Mann leidensfähig, wenn es ums Große und Ganze geht. Nur eine Frau weiß, was feine Qualität ist.
Doch damit ist das Problem noch längst nicht gelöst. Schließlich muss der echte Mann anderen echten Männern u. a. mit seinen Klamotten signalisieren, dass er zu recht seine Position innerhalb der Hierarchie besetzt. Wo kämen wir denn da hin, wenn ein Untergebener ein teureres Jackett trüge. Manche sind ja so schamlos. Also muss das Jackett jenseits seiner Preisklasse liegen. Versteht sich. Da muss ein Jackett her, dass sich die da unten nicht leisten können.
Nun sind aber auch die Tretminen in der Hierarchie unter dem echten Mann ihrerseits echte Männer, die von Klamotten nichts verstehen. Feines Tuch können die auch nicht von Zeltbahnen unterscheiden. Zwar gibt es Sekretärinnen, aber die halten sich zurück, solange sie nicht unter sich sind. Die Ehefrauen kann man aber nicht mitbringen. Also müssen die Klamotten des echten Mannes ihren Wert in einer Weise demonstrieren, die auch andere echte Männer verstehen.
Zu diesem Zweck wurden die Marken-Klamotten geschaffen. Sie sind noch deutlich teurer, als die Klamotte ohnehin wäre aufgrund ihrer Qualität - es lohnt sich aber, dieses zusätzliche Geld auszugeben. Das schafft nämlich Klarheit - und Klarheit liebt der echte Mann.
Dummerweise gibt es auch Fälschungen von Markenartikeln. Ob das Krokodil wohl echt ist? Ja, dem echten Mann schlägt Misstrauen entgegen - nicht nur in diesem Bereich. Es ist nicht leicht, ein echter Mann zu sein. Da hat es die echte Frau viel leichter, denn sie liebt ja die Zauberwelt der Mode. Als ausgleichende Gerechtigkeit werden ihrer modischen Phantasie Grenzen gesetzt, wenn sie selbst im Geschäftsleben steht. Doch der Ausgleich ist nur ein bescheidener, denn die echte Frau betrachtet die Business-Kleidung als Herausforderung ihrer Kreativität und Gewitzheit.
Da kann der echte Mann, dem außer der Marke nichts bleibt, natürlich nur staunen. Doch Neid ist nicht am Platze. Die modische Idiotie des Mannes erspart ihm viel Zeit, die für viel wichtigere Anliegen aufgewendet werden kann, zum Beispiel im Reich der Automobile. Doch davon, liebe Kinder, erzähle ich euch in der nächsten Märchenstunde.
Geschrieben in Mode, Wirtschaft | Drucken | 1 Kommentar »