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20.7.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Nerven Sie auch die eMails in Ihrer Box, die Ihnen eine neue, garantiert erfolgreiche Penisverlängerung um 250 Prozent anpreisen. Solche virtuellen sexuellen Belästigungen sind ja nicht nur ärgerlich, wenn man keinen oder aber einen ohnehin schon übergroßen Penis hat. Nicht besser sind Anzeigen für Viagra und ähnliche Mittelchen zur Massierung der männlichen Lendenkraft. Als wenn man das nötig hätte!? Und dann erst jene Anzeigen mit Titeln wie: “Ihre Freundin wird begeistert sein!” Was, Sie haben gar keine Freundin? Dann helfen vielleicht jene Anzeigen, die Ihnen ewigen Wohlstand versprechen, wenn Sie dieses oder jenes tun?
In der Tat. Was tun? Was tun, um diese lästigen virtuellen Schmeißfliegen loszuwerden, die offenbar ihre Brutplätze in unseren Mailboxen eingerichtet haben? Sicher: Es gibt gute Spam-Filter. Googlemail z. B. leistet hervorragende Arbeit. Doch, seitdem ich hin und wieder neben zahllosen Unerträglichkeiten auch einige wichtige eMails in den Netzen gefunden habe, weiß ich: Man muss, um sicher zu gehen, auch den Spam-Ordner regelmäßig durchsehen… und damit relativiert sich der Vorteil erheblich.
Was also, was tun? Wo liegt das Problem. Liegt es darin, dass wir unseren Computer mit Viren und Würmern verseuchen, weil wir die Anhänge anklicken, die häufig mehr oder weniger gut als harmlos getarnt, den unsäglichen eMails anhaften wie Kaugummis auf Straßenbahnsitzen. Nein, natürlich nicht, so dumm, darauf zu klicken, sind wir doch seit Jahren nicht mehr. Was also?
Ja was denn? Es ist der Ärger, dieser gewaltige, dieser sinnliche Ärger, diese hilf- und heillose Wut darüber, dass niemand diesem Wahnsinn, dieser Schande des Internets wirksam Einhalt zu gebieten vermag. Doch halt, mein Freund. Wer wird denn gleich in die Luft gehen. Abonniere Lyrikmail. Dann geht alles wie von selbst. Wer diesen kostenlosen Service nutzt, findet jeden Morgen in seiner Mailbox ein Gedicht… meist ein großes oder kleines Meisterwerk, mitunter auch lyrisches Pupertätsgeheul… immer aber findet der Abonnent ein Gegengift zum alltäglichen Spam… und der Tag wird gut.
Geschrieben in Medien, Sprache, Belletristik, Psychologie | Drucken | 1 Kommentar »
12.4.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Wär’s nicht so traurig, könnt’ man’s possierlich nennen. Das Spiel läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Jemand rührt an das Nazi-Holocaust-Antisemitismus-Tabu. Rührt er zu stark, nimmt er Schaden. Rührt er zu schwach, merkt es keiner. Es kommt darauf an, so stark zu rühren, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert, aber keineswegs zu stark, damit einen nicht die Nazi-Holocaust-Antisemitismus-Keule trifft.
Das Spiel ist beliebt unter Politikern, Künstlern und anderen Selbstdarstellern. Es wird immer beliebter, weil man mit einigem Geschick ohne großes Risiko sich bundesweites mediales Interesse sichern kann. Die Beerdigung Hans Filbingers war eine schöne Gelegenheit, dieses Spiel zu spielen… und alles lief nach Schema F ab.
Dieses Spiel gehört zu den dumpfen, düsteren Ritualen bundesdeutscher Behäbigkeit und Verlogenheit. Wer es spielt, gewinnt nicht nur Aufmerksamkeit, er darf auch prickelnde Angstlust genießen, wie in einem Horrorfilm, nur intensiver. Manche werden süchtig danach, wenige verbrennen daran. Wer es spielt, verhöhnt die von den Nazis gemeuchelten Juden ebenso wie das deutsche Volk, die deutsche Nation.
Geschrieben in Medien, Sozialwissenschaften, Sprache, Psychologie | Drucken | 1 Kommentar »
4.4.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Am 7. Januar 2007 berichtete die britische Sunday Times, dass Israel einen Plan ausgearbeitet habe, die iranischen Atomanlagen mit taktischen Nuklearwaffen, sog. Bunker-Busters anzugreifen. Israelische Piloten würden die Verwirklichung dieses Plans bereits trainieren. Bunker-Busters sind Bomben, die sich einige Meter tief in den Boden bohren und erst dann ihren nuklearen Sprengsatz zünden. Dies soll die atomare Verseuchung einschränken. Experten warnen jedoch davor, dass dennoch gewaltigen Mengen verstrahlten Materials in die Atmosphäre freigesetzt werden.
“Sobald grünes Licht gegeben wurde, gibt es eine Mission, einen Schlag und das iranische Nuklearprojekt wird zerstört sein”, sagte eine der Quellen, auf die sich das britische Blatt beruft. Laut Sunday Times vermuten Militär-Experten, diese Enthüllung sei ein Instrument der psychologischen Kriegsführung Israels. Zu den möglichen Zielen zählten, (1) den Iran einzuschüchtern, (2) die Welt auf einen israelischen Atomschlag vorzubereiten (3) oder die Amerikaner zum Handeln zu überreden.
Die beiden erstgenannten Ziele halte ich für überaus unwahrscheinlich. Denn (1) wird in Israel niemand so naiv sein, sich ernsthaft einzubilden, die Fanatiker in Teheran ließen sich durch eine Atomdrohung zur Einstellung ihres Nuklearprojektes bewegen. Und (2) kann ich mir kaum vorstellen, dass Israel Atombomben einsetzt, solange es nicht unausweichlich dazu gezwungen wird. Denn in diesem Fall würde Israel eine überaus wertvolle Waffe der psychologischen Kriegsführung verlieren, nämlich den Opfer-Status. Also bleibt eigentlich nur die dritte Option. Falls die Quellen der Sunday Times wirklich echt waren, dann könnte es sich um einen Versuch handeln, die Amerikaner zum Atomschlag gegen den Iran zu animieren.
Im März 2006 erschien in der “London Review of Books” ein vielbeachteter und heftig geschmähter Artikel über die “Israel Lobby”. Er stammt von den amerikanischen Professoren John Mearsheimer und Stephen Walt. Die Autoren behaupten, dass die gegenwärtige Israel-Politik der Vereinigten Staaten den nationalen Interessen der USA schade und nur Israel nutze. Der Grund dafür sei eine überaus erfolgreiche Israel-Lobby, der nicht nur einflussreiche Juden, sondern auch mächtige Neocons gehörten.
Ein Artikel mit diesem Tenor ruft natürlich beinahe automatisch Antisemitismus-Vorwürfe hervor. Diese Vorwürfe sind nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn die Kritik Mearsheimers und Walts richtet sich nicht speziell gegen bestimmte israel-freundliche Institutionen, sondern gegen ein loses, informelles Netzwerk von Leuten und Gruppen, die sich für Israel stark machen. Und so werde ich den Verdacht nicht los, dass hier nur ein Sündenbock gesucht wird.
Die Israel-Lobby, so schreiben die Autoren, habe den zweiten Irakkrieg vom Zaun gebrochen. Nicht das Öl und auch nicht der Terrorismus oder die angeblichen Massenvernichtungswaffen seien der Grund für diesen Krieg gewesen. Vielmehr sei es ausschließlich darum gegangen, Israel sicherer zu machen. Kaum sei der irakische Diktator gestürzt gewesen, habe die Israel-Lobby George Bush gedrängt, nun gegen den Iran loszuschlagen.
Dass in Amerika niemand begeistert wäre, wenn der Iran sich Atombomben zulegte, steht außer Zweifel. Die USA haben aber auch keine Freudenfeste veranstaltet, als sich die Sowjetunion mit Nuklearwaffen ausstattete. Mearsheimer und Walt betonen zu recht, dass die USA weltweit den Besitz von Atomwaffen tolerieren, wenngleich zähneknirschend, und jetzt sogar das Nukleararsenal des Schurkenstaats Nordkorea akzeptieren. Es liegt also nahe, das gegenwärtige Säbelrasseln gegenüber dem Iran auf den Einfluss der Israel-Lobby zurück zu führen. Es wäre schließlich selbstmörderisch, wenn ein atomar aufgerüsteter Iran die USA angriffe - er könnte sich aber Hoffnungen machen, einen Nuklearkrieg gegen Israel zu gewinnen.
Doch was bei oberflächlicher Betrachtung naheliegt, muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Die offensichtlichen Erfolge israelischer Lobbyisten haben den amerikanischen Patrioten Mearsheimer und Walt vielleicht den Blick dafür verstellt, dass in dieser Welt die Macht letztlich immer noch aus den Gewehrläufen kommt. In letzter Instanz bestimmen nicht die Lobbyisten den Gang der Geschichte, sondern jene, die militärisch am stärksten sind. An den Schalthebeln der militärischen Macht Amerikas, der einzigen verbliebenen Supermacht auf diesem Planeten, sitzt aber nicht die Israel-Lobby, dort sitzen auch nicht die “reichen Juden”, denen die Nazis alles Böse zuschreiben. Dort sitzt die Machtelite der amerikanischen Bourgeoisie, zu der natürlich auch ein paar Juden zählen.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erscheint es mir lächerlich anzunehmen, dass die Israel-Lobby in Amerika über Krieg und Frieden entscheide. Eher halte ich es für denkbar, dass die Supermacht USA die Bedrohung Israels als Instrument der psychologischen Kriegsführung benutzt. Die scheinbar selbstlose Unterstützung eines Staats, dessen Menschen bzw. deren Vorfahren in der Geschichte so viel Unrecht erdulden mussten, soll den Blick dafür trüben, dass die offenen und verdeckten Kriege der Vereinigten Staaten nur ein Ziel verfolgen: die Weltherrschaft.
Geschrieben in Verschwörungstheorie, Medien, Geschichte, Politik | Drucken | 1 Kommentar »
7.3.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Eine neue britische Studie hat festgestellt, dass die Berichterstattung der Medien in den letzten Jahren viel emotionaler geworden sei. Manche deuten dies als Ausdruck der Feminisierung westlicher Gesellschaften, sehen das kritische Denken und dadurch die Demokratie in Gefahr. Die “Feminisierung” als Ursache auszumachen, liegt natürlich nahe, ist aber aus meiner Sicht zu vordergründig. Zwar sauge ich Argumente, die den Feminismus für alle Unbill unserer bösen Welt verantwortlich machen, meist widerstandslos auf wie ein Schwamm, aber in diesem Falle muss ich dieser lustvollen Neigung, so leid es mir tut, widerstehen. Der Grund für diese Tendenz zur Emotionalisierung ist diesmal ausnahmsweise ein anderer: die Männer sind schuld, tatsächlich. Denn die meisten Experten sind immer noch Männer.
Unsere moderne Welt ist so komplex, genauer, unser Wissen über die moderne Welt ist so vielschichtig, so kompliziert geworden, dass die meisten von uns selbst die Themen, die uns unmittelbar angehen, selbst die Sachverhalte unseres alltäglichen Lebens nicht mehr verstehen. Wir müssen also, um uns zurecht zu finden, diese Komplexität verringern. Der naheliegende Mechanismus zur Reduktion von Komplexität ist, wie Luhmann einst in seiner gleichnamigen Schrift analysierte, das Vertrauen.
Doch die Experten, denen wir vertrauen könnten, haben sich heillos kompromittiert. Sie waren vielleicht schon immer korrupt, aber wahrscheinlich nicht so korrupt wie heute. Jedenfalls ist den Menschen in den letzten Jahren immer klarer geworden, dass sie den Experten nicht vertrauen können, weil die meisten gut geschmiert sind und es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Und so ersetzt zunehmend die Emotionalisierung das Vertrauen als Mechanismus zur Reduktion von Komplexität. An die Stelle der Experten treten die Betroffenen. Denn Komplexität müssen wir reduzieren: Wenn das Vertrauen fehlt, bleibt nur die Emotionalisierung.
Es entsteht eine neue Klasse der Betroffenheits-”Experten”. An die Stelle von Wissenschaft, Logik und Fakten treten persönliche Erfahrung, das “uralte Wissen” der Vorfahren und die emotionale Intensität. Diese neuen “Experten” sind übrigens meistens Frauen.
Geschrieben in Medien, Sozialwissenschaften, Soziologie, Sprache, Psychologie | Drucken | 1 Kommentar »