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September 2010
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Archiv der Kategorie Katholische Kirche

Kirche, Kinderschänder

Es bedarf wohl keines Beleges, dass Menschen mit erfüllter Sexualität selbstbewusster sind als sexuell frustrierte. Dies ist der Grund, warum Mächtige eine repressive Sexualmoral propagieren. Sexuell verklemmte Menschen lassen sich tendenziell besser regieren und manipulieren als erotisch freie.

In vielen Klassengesellschaften fiel die Aufgabe, den Menschen sexuelle Schuldgefühle einzujagen, traditionellerweise den Institutionen der organisierten Religion zu.  In den Industriestaaten verringert sich seit einigen Jahrzehnten jedoch der Einfluss der Kirche und daher werden die traditionellen Formen der sexuellen Repression zunehmend durch moderne ersetzt, die sich nicht mehr der Kirchen, sondern der Medien bedienen. Durch sexuelle Reizüberflutung werden die Medienkonsumenten von Kindesbeinen an in sexuelle Zwangscharaktere verwandelt. Die Sünde wird zur Sucht. Die Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sind aber unverändert.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern ist weit verbreitet und findet überwiegend in Familien statt. Zölibatäre bilden unter den Tätern nur eine kleine Minderheit. Die Ehe verhindert den sexuellen Missbrauch also keineswegs, sie ist erst recht kein Heilmittel gegen Pädosexualität. Sie kann allein deswegen kein Heilmittel sein, weil pädosexuelle Handlungen nicht auf einer Krankheit beruhen, sondern moralische Verfehlungen und Straftaten sind.

Pädosexualität kann keine Krankheit sein, weil sie als abweichende Form der Sexualität definiert wird. Dabei ist das Maß der Abweichung nicht die Statistik, denn Fußfetischisten oder “Rubens-Liebhaber” beispielsweise stellen auch nur eine Minderheit dar, gelten aber nicht als krank. Die Devianz ist im Falle der Pädosexualität eine moralische; sie ist eine Form der Sexualität, die von Normen und Erwartungen der Gesellschaft abweicht.

Pädosexualität ist auch nicht in jedem Fall Folge der sexuellen Repression; sie kam und kommt auch unter gesellschaftlichen Bedingungen und in sozialen Schichten vor, die kaum oder gar nicht durch Sexualunterdrückung gekennzeichnet sind. Es gibt aber auch Formen des sexuellen Missbrauchs, bei denen ein durch sexuelle Repression geschwächtes Selbstbewusstsein eine Rolle spielen könnte. Manche Menschen können sich aufgrund ihres lädierten Selbstwertgefühls nur in erotischen Beziehungen mit Unterlegenen, mit eindeutig Schwächeren befreit entfalten.  Für viele, vermutlich für die meisten Täter aber sind Kinder einfach nur leichte Beute und eine sexuelle Abwechslung.

Die erschütternde Häufigkeit sexuellen Missbrauchs ist u. a. die Folge der Tatsache, dass die Täter ein nur geringes und kalkulierbares Risiko eingehen. Nicht nur in den Kirchen, auch in anderen Institutionen der Gesellschaft werden die Täter nicht selten gedeckt und eine Versetzung ist vielfach das Schlimmste, was sie zu befürchten haben.

Nicht in der christlich-abendländischen Sexualunterdrückung, nicht im Zölibat und erst recht nicht in der angeblichen sexuellen Revolution seit Beginn der 70er Jahre sehe ich den Hauptgrund für den um sich greifenden sexuellen Missbrauch, sondern in dem geringen Risiko, das die Täter eingehen. Interessierte Kreise verstehen es im Übrigen glänzend, durch geschickte PR-Kampagnen dieses Risiko noch zu senken. Hier denke ich zum Beispiel an die vor einigen Jahren durch die Medien gepeitschte Theorie, die Berichte Betroffener über sexuellen Missbrauch in der Kindheit beruhten überwiegend oder fast immer auf “falschen Erinnerungen”.

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