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20.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
1962 verwirklichte der amerikanische Psychologe Stanley Milgram ein Experiment, das unter seinem Namen weltberühmt wurde. Es zeigte, dass die meisten seiner Versuchspersonen gute Versuchspersonen sein wollten. Um dies zu beweisen, folterten sie auf Anweisung des Experimentators und hörten damit auch nicht auf, als die Gefolterten vor Schmerzen aufschrieen und das Experiment abbrechen wollten. Die Versuchspersonen wussten nicht, dass die Folter nur vorgetäuscht war und die Schmerzen von den “Gefolterten” nur simuliert wurden. Damals wurde das Experiment in vielen Weltgegenden wiederholt, mit vergleichbaren Ergebnissen.
2006 wollte der amerikanische Psychologe Jerry M. Burger wissen, ob das Bedürfnis von Versuchspersonen, gute Versuchspersonen zu sein, heute noch unverändert stark ausgeprägt ist. Sein Experiment bestätigte Milgrams Befund. Zur Zeit berichten die Medien weltweit darüber, weil nun der entsprechende Forschungsbericht in der Fachzeitschrift “American Psychologist” vröffentlicht wird.
Erschütternd finde ich nicht diese auch nach Jahrzehnten unveränderten Ergebnisse, sondern das ungläubige Entsetzen, das sie auslösen. Als wäre es etwas Neues, dass Menschen - und nicht nur die Deutschen - willige Vollstrecker sind. Wozu sind derartige Experimente denn überhaupt erforderlich. Abu Ghraib. Guantanamo. Brutale Misshandlung in russischen Gefängnissen. Ich könnte dieses Blog überquellen lassen mit Stichworten zum Thema “Folter”.
Es müssen aber nicht immer glühende Eisen, Elektroschocker oder Streckbänke sein. Auch die alltägliche seelische Grausamkeit kann Menschen psychisch und physisch vernichten. Ich habe es am eigenen Leibe erlebt, wie ein ehemaliger Arbeitgeber, dem meine politische Gesinnung und mein Kampf gegen Folter-Gehirnwäsche nicht gefiel, Kollegen gegen mich instrumentalisierte: Bossing. Sie machten alle mit, selbst jene, die mir zuvor wohlgesonnen waren.
Ich will mich nicht beklagen. Ich habe oftmals Fälle beobachtet, in denen die Opfer ungleich härter betroffen waren als ich. Was mich am meisten erschüttert ist das Eingeständnis, dass ich selbst unter Umständen so missbraucht werden könnte - das auch ich wahrscheinlich im tiefsten Grunde meiner Seele nicht besser bin, in dieser Hinsicht, als andere Menschen.
Und so frage ich mich: Ist das die menschliche Natur? Oder sind es die Umstände?
Früher wäre es mir leicht gefallen, diese Frage zu beantworten: Klar, der Kapitalismus ist schuld. Er richtet die Menschen zu willigen Befehlsempfängern ab, damit er sie besser beherrschen und ausbeuten kann. So dachte ich als Heißsporn in meiner Jugend und ließ die rote Fahne flattern. Diese habe ich inzwischen wieder eingerollt, nachdem mich meine psychologischen Analysen menschlicher Geschichte eines Schlechteren belehrt haben. So einfach ist das nicht.
Menschen fürchten allzu große Komplexität. Wenn die Welt zu unübersichtlich wird, streben sie nach Komplexitätsreduktion. Vertrauen ist, wie Luhmann in einem gleichnamigen Werk beschrieb - Vertrauen ist ein Mechanismus zur Reduktion von Komplexität. Unterordnung unter den Willen anderer, die als überlegen betrachtet werden, ist ein anderer derartiger Mechanismus. Die individuelle Moral bleibt da leicht auf der Strecke. Auch sie reduziert Komplexität, gibt Verhaltenssicherheit, aber doch in weitaus geringerem Maße als der Befehl einer Autorität.
Daran müssen wir Menschen arbeiten. Wir müssen uns umerziehen. Die Zeit des Individuums ist noch nicht angebrochen. Die Morgenröte des Individualismus beleuchtet eine humane Welt.
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14.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Nein, sicher nicht!
Dies ist der erste Gedanke, der einem halbwegs aufgeklärten Menschen aus dem alten Europa durch den Kopf schießt. Nein, das ist billigste Verschwörungstheorie, mit den üblichen braunen Rändern, die schnell in hirnrissige UFO-Gläubigkeit oder kriminell widerlichen Antisemitismus ausufert.
Der zweite Gedanke, der den halbwegs aufgeklärten Alteuropäer beschleicht, weist in eine andere Richtung. Gab es da nicht diese “Propaganda Due”, jene freimaurerische Geheimorganisation, die während des Kalten Kriegs die italienische Politik steuerte? Hatte diese Loge nicht beste Kontakte zur CIA, die durch klingende Münze orchestriert wurde? Gab es nicht Verbindungen zur ultrageheimen Partisanen-Organisation “Gladio”, die der NATO unterstand und deren operative Geschäfte von der CIA und anderen westlichen Geheimdiensten (einschließlich BND) geführt wurden? Plante die Propaganda Due nicht gar einen Staatsstreich, um die Demokratie in Italien abzuschaffen?
Natürlich! Der dritte Gedanke des halbwegs aufgeklärten Alteuropäers schließt sich nahtlos an. Natürlich, das sind Fakten. Und Fakten, nicht Ideologien oder andere Vorurteile sollten unser Denken bestimmen. Die Propaganda Due gab es wirklich, Gladio gab es wirklich. Schlimm genug. Doch das waren Betriebsunfälle der Demokratie, die durch die Hysterie und Paranoia des Kalten Krieges zu erklären sind.
Dann atmet der halbwegs aufgeklärte Alteuropäer erst einmal durch, um dann seinen vierten Gedanken zu zelebrieren. Die dummen Amis, denkt er, sind ja so furchtbar ungebildet und blasen jede Halbwahrheit schnell zu einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie auf. Wir halbwegs aufgeklärten Alteuropäer sollten uns auf unsere Kultur des Denkens besinnen. Haben uns nicht die alten Griechen die Logik geschenkt - dieses unschätzbar wertvolle Instrument, mit dem wir erkennen können, welche Schlüsse aus vorhandenen Fakten zulässig sind und welche nicht?
In aller Regel lehnt sich der halbwegs aufgeklärte Alteuropäer nun in seinen Sessel zurück und verbirgt seinen Kopf hinter einem Nachrichtenmagazin oder einer Zeitung für die gebildeten Stände. Es gibt allerdings auch den einen oder anderen Desperado unter den halbwegs gebildeten Alteuropäern, dessen Atem nach vier aufeinander folgenden Gedanken noch nicht erschöpft ist. Er fragt sich,welchen Erklärungswert die Vokabeln “Hysterie”, “Paranoia” und “Kalter Krieg” denn eigentlich besitzen.
Sind das die Fakten, aus denen die logisch zulässigen Schlüsse gezogen wurden, so dass kein anderes Urteil legitim erscheint als jenes, dass die große Illuminaten-Verschwörung eine haltlose Theorie sei? Oder handelt es sich hier nur um Impressionen, um Wertungen auf schwammiger Fakten-Basis?
Wir leben in einer Demokratie. Die Bürger dürfen regelmäßig zur Wahl gehen und die politischen Geschicke ihres Landes in die Hände von Menschen legen, denen sie vertrauen oder denen sie zumindest die damit verbundenen, erforderlichen Leistungen zutrauen. In einer Demokratie, freilich, sind Verschwörer ein Störfaktor, der mit polizeilichen und juristischen Mitteln zu bekämpfen ist - und wenn Verschwörer dennoch zu einigem Einfluss gelangen, dann handelt es sich um einen Betriebsunfall.
Das ist die eine Seite. Die andere Seite besteht darin, dass der Reichtum in den Demokratien höchst ungleich verteilt ist. Einer kleinen Zahl von Menschen mit gigantischem Vermögen steht die überwiegende Mehrheit des Volkes gegenüber. Einigen geht es recht gut, viele Leben in bescheidenen Wohlstand, doch eine steigende Zahl von Menschen hat kaum das Nötigste zum Leben.
Allerdings: Geld, wir wissen es, ist Macht. Viel Geld ist viel Macht. Gigantische Vermögen bedeuten gigantische Macht. Werden die Menschen mit gigantischer Macht tatsächlich die Geschicke ihres Landes vertrauensvoll in die Hände jener Politiker legen, die von der Mehrheit der Habenichtse gewählt wurden? Oder werden sie versuchen, ihre gigantische Macht zu nutzen, um die politischen Verhältnisse in ihrem Lande in ihrem Sinne zu beeinflussen - unabhängig davon, was die Mehrheit will oder nicht will?
Ich zweifele keine Sekunde daran, dass die Mehrheit der Superreichen echte Demokraten sind. Auch für sie hat die Demokratie reale Vorteile - solange das Volk sich als Souverän wähnt und dennoch den Reichtum der Superreichen nicht antastet. Es wäre also höchst unklug, die gigantische Macht zu nutzen, um offen in die politischen Verhältnisse einzugreifen. Das Volk ist ja nicht dumm, o nein; so plump will es nicht betrogen werden. Da müssen sich die Superreichen schon etwas Intelligenteres einfallen lassen.
Gut, das es die Illuminaten gibt. Gäbe es sie nicht, könnte man auf den Gedanken kommen, es wären die Superreichen selbst, die sich verschworen haben. Aber nein, Gott bewahre, man möge doch die netten Leutchen in ihren schlichten Häuschen am Hang zufrieden lassen. Die sind doch so bescheiden, dass wir sie kaum zu Gesicht bekommen. Wer verirrt sich schon einmal in den Ghettos der Superreichen?
Die Illuminaten sind für die Verschwörung zuständig. Und die kommen von einem anderen Stern oder sie stammen aus dem braunen Phantasiereich der Antisemiten. Nachdem der durchschnittliche, halbwegs aufgeklärte Alteuropäer nach dem vierten Gedanken selig in seinem Sessel einschlummerte, ist nun auch der Desperado des Gebetsmühlengeklappers seiner anarchischen Gedanken überdrüssig und macht die Klappe dicht.
Klar, sagt er sich, es gibt Netzwerke hinter den Kulissen, Geheimgesellschaften, Illuminaten. Die sind so geheim, dass wir uns kein klares Bild von ihnen machen können. Ein klares Bild brauchen wir aber auch nicht, weil wir - wie einst Louis Renault in “Casablanca” - die üblichen Verdächtigen verhaften können.
Doch wäre dieser Schluss wirklich die letzte Weisheit, die wir aus unserer alteuropäischen Geistestradition herauspressen können? Sollten wir nicht vielmehr dem Prinzip der Sparsamkeit folgen? Sollten wir nicht auf Annahmen verzichten, die durch die Fakten nicht erzwungen werden? Sollten wir nicht vor allem keine Begriffe verwenden, die sich nur dem Klang, aber nicht dem Inhalt nach von bereits eingeführten Begriffen unterscheiden.
Ein eingeführter Begriff ist die “Bourgeoisie”. Auf Deutsch heißt das Bürgertum. In einer Demokratie sind natürlich wir alle Bürger. Das aber ist nicht damit gemeint. Bürger in Sinne des “Bourgeois” sind Menschen, die so reich sind, dass sie ihr Leben frei und unabhängig gestalten können - die arbeiten können, wenn sie es möchten, die aber nicht arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der harte Kern der Bourgeoisie sind die Superreichen, also jene Bürger mit gigantischer Macht. Warum sollten wir diese Bürger Illuminaten nennen? Widerspricht dies nicht einer guten alteuropäischen Tradition, dem Prinzip der gedanklichen Sparsamkeit?
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12.12.2008 von Hans Ulrich Gresch.
In einem modernen konventionellen Krieg landet ein Soldat eher in der Psychiatrie als im Zinksarg. Der Mensch ist für den Wahnsinn, den extremen Stress eines Kriegs mit tödlichen, hochtechnisierten Waffensystemen nicht geschaffen. Nach rund einem Monat an der Front sind 98 Prozent der Soldaten zusammengebrochen. Früher oder später erreicht fast jeder seinen Bruchpunkt.
Die verbleibenden Fälle sind Psychopathen, die schon vor ihrem Wehrdienst besonders anfällig waren für Furcht und Moral. Psychiatrische Zusammenbrüche sind also ein erhebliches Problem moderner Streitkräfte. Dass nur Feiglinge und schwache Charaktere aus psychischen Gründen an der Front versagen, ist eine durchsichtige Legende. Vielmehr ist der psychiatrische Zusammenbruch im Kriege die normale Reaktion gesunder Leute auf eine wahnsinnige Situation.
Was für den konventionellen Krieg zutrifft, gilt selbstverständlich in gesteigertem Maß für den taktischen Nuklearkrieg. In ihm werden die allgemeinen angstauslösenden Faktoren des modernen Kriegs durch eine Quelle der Bedrohung ergänzt, die heimtückischer nicht sein könnte: Strahlung. Aber auch die moralische Belastung ist ungleich größer: Denn in einem taktischen Nuklearkrieg ist die Gefahr der Kollateralschäden erheblich größer als in einem konventionellen Krieg. Davon können die eigenen Kameraden betroffen sein und - wenn der Krieg im eigenen Land stattfindet - natürlich auch die zivilen Landleute.
Die NATO wollte im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Deutschland taktische Nuklearwaffen einsetzen. Sie wollte die heranrollenden sowjetischen Panzer an der deutsch-deutschen Grenze mit Mini-Nukes aufhalten.
Und so erhielten die Holzschnitzer in Oberammergau einen Geheimauftrag. Sie sollten die Soldaten schnitzen, die den traumatisierenden Stress eines solchen Krieges aushalten.
Um das Problem wirklich zu verstehen, muss man ins Detail gehen:
Die taktischen Nuklearwaffen in den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Besonderheit, dass der Radius der Kollateralschäden weit größer war als der Radius der Schadeinwirkungen auf den Feind. Außerdem war die Treffsicherheit wesentlich geringer als in unseren heutigen Zeiten des durch Satelliten überwachten, computergesteuerten präzisen Todes durch chirurgische Schnitte mit begrenzten Kollateralschäden. Heute steht auch die Neutronenbombe zur Verfügung, die ein wesentlich günstigeres Verhältnis zwischen Feindschäden und Kollateralschäden aufweist.
Damals aber hätte man sehr viele taktische Nuklearwaffen zünden müssen, um die sowjetischen Panzer an der deutsch-deutschen Grenzen zu stoppen - die Auswirkungen auf die deutsche Bevölkerung in unserem dicht besiedelten Land wären verheerend gewesen. Eine wesentliche Verringerung der Kollateralschäden wäre aber durch exakte Treffer möglich gewesen. Dadurch hätte man die Zahl und die Stärke der taktischen Nuklearwaffen, der Mini-Nukes auf ein für die deutsche Bevölkerung “erträgliches Maß” vermindern können. Die Bomben hätten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort losgehen müssen, nämlich dann, wenn sich eine größere Zahl sowjetischer Panzer in ihrem Schadensradius befand. Dabei kam es schon damals weniger auf die Detonationskraft, sondern vor allem auf die Strahlung an. Die Mini-Nukes waren direkte Vorläufer der Neutronenbombe, waren allerdings mit erheblich größeren Kollateralschäden verbunden.
Und nun lassen wir unsere Phantasie nach Oberammergau schweifen. Stellen wir uns vor, dort hätten fromme, patriotische Holzschnitzer perfekte Soldaten geschnitzt, wahre Heilige, die sich im Krisenfall in Schützenlöcher gehockt hätten mit ihren kleinen Atombomben und diese genau zur rechten Zeit gezündet hätten. Zeitzünder wären zu ungenau gewesen, und Fernsteuerung hätte nicht funktioniert - aufgrund des elektromagnetischen Pulses der Atombomben, die von den Russen im Weltraum gezündet worden wären (die NATO rechnete damit, dass die Sowjets so die Elektronik und Kommunikation der NATO außer Kraft setzen würden). Die geschnitzten Soldaten hätten also bei ihren Bomben bleiben und mit ihnen in die Luft fliegen müssen. Na ja, einer Holzfigur macht das wohl nicht viel aus - vor allem, wenn sie aus Oberammergau stammt und in Weihwasser gebadet wurde.
PS: Wenn Sie nicht an den Geheimauftrag für Oberammergau glauben, dann habe ich hier einen alternativen Erklärungsversuch für Sie: Ein Sklave der Freiheit (Roman).
PPS: Ein gutes Buch zur Psychologie des modernen Kriegs: Richard A. Gabriel (1988). The Painful Field. The Psychiatric Dimension of Modern War. New York: Greenwood Press
PPPS: Sie glauben, dass Sie selbst aus einer geheimen Holzschnitzerwerkstatt stammen. Dann lesen Sie: Die verspottete Wahrheit.
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11.10.2008 von Hans Ulrich Gresch.
München (ots) -
- Moderation: Hendrik Hey
- Sendetermin: Sonntag, 12. Oktober 2008, 18:00 Uhr bei RTL II
Welt der Wunder” berichtet in diesem SPEZIAL über verborgene Gedanken-Experimente, mit denen Menschen zu willenlosen Attentätern gemacht werden sollen. In den USA führte das Bekanntwerden des “MK-Ultra”-Projekts in den siebziger Jahren zu einem handfesten Skandal. Im Rahmen von “MK-Ultra” testete die CIA, ob es möglich ist, Menschen unter Einsatz verschiedener Mittel so zu manipulieren, dass sich ihr Handeln von außen kontrollieren und steuern lässt. Aber ist es tatsächlich möglich, das Bewusstsein einer Person zu manipulieren und ihr einen fremden Willen aufzuzwingen, ohne dass sie es merkt?
Mit dem “MK-Ultra”-Projekt verfolgten Wissenschaftler ein einziges Ziel: Sie wollten herausfinden, wie ein Mensch so beeinflusst werden kann, dass er gegen seinen Willen handelt und sogar Ur-Instinkte wie den Selbsterhaltungstrieb unterdrückt. Zur Durchführung der Versuche wurden neben Hypnose auch Elektroschocks eingesetzt. Bei Verhören injizierte man den Verdächtigen Drogen wie LSD, so dass sie sich später nicht mehr daran erinnerten. Die Experimente wurden in der Regel ohne das Wissen der Versuchspersonen durchgeführt, einige von ihnen überlebten “MK-Ultra” nicht. 1975 erfuhr die Öffentlichkeit von dem Projekt. Angeblich wurde es dann aufgrund der großen Empörung eingestellt.
Jetzt hat “Welt der Wunder” die Recherche wieder aufgenommen und mit Experten über Gedankenkontrolle gesprochen. Wurden die menschenunwürdigen Experimente wirklich beendet? Der Nürnberger Diplom-Psychologe Dr. Hans-Ulrich Gresch hat sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt: “Gehirnwäsche-Methoden im Sinne des CIA-Forschungsprogramms “MK-Ultra” sind heute längst fester Bestandteil militärischer und geheimdienstlicher Praxis. Folter verfolgt heute nicht in erster Linie das Ziel, Menschen durch körperliche und seelische Qualen zu Geständnissen zu zwingen, sondern ihre Persönlichkeit zu zerbrechen und sie umzudrehen.”
Außerdem spricht “Welt der Wunder” mit Zeugen, geht ungeklärten Fällen nach und präsentiert Indizien und Beweise für die Existenz dieser Versuche. Die Erkenntnisse liefern ein beängstigendes Bild.
Pressekontakt:
RTL II Presse und PR
Annegret Wagner
Tel.: 089 64185 6508
E-Mail: annegret.wagner@rtl2.de
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6.7.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Beim Surfen im Netz fand ich zufällig einen Artikel von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt aus der Wochenzeitung “Die Zeit” vom 28. 11. 2007. Die Schlagzeile lautete: “Nato plante Atomminen in Deutschland“. Die Pläne, von denen er erst als Verteidigungsminister erfahren habe, seien weit gediehen gewesen. Dass die NATO durch atomare Landminen, durch Special Atomic Demolition Munition (SADM) Deutschland auf deutschem Boden vor den Russen schützen wollte, war allerdings zum Zeitpunkt der “Enthüllung” durch die “Zeit” längst bekannt. Entsprechende, freigegebene US-Dokumente standen der Geschichtsforschung schon seit Jahren zur Verfügung. Auch die “Blauen Augen” haben sich nicht dieser Thematik beschäftigt, wie folgender Tagebuch-Eintrag vom 27. 03. 2007 beweist:
Beginn Zitat:
Am 13. November 1964 traf sich der amerikanische Verteidigungsminister McNamara mit seinem deutschen Kollegen Kai-Uwe von Hassel. In von Hassels Gefolge befanden sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Heinz Trettner und General Bernd Freitag von Loringhoven. Von Loringhoven war ein Zeuge der letzten Tage im Führerbunker.
Heinz Trettner bezweifelte, dass die strategische nukleare Abschreckung noch glaubwürdig sei. “Flexible Response”, die gestufte Abschreckung sei nunmehr erforderlich. Diese Einschätzung teilte er mit dem amerikanischen Verteidigungsminister und dessen frischgebackenem Stabschef General Earle G. Wheeler. Die massive Vergeltung solle einem nuklearen Überraschungsangriff oder einem totalen konventionellen Angriff des gesamten Warschauer Paktes vorbehalten bleiben.
Die deutsche Generalität hatte sich auch eine Alternative zum weltweiten atomaren Overkill ausgedacht. General von Loringhoven trug das Konzept vor: Im Falle eines Angriffs der Sowjets auf Westdeutschland sollten Heer und Luftwaffe mit konventionellen Mitteln zurückschlagen. Gleichzeitig aber sollten die atomaren Landminen, die bereits entlang der deutsch-deutschen Grenze deponiert worden waren, gezündet werden. Sobald NATO-Truppen in Gefahr stünden, zerstört zu werden, sollten zusätzliche taktische Atomwaffen eingesetzt werden. Eine weitere Eskalation könne vermieden werden, wenn die sowjetische Aggression auf dieser Stufe gehalten werden könne. Nach diesem deutschen Konzept sollten die Nuklearwaffen nur auf deutschem Boden und nicht gegen die sowjetischen Kommunikationslinien eingesetzt werden.
Waren dies militärische Sandkastenspiele? Oder sollte Deutschland wirklich auf dem atomaren Schlachtfeld geopfert werden. Mit Zustimmung der westdeutschen Führung, ja, sogar einem Konzept der westdeutschen Generalität folgend? Wer weiß.
Ron Chiste war als GI in Deutschland und diente in der 3. US-Panzerdivision. Im Mai 1972 erhielt er den Befehl, die taktischen Atomwaffen scharf zu machen. Was war geschehen? Präsident Richard Nixon hatte angeordnet, dass der nordvietnamesische Hafen von Haiphong bombardiert werden solle. Das Weiße Haus war sich nicht sicher, wie die Russen reagieren würden.
…
Hintergrundfakten zum Kalten Krieg in Deutschland: Ingo Wolfgang Trauschweizer: CREATING DETERRENCE FOR LIMITED WAR: THE U.S. ARMY AND THE DEFENSE OF WEST GERMANY, 1953-1982 . Dissertation: University of Maryland, 2006
Ende des Blog-Eintrags vom 27. 03. 2007
Schmidt behauptet, er habe sich damals den amtierenden Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Melvin Laird, zur Brust genommen und ihm, von Soldat zu Soldat, gesagt:
„ … wenn irgendein kommunistischer Kommandeur in der Verfolgung irgendwelcher flüchtigen Leute über die Grenze rüberkommt, und eine atomare Mine geht hoch, dann heben alle deutschen Soldaten die Hände hoch, dann ist Schluss der Verteidigung. Dieses Argument hat den amerikanischen Verteidigungsminister überzeugt. Er war genau wie ich ein alter Soldat und wusste, was man Soldaten zumuten kann und was nicht.“
Ich höre sie immer noch gern, diese markigen Sprüche unseres Weltökonomen und Altbundeskanzlers. In diesem Falle beschleichen mich allerdings Zweifel, ob sie auch auf Wahrheit beruhen. Dies würde nämlich voraussetzen, dass Schmidt und Laird Lichtjahre von der Realität des taktischen Nuklearkriegs entfernt waren. Die SADM sind keine Tretminen, die versehentlich ausgelöst werden könnten, wie obiges Zitat suggeriert. Es handelt sich vielmehr um Gerätschaften von der Größe eines Übersehkoffers, die entweder durch einen Zeitzünder oder unmittelbar durch einen Suicide-Bomber ausgelöst werden.
Schmidt behauptet, er habe diesen “todgefährlichen Unfug” gemeinsam mit dem Amerikaner beseitigen können. Nun glaube ich dem Altkanzler gern, dass er dies glaubt. Wer könnte daran zweifeln, dass er eine ehrliche Haut ist?
Ein amerikanischer Soldat erinnert sich daran, noch 1971 mit diesen Landminen in Deutschland geübt zu haben. Hierzu ein Zitat aus dem Blaue-Augen-Blog vom 22. 3. 2007.
Zitat Anfang:
Arnold Dutcher war 1971 als Soldat der “Spearhead-Division” in Deutschland. Er schreibt in seinen Erinnerungen an diese Zeit: “Während meines Einsatzes in Deutschland trainierte ich hauptsächlich mit der MK-54 SADM. Sie war die leichteste und kompakteste der ADM-Waffen.” Die Mission seiner Einheit, des ADM-Platoons bestand darin, “Dinge in die Luft zu sprengen, die dann Hindernisse wurden, um die Armeen des Ostblocks auf ihrem Weg nach Westen zu stoppen.” Als Ziele kamen z. B. Autobahnen in Frage. Der Einsatz der Kofferbombe wurde beständig geübt. Ein häufiges Übungsgebiet war ein Autobahnabschnitt in der Nähe Hanaus. Die Einsatzgruppe hielt die Zufahrt zum Standort der Bombe frei, beseitigte Unterholz, entfernte Äste und andere Gegenstände, die das Fahrzeug der Truppe behindert hätten. Die letzten Meter mussten Sie den Koffer tragen, der insgesamt etwa 75 kg schwer war.
Die Bombe sollte durch eine internen Zeitschalter gezündet werden. Dutcher und seine Kameraden hatten allerdings den Befehl, in Sichtweite auf die Detonation zu warten. “Dies bedeutetete er erhebliches Risiko für das Team”, schreibt Dutcher, “aber wir wussten, wie wir in Deckung gehen und uns selbst schützen konnten.” (Dutchers Bericht findet sich hier.)
Zitat Ende
Helmut Schmidt wurde 1969 Verteidigungsminister.
PS: In einem hat Schmidt allerdings uneingeschränkt recht: Anständige deutsche Soldaten mit auch nur einem Hauch von Vaterlandsliebe im Leib hätten sich geweigert, diese Waffen auf deutschem Boden einzusetzen und damit ihr Volk, zum Zwecke seiner “Verteidigung”, der nukleare Vernichtung anheimzugeben. Lag es da nicht nahe, dass die NATO, dass die Amerikaner nach Auswegen, nach Ersatz für normale Soldaten suchten? Vielleicht war dies ja auch ein Ziel der Gehirnwäsche-Programme der CIA und der amerikanischen Streitkräfte. So heißt es in einem einst geheimen Dokument der CIA, eine Aufgabe dieser Programme sei es, nach Möglichkeiten zu suchen, wie man Menschen gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen in willenlose Befehlsempfänger verwandeln könne, die wie geistige Roboter tun, was ihnen gesagt wird, auch wenn es das eigene Leben kostet (Memorandum for: Chief, Medical Staff, Subject: Project Artichoke, Evaluation of ISSO role, 25 January 1952, MORI ID 144686).
Könnte es nicht sein, dass diese Gehirnwäsche-Programme keineswegs die erfolglosen Kopfgeburten durchgeknallter Schlapphüte waren, wie uns die Medien suggerieren wollen? Könnte es nicht vielmehr sein, dass hinter ihnen militärische Notwendigkeiten standen? Könnte es nicht sein, dass bestimmte NATO-Strategien, deren Realisierung tatsächlich geübt wurde, im Ernstfall, also nicht im Manöver, ohne gehirngewaschene Selbstmord-Bomber nicht hätten realisiert werden können? Könnte man dann nicht sogar von einem Indizienbeweis dafür sprechen, dass die Gehirnwäsche-Projekte tatsächlich erfolgreich mental versklavte Menschen hervorgebracht haben? Oder hat die NATO eine Strategie entwickelt, für deren Verwirklichung sie zwar die Waffen hatte, aber keine zuverlässigen Leute, die im Krieg den Befehlen zum Einsatz dieser Waffen auch bedingungslos gehorchen? War die NATO ein Haufen von Stümpern?
Es gilt im übrigen zu bedenken, dass die Nuklearkriegsstrategen damals nicht nur vor einem moralischen Dilemma, sondern vor einem noch weitaus größeren handwerklichen Problem standen. Die militärische Führung des Westens waren damals davon überzeugt, dass die Sowjets einen Angriff auf Westdeutschland mit Atombombenzündungen im Weltraum über Deutschland beginnen würden, um durch den elektromagnetischen Puls die Kommunikation des westlichen Bündnisses zu stören und die Elektronik lahmzulegen. Dann wären aus ordinären Zündkabeln gigantische Antennen für die Energie des elektromagnetischen Pulses geworden. Damals war es nämlich noch nicht möglich, die Elektronik und die Kommunikationssystem gegenüber dem elektromagnetischen Puls zu härten. Man lief also Gefahr, dass die nuklearen Landminen überhaupt nicht oder zum falschen Zeitpunkt hochgegangen wären. Wollte man sicherstellen, dass die kleinen Atombomben punktgenau beim Herannahen sowjetischer Panzerverbände explodierten, um die Verstrahlung Deutschlands möglichst gering zu halten, dann brauchte man Leute zur Zündung der Bomben von Hand. Oder gab es eine andere Lösung, die mir nur nicht bekannt ist? Man bedenke: In dieser Zeit gab es auch nicht die heute zur Routine gewordene, höchst effiziente Überwachung von Schlachtfeldern durch Satelliten.
Wir wissen nicht, ob all dies als Problem betrachtet und wenn ja, wie es gelöst wurde. Fakt ist, wie bereits erwähnt, dass die CIA und die Army schon seit Beginn der 50er Jahre nach Möglichkeiten suchten, Menschen durch Gehirnwäsche in willenlose Befehlsempfänger zu verwandeln, die gehorchten, auch wenn es das eigene Leben kostete. Die damals bekannten psychiatrischen und neurologischen Methoden zur geistigen Versklavung von Menschen waren mit Sicherheit nicht geeignet, Erwachsene mit gefestigter Persönlichkeit in Suicide-Bombers zu verwandeln. Mit Kindern war das damals wie heute allerdings durchaus realisierbar. Kinder, die noch keine eigene Persönlichkeit besitzen, kann man dressieren, jeden Befehl auf Kommando zu befolgen, auch unter Missachtung des eigenen Lebens. Man muss nur früh genug beginnen mit der Dressur und darf vor keiner Brutalität zurückschrecken. Mit 12, 13 Jahren wären diese Kinder-Soldaten dann in der Lage gewesen, herannahende sowjetische Panzerverbände mit taktischen nuklearen Landminen auszulöschen.
Das sind natürlich Spekulationen, die voraussetzen, dass die verantwortlichen Militärs gewillt waren, sich über Gesetz und Menschenrecht hinwegzusetzen. Auch dafür könnte man Argumente finden, die auf ein in militärischen Kreisen beliebtes Grundmuster hinauslaufen: “Wer gibt uns das Recht, ein paar Menschenleben zu schonen, wenn wir dadurch Tausenden, Hunderttausenden, Millionen den Tod bringen?”
Wie auch immer: Hoffen wir, besser: seien wir zuversichtlich, dass Deutschlands jüngere Vergangenheit nicht mit einer derartigen moralischen Hypothek belastet ist.
In meinem Roman “Ein Sklave der Freiheit” habe ich ein derartiges Szenario beschrieben. Meine Hauptfigur, Martin Nottick wurde einem real existierenden Menschen nachgebildet. Er erinnert sich an eine Gehirnwäsche in der Kindheit und an seine Ausbildung zum nuklearen Selbstmordattentäter. Ich vermute, ja, auch will gar nichts anderes denken, schärfer, ich verbiete mir etwas anderes zu denken, als dass es sich dabei selbstverständlich um falsche Erinnerungen handelt. Denn sonst hätte die NATO ja Kinder durch Folter, Drogen, Hypnose und sonstige Formen brutaler Dressur in Selbstmordattentäter für Himmelfahrtskommandas im taktisch nuklearen Gefechtsfeld auf deutschem Boden verwandelt. Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Unausdenkbar. Falsche Erinnerungen müssen das sein. Man hört ja so viel von falschen Erinnerungen. Erinnerungen kann man sowieso nicht trauen. Falsch sind sie, diese Erinnerungen, falsch, falsch, falsch. Hysterisch, ja, hysterisch. Und von Psychotherapeuten eingeredet, suggeriert wurden diese falschen Erinnerungen, natürlich, aus Geldgier. Diese Psychos! Sind sowieso meistens Frauen, muss ich mehr dazu sagen?
Verschwörungstheorie, sowieso. Klare Verschwörungstheorie. Gott sei Dank: Falsche Erinnerungen und nichts weiter als Verschwörungstheorie. Durchgeknallte, eben. Weiß man doch. Kennt man ja. Das haben die doch alle aus dem Internet. In den richtigen Zeitungen steht sowas nicht und das Fernsehen bringt auch nichts darüber. Dann gibt es das auch nicht, nie und nimmer.
Die Wahrheit werden wir vermutlich nie erfahren. Vielleicht ist das auch besser so, nach Lage der Dinge. Das Leben geht weiter. Wir Deutsche sollten uns sehr genau überlegen, wem wir in Zukunft unsere Sicherheit anvertrauen wollen. Wir sind das Volk, der Souverän!
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4.7.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Niemals auf diesem wunderschönen Erdenrund voll bizarrer Verbrechen gelang es der Polizei, eine satanistische Organisation des rituellen Missbrauchs zu überführen, bei dem Kinder durch Folter, Drogen, Hypnose und Vergewaltigung mental versklavt wurden. Und so ist der Begriff “Satanisch Ritueller Missbrauch” fragwürdig geworden; viele suchen nach einer neuen Bezeichnung für das, was den mutmaßlichen Opfern einer systematischen Spaltung ihrer Persönlichkeit und der Dressur der entstehenden Persönlichkeitsfragmente widerfuhr.
Zu diesen Suchern zählt auch Thorsten Becker. Er ist Sozialarbeiter, Kultberater und Forscher. Er schlägt den Begriff “Ideologisch motivierte Verbrechen” vor. Der Begriff “Satanisch ritueller Missbrauch” werde manchmal, so begründet er seinen Vorschlag, reduziert auf das Bild der Praktiken intergenerativer satanischer Kulte, die auch Kindermord und das Verspeisen von Babys umfassen. Diese Definition sei also zu speziell.
Gegen einen solchen Begriffswandel habe ich prinzipiell nichts einzuwenden - Definitionen sind ja immer willkürlich und warum sollte man die eine willkürliche Definition nicht durch eine andere willkürliche Definition ersetzen. Stutzig macht mich dann allerdings Beckers Aufzählung von Beispielen für “ideologisch motivierte Verbrechen”. Er führt nicht nur Straftaten auf, die von Hexenzirkeln und Voodoo-Kulten begangen wurden, sondern auch die Experimente zur Kontrolle des Bewusstseins, die von amerikanischen und kanadischen Ärzten mit Forschungsgeldern der CIA und anderen staatlichen Institutionen realisiert wurden.
Diese Experimente waren also, folgt man Becker, ideologisch motivierte Verbrechen. Man stelle sich vor, eine Gruppe von Bankräubern raube eine Bank aus. Die Täter werden gefasst und nach ihren Motiven befragt, geben sie zu Protokoll, Geld sei für sie der höchste Wert im Leben, Geld sei für sie fast so etwas wie eine Religion. War dann der Bankraub ein ideologisch motiviertes Verbrechen? Vielleicht, wenn die Bankräuber nach der Tat zum Zündholz gegriffen und mit den Geldscheinen ein Rauchopfer dargebracht hätten.
Es trifft schon zu, dass die Experimente zur Bewusstseinskontrolle während des Kalten Krieges stattfanden und der Kalte Krieg war ja nicht zuletzt auch eine ideologische Auseinandersetzung. Genügt dies, diese Experimente (für die im übrigen niemals ein Experimentator rechtskräftig verurteilt wurde) als ideologisch motivierte Verbrechen zu bezeichnen.
Man halte sich vor Augen, dass diese Experimente keineswegs ideologischen Zielen dienten. Sie sollten handfeste militärische und geheimdienstliche Probleme lösen - real existierende Probleme, für die eine Lösung gefunden werden musste. Und dies keineswegs aus ideologischen Gründen, sondern weil ohne adäquate Problemlösungen die militärischen und geheimdienstlichen Strategien, für die sich der freie Westen entschieden hatte, nicht hätten realisiert werden können.
Natürlich: Ideologien sind Systeme von Ideen und da menschliche Handlungen immer auf Ideen beruhen, ist in diesem weiten Sinne jedes Verbrechen ein ideologisches. Wenn wir den Begriff der Ideologie aber nicht so weit verwässern wollen, dann sollten wir uns schon zu einer Unterscheidungen zwischen ideologischen und beispielweise militärischen, wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen Motiven bequemen.
Geheimdienste sind keine Kulte, auch keine politischen Kulte, deren Handeln allein ideologisch erklärt werden könnte oder müsste. Dies gilt insbesondere für die CIA, die im Grunde gar kein Geheimdienst ist, sondern die geheime Armee des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ihre Hauptaufgabe ist nicht das Beschaffen von Informationen, sondern die Durchführung verdeckter Operationen. Und die Mind-Control-Experimente, die in ihrem Auftrag verwirklicht wurden, sollten ihr helfen, die Effizienz der verdeckten Operationen zu steigern. Diese Operationen mögen ideologische Ziele verfolgen oder durch Ideologien begründet sein, aber an den unsichtbaren Fronten bestimmen Fakten ihren Verlauf und das Vorhandensein oder Fehlen von Methoden, ihnen angemessen zu begegnen.
Auch die US-Armee, die ebenfalls Mind-Control-Methoden entwickelte, ist kein Kult - und handfeste militärische Aufgaben lassen sich nicht mit rituellen Handlungen bewältigen. Die militärischen Führer mit Verantwortung für Soldaten, die an der Front ihre Knochen hinhalten, suchen vielmehr nach Methoden, die den Sieg gewährleisten und zugleich die eigenen Verluste so gering wie möglich halten.
Experten wie Thorsten Becker sind auf dem richtigen Weg, wenn sie ihre Aufmerksamkeit von der nebelhaften Welt eines fiktiv anmutenden Satanisch Rituellen Missbrauchs abziehen. Nun müssen sie lernen, ihr Fernglas und ihr Mikroskop richtig zu adjustieren, damit die tatsächlichen Prozesse, um die es hier geht, in ihren Fokus treten.
Es wäre fatal, die Täter vorschnell zu ‘kultifizieren’. Dadurch legt man sich nämlich fest, ihre Ziele und Motive als irrational und ihre Taten als Ausdruck einer zum Selbstzweck gewordenen Inhumanität zu betrachten. Durch diese Vorentscheidung schließt man logisch zwingend jene Menschen aus dem Kreis der Verdächtigen aus, die ein ausschließlich rationales Interesse an der mentalen Versklavung von Menschen haben könnten.
Zu diesen Verdächtigen zählen zweifellos Geheimdienste und Streitkräfte. Und selbst wenn man die Kult-Anhänger auch in diesen Institutionen wähnt, so verstellt man sich durch die Kult-Vorannahme den Blick auf das gesamte Spektrum möglicher Ziele und Motive dieser Verbrechen. Es sollte einleuchten, dass die Aufklärung dieser Straftaten und die Überführung der Täter durch einengende Sichtweisen nicht gerade erleichtert wird.
Natürlich sind schwarze Roben und Teufelsmasken Spuren, denen man nachgehen muss. Doch seitdem Menschen Verbrechen begehen, neigen sie dazu, falsche Spuren zu legen und eigene Taten Anderen in die Schuhe zu schieben.
Selbstverständlich gibt es weltweit okkultistische Gruppen, deren Weltbild zumindest bei oberflächlicher Betrachtung menschenverachtend erscheint. Für diese Gruppen hat sich die Bezeichnung ‘Satanisten’ eingebürgert, obwohl sich die meisten dieser Gruppe entschieden gegen eine derartige Einordnung verwahren würden. Setzt man sich jedoch näher mit den Ideologien dieser Gruppen auseinander, dann stellt man fest, dass diese vielfach aus einem Sammelsurium von Einstellungen bestehen, die auch außerhalb dieser “destruktiven Kulte” weit verbreitet sind. Hier denke ich beispielsweise an die Einstellung einer ’satanistischen Kirche’, dass man den sozial Schwachen nicht helfen dürfe. Ach, du meine Güte, wie viele Manchester-Liberale, Sozialdarwinisten und Harz-IV-Befürworter denken genauso? Leute mit diesen Einstellungen könnte man natürlich alle als Satansjünger bezeichnen, aber wer außer Fundamentalchristen hätte etwas davon?
Dass diese “destruktiven Kulte” tatsächlich kleine Kinder sexuell missbrauchen, foltern, hypnotisieren, unter Drogen setzen, mit Elektroschocks traktieren, um sie mental zu versklaven, ist keineswegs erwiesen. Es gibt dafür den den blassen Anschein eines Beweises. Und es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass sich aus den Glaubenslehren dieser Kulte foltergestützte Gehirnwäsche ableiten ließe. Manche Kult-Kenner tun sich dennoch leicht, ’satanistische Zirkel’ pauschal diesem Verdacht auszusetzen - gelegentlich mit der Einschränkung, dass wahrscheinlich nicht alle so schlimm seien.
So geht das nicht, meine Damen und Herren Kult-Experten! So geht das wirklich nicht. Warum hackt ihr hier auf Leute ein, die auch nur von ihrer Religionsfreiheit und ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen? Warum sprecht ihr nur so selten und wenn, dann in nebelhaften Formulierungen, von jenen Gruppen, die tatsächlich und nachweislich Menschen gequält, hypnotisiert, mit Elektroschocks traktiert und unter Drogen gesetzt haben, mit dem erklärten Ziel, sie in willenlose Befehlsempfänger zu verwandeln - und zwar aus Gründen, die kultisch zu nennen im krassem Widerspruch zu der sinnvollen Gepflogenheit stünde, nach einer Entsprechung zwischen Begriff und Sachverhalt zu suchen.
So geht das nicht, so geht das nicht, meine Damen und Herren Kult-Versteher. In dem Film ‘Casablanca’ lässt der korrupte Captain Renault immer “die üblichen Verdächtigen” verhaften, wenn ihn an der Aufklärung eines Vorfalls nicht gelegen ist. Da ‘Casablanca’ ein Kult-Film ist, könnte mancher Kult-Versteher auf die Idee kommen, sich den Captain Renault zum Vorbild zu nehmen und die Verhaftung der einschlägigen Satanisten zu fordern (was praktischerweise folgenlos bliebe, da sie nie beim Namen genannt werden).
Doch Ernst beiseite: Ich will die hier keinen der üblichen Kult-Versteher verdächtigen, er stünde mit den tatsächlichen Tätern im Bunde und verfolge deren Verschleierungsstrategie. Dies bedeutet nicht, dass ich ausschließen mag, der eine oder andere Experte, die eine oder andere Expertin für Satanisch Rituellen Missbrauch sei immer vor der Versuchung gefeit gewesen, mit Apparaten zu kooperieren, die ja letztlich für unser aller Sicherheit sorgen und sich darum weitgehend der demokratischen Kontrolle entziehen müssen. Doch diese Welt ist schon nebelhaft genug, da muss ich nicht auch noch mit Nebelkerzen werfen.
Bei Licht betrachtet wissen wir de facto sehr viel über das Phänomen, das fälschlich als “Satanisch Ritueller Missbrauch” bezeichnet wird. Wir wissen sehr viel und können, Hand aufs Herz, nur sehr, sehr wenig beweisen. Seit 1994 erforsche ich diesen Komplex systematisch und ich habe an mir beobachtet, das ich im Laufe der Jahre, ohne bewusste Absicht, immer weniger nach Beweisen suchte und immer mehr nach stringenten Argumenten für und gegen die eine oder andere Position. Und dies nicht etwa, weil ich Beweise gering schätze, sondern weil Beweise in dieser vertrackten Grauzone ein wertvolles, aber überaus seltenes Gut sind. Eine Argumentation aber, die auf Beweise weitgehend verzichten muss, ist in umso stärkerem Maße auf eine solide Begriffsarbeit angewiesen und kann ohne präzise Definitionen nicht auskommen. Aus meiner Sicht erfüllt die Bezeichnung “ideologisch motivierte Verbrechen” nicht die Voraussetzungen für eine saubere, zielführende Begriffsarbeit.
Lektüreempfehlung: Becker, T. (2008). Re-Searching for New Perspectives: Ritual Abuse / Ritual Violence as Ideologically Motivated Crime. In: Noblitt, R. & Perskin Noblitt, P. (eds.) Ritual Abuse in the Twenty-First Century. Psychological, Forensic, Social, and Political Considerations. Bandon, OR: Robert D. Reed Publishers
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8.4.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Jede Kultur ist durch tiefsitzende Grundannahmen gekennzeichnet. Die meisten Menschen teilen sie und verteidigen Sie auch wider besseres Wissen. Sie sind fundamentaler als jede Religion und im Widerstreit zwischen ihnen und der Logik zieht die Logik den Kürzeren.
Wer diesen Grundannahmen widerspricht, wird schnell zum Außenseiter, es sei denn, es gehöre gleichsam zu seinen Berufspflichten, Dogmen zu widersprechen. Ein Kabarettist, ein Schriftsteller kann davon kommen, normal Sterbliche aber eher nicht.
Eine dieser zentralen Grundannahmen unserer Kultur lautet: Jeder ist seines Glückes Schmied. Wer etwas wirklich will und gut ist, wer die persönlichen Voraussetzungen besitzt und beharrlich sein Ziel anstrebt, wer sich nicht entmutigen oder einschüchtern lässt, der wird auch bekommen, was er sich wünscht.
Es mag diese Grundannahme auch in anderen Kulturen geben, aber für unsere deutsche Nationalkultur ist sie so wichtig wie kaum eine andere. Wir können nicht von ihr lassen, auch wenn sie offensichtlich den Tatsachen widerspricht, auch wenn sie viele mit Minderwertigkeitsgefühlen erfüllt oder gar depressiv macht. Wir können noch nicht einmal angesichts unserer grauenvollen Geschichte von ihr lassen. Denn diese Grundannahme war das Credo Hitlers und der führenden Nationalsozialisten. Dieses Glaubensbekenntnis war der Motor, der Hitler motivierte, die aberwitzigsten Pläne sich auszudenken und bedenkenslos in Angriff zu nehmen. Dieses Glaubensbekenntnis war gleichermaßen einer der Gründe dafür, warum ihn die Deutschen gewähren ließen, warum sie ihm nicht in den Arm fielen.
Die Deutschen glaubten und glauben nach wie vor, dass diese Glücksschmiede über jeder Moral stünden, weil sie nur dann Erfolg haben und weil der Erfolg der Guten, Mutigen und Willensstarken über jeder Moral stehe.
Und so ertragen sie auch die allergrößten Schurken in Politik und Wirtschaft ohne ernsthafte Anzeichen der Gegenwehr. Sie nörgeln zwar und mosern und manche wählen gar Protest; dass man am deutschen Sumpf aber etwas ändern, dass man ihn gar trocken legen könnte, kommt ihnen nicht in den Sinn. Nicht wirklich. Trotz Linkspartei.
Und der wohl wichtigste Grund dafür ist der ungebrochene Glaube an die Glücksschmiederei. Denn dieser hat natürlich seine Kehrseite. Wer seine Ziele nicht erreicht, der war eben nicht gut und nicht willensstark genug. Er muss sich schämen. Er ist minderwertig. Er hat kein Recht, sich gegen die Erfolgreichen, also die Guten und Willensstarken aufzulehnen .- ganz gleich, wie moralisch verkommen diese auch sein mögen.
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2.7.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Die schiere Existenz der Partei “Die Linke” gibt vielen Menschen, die in den letzten Jahren durch den wildgewordenen, neoliberalen Turbokapitalismus und infolge des Verrats der SPD gedemütigt wurden, Mut und Kraft, ja, sie spendet ihnen Trost. Das schwergewichtige politische Zugpferd Oskar Lafontaine verstärkt diesen ermutigenden und ermächtigenden Effekt der Parteigründung. Die alte PDS mit ihren Geburtsmakeln aus Zeiten des Kalten Krieges ist verschwunden - und den Strategen der sich an die Macht klammernden altbundesrepublikanischen Parteien, die aus dem Geiste der Besatzungszeit geboren wurden, treten die Schweißperlen auf die Stirn. Aus gutem Grund: denn die Mehrheit der Bevölkerung will den Sozialabbau und die Kriegspolitik der letzten Jahre rückgängig machen; sie will, was Programm ist bei der Linken.
Dies bedeutet natürlich nicht, dass diese Mehrheit, die eigentlich in vielen Fragen eines Geistes ist mit der Linken, diese neue, geeinte Partei auch wählen würde. Sie misstrauen ihr: Nicht nur, weil sie nicht begreifen kann, dass die alte SED durch einen historisch-alchemischen Prozess aus der neuen Partei herausgewaschen und geschleudert wurde. Nicht nur, weil die antikommunistische und antisozialistische Gehirnwäsche, der das deutsche Volk während des Kalten Kriegs unterzogen wurde, immer noch nachwirkt. Nicht nur, weil die Deutschen, vielleicht stärker als andere Nationen, geneigt sind, sich den Mächtigen nicht nur zu unterwerfen, sondern sich mit ihnen zu identifizieren - im Sinne einer Identifikation mir dem Aggressor.
Nein, nicht nur diese Faktoren, die zweifellos auch sehr wichtig sind - nicht nur diese Einflüsse sind dafür verantwortlich, dass viele Deutsche, die eigentlich in vielen Belangen eines Sinnes sind mit der Partei “Die Linke”, Lafontaines und Biskys Truppe nicht wählen werden, noch nicht.
Und das hat sich die Linke selbst zuzuschreiben. Ihre eigenen Taten, Nicht-Taten und Untaten, die sich durch die Geschichte ziehen wie ein - hier stimmt die Farbgebung doppelt - wie ein roter Faden, haben viele Menschen misstrauisch gemacht gegenüber der Linken.
Da ist zunächst natürlich der arge Verrat der sozialistischen Ideen durch machtgierige Politiker wie Lenin und Stalin, Mao und Tito einschließlich ihrer farblosen Nachfolger, deren Namen dem Vergessen anheimgegeben sein mögen. Da ist zunächst natürlich die Spaltung Deutschlands, die man nicht allein dem Westen ins Sündenbuch schreiben kann. Da ist zunächst natürlich das offenkundige Versagen der sog. kommunistischen Regime im Ostblock. Da ist noch viel mehr zu erwähnen, was viele Deutsche, die eigentlich in vielen Fragen die gleichen Ziele verfolgen wie die Linke, davor zurückschrecken lässt, ihr Kreuzchen bei dieser Partei zu machen.
Denn all dies ist Geschichte - und die Erinnerung daran verblasst. Was bleibt ist, angesichts all dieser Fehler, das tiefsitzende Gefühl, die Linke habe einen notorisch unterentwickelten Sinn für Realitäten, sowohl für jene der Welt um uns herum, als auch für die der menschlichen Seele. Und diese doppelte Sehschwäche ist tatsächlich vorhanden. Ein Beispiel dafür: das Thema “Nation”. Die Linke hatte es immer unendlich schwer zu begreifen, welch konstruktive Kraft der Nation sowohl in der alteuropäischen Geschichte, als auch in der Innenwelt der Menschen spielte - auch der “Proletarier”. Statt mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, neigen die Linken dazu, festen Halt in den Lüften, im Reich der blutleeren Ideale zu suchen.
Doch dies kann und muss sich ändern, wenn die Linke Macht erkämpfen will, um zu gestalten und Ziele durchsetzen zu können. Wir brauchen eine Linke, die - dem Rat der PR-Strategen trotzend - die Propaganda-Schwaden der rechten Parteien mit einer klaren Analyse der (Macht-)Verhältnisse, wie sie nun einmal sind, durchdringt.
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7.4.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Für Menschen meiner Generation waren die Amis so eine Art “großer Bruder”, den man rufen konnte, wenn man von älteren Kindern schikaniert oder verhauen wurde. Wir fühlten uns sicher im Schutz der amerikanischen Streitkräfte, die uns im Falle eines sowjetischen Angriffs schon retten würden. So dachten wir. Wir dachten falsch.
Heute, nachdem die Archive des Kalten Kriegs geöffnet wurden und viele, wenn auch längst nicht alle kompromittierenden Dokumente ans Licht kamen, wissen wir: Die Amis waren weder willens, noch in der Lage, Deutschland vor einem Angriff der Russen zu verteidigen. Sie hätten - so nicht die erklärte Absicht, doch die unausweichliche Konsequenz ihrer Pläne - Deutschland zerstört und sich selbst gerettet. (Wer kann es ihnen verdenken?)
Auch wer keine Zeit hat, sich in Archiven eine staubige Nase zu holen, kann sich im Internet ohne große Mühe die Beweise für diese These zusammensuchen. In der Dissertation von Ingo Wolfgang Trauschweizer
CREATING DETERRENCE FOR LIMITED WAR: THE U.S. ARMY AND THE DEFENSE OF WEST GERMANY, 1953-1982. Dissertation, University of Maryland, 2006
finden sich z. B. ausreichend Belege für meine Einschätzung.
Die amerikanischen Streitkräfte hielten sich den Sowjets für konventionell unterlegen - und die deutschen Militärs stimmten dieser Einschätzung ebenso zu wie die deutschen und amerikanischen politischen Führungen. Es galt daher als ausgemacht, die Russen im Falles eines Einmarsches umgehend nuklear anzugreifen, mit taktischen Atomwaffen, und zwar auf deutschem Boden. Die taktischen Nuklearwaffen besitzen zwar nur einen Bruchteil der Sprengkraft der großen, strategischen Atombomben und Raketen. Doch, da die Russen mit vergleichbarem Kaliber zurück geschlagen hätten, wäre die Zerstörung und nicht die Verteidigung Deutschlands die unausweichliche Folge gewesen. Ich halte es für überaus unwahrscheinlich, dass ein globaler Atomkrieg die zwangsläufige Folge einer taktischen Nuklearschlacht auf deutschem Boden gewesen wäre. Amerikaner und Russen wussten nur zu genau, dass ein globaler Nuklearkrieg die Zerstörung der beiden großen Kontrahenten und wohl auch der Welt bedeutet hätte. Man darf also erwarten, dass sie sich früher oder später unter beidseitiger Gesichtswahrung geeinigt hätten, über einem strahlenden Trümmerhaufen, der einst Deutschland war.
“Deutschland muss atomar aufrüsten!” fordert der 83jährige deutsche Journalist Peter Scholl-Latour in Focus online (29.03.07). “Die Deutschen sollten endlich begreifen”, schreibt er, “dass im Extremfall nicht die perfektionistischen Abwehrsysteme glaubwürdigen Schutz gegen die nukleare Bedrohung durch blindwütige Feindstaaten bieten, sondern – in Ermangelung eines kontinentalen Konsens – die nationale Verfügung über eine eigene atomare Abschreckung.” Die Bundeswehr müsse sich von den “überalteten NATO-Schablonen lösen”. Sie müssen zukünftig über Atomwaffen verfügen, um sich tödlichen Bedrohungen zu erwehren, falls möglich im Verbund mit Frankreich, notfalls aber auch im nationalen Alleingang.
So ist es. Vermutlich wäre es sogar sinnvoll, eine nuklear verstärkte Achse Paris - Berlin - Moskau zu bilden. Den großen Bruder zu rufen, wenn hart auf hart geht, ist kindlich - und wenn Erwachsene ihr Leben auf dieser Haltung aufbauen, dann ist es jämmerlich. Deutsche Politiker haben während des Kalten Krieges die Amerikaner angefleht, sie möchten doch die Russen auf deutschem Boden mit Nuklearwaffen angreifen, wenn sich diese z. B. Westberlin einverleiben sollten. Wer’s nicht glaubt, kann die oben verlinkte Dissertation studieren. Wir sollten das hinter uns lassen - voller Abscheu, mit Grausen.
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6.4.2007 von Sebastian Seferlyn.
Während des Kalten Kriegs erforschten amerikanische Behörden, allen voran die CIA Methoden der Gehirnwäsche. Eine übergeordnete Forschungsfrage lautete: Wie können wir Menschen dazu bringen, ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen unsere Befehle auszuführen und dabei sogar ihren eigenen Tod in Kauf zu nehmen? Kurz: Amerikanisches Militär und US-Geheimdienste suchten nach Wegen, Selbstmord-Kandidaten für Himmelfahrtskommandos zu kreieren.
Die Amerikaner erprobten zu diesem Zwecke das gesamte Arsenal der modernen Psychiatrie in allen erdenklichen Kombinationen: Drogen, Elektroschocks, Hypnose, sensorische Deprivation, Strahlung. Aber auch die Folter durfte nicht fehlen, um die Opfer durch extremen Stress gefügig zu machen.
Leider wurde der größte Teil der entsprechenden Akten vernichtet, und so bleiben viele Fragen offen. Wozu brauchten das amerikanische Militär und US-Geheimdienste Menschen, die gleichsam auf Knopfdruck Selbstmord begehen? Für Attentate? Verschwörungstheoretiker behaupten zum Beispiel, der Mörder von Robert F. Kennedy, der Palästinenser Sirhan Sirhan sei ein von der CIA gehirngewaschener Selbstmord-Attentäter gewesen. Sein langjähriger, inzwischen verstorbener Anwalt hat mit diesem Argument versucht, ihn aus dem Gefängnis freizubekommen - vergeblich.
Mir scheint die Phantasie der Verschwörungstheoretiker in dieser Frage doch recht eingeschränkt zu sein. Wenn man in jedem besseren Hinterhof, der etwas auf sich hält, Killer im Dutzend billiger bekommt, dann muss sich der Geheimdienst einer demokratischen Gesellschaft zu diesem Zwecke nicht mit derart riskanten und kostspieligen Gehirnwäsche-Projekten abgeben. Es muss wohl etwas anderes, etwas Gewichtigeres dahinter stecken.
Manche Verschwörungstheoretiker meinen, die CIA und andere amerikanische Behörden seien von Satanisten unterwandert worden - und Satanisten, das wisse man ja, brauchten für ihre abscheulichen, gotteslästerlichen Rituale nun einmal mental versklavte Opfer. Dümmer geht’s nicht. Aber es gibt tatsächlich Leute, die diesen indiskutablen Schwachsinn glauben.
Man könnte angesichts all dieser hahnebüchenen Erklärungsversuche für das Interesse der CIA an versklavten Seelen nun zur Tagesordnung übergehen und die Angelegenheit in den großen Topf der abseitigen Verirrungen durchgeknallter Schlapphüte werfen. Man könnte…
Man könnte aber auch darüber nachdenken, ob es eine militärische Notwendigkeit gab, diese Gehirnwäscheforschungen zu realisieren. Wer das Militär kennt, weiß, dass sie überall auf der Welt Menschenleben retten wollen. Der normale Bürger mag sich die Augen reiben, wenn er sich Schlachtenlenker als Lebensschützer vorstellen soll. Aber genau so ist es. Miltärs treibt nur eine Sorge an: Wie kann ich Menschenleben retten?
Während des Kalten Krieges rechneten westliche Militärs ernsthaft damit, dass die Sowjetunion den freien Westen angreifen könne. Man vermutete, dass der Dritte Weltkrieg in Deutschland beginnen würde. Zunächst glaubte man, dass er sich dann schnell zu einem globalen Weltkrieg ausweiten würde. Doch man wäre kein echter Soldat, kein Retter von Menschenleben gewesen, hätte man nicht darüber nachgedacht, den Krieg zu begrenzen. Und in der Tat, Militärs diesseits und jenseits des Großen Teichs kamen auf die Idee, den Krieg nur auf deutschem Boden zu führen.
Die Sache hatte allerdings einen Haken. Die westlichen Kriegsstrategen glaubten, die Sowjets seien dem Westen konventionell überlegen. Auch erlaube ihnen die unendliche Weite ihres Hinterlands die schnellere Mobilisierung großer Einheiten, wohingegen die Amerikaner ja den Ozean zwischen sich und dem potentiellen Schlachtfeld hatten. Also entschloss man sich, Atomwaffen einzusetzen - auch zuerst. Die politische Führung Deutschlands drängte die Amerikaner sogar dazu. Falls die Russen Westberlin besetzen oder gar westdeutschen Boden annektieren sollten, dann sollten die Amis nicht lange fackeln und die Nukes knallen lassen.
Nukes haben bekanntlich nicht nur eine den konventionellen Waffen überlegene Sprengkraft, sie strahlen auch. Es gilt also, die Nuklearwaffen möglichst zielgenau einzusetzen. Je treffsicherer eine Atomwaffe eingesetzt werden kann, desto weniger Sprengkraft benötigt sie und desto geringer sind Strahlung und atomarer Niederschlag. Da unsere Soldaten natürlich Menschenlebenretter sind, dachten sie unermüdlich darüber nach, wie sie die unvermeidlichen taktischen Nukes mit niedriger Sprengkraft möglichst zielgenau einsetzen könnten.
Selbstverständlich wurde die deutsch-deutsche Grenze atomar vermient, und auch wichtige Brücken, Straßen und andere Objekte sollten im Falle eines Falles in die Luft gesprent werden, falls erforderlich, auch mit Nuklearwaffen. Nun gibt es selbstredend zwei Möglichkeiten: Entweder man stellt den Zeitzünder ein und macht die Fliege, um das eigene Leben zu retten. Dann reißt die Bombe ein großes Loch, und wenn der Russe nicht gerade in der Nähe ist, dann überlebt er die Atacke und ist nur zu einem Umweg gezwungen. Oder - und nun kommt die Variante, die Menschenleben rettet: Man wartet, gleichsam mit dem Fernglas auf der Bombe sitzend, bis die Russen kommen und sprengt sich dann, wenn sie nah genug herangekommen sind, mitsamt der Atom-Bombe selbst in die Luft.
Wahre Helden gibt es immer. Manche opfern sich für ihr Vaterland. Aber wer katapultiert sich aus deutscher Vaterlandsliebe mit einer Atombombe auf deutschem Boden selbst nach Walhalla? Sehen Sie, schwierig, schwierig!
Es mag ja heute möglich sein, menschliche “Zündmechanismen” durch satelittengesteuerte Elektronik zu ersetzen (wenngleich Elektronik immer noch durch atomare Explosionen, auch absichtlich in großer Höhe, außer Kraft gesetzt werden kann). Damals, in der Hochzeit des Kalten Krieges gab es aber nur eine Lösung, Menschenleben zu retten, imdem man beim Stoppen und Vernichten der Russen möglichst wenig Strahlung und Fallout erzeugte: Man musste Menschen, durch Gehirnwäsche möglichst von Kindesbeinen an, dazu abrichten, Atomminen zu zünden, sobald die Russen in der Nähe waren.
Das ist natürlich eine wüste Spekulation. Es gibt zwar einige Menschen, die behaupten, sie seien einer derartigen Gehirnwäsche unterzogen worden. Aber die wollen sich doch nur wichtig machen, oder? Die sind doch verrückt, oder? Durchgeknallt, nicht wahr?
Spekulationen dieser Art besitzen dennoch einen gewissen Charme, einen Reiz, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. Und so habe ich in meinen Roman “Das Janus-System” (kostenloser Download) versucht, mir auszumalen, wie eine derartige Dressur abgelaufen sein könnte.
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