Infos

Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Drogen.

März 2010
M D M D F S S
« Feb    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Archiv der Kategorie Drogen

Heroinprogramme

Sie wurden mit sündhaft teuren Forschungsprogrammen evaluiert. Es kam heraus, was ohnehin schon bekannt war: Heroinprogramme funktionieren. Man kann mit ihnen Heroinsüchtigen, die auf Methodonprogramme nicht angemessen ansprechen, besser helfen als mit Methadonprogrammen. Wer hätte das gedacht?

Die Wissenschaft spricht also dafür, Heroinsüchtigen die Droge auf Krankenschein zu verschreiben. Vermutlich aber wird das Modellprojekt nach Abschluss des Modellprojekts keine Fortsetzung dieser Form der Hilfe geben. Die CDU/CSU-Fraktion ist dagegen. Deren drogenpolitische Sprecherin, Maria Eichhorn fürchtet nämlich eine “Enttabuisierung harter Drogen”, wenn das Betäubungsmittelgesetz entsprechend geändert und die Behandlung mit Heroin zugelassen würden. Der Hauptkritikpunkt sind aber die Kosten. Die Heroinprogramme seien viermal so teuer wie die Methadon-Substitution.

Hilf Himmel: Die Kosten! Als hätten jemals die Kosten eine Rolle gespielt. Da werden Unsummen in die sog. Abstinenztherapie für Drogenabhängige gepumpt, obwohl deren Ergebnisse mit “kläglich” noch beschönigend umschrieben würden. Die Strafverfolgung von Dealern und Süchtigen verursacht gigantische Kosten, ohne dass die Drogensucht so in den Griff zu bekommen wäre. Im Gegenteil: Die Kriminalisierung der Drogenabhängigen und die Drogenprohibition führen zur Beschaffungskriminalität, verschlechtern die gesundheitliche Situation der Betroffenen und verursachen somit zusätzliche, vermeidbare Kosten für das Gesundheitssystem.

Mit einem Federstrich, nämlich durch die Legalisierung aller Drogen könnte viel Geld für sinnvolle Maßnahmen gegen die Drogensucht gespart werden. Mit diesen Mitteln könnte man an den Ursachen ansetzen, statt, wie bisher, erfolglos an den Symptomen herumzupfuschen. Was wurde nicht gerätselt, wer oder was an der Drogensucht schuld sei: der Erziehungsstil der Eltern, sexueller Missbrauch, mangelnde Autorität der Lehrer, fehlende Lehrstellen, Kulturzerfall, Verlust der religiösen Orientierung oder die Gene, Geburtsschäden und was weiß ich nicht noch alles. Kaum eine gesellschaftliche Interessengruppe fühlte sich nicht berufen, mehr Geld für ihr Thema als Allheilmittel gegen die Drogensucht zu verkaufen.

Dabei ist längst bekannt, welche Kräfte die Drogensucht antreiben. Es sind - oft unbewusste, verdrängte, mental abgewehrte und kompensierte - Ängste und depressive Verstimmungen. Legalisierung wir also die Drogen, sparen wir dadurch viel, viel Geld und nehmen dieses Geld zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Ängste und depressive Verstimmungen schüren. Die Erfolge würden sich in kürzester Zeit zeigen. Gehen wir mit offenen Augen durch die trostlosen Wohngebiete an der Peripherie unserer Großstätte, gönnen wir uns ein paar Körnchen Phantasie und denken darüber nach, welche Wunder man mit ein bisschen Geld hier wirken könnte, indem man die Kids auf andere Gedanken bringt.

Mein Gott, wie blöd sind wir doch alle geworden durch die Antidrogen-Propaganda, die wir nun seit Jahrzehnten den Amerikanern nachbeten und durch die wir in beständig schlimmere Schwierigkeiten geraten. Lassen wir die Amerikaner ihre “Wars” doch alleine führen, auch den “War on Drugs”. Sorgen wir für menschenwürdige Lebensbedingungen, gewähren wir Chancen zum gesunden Aufwachsen, Lernen und Spaß Haben. So helfen wir den Kindern in unserem Lande am besten. Vielleicht ist ja der “War on Drugs” die beste Lösung für amerikanische Kinder; für unsere Kinder sicher nicht.

Legalisierung von Drogen

Nicht etwa, weil ich sie für harmlos hielte, plädiere ich für die Legalisierung von Drogen - sondern weil ich das Verbot für gefährlich halte. Drogen an sich sind nicht harmlos, sie sind an sich aber auch nicht gefährlich. Es kommt auf die Situation an. In den fünfziger und sechziger Jahren beispielsweise wurden 40.000 Menschen überwiegend erfolgreich mit LSD behandelt. Die Droge vermittelte diesen Patienten Einblicke in unbewusste Fehlhaltungen oder ein Gipfelerlebnis, das sie zu neuen Weichenstellungen ermutigte. Das ist die eine Seite der Medaille. Andere Menschen, die LSD auf der Straße kauften, erlebten - ohne fachliche Begleitung - Horrortrips, die ihre seelische Befindlichkeit erheblich verschlechterten und mitunter Psychosen oder gar Suizide auslösten.
LSD ist eine illegale Droge, sie wird heute auch nur noch in einer Handvoll von Modellprojekten psychotherapeutisch eingesetzt. Man mag dies angesichts der Unberechenbarkeit dieser Droge begrüßen. doch genau hier zeigt sich die Irrationalität der Drogenprohibition. Man kann nämlich in Head Shops oder via Internet eine ganze Reihe von Samen oder Pilzen kaufen, die ähnlich Wirkstoffe enthalten. Diese pflanzlichen Mittel sind völlig legal. Eine genaue Dosierung ist kaum möglich. Die Potenz der Drogen hängt nämlich von verschiedenen Faktoren ab (wie z. B. dem Anbaugebiet), die vom Nutzer kaum zu überblicken sind. Der Konsum ist nicht weniger riskant als der des illegalen LSDs, denn die Wirkung kann, dosisabhängig, genau so stark sein. Da diese Substanzen aber legal sind, muss der Eindruck entstehen, sie seien eher harmlos. Drogen sind aber nicht harmlos, oder gefährlich, an sich. Es kommt auf die Situation an. Das illegale LSD, unter kundiger Begleitung konsumiert, wäre mit geringeren Gefahren verbunden als beispielsweise die legalen Samen der Trichterwinde im unkontrollierten Selbstexperiment.

Soll man deswegen also auch die pflanzlichen Psychedelika verbieten? Ach, wissen Sie, lieber Leser, der Giftschrank unserer lieben Natur ist so groß… ebenso wie die Verdienstmöglichkeiten von Drogenanbietern. Die würden immer neue Substanzen auf dem Markt bringen, wenn die zur Zeit Gebräuchlichen ins Betäubungsmittelgesetz wandern würden. Da könnte kein Gesetzgeber Schritt halten.

Lob der Drogen

In unserer Kultur haben Drogen einen schlechten Ruf. Sie machen süchtig, heißt es, und sie zerstören die Gesundheit. Besonders übel seien die illegalen Drogen. Diese könnten uns im schlimmsten Falle ins Gefängnis bringen. Es ist sogar bei Strafe verboten, andere zum Konsum illegaler Drogen zu verleiten.

Unter mittelalterlichen christlichen Gelehrten und Mönchen bestand eine Methode zur Festigung des Glaubens darin, die heiligen Überzeugungen auf den Prüfstand der Vernunft zu stellen und über sie zu Gericht zu sitzen. Ein Mönch übernahm die Rolle des Anwalts Gottes (”advocatus dei”), ein anderer war der “advocatus diaboli”, der Anwalt des Teufels. Die Standpunkte des “advocatus dei” in Sachen Drogen können Sie auf den staatstragenden Web Sites zur Drogenaufklärung nachlesen. Ich möchte nun, um sie in Ihrer Ablehnung der Drogen zu festigen, den Anwalt des Teufels spielen.

Stellen Sie sich also ein wenig Höllenfeuer und Schwefelduft als Illumination für folgendes Plädoyer vor:

Drogen, lieber Leser, rufen, im rechten Geiste genommen, keine Abhängigkeit hervor. Sie schenken uns vielmehr Freiheit.

  • Mit einem Gläschen Wein verwandeln wir uns in stille, vergnügten Genießer, die sich sanft entspannt der Wahrheit öffnen.
  • LSD erlaubt uns, tiefgreifende mystische Erfahrungen zu sammeln, uns selbst zu ergründen und die ursprüngliche Schönheit der Welt zu erblicken.
  • Ecstasy (MDMA) führt uns in das Reich unserer wohlwollenden Gefühle, fördert eine gesunde Selbstliebe und bringt uns unseren Mitmenschen näher.
  • Opiate lindern nicht nur körperliche Schmerzen, sondern auch seelische Pein. Sie machen gelassen und versetzen uns in Hochstimmung. Sie helfen uns, Ängste und Depressionen zu meistern und unsere Gedanken zu ordnen, wenn unsere Gefühle und unser Denken verwirrt sind.

Diese Liste könnte ich nach Belieben verlängern; ich müsste nicht lange überlegen, um zu jeder psychoaktiven Drogen eine Reihe von Segnungen und handfesten Vorteilen aufzuschreiben. Drogen vergrößern unsere Kontrolle über unser Bewusstsein und damit über unser Leben.

So spricht der “advocatus diaboli”.

Und diese Worte, liebe Leser, offenbaren die Macht des Teufels. Er zeigt uns die irdischen Paradiese, will uns damit zu einem sündigen Leben verführen und uns blind machen für die Tatsache, dass es uns, Wohlverhalten vorausgesetzt, erst im Jenseits, nach dem Tode gut gehen darf. Wappnen Sie sich vor diesen Versuchungen, indem sie sich die vielen großartigen Vorzüge des Drogenkonsums unerschrocken vor Augen führen. Nur wer den Feind kennt, kann ihn besiegen. Bleiben sie stark und gesetzestreu. Dann steht Ihnen das himmlische Paradies offen.

|