Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Bio.
10.11.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Früher hatten viele Schuldgefühle wegen ihrer Sexualität. Sie fühlten sich schuldig, weil sie
Fromme Damen und Herren hämmerten den Menschen diese Schuldgefühle von Kindheit an ein.
Dann sprachen sie: “Ihr werdet nur Vergebung finden für eure Sünden, wenn Ihr euch zum wahren Glauben bekehrt und euch Gott unterwerft sowie dessen Stellvertretern auf Erden, also uns, seinen Priestern und Dienerinnen.”
Heute haben sich die sexuellen Sitten gelockert. Darum ist es nicht mehr so einfach, Menschen mit sexuellen Schuldgefühlen zu manipulieren.
Heute haben viele Menschen Schuldgefühle wegen der Ernährung, weil sie
Wohlmeinende Damen und Herren hämmern den Menschen diese Schuldgefühle von Kindheit an ein.
Dann sprechen sie: “Ihr werdet nur gesunden an Körper und Geist, wenn ihr euch zu unserer reinen Ernährungslehre bekehrt und euch zu unserem geistigen Führer bekennt, dessen Stellvertreter vor Ort seine ergebenen Ernährungsberater, also wir sind.”
Durch die Manipulation der Grundbedürfnisse kann man einen Menschen versklaven, ganz gleich, ob es sich da um Sex oder ums Essen und Trinken handelt. Weil diese Bedürfnisse im Alltag immer wieder befriedigt werden wollen und weil dadurch die entsprechenden Schuldgefühle immer wieder auftauchen, werden auch die dazu passenden Heilsbotschaften stets aufs Neue verstärkt. Sie werden selbst zum Bestandteil des Alltags und daher auch nicht mehr als Anmaßungen einer aufgezwungenen, fremden Moral, sondern als innere Stimme erlebt.
Früher glaubten die Menschen, der Teufel wolle sie zu ungezügelter Geschlechtslust verführen. Heute glauben die Ernährungsknechte, die Marketingsstrategen der Fleischindustrie wollten ihnen vergiftetes Fleisch von gequälten Tieren schmackhaft machen. Die Psycho-Logik ist immer dieselbe.
Ist es dann völlig unsinnig, sich gesund zu ernähren oder gar im Bioladen einzukaufen? Ich persönlich kaufe nie im Bioladen ein. Muss ich auch nicht. Warum? Ich bin - nebenher - im Bio-Fachmarkt meiner Frau für Werbung, PR und EDV zuständig. Bei uns kommt ohnehin nur Bio auf den Tisch.
Ich esse Bio mit Begeisterung. Und ich trinke auch Bio mit Begeisterung. Nicht etwa aus Gesundheitsgründen. Für Gesundheit oder Krankheit ist eine Vielzahl von Faktoren zuständig (z. B. Erbanlagen, Umwelt, Stress, Missbrauch von Genussmitteln etc.). Die Ernährung spielt im Ursachenbündel von Krankheiten nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dennoch esse und trinke ich Bio mit Begeisterung. Nicht etwa aus Gründen des Umweltschutzes. Schließlich fahre ich kein Auto und habe auch keine eigene Fabrik. Ein bisschen Umweltverschmutzung und -belastung hätte ich also schon gut.
Ich esse und trinke Bio wegen des guten Gefühls. Und zwar reichlich. Ich werde nicht etwa schlank davon, im Gegenteil, denn dafür schmeckt es einfach zu gut. Es macht mich glücklich. Ich koche gern. Ich will kein Gammelfleisch braten und es mit Gemüse garnieren, das in Pestiziden gebadet wurde. Ich will mit guten Gefühlen genießen.
Worauf kommt es an? Essen und Trinken sollen Spaß machen, uneingeschränkt Spaß machen. Das schlechte Gewissen soll keine Rolle dabei spielen, ob wir etwas zu uns nehmen oder nicht. Ich will mich froh und hoffnungsvoll an den Tisch setzen und hinterher satt und zufrieden das Geschirr abräumen. Das ist alles.
Mein Rat: Essen oder trinken Sie nie etwas, verzichten sie nie auf etwas, um ein schlechtes Gewissen zu vermeiden. Streben sie ein gutes Gefühl an. Das führt, unterm Strich, alleweile zu den besten Ergebnissen in Sachen Gesundheit, Schlankheit, Lebensfreude und Langlebigkeit.
Verwandtes Thema: Ernährungsfragen in der Psychotherapie
Geschrieben in Bio, Ernährung, Psychologie | Drucken | 1 Kommentar »