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März 2010
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Archiv der Kategorie Beratung

Medikalisierung

Früher galt der Alkoholismus als Sünde oder Charakterschwäche. Als ihn die Medizin dann zur Krankheit erklärte und die Justiz dieser Einstufung folgte, wurde dies von wohlmeinenden Menschen als wissenschaftlicher Fortschritt betrachtet. Seit vielen Jahrzehnten wird eine beständig wachsende Zahl von Substanzen mit bewusstseinsverändernden Wirkungen per Gesetz als Rauschmittel deklariert und verboten. Wer sie im Übermaß konsumiert, gilt als Süchtiger.

Früher glaubte man, Psychotiker seien von Dämonen besessen; mitunter meinte man auch, der göttliche Funke sei in sie eingeschlagen. Später wurden Menschen, die ihre außergewöhnlichen Erfahrungen nicht mehr unter Kontrolle hatten, als “Schizophrene” in psychiatrischen Lehrbüchern beschrieben und in diagnostische Manuale aufgenommen. Wohlmeinende Menschen begrüßten dies als  wissenschaftlichen Fortschritt.

Und so wurde eine große und immer noch wachsende Zahl von Verhaltensmustern und Erlebnisweisen zu medizinischen Problemen erklärt. Die amerikanische Soziologie prägte für diesen Vorgang den Begriff “medicalization”. Die deutsche Übersetzung “Medikalisierung”  ist dem Sachverhalt noch angemessener, weil er so unschön klingt, wie es die hässliche Sache verdient.

Nun werden die wohlmeinenden Menschen verständnislos mit dem Kopf schütteln. Schließlich würden heute, dank dieser Medikalisierung, arme, gequälte, leidende Menschen nicht mehr von Exorzisten traktiert oder in Zwangsjacken gesteckt, sondern von qualifizierten Fachkräften wissenschaftlich fundiert behandelt.

Dieses Argument klingt beim ersten Hinhören überzeugend. Man bleibt auch überzeugt, solange man die Nase nicht in die einschlägige Fachliteratur steckt. Dort nämlich finden sich, versteckt unter einem Wust von Lobhudeleien und Propaganda einschlägiger Interessengruppen,  wissenschaftliche Studien zur Effizienz der üblichen Behandlungen für die sog. psychisch Kranken.

Die Methoden der Psychotherapien, heißt es da, gestützt auf eine Vielzahl empirischer Studien, seien für den Erfolg der Therapie unwichtig. Die Qualifikation des Therapeuten sei ebenso unerheblich, blutige Laien erzielten keine schlechteren Ergebnisse. Bedeutender schon seien die Persönlichkeit des Psychotherapeuten und sein Glaube an die Wirksamkeit der von ihm gewählten Methode. Einen größeren Einfluss habe auch die “Chemie” zwischen dem Psychotherapeuten und seinem Patienten. Doch all dies sei nicht entscheidend. Der therapeutische Wirkfaktor, der alle anderen Einflussgrößen weit in den Schatten stelle, sei die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit des Patienten.

Nun, rufen einige aus dem Chor der wohlmeinenden Menschen, die Psychotherapie… das ist halt so eine Sache. Auf der anderen Seite habe die Psychopharmakologie gewaltige Fortschritte gemacht. Früher sei der Langzeit-Patient charakteristisch für die Nervenheilanstalten gewesen, heute betrage die durchschnittliche Verweildauer in modernen Kliniken nur noch wenige Tage.

Das ist aber erfreulich, antworte ich. Vielmehr, so korrigiere ich mich, das wäre ja erfreulich, wenn es denn stimmte. Ob es stimmt, steht allerdings in den Sternen, die, entgegen der Meinung vieler Astrologen, durchaus manchmal lügen. Man halte sich vor Augen, dass die Geschicke der Patienten psychiatrischer Anstalten vor dem Siegeszug der Psychopharmaka nicht systematisch statistisch erfasst wurden. Wir wissen daher gar nicht, ob sich die durchschnittliche Verweildauer tatsächlich verkürzt hat. Manche hätten es nur zu gern so, weil eine mutmaßliche Entwicklung dieser Art wunderbar im Einklang steht mit dem propagierten Fortschrittsglauben.

Doch viel gewichtiger als solche Zahlenspielereien ist die Tatsache, dass, nach einer Vielzahl von systematischen Meta-Evaluationen der Wirkung von Psychopharmaka, nüchtern festgestellt werden muss: Sie sind in der Regel kaum effektiver als Placebos. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich also keineswegs positiv von den Psychotherapien. Anders als diese aber haben sie teilweise gravierende, unerwünschte Neben- und Folgewirkungen. Und oft helfen sie, wenn überhaupt, nur kurzfristig; bei langfristiger Einnahme überwiegen die Nachteile oft eindeutig die Vorteile.

Vom Fortschritt der Medikalisierung bleibt also nicht viel übrig, wenn man die Dinge etwas genauer unter die Lupe nimmt. Natürlich: die Medikalisierung hat viele Ärzte und psychologische Psychotherapeuten in Arbeit und Brot gebracht, und auch die Pharma-Industrie verdient nicht schlecht daran. Doch - unabhängig vom segensreichen Wirken dieser Berufsstände und Branchen - leisten nach wie vor die Patienten die Hauptarbeit bei der Überwindung der sog. psychischen Störungen. Ganz gleich, ob man ihnen in der Psychopharmaka-Therapie bittere Pillen oder in der Psychotherapie bittere “Wahrheiten” zu schlucken gibt: Es hängt von ihrer Motivation und ihrer Kompetenz zur Selbstveränderung ab, ob die “Behandlung” erfolgreich ist oder nicht.

Doch die psychiatrische Propaganda verfehlt ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit nicht. Betroffene und Nicht-Betroffene glauben mehrheitlich, dass psychische Krankheiten tatsächlich existierten und mit medizinischen Mitteln, wenn überhaupt, geheilt werden könnten. Dadurch werden nicht nur die Einkommen der beteiligten Berufsstände und Branchen legitimiert, sondern auch die Patienten entmündigt. Diese Entmündigung spricht natürlich den Tatsachen Hohn, denn wenn einer von ihnen “geheilt” wird, dann nicht trotz seiner Unmündigkeit, sondern dank seiner Mündigkeit.

Wenn ich die Existenz psychischer Krankheiten leugne, so bedeutet dies keineswegs, dass ich die Augen vor den Verhaltensweisen und Erlebnisformen verschließe, auf die sich diese Diagnosen beziehen. Zweifellos gibt es Menschen mit problematischem Verhalten. Man kann dieses Verhalten sicher auch als gestört auffassen, wobei man sich aber immer auch fragen sollte, wer da mehr gestört ist: der Patient oder seine Umwelt.

Die Störung beschränkt sich ja nicht auf die einzelne Person; vielmehr ist die Umwelt, in der sich der “Gestörte” bewegt, mehr oder weniger gestört. Wo liegen die Ursachen? Viele Menschen neigen dazu, die Ursache im sog. Patienten zu verorten. Diese Sichtweise wird ja auch durch die moderne Neuro-Psychiatrie bestärkt, die zu jeder dieser angeblichen psychischen Krankheiten ein Brain-Scan mit allerlei Absonderlichkeiten vorweisen kann. Ob diese Absonderlichkeiten nun aber die Ursache oder die Folge der Störung (die den Betroffenen und seine Umwelt einschließt) sind, vermag niemand zu beurteilen.

Jedenfalls können die Brain-Scans diese Frage nicht klären. Aber, so rufen die wohlmeinenden Menschen, es gäbe ja auch noch die Zwillingsforschung. Zeigt diese nicht, dass psychische Störungen zu einem großen Teil angeboren sind?

Die Zwillingsforschung zeigt dies schon, antworte ich ermattet, korrigiere mich dann aber wieder, der Vernunft gehorchend: Die Zwillingsforschung könnte dies u. U. zeigen, wenn sie die notwendigen methodischen Voraussetzungen erfüllen würde. Damit sie aussagekräftig ist, muss sie eineiige Zwillinge miteinander vergleichen, die getrennt aufgewachsen sind, und zwar in deutlich unterschiedlichen Milieus. Alle anderen Zwillingsstudien können aus logischen Gründen nur Ergebnisse hervorbringen, die man nicht eindeutig interpretieren kann. Nun gibt es aber nur wenige Zwillingspaare, die diese Voraussetzungen erfüllen, und noch weniger Zwillingspaare können für genetische Studien dieser Art rekrutiert werden. Und so ist die Zwillingsforschung beim gegenwärtigen Stand der Forschung keineswegs in der Lage nachzuweisen, dass psychische Störungen überwiegend auf den Erbanlagen beruhen.

Was bleibt also von den sog. psychischen Krankheiten? Offenbar nur, dass es sich um Normabweichungen handelt. Es ist aber keineswegs logisch zwingend, Normabweichungen als medizinische Probleme zu definieren. Ein simples Beispiel: Früher betrachtete die Psychiatrie die Homosexualität als psychische Krankheit - heute würde sich kein Psychiater mehr trauen, diverse Bürgermeister deutscher Städte oder andere hochrangige Politiker als Kranke einzustufen, nur weil sie mit Partnern des gleichen Geschlechts Sex haben.

Da also keineswegs bewiesen ist, dass psychische Störungen Krankheiten im medizinischen Sinne sind und da derartige Diagnosen offensichtlich auf sozialen Bewertungen beruhen, ist aus meiner Sicht eine Psychodiagnose eine Verleumdung des so Diagnostizierten.

Die störenden Verhaltensmuster und Erlebnisweisen sind natürlich da, keine Frage. Ich betrachte sie - wertfrei - als Strategien der Lebensbewältigung, die problematisch, gar riskant sein können, aber nicht müssen. Als Problemlösungsstrategien gehören sie zu Lebensstilen, die eine Lebenspraxis prägen. Diese Lebenspraxis aber vollzieht sich nicht im luftleeren Raum, sondern sie entfaltet sich gemäß der Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Gesellschaftssystems.

Will man also die sog. psychischen Krankheiten verstehen, dann muss man die Lebensgeschichte des Betroffenen analysieren. Nur die Lebensgeschichte bezieht alle relevanten Faktoren ein - Brain-Scans können durchaus aufschlussreich sein, aber nur vor dem Hintergrund dieser Lebensgeschichte. Um die Lebensgeschichte eines Betroffenen analysieren zu können, muss man ihm zuhören, muss man den Storys lauschen, die er über sich und seine Welt zu erzählen weiß. Es mag ja sein, dass der Betroffene seine eigene Lebensgeschichte nur bruchstückhaft kennt und in der Erinnerung verzerrt. Aber wer würde sie denn besser kennen als er? Die Psychiater? Die diagnostischen Manuale? Die Lehrbücher? Sein Friseur?

Beratung zur Hypnose und Bewusstseinskontrolle

Mein Buch “Unsichtbare Ketten” wurde von meiner Web Site inzwischen rund 35.000-mal heruntergeladen. Auch andere, teilweise sehr gut besuchte Server bieten dieses eBook zum Download an. Es dürften also mindestens 50.000 Kopien im Umlauf sein. Das Buch wird teilweise auch auf mit anderen eBooks aus dem Netz auf CDs und DVDs vertrieben.

Diese an sich erfreuliche Resonanz hat allerdings auch eine Konsequenz, die mich vor Probleme stellt. Die Zahl der Leser, die mich anrufen oder anschreiben, steigt beständig - besonders seitdem der Fernsehsender RTL II in seiner Sendung “Welt der Wunder / Brainwash” ein Interview mit mir ausstrahlte.

Natürlich bin ich für Ermutigung und Kritik dankbar. Beides beflügelt meine Arbeit. Aber der damit verbundene Zeitaufwand ist doch beträchtig. Viele Menschen, die mich kontaktieren, möchten gern eine Beratung - am liebsten natürlich kostenlos.

Kostenlose Beratung ist jedoch aus mehreren, vor allem aber aus Zeitgründen nicht möglich. Wer von mir in Sachen “Mind Control” beraten werden möchte, muss wie alle meine Kunden meine Arbeitskraft bezahlen. Pro Stunde verlange ich grundsätzlich den Einheitspreis von € 40,00 plus 19 % MwSt.

Menschen, denen dies zu teuer ist, empfehle ich die Lektüre meines Romans “Ein Sklave der Freiheit“, der ebenfalls kostenlos heruntergeladen werden kann. In diesem Buch werden viele Fragen beantwortet, die in den “Ketten” aufgeworfen wurden. Der Roman ist noch nicht so lange am Netz wie das Sachbuch, aber er wurde inzwischen immerhin - allein von meinem Server - über 10.000-mal heruntergeladen. Der “Sklave” ist mehr als “nur” ein Roman - er ist die Veranschaulichung des Sachbuchs, der die “graue Theorie” mit Leben erfüllt.

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