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Archiv der Kategorie Belletristik

Penisverlängerung, Ergussverzögerung, Potenzsteigerung, ewiger Wohlstand

Nerven Sie auch die eMails in Ihrer Box, die Ihnen eine neue, garantiert erfolgreiche Penisverlängerung um 250 Prozent anpreisen. Solche virtuellen sexuellen Belästigungen sind ja nicht nur ärgerlich, wenn man keinen oder aber einen ohnehin schon übergroßen Penis hat. Nicht besser sind Anzeigen für Viagra und ähnliche Mittelchen zur Massierung der männlichen Lendenkraft. Als wenn man das nötig hätte!? Und dann erst jene Anzeigen mit Titeln wie: “Ihre Freundin wird begeistert sein!” Was, Sie haben gar keine Freundin? Dann helfen vielleicht jene Anzeigen, die Ihnen ewigen Wohlstand versprechen, wenn Sie dieses oder jenes tun?

In der Tat. Was tun? Was tun, um diese lästigen virtuellen Schmeißfliegen loszuwerden, die offenbar ihre Brutplätze in unseren Mailboxen eingerichtet haben? Sicher: Es gibt gute Spam-Filter. Googlemail z. B. leistet hervorragende Arbeit. Doch, seitdem ich hin und wieder neben zahllosen Unerträglichkeiten auch einige wichtige eMails in den Netzen gefunden habe, weiß ich: Man muss, um sicher zu gehen, auch den Spam-Ordner regelmäßig durchsehen… und damit relativiert sich der Vorteil erheblich.

Was also, was tun? Wo liegt das Problem. Liegt es darin, dass wir unseren Computer mit Viren und Würmern verseuchen, weil wir die Anhänge anklicken, die häufig mehr oder weniger gut als harmlos getarnt, den unsäglichen eMails anhaften wie Kaugummis auf Straßenbahnsitzen. Nein, natürlich nicht, so dumm, darauf zu klicken, sind wir doch seit Jahren nicht mehr. Was also?

Ja was denn? Es ist der Ärger, dieser gewaltige, dieser sinnliche Ärger, diese hilf- und heillose Wut darüber, dass niemand diesem Wahnsinn, dieser Schande des Internets wirksam Einhalt zu gebieten vermag. Doch halt, mein Freund. Wer wird denn gleich in die Luft gehen. Abonniere Lyrikmail. Dann geht alles wie von selbst. Wer diesen kostenlosen Service nutzt, findet jeden Morgen in seiner Mailbox ein Gedicht… meist ein großes oder kleines Meisterwerk, mitunter auch lyrisches Pupertätsgeheul… immer aber findet der Abonnent ein Gegengift zum alltäglichen Spam… und der Tag wird gut.

Atompilze im deutschen Wald

Während des Kalten Kriegs erforschten amerikanische Behörden, allen voran die CIA Methoden der Gehirnwäsche. Eine übergeordnete Forschungsfrage lautete: Wie können wir Menschen dazu bringen, ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen unsere Befehle auszuführen und dabei sogar ihren eigenen Tod in Kauf zu nehmen? Kurz: Amerikanisches Militär und US-Geheimdienste suchten nach Wegen, Selbstmord-Kandidaten für Himmelfahrtskommandos zu kreieren.

Die Amerikaner erprobten zu diesem Zwecke das gesamte Arsenal der modernen Psychiatrie in allen erdenklichen Kombinationen: Drogen, Elektroschocks, Hypnose, sensorische Deprivation, Strahlung. Aber auch die Folter durfte nicht fehlen, um die Opfer durch extremen Stress gefügig zu machen.

Leider wurde der größte Teil der entsprechenden Akten vernichtet, und so bleiben viele Fragen offen. Wozu brauchten das amerikanische Militär und US-Geheimdienste Menschen, die gleichsam auf Knopfdruck Selbstmord begehen? Für Attentate? Verschwörungstheoretiker behaupten zum Beispiel, der Mörder von Robert F. Kennedy, der Palästinenser Sirhan Sirhan sei ein von der CIA gehirngewaschener Selbstmord-Attentäter gewesen. Sein langjähriger, inzwischen verstorbener Anwalt hat mit diesem Argument versucht, ihn aus dem Gefängnis freizubekommen - vergeblich.

Mir scheint die Phantasie der Verschwörungstheoretiker in dieser Frage doch recht eingeschränkt zu sein. Wenn man in jedem besseren Hinterhof, der etwas auf sich hält, Killer im Dutzend billiger bekommt, dann muss sich der Geheimdienst einer demokratischen Gesellschaft zu diesem Zwecke nicht mit derart riskanten und kostspieligen Gehirnwäsche-Projekten abgeben. Es muss wohl etwas anderes, etwas Gewichtigeres dahinter stecken.

Manche Verschwörungstheoretiker meinen, die CIA und andere amerikanische Behörden seien von Satanisten unterwandert worden - und Satanisten, das wisse man ja, brauchten für ihre abscheulichen, gotteslästerlichen Rituale nun einmal mental versklavte Opfer. Dümmer geht’s nicht. Aber es gibt tatsächlich Leute, die diesen indiskutablen Schwachsinn glauben.

Man könnte angesichts all dieser hahnebüchenen Erklärungsversuche für das Interesse der CIA an versklavten Seelen nun zur Tagesordnung übergehen und die Angelegenheit in den großen Topf der abseitigen Verirrungen durchgeknallter Schlapphüte werfen. Man könnte…

Man könnte aber auch darüber nachdenken, ob es eine militärische Notwendigkeit gab, diese Gehirnwäscheforschungen zu realisieren. Wer das Militär kennt, weiß, dass sie überall auf der Welt Menschenleben retten wollen. Der normale Bürger mag sich die Augen reiben, wenn er sich Schlachtenlenker als Lebensschützer vorstellen soll. Aber genau so ist es. Miltärs treibt nur eine Sorge an: Wie kann ich Menschenleben retten?

Während des Kalten Krieges rechneten westliche Militärs ernsthaft damit, dass die Sowjetunion den freien Westen angreifen könne. Man vermutete, dass der Dritte Weltkrieg in Deutschland beginnen würde. Zunächst glaubte man, dass er sich dann schnell zu einem globalen Weltkrieg ausweiten würde. Doch man wäre kein echter Soldat, kein Retter von Menschenleben gewesen, hätte man nicht darüber nachgedacht, den Krieg zu begrenzen. Und in der Tat, Militärs diesseits und jenseits des Großen Teichs kamen auf die Idee, den Krieg nur auf deutschem Boden zu führen.

Die Sache hatte allerdings einen Haken. Die westlichen Kriegsstrategen glaubten, die Sowjets seien dem Westen konventionell überlegen. Auch erlaube ihnen die unendliche Weite ihres Hinterlands die schnellere Mobilisierung großer Einheiten, wohingegen die Amerikaner ja den Ozean zwischen sich und dem potentiellen Schlachtfeld hatten. Also entschloss man sich, Atomwaffen einzusetzen - auch zuerst. Die politische Führung Deutschlands drängte die Amerikaner sogar dazu. Falls die Russen Westberlin besetzen oder gar westdeutschen Boden annektieren sollten, dann sollten die Amis nicht lange fackeln und die Nukes knallen lassen.

Nukes haben bekanntlich nicht nur eine den konventionellen Waffen überlegene Sprengkraft, sie strahlen auch. Es gilt also, die Nuklearwaffen möglichst zielgenau einzusetzen. Je treffsicherer eine Atomwaffe eingesetzt werden kann, desto weniger Sprengkraft benötigt sie und desto geringer sind Strahlung und atomarer Niederschlag. Da unsere Soldaten natürlich Menschenlebenretter sind, dachten sie unermüdlich darüber nach, wie sie die unvermeidlichen taktischen Nukes mit niedriger Sprengkraft möglichst zielgenau einsetzen könnten.

Selbstverständlich wurde die deutsch-deutsche Grenze atomar vermient, und auch wichtige Brücken, Straßen und andere Objekte sollten im Falle eines Falles in die Luft gesprent werden, falls erforderlich, auch mit Nuklearwaffen. Nun gibt es selbstredend zwei Möglichkeiten: Entweder man stellt den Zeitzünder ein und macht die Fliege, um das eigene Leben zu retten. Dann reißt die Bombe ein großes Loch, und wenn der Russe nicht gerade in der Nähe ist, dann überlebt er die Atacke und ist nur zu einem Umweg gezwungen. Oder - und nun kommt die Variante, die Menschenleben rettet: Man wartet, gleichsam mit dem Fernglas auf der Bombe sitzend, bis die Russen kommen und sprengt sich dann, wenn sie nah genug herangekommen sind, mitsamt der Atom-Bombe selbst in die Luft.

Wahre Helden gibt es immer. Manche opfern sich für ihr Vaterland. Aber wer katapultiert sich aus deutscher Vaterlandsliebe mit einer Atombombe auf deutschem Boden selbst nach Walhalla? Sehen Sie, schwierig, schwierig!

Es mag ja heute möglich sein, menschliche “Zündmechanismen” durch satelittengesteuerte Elektronik zu ersetzen (wenngleich Elektronik immer noch durch atomare Explosionen, auch absichtlich in großer Höhe, außer Kraft gesetzt werden kann). Damals, in der Hochzeit des Kalten Krieges gab es aber nur eine Lösung, Menschenleben zu retten, imdem man beim Stoppen und Vernichten der Russen möglichst wenig Strahlung und Fallout erzeugte: Man musste Menschen, durch Gehirnwäsche möglichst von Kindesbeinen an, dazu abrichten, Atomminen zu zünden, sobald die Russen in der Nähe waren.

Das ist natürlich eine wüste Spekulation. Es gibt zwar einige Menschen, die behaupten, sie seien einer derartigen Gehirnwäsche unterzogen worden. Aber die wollen sich doch nur wichtig machen, oder? Die sind doch verrückt, oder? Durchgeknallt, nicht wahr?

Spekulationen dieser Art besitzen dennoch einen gewissen Charme, einen Reiz, dem ich mich nicht zu entziehen vermochte. Und so habe ich in meinen Roman “Das Janus-System” (kostenloser Download) versucht, mir auszumalen, wie eine derartige Dressur abgelaufen sein könnte.

Glauben Sie eigentlich an Außerirdische, Frau Solwega?

Das eMag “Herz, Hirn und Hand” interviewte die Autorin des Sciencefictionromans “Ufo-Entführung mit Gehirnwäsche“:

HHH: Frau Solwega, glauben Sie eigentlich an Außerirdische?

Solwega: Es kommt wohl ganz darauf an, was man unter Außerirdischen versteht.

HHH: Intelligente Wesen, die irgendwo im Universum hausen.

Solwega: Irgendwo im Universum werden vermutlich intelligente Wesen leben. Es wäre höchst unwahrscheinlich, wenn es anders wäre. Es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, warum es anders sein sollte.

HHH: Meinen Sie, dass uns Außerirdische bereits hier auf der Erde besucht haben?

Solwega: Das ist eine schwierige Frage. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein intelligentes Wesen große Lust hat, Urlaub auf einem anderen Planeten zu machen, wenn die Anreise einige tausend Jahre dauern würde. Auf diese Idee könnte allenfalls ein höchst unintelligentes Wesen kommen, aber dann wäre es vermutlich kaum in der Lage, Raumschiffe zu bauen, die solche Distanzen zurück legen könnten.

HHH: Halten Sie Reisen durch Wurmlöcher für undenkbar.

Solwega: Nicht unbedingt. Wenn man die Realitätstheorie ein wenig schüttelt und ein bisschen Phantasie mitbringt, dann kann man sich einiges vorstellen. Allerdings vermute ich, dass unser Universum noch nicht alt genug ist.

HHH: Wieso alt genug?

Solwega: Es braucht schon einige Zeit, Wesen hervorzubringen, die intelligent genug wären, um eine Wurmloch-Technologie zu entwickeln und darauf fußende Transportmittel zu verwirklichen.

HHH: Dann können wir also lange warten, bis uns einmal Außerirdische besuchen?

Solwega: Das will ich so nicht sagen. Wir sind ja bisher von der stillschweigenden Voraussetzung ausgegangen, dass alle Außerirdischen körperliche Wesen sind, so wie wir. Dies ist aber eine selbstauferlegte Beschränkung unseres Denkens, die nicht unbedingt die wirklichen Verhältnisse da draußen widerspiegeln muss.

HHH: Und was ist da draußen?

Solwega: Die Frage ist doch die: Braucht der Geist einen materiellen Träger, einen Körper, ein Gehirn.

HHH: Körperlose Aliens? Wären das nicht Dämonen in modernem Gewande?

Solwega: Wenn man die Theorie so platt entwickelt, sicher. Mir widerstrebt es ohnehin, körperlose Intelligenz für möglich zu halten. Dies wäre vermutlich ein Widerspruch in sich. Ich will auf etwas anderes hinaus: Wenn wir von Intelligenz sprechen, dann denken wir im allgemeinen - zu recht oder auch nicht - an Wesen wie wir. Unser Körper nimmt einen bestimmten Raum ein, er bewegt sich in einer linearen Zeit, die sich von der Vergangenheit über ein unfassbares Jetzt in die Zukunft bewegt. Die Vorstellung besteht also im Kern darin, dass Intelligenz auf einer lokalen, begrenzten Ansammlung von Elementarteilchen beruht.

HHH: Uns will sich nicht erschließen, wie es anders sein könnte.

Solwega: Eine lokal begrenzte Ansammlung von Elementarteilchen ist an sich nicht intelligent, da fehlt noch was. Da fehlt ein Subjekt. Das Subjektive lässt sich aber nicht vollständig objektivieren. Es bleibt immer ein Rest.

HHH: Ein Rest?

Solwega: Ja sicher. Das Auge sieht sich niemals, auch nicht im Spiegel. Dort sieht es nur sein Spiegelbild. Wir können - zumindest im Prinzip - fast alle Bereiche der Welt objektiv beschreiben, nur nicht den Beschreiber im Augenblick der Beschreibung. Dieser entzieht sich der Objektivierung. Es bleibt also ein subjektiver Rest.

HHH: Ein subjektiver Rest? Was hat der mit außerirdischer Intelligenz zu tun.

Solwega: Knüpfen wir noch einmal an unseren Gedanken der lokalen, begrenzten Ansammlung von Elementarteilchen an. Aus dieser Ansammlung wird ja nur eine intelligente Struktur, wenn ihr eine nicht völlig objektivierbare Subjektivität “Geist einhaucht”.

HHH: Klingt irgendwie mystisch?

Solwega: Kennen Sie irgend etwas in der neurowissenschaftlichen Forschungsliteratur, was präziser wäre?

HHH: Wir glauben Ihnen, dass es das nicht gibt!

Solwega: Eine weise Entscheidung. Wie auch immer: Es ist denkbar, dass es Subjektivität gibt, die nicht einer lokal begrenzten Anordnung von Elementarteilchen Intelligenz einhaucht, sondern die das ganze Universum nutzt, um sich mal hier, mal da zu verkörpern.

HHH: Ein faszinierender Gedanke. Aber wie soll das funktionieren.

Solwega: Wenn ich es wüsste, hätte ich keinen Sciencefictionroman geschrieben, sondern eine neurowissenschaftliche Abhandlung.

HHH: Ich Buch ist über zwanzig Jahre alt. Gibt es heute neuere Erkenntnisse?

Solwega: Nein. Das Buch war seiner Zeit - bei aller Bescheidenheit - mindestens zwanzig Jahre voraus.

HHH: Frau Solwega, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Christiane F. Solwega: Ufo-Entführung mit Gehirnwäsche. Sciencefictionroman

Anmerkung: Christiane F. Solwega ist ein Pseudonym von Hans Ulrich Gresch.

Guru Pisse

Der berühmte Schriftsteller und Erfinder des größten Indianerschwindels seit Karl May, Carlos Castaneda hatte einmal ein unheimliches Erlebnis mit einem Yogameister. Der Arzt Claudio Naranjo, der seine Patienten mit halluzinogenen Drogen zu behandeln pflegte, hatte das Gespräch zwischen Castaneda und dem Guru arrangiert.

Castaneda versuchte, Parallelen zwischen seinen Erfahrungen und den Lehren des spirituellen Lehrers zu entdecken. Aber die Konversation beschränkte sich auf Belanglosigkeiten und umständliche Rituale.

Gegen Ende des Gesprächs ergriff der Meister einen Gegenstand, der wie ein Wäschesprenger aus Metall aussah. Er begann, Castaneda mit einer Flüssigkeit zu besprühen, die ihm ganz und gar nicht gefiel. Danach zog sich der Guru zurück.

Der Schriftsteller fragte einen der Jünger des Meisters, womit ihn dieser besprüht habe. Zunächst wurde ihm nur beschieden, dass er sich glücklich schätze dürfe, der Göttliche habe ihm eine große Ehre erwiesen. Doch Castaneda bestand darauf zu erfahren, was das Gefäß enthielt.

Schließlich räumte man ein, dass man alle Ausscheidungen des Meisters aufbewahre: „Alles, was aus ihm kommt, ist heilig!“

(Quelle: Graciela Corvalan: Der Weg der Tolteken. Ein Gespräch mit Carlos Castaneda. Frankfurt a. M., Fischer Verlag. 1987)

Aus dieser Geschichte lernen wir, dass wir den Segnungen der Gurus besser nicht blind vertrauen sollten.

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