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Archive für Mai 2010

Logik und “psychische Krankheiten”

1.    Man kann den Begriff „Psychische Krankheit“ auf zwei grundsätzliche  Weisen auf ein Verhaltensmuster beziehen, und zwar so:

a) Ein Mensch ist „psychisch krank“, wenn er die Verhaltensweisen a, b,  c… zeigt.

b) Ein Mensch ist „psychisch krank“, weil er die Verhaltensweisen a, b,  c… zeigt.

Im Fall a) handelt es sich bei dem Begriff „psychisch krank“ um ein   Kürzel für die Verhaltensweisen a, b, c… In diesem Fall ist „psychisch krank“ eine beliebige, austauschbare Zeichenkette. Man könnte genauso gut   „marsmenschlich“ statt „psychisch krank“ schreiben, was auch immer.  Im Fall b) jedoch handelt es sich um ein Hypothese, um eine Tatsachenbehauptung, die natürlich bewiesen werden muss.

Ein Beweis setzt voraus, dass man einen von a, b, c… unabhängigen Faktor F findet und dass man zeigt, dass dieser unabhängige Faktor F diese Verhaltensweisen verursacht.

Folgendes Beispiel soll die Logik verdeutlichen:

Peter stürzt. Die Hypothese lautet: Peter stürzte, weil er von Paul   gestoßen wurde. Um diese Hypothese zu beweisen, müssen wir zunächst einen   Paul identifizieren. Dieser Paul kann nicht Peter selbst sein, sonst wäre   Peter ja nicht gestoßen worden, sondern aufgrund anderer Ursachen   gefallen. Wenn es uns nun gelingt, diesen Paul zu identifizieren, dann   können und müssen wir nachweisen, dass er der Stoßende war.

Genauso verhält es sich auch mit den psychischen Krankheiten: Wenn wir   nachweisen wollen, dass die Verhaltensweisen a, b, c… durch eine   psychische Krankheit verursacht wurden, dass sie „Symptome“ einer   psychischen Krankheit sind, dann müssen wir einen Faktor F finden, der   logisch unabhängig von diesen Verhaltensweisen ist.

Der Begriff „psychische Krankheit“ legt nun nahe, diesen Faktor F in der   „Psyche“ zu suchen. Doch was ist die Psyche. Wir haben hier   offensichtlich dasselbe Problem wie mit der „Psychischen Krankheit“.   Entweder Entweder wir verwenden den Begriff der Psyche als Kürzel oder   als Hypothese. Verwenden wir ihn als Kürzel, dann ist er nichts weiter   als eine beliebige Zeichenkette. Ansonsten brauchen wir wieder einen   unabhängigen Faktor F.

2.    Der Zeitgeist entsprechend wird heutzutage im Allgemeinen angenommen,   der Faktor F sei sowohl im Falle der Psyche, als auch im Falle der   „psychischen Krankheiten“ das Nervensystem.
Hinsichtlich der „psychischen Krankheiten“ sieht die Situation wie folgt aus:

a. Es wird versucht, die neuronalen Grundlagen der als „psychisch krank“   bezeichneten Verhaltensweisen durch Korrelationsstudien zu belegen. Korreliert werden psychiatrische Diagnosen mit neurologischen Parametern.

Es ist aber logisch unmöglich, aus Korrelationen Kausalität abzuleiten.   Eine Korrelation lässt immer drei Möglichkeiten offen: A verursachte B; B   verursachte A; ein dritter Faktor C verursachte A und B. Daher sind diese   Studien zum Beweis der Hypothese, dass die Verhaltensweisen a, b, c …   durch eine „psychische Krankheit“ verursacht seien, nicht geeignet.

b. Die Befunde der einschlägigen empirischen Studien sind ohnehin   uneinheitlich, widersprüchlich.

c. Im Jahr 2004 veröffentlichten elf führende Neuro-Wissenschaftler   (Monyer, Rösler, Roth, Scheich, Singer, Eiger, Friederici, Koch, Luhmann,  van der Malsberg, Menzel) ein Manifest in der Zeitschrift Gehirn & Geist   (Heft 6): „Nach welchen Regeln das Gehirn arbeitet; wie es die Welt so   abbildet, dass unmittelbare Wahrnehmung und frühere Erfahrung miteinander   verschmelzen; wie das innere Tun als „seine“ Tätigkeit erlebt wird und   wie es zukünftige Aktionen plant, all dies verstehen wir nach wie vor   nicht einmal in Ansätzen. Mehr noch: Es ist überhaupt nicht klar, wie man   dies mit den heutigen Mitteln erforschen könnte. In dieser Hinsicht   befinden wir uns gewissermaßen noch auf dem Stand von Jägern und   Sammlern.“

3.    Aus all dem folgt, dass die Psychiatrie den Beweis für die Behauptung,   es gäbe „psychische Krankheiten“ bisher noch nicht erbracht hat. Leider   geht unsere Gesetzgebung in den Gesetzen für „psychisch Kranke“ davon   aus, dass diese angeblichen Krankheiten erwiesenermaßen existierten. Hier   widerspricht die Gesetzgebung dem elementaren Rechtsprinzip, dass vom   Tatsächlichen auszugehen ist und nicht von bloßen Hypothesen.

Irritationen

Manche Leser meiner Bücher und Artikel zu den Themen “Bewusstseinskontrolle”, “Ritueller Missbrauch” und “Multiple Persönlichkeitsstörung” finden meine Thesen irritierend, halten sie womöglich sogar für widersprüchlich. Einerseits beschreibe ich, wie Kinder durch die Methoden der Bewusstseinskontrolle in Menschen verwandelt werden, die sich so verhalten, als ob mehrere Persönlichkeiten unter ihrer Schädeldecke hausten. Andererseits bestreite ich, dass Multiple Persönlichkeitsstörungen existieren, bezeichne sie sogar als Schwindel. Einerseits schildere ich das entsetzliche Leiden, das die Methoden der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung hervorrufen, andererseits warne ich Betroffene davor, sich in psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung zu begeben.

Dies klingt in der Tat widersprüchlich - und wer meine Schriften oberflächlich liest, überfliegt, auszugsweise oder nur vom Hörensagen kennt, man sich berechtigt fühlen, meine Seriosität in Frage zu stellen.

Wenn man einmal von meinen begrenzten sprachlichen Möglichkeiten absieht, so besteht mein Problem, mich verständlich zu machen, vor allem darin, dass ich gegen eingefleischte Vorurteile argumentieren muss. Zu den wichtigsten Vorurteilen, die hier eine Rolle spielen, zählen:

  1. Das Vorurteil, es gäbe so etwas wie “psychische Krankheiten”.
    Es gibt sie nicht. Wenn man sich die psychiatrischen Diagnose-Manuale genauer anschaut, so stellt man fest, dass die angeblichen “psychischen Krankheiten”oder “psychischen Störungen” durch Abweichungen von sozialen Normen definiert werden - und nur dadurch. Es handelt sich bei diesen “Krankheitsbildern” stets um eine Reihe von Verhaltensweisen, die deutlich häufiger oder seltener gezeigt werden als von den so genannten Durchschnittsmenschen.
    Soziale Normen sind aber keine medizinischen Parameter. Die Probleme, die durch Normabweichungen aufgeworfen werden, sind auch keine medizinischen, sondern es handelt sich dabei um soziale Konflikte.
  2. Das Vorurteil, die psychiatrische Diagnose sei identisch mit den Verhaltensweisen, auf sie sie sich bezieht.
    Das ist eindeutig falsch. Wenn jemand beispielsweise die Existenz der Schizophrenie bezeichnet, dann wird ihm oft entgegengehalten, es gäbe doch Menschen, die durchgeknallt sind, die spinnen, die einem Wahn verfallen sind. Natürlich gibt es Menschen, deren Erleben, deren Überzeugungen von der Norm abweichen. Es gibt Menschen, die sich beispielsweise verfolgt fühlen, obwohl es dafür nicht die Spur eines Beweises gibt. Diese Menschen sind aber nicht schizophren, sie irren sich nur. Einem Irrtum zu unterliegen, ist keine Krankheit. Die Probleme, die aus derartigen Irrtümern entstehen, sind auch keine medizinischen, sondern soziale.
  3. Das Vorurteil, dass Menschen, die von sozialen Normen abweichen und deren Motive rätselhaft sind, psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandelt werden müssten.
    Wenn die Punkte 1 und 2 zutreffen, dann ist es im Grunde überflüssig zu begründen, warum auch die unter dem Punkt 3 genannte Auffassung ein Vorurteil ist. Hinzufügen möchte ich noch, dass es natürlich Menschen gibt, die unter ihren Abweichungen von sozialen Normen leiden. Es gibt selbstverständlich auch Menschen, die gern wieder normal sein würden, dies aber nicht schaffen. Fraglos gibt es auch Menschen, die nicht wissen, warum sie es nicht schaffen. Wenn es auch zutrifft, dass Krankheiten Leiden hervorrufen können, so ist der Umkehrschluss doch falsch, dass nämlich Leiden stets durch Krankheiten verursacht würden. Das Leiden unter Normabweichungen wird ebenso wie die Tendenz zur Normabweichung selbst durch soziale Lernprozesse, durch zwischenmenschliche Interaktionen hervorgebracht. Zwischenmenschliche Beziehungen aber sind keine Krankheit.

Nach dieser Vorrede kann ich mich nunmehr der so genannten Multiplen Persönlichkeitsstörung zuwenden. Es gibt sie natürlich nicht. Dieser Krankheitsbegriff bezieht sich auf einen Sachverhalt, der keine Krankheit ist. Zwar existiert dieser Sachverhalt, aber er wird nicht durch eine Krankheit hervorgebracht, sondern durch menschliche Interaktionen, nämlich durch eine Form der Bewusstseinskontrolle. Die Bewusstseinskontrolleure richten Menschen von Kindesbeinen an durch Folter, Drogen, Hypnose, sensorische Deprivation, Elektroschocks und eine entwürdigende Erziehung ab, sich so zu verhalten, als ob mehrere Persönlichkeiten unter ihrer Schädeldecke hausten.

Selbstverständlich sind auch die Verhaltensweisen, auf die sich die Diagnose der Multiplen Persönlichkeitsstörung bezieht, Abweichungen von sozialen Normen. Hier steht die Norm der Verlässlichkeit im Vordergrund. Das soziale Umfeld der Betroffenen empfindet diese als launisch, flatterhaft, unbeständig, kapriziös, unstet und wankelmütig. Das stört natürlich, zumal man sich dieses schwankende Verhalten nicht zu erklären vermag.  Die Menschen des sozialen Umfelds wissen ja nicht, dass sich die Betroffenen nur entsprechend ihrer Dressur verhalten. Sie würden den Sinn dieses scheinbar bizarren Verhaltens verstehen, wenn sie die Methoden und die Ziele der Täter kennen würden.

Wird bei den Betroffenen nun eine Multiple Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, so werden dadurch zwangsläufig - bewusst oder unbewusst, absichtlich oder unabsichtlich - die Täter vor Entdeckung geschützt. Dann handelt es sich bei den Betroffenen mit dieser Diagnose angeblich um Menschen, deren Verhalten Ausdruck einer Krankheit ist, die sich aufgrund überwältigender Traumata in ihrer Kindheit entwickelt hat. Die bizarren Verhaltensweisen werden demnach als Strategien gedeutet, mit denen die Betroffenen versucht haben, diese Traumata zu bewältigen. Mit anderen Worten: Die Betroffenen haben ihre bizarren Verhaltensmuster selbst kreiert. Das ist aber aus entwicklungspsychologischer Sicht unmöglich, weil sich - auch nach der offiziellen Theorie der “Krankheitsursachen”  - diese Verhaltensmuster in früher Kindheit entwickeln. In dieser Entwicklungsphase besitzen die Kinder aber noch gar nicht die kognitiven und affektiven Voraussetzungen, um solche Verhaltensmuster selbständig aufzubauen. Sie sind in diesem Alter noch weitestgehend auf vermittelndes Lernen angewiesen. Das heißt: Die Verhaltensmuster, die von der Psychiatrie als Multiple Persönlichkeitsstörung gedeutet werden, sind das Ergebnis einer Dressur. Etwas anderes kommt gar nicht in Frage.

Diese Menschen als Kranke zu behandeln, heißt, ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben. Diese Menschen sollen sich ändern, aber das System, dessen Marionetten sie sind, darf unverändert weiterbestehen. Das ist pervers, sehr pervers.

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