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Archive für 27.12.2008

Wie in schlechten Filmen

Wer Frauen mit Partnerschaftsproblemen berät, stößt fast unvermeidlich auf einen Grund, der für Männer nur schwer nachvollziehbar ist. Es handelt sich um eine Erwartung an den Partner, derer sich, trotz ihrer Allgegenwart, viele Ehemänner und Lebensgefährten gar nicht bewusst sind.

Viele Frauen mit Partnerschaftsproblemen erwarten von ihren Männern, dass diese die Bedürfnisse ihrer Ehefrau oder Lebensgefährtin erahnen. Die Männer sollen auf diese Wünsche eingehen, ohne dass sie ihnen eigens mitgeteilt werden müssten. Diese Frauen sind fest davon überzeugt, dass ein Mann, der sie wirklich liebe, dazu nicht nur willens, sondern auch in der Lage sei. Im Umkehrschluss bedeutet dies natürlich, dass ein Mann, der ihr nicht jeden Wunsch von den Augen abliest, sie auch nicht wirklich liebt.

Nun sind Männer in aller Regel weder Hellseher, noch mit besonders ausgeprägten intuitiven Gaben ausgestattet, die es ihnen ermöglichten, allzu tief in die Psyche der Frau an ihrer Seite einzudringen. Sogar Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, bekannte einmal, dass er nach mehreren Jahrzehnten der Erforschung weiblicher Seelen immer noch nicht die Frage beantworten könne, was die Frau eigentlich wolle.

Wer Männer mit Partnerschaftsproblemen berät, kommt also nicht umhin, diese darauf hinzuweisen, dass ihre Frauen sich möglicherweise von ihren Ehemännern oder Lebensgefährten aus dem genannten Grund nicht geliebt fühlen. In aller Regel reiben sich die so Aufgeklärten dann die Augen, blicken irritiert und ungläubig um sich, manchen kommen auch die Tränen wie überforderten kleinen Kindern. Ist alles verloren?

Nachdem diese Männer ihre Fassung halbwegs wiedergewonnen haben, wollen sie natürlich wissen, aus welchen Tiefen der weiblichen Seele diese Erwartung kommt und welchen - hilf Himmel! - welchen gottverdammten Grund es dafür geben mag, von Männern aus Fleisch und Blut titanenhafte Fähigkeiten zu erwarten.

Das erste, was uns Männern dazu einfällt, sind die Liebesfilme aus Hollywood und all die romantischen TV-Serien, in denen Erwartungen wie diese kultiviert werden.In solchen Streifen und Streifchen sind selbstverständlich die Partner vom Schicksal füreinander bestimmt, die Männer umsorgen und beschützen ihre Frauen rührend selbst unter den allerwidrigsten Umständen und die Frauen danken es ihnen durch eine bei aller Emanzipation letztlich bedingungslose Bereitschaft zur Unterordnung.

Mancher Mann atmet dann beruhigt auf. Der Schuldige ist dingfest gemacht. Handfeste Aufklärung über die Verlogenheit und Realitätsferne dieser Filme wird helfen. Doch gemach, lieber Mann. Für wie dumm hältst du deine Frau eigentlich? Glaubst du wirklich, deine Frau könne nicht erkennen, dass diese Filme verlogen und wirklichkeitsfern sind?

“Ja, aber warum sind sie dann so wild auf diese Filme?”

Rätsel über Rätsel. Und warum raucht mancher Mann, trinkt zu zu viel, isst zu viel - obwohl er genau weiß, wie schädlich das ist? Sein Verstand ist einsichtig, doch das Unbewusste macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Das Ich ist nicht der Herr im eigenen Haus.

Den Frauen geht es nicht anders. Diese Hollywood-Filme, diese romantischen TV-Serien erfüllen tief sitzende, unbewusste Bedürfnisse vieler Frauen. In ihrem Buch “Weiblicher Narzissmus” beschreibt Bärbel Wardetzki es als das Kern-Syndrom des weiblichen Hungers nach Anerkennung (Kösel-Verlag). Der Grund: Viele Frauen besitzen kein stabiles Selbstwertgefühl. Sie brauchen also immer wieder hochdosierte Anerkennung und Bestätigung - wie der Junkie die Spritze.

Die Liebesfilme sind also nicht die Ursache des Problems, aber sie verstärken es und sie behindern eine Lösung.

“Ja, wir Frauen sind aber so emotional, das können Männer nicht verstehen!”

Das habe ich auch schon bemerkt, liebe Frau. Viele Frauen sind sehr emotional, wie kleine Kinder. Das liegt aber nicht an der weiblichen Biologie, sondern daran, dass sie im Patriarchat ein Leben lang wie kleine Kinder bleiben sollten: hilfsbedürftig, niedlich, anhänglich, unselbständig, gefühlsinnig bis -duselig… und natürlich ohne kritisch rationales Bewusstsein.

Doch damit sollte jetzt eigentlich Schluss sein.

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