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Archive für 23.12.2008

Das alogische Syndrom - eine Berufskrankheit?

Man glaubt es kaum, aber es ist so. Psychiater und Psychotherapeuten sind oftmals unfähig zu logischem Denken, zumindest partiell. Diesen Eindruck zumindest habe ich gewonnen durch zahlreiche Beratungsgespräche mit Klienten, die von Pontius zu Pilatus gelaufen und dann schließlich bei mir gelandet sind.

Diese Menschen hatten ungewöhnliche Erfahrungen gesammelt, genauer: durchlitten und waren nicht in der Lage oder willens, diese allein zu verkraften. Sie brauchten Unterstützung, um diese oft bedrohlichen, Angst und Stress auslösenden Erfahrungen zu meistern.

Und so gingen diese Menschen zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten - ach, was schreibe ich da? Sie brachten eine Odyssee hinter sich durch Praxen und Kliniken, um immer wieder dasselbe zu hören zu bekommen: Sie seien paranoid, sie würden sich das alles nur ausdenken, sie müssten diese oder jene Pille schlucken, dann würden sie von ihren Wahnideen erlöst. Irgend etwas mit ihrem Hirnstoffwechsel stimme nicht und das sei angeboren. Dumm gelaufen, eben.

Wenn nun der Gastwirt, der Friseur oder der Ehepartner in dieser Weise auf ungewöhnliche Erfahrungen reagieren würde, hätte ich dafür in Grenzen Verständnis. Manche dieser Erfahrungen klingen ja beim ersten Hinhören durchaus verrückt. Doch ein Psychiater, ein Psychotherapeut, ein Fachmann, eine Fachfrau?

Ein Experte sollte doch wissen, wie der Hase läuft. Nehmen wir einmal an, der Experte glaube ernsthaft daran, sein Klient oder Patient leide unter Wahnideen. Dann sollte ihm eigentlich klar sein, dass es völlig fruchtlos ist, diesen Menschen mit dieser “Wahrheit” zu konfrontieren, weil der “Paranoiker” dies nicht akzeptieren kann. Vielmehr wird er glauben, der Psycho-Experte sei selbst Teil der “Verschwörung”.

Glaubt der Psycho-Experte aber selbst nicht an seine eigene Diagnose, dann führt er sich erst recht ad absurdum, wenn er sie dennoch dem Patienten nahelegt. Denn eine Behandlung auf Basis einer wissentlich unglaubwürdigen Diagnose ist ja ein Widersinn.

Ich kann nur darüber spekulieren, warum schätzungsweise 98 Prozent der Psychiater und Psychotherapeuten bei Patienten, denen sie eine paranoide Psychose unterstellen, in der beschriebenen, höchstgradig unlogischen Weise reagieren.

Die erste, spontane Erklärung bestünde darin, dass es sich um eine Berufskrankheit handelt. Diese Leute sind einfach überfordert, stehen unter Stress - und wer gestresst ist, hat oft Probleme, logisch zu denken, weil die Emotionen durchbrechen.

Die zweite Erklärung wäre, dass diese Leute schon schwach in Logik waren, bevor sie ihren Beruf ergriffen. Vielleicht zieht dieses Gewerbe ja Menschen an, die von Haus aus nicht so versiert sind im folgerichtigen Denken.

Eine weitere, dritte Erklärung lautet: Man will, dass sich die Betroffenen defekt und minderwertig fühlen, oder dass sie angesichts dieser unerhörten Anschuldigung, paranoid zu sein, ausrasten, durchdrehen, sich “gemeingefährlich” aufführen. Derartige Reaktionen würden es den Psycho-Experten nämlich leichter machen, diesen Patienten Neuroleptika aufs Auge zu drücken, eventuell sogar zwangsweise.

Diese Neuroleptika, so liest und hört man immer wieder, sollen ja ein verdammt gutes Geschäft sein für die Pharmaindustrie.

Es geht natürlich auch anders. Die Lösung ist verblüffend einfach. Wie wäre es, wenn wir unsere Klienten mit ungewöhnlichen Erfahrungen einfach ernst nehmen und respektieren würden. So schlau jedenfalls bin ich wirklich nicht, dass ich eindeutig erkennen könnte, was Wahn, was Wirklichkeit sei. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Ich bin kein Philosoph, kein Detektiv. Ich begleite und berate Menschen, die Unterstützung brauchen, um seelische Probleme zu lösen, um ihre Persönlichkeit zu entfalten, um mehr Durchblick zu bekommen.

Die Erfahrungen meiner Klienten, wie ungewöhnlich sie auch immer sein mögen, deute ich nicht als Wahn oder Wirklichkeit, sondern als Ressourcen, als Hilfs- und Kraftquellen, die - gewusst natürlich wie - auf die Mühlen der eigenen Interessen geleitet werden können. So zu handeln, liegt selbstverstädnlich nicht nur im Interesse meiner Klienten, sondern auch in meinem eigenen. Mein eigenes Leben wird dadurch leichter. Ist das nicht schön? Was spricht dagegen?

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