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Archive für 22.12.2008

Der rationale Kern der Magie

Mitunter werde ich gefragt, ob ich, wenn nicht gleich vorausgesetzt wird, dass ich an außersinnliche Wahrnehmung, Geistheilungen und feinstoffliche Energien glaube. Schließlich bin ich Psychologe, und Psychologen, diese windigen Gesellen, glauben nun einmal an so etwas, denkt man. Und wer sich wie ich mit Hypnose, Trance-Psychologie und Meditation beschäftigt, der muss doch einfach auch esoterisch angehaucht sein. Oder etwa nicht?

Nein, nicht. Auf den spirituellen Hauch reagiere ich in etwa so wie auf den spirituösen: Ich kann ihn nicht riechen. Ebenso wie alkoholische Getränke verschmähe ich geistliches Gebräu, das besoffen macht. Mich interessieren Fakten und die logischen Schlüsse, die man aus ihnen ziehen kann oder muss. Was die Lehren der Heiligen Männer, Weisen Frauen, Gurus, Swamis, Hexern, Zauberer und sonstigen Oberpriester betrifft, so halte ich es mit Gautama, dem Buddha, der einst sagte: “Glaubt keinen Lehren. Glaubt auch meiner Lehre nicht. Prüft alles selber nach. Wägt und behaltet, was gut ist.”

Während ich dies niederschreibe, ist mir sehr wohl bewusst, dass ich hier nur die halbe Wahrheit zu Papier bringe. Bezogen auf das, was man überhaupt zu Papier bringen, also in Worte fassen kann, ist es zwar die ganze Wahrheit, sofern ich diese zu ermessen vermag. Doch wer sagt, dass alles, was die menschliche Existenz betrifft, zu Papier gebracht werden könne? Schließlich ist ein erkenntnistheoretisches Dilemma  Kern der “Conditio Humana”. Es besagt, dass wir im Prinzip alles objektivieren, also versachlichen, analysieren, erforschen können - nur nicht uns selbst während des Objektivierens. Es bleibt immer ein subjektiver Rest.

Natürlich: Auch das Subjektive können wir in einen Gegenstand der Forschung verwandeln. Wir vergegenstädnlichen es dann, betrachten es von außen. Die Innerlichkeit der Subjektivität muss uns dabei zwangsläufig entgehen. Während wir das Subjektive analysieren, rückt die Subjektivität des Analysierens in einen Blinden Fleck, wird unsichtbar. Wie im Großen, so im Kleinen. Wir können nicht wissen, wie das Universum unabhängig von unserem Bewusstsein ist. Denn Wissen setzt Bewusstsein voraus. Und ebenso wenig können wir wissen, wie und was unsere Subjektivität ist, denn wenn wir Subjektivität betrachten, ist der Betrachter selbst, das Subjekt nämlich, nicht Gegenstand der Betrachtung. Das Auge kann sich nicht selber sehen, nur sein Spiegelbild.

Und so gibt es eine Innenwelt, die weder ein Abbild der Außenwelt ist, noch so behandelt werden könnte wie die Außenwelt. Diese Innenwelt, dieser innere Bezirk unseres Daseins ist kategorial verschieden von der Außenwelt. Dies bedeutet natürlich auch, dass in diesem Bereich die Naturgesetze ebenso wenig gelten wie die Logik, die ja nichts anderes ist als eine Ordnung von Objekten, also von Entitäten, die wesensgemäß der Außenwelt zugehören. Der innere Bezirk ist das Andere. wir können ihn”betreten”, aber nicht beschreiben.

Darum gehen mir diese “Esoteriker” ja auch so fürchterlich auf die Nerven, weil sie beschreiben, was sich nicht beschreiben lässt. Was dabei herauskommt, ist unsägliches Geschwalle - und als solches entweder Ausdruck wohlmeinender Naivität oder  mehr oder weniger gewieftes Marketing. Der innere Bezirkt ist pure Erfahrung, über die man weder direkt, noch in Bildern und Metaphern sprechen oder schreiben kann.

Beschreiben allerdings kann man die Gestelle, die sich vor dem Tor zum inneren Bezirk auftürmen. Betreten kann den inneren Bezirk natürlich jener, denn er ist ja “Conditio Humana”. Er ist niemandem verschlossen - und im Prinzip könnte jeder durch dieses Tor ein- und ausgehen, so wie er sich ins Bett legen, schlafen und wieder aufwachen kann. Doch für viele ist dieser Weg verbaut, durch Gestelle, die den Weg heillos verstellen. Es handelt sich dabei um falsche Vorstellungen zur “Conditio Humana”, zur Rationalität, zur Objektivität und Subjektivität.

Die Gestelle werden also von uns Menschen selbst erstellt. Wir verstellen uns den Weg selbst. Wir tun dies unbewusst. Und so haben wir den Eindruck, die Gestelle seien von einer fremden Macht dorthin gestellt worden. Wir können dieser fremden Macht verschiedene Namen geben: Wissenschaft, Vernunft, Rationalität, sogar “Gott”, denn auch Gott, zumindest manche Versionen Gottes wollen ja nicht, dass man vom Baum der Erkenntnis isst.

Doch mit diesen Namen bezeichnen wir nur einen Teil unserer Seele. Es ist der unbewusste Anteil unseres Ichs. Dieses Ich-Teil handelt zielstrebig, erwartungsgesteuert und absichtlich. Doch da wir uns dessen nicht bewusst sind, erscheinen uns die Handlungen des unbewussten Ichs wie Automatismen, die sich unserer Kontrolle entziehen.

Methoden, diese Kontrolle zurückzugewinnen, scheinen Wunder zu wirken. Seit altersher heißen diese Methoden Magie.

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