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20.8.2008 von Hans Ulrich Gresch.
Dicke sind Helden. Mit ihren Zähnen kurbeln sie die Wirtschaft an. Manchmal schlingen sie auch nur. Essen sie für Zwei, dann machen sie auch Umsatz für Zwei.
Dicke sind ja so duldsam. Klaglos stellen sie Ihren Verdauungstrakt als Schnittstelle im Produktions-, Distributions- und Verwertungsprozess der Ernährungsindustrie zur Verfügung.
Dicke sind Asketen. Mit offenen Ohren für das Gesäusel der Marketing-Experten und mit empfangsbereiten Geschmacksknospen für die suchterregenden Künste der Food-Designer nehmen sie die Zerstörung ihrer Genussfähigkeit willig in Kauf und bezahlen sogar noch dafür.
Dicke sind Masochisten. Darum fügen sie sich willig in den Mechanismus einer Profitmaschinerie, die tief in ihre Körperchemie eingreift und dazu führt, dass sie immer hungrig sind.
Dicke sind gehorsam. Widerspruchslos gehorchen sie den Befehlen ihres unermesslichen Hungers und lassen die Kassen klingeln.
Dicke sind die Helden unserer Zeit. Sie dienen vielen Herren. Wie schlecht ginge es den Medizinfabriken, der Pharma-Industrie und den Sargschreinern ohne sie. Auch die Erfinder und Vermarkter von Diäten kämen in Bedrängnis, gäbe es keine Dicken. Ganz zu schweigen von allen den bunten Blättern, die mit diesem Thema kräftig Auflage machen.
Mein Gott, was täten wir nur ohne unsere Dicken? Die ganze Wirtschaft würde zusammenbrechen. Haus und Hof würden wir verlieren. Mutterseelenallein stünden wir da in einer frostigen Welt, ohne die Wärme der Fettmassen unserer Dicken.
Und wie danken wir es ihnen. Obwohl sie inzwischen in der Mehrheit sind, schauen wir auf sie herab, verlachen sie, beschuldigen sie sogar, für die hohen Gesundheitskosten verantwortlich zu sein. Wir jagen ihnen ein schlechtes Gewissen ein und bezweifeln ihre Fähigkeit zum manierlichen Geschlechtsverkehr.
So geht das nicht! Da muss die Politik was tun! Tut sie aber nicht, im Gegenteil. Sie brüskiert vielmehr die Dicken mit Kampagnen gegen das Übergewicht. Als wenn die sonst nichts zu tun hätten. Die sollen die Wirtschaft fördern - doch selbst wenn sie sich dabei ein Bein ausreißen würden (kaum zu erwarten), wäre ihr Beitrag höchstens fliegengewichtig im Vergleich zum Schwergewicht, das der gebündelte Kampfkraft unserer Dicken entspricht.
Wir müssen unsere Dicken ehren. Wie wär’s mit einem Tag der Dicken? Vielleicht sollte man den 1. Weihnachtsfeiertag entsprechend umwidmen. Dann sind doch nicht nur unsere Dicken erfahrungsgemäß gut im Futter.
Möglicherweise behagt Ihnen, lieber Surfer, meine Argumentation nicht. Das bin ich gewöhnt. Wer hat es schon gern, wenn ich ihm den Schleier von den Augen reiße. Was, was sagen Sie: Meine Auslassungen seien ein Grund zum Abnehmen. Machen Sie nur. Da hab’ ich keine Bange vor. Da verlasse ich mich vertrauensvoll auf den Jo-Jo-Effekt.
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