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August 2008
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Archive für August 2008

Kurze Notiz zur DID

Manchen meinen, ein Mensch mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (bzw. Multiplen Persönlichkeitsstörung) bestünde aus mehreren, voneinander unabhängigen Identitäten, seine Persönlichkeit sei zerbrochen.

Gegen diese These wurden zu recht erkenntnistheoretische und praktische Einwände vorgebracht. Allein schon die Beobachtung, dass sog. multiple Persönlichkeiten im Alltag durchaus nicht wie eine Rotte unkoordinierter Einzelwesen funktionieren, sondern durchaus in der Lage sein können, jahrelang ein verhältnismäßig unauffälliges Leben zu führen, müsste Zweifel an der  Realität unabhängiger Identitäten nähren.

Inzwischen geht auch die experimentelle Forschung dieser Frage nach. Wenn die Identitäten untereinander tatsächlich durch eine amnestische Barriere getrennt wären, dann dürften neue Informationen nur der jeweils aktiven Identität bekannt sein, den anderen aber nicht. Dass die amnestische Barriere aber keineswegs so undurchlässig ist, wie Betroffene vorgeben, zeigt z. B. die neue Studie von  Kong, Allen & Glisky.

Für mich sind derartige Befunde keine Überraschung. Manche mögen sie dazu veranlassen, das Kind mit dem Bade auszuschütten und den Sinn der Diagnose DID bzw. MPD generell zu bestreiten. Dies jedoch halte ich, gerade angesichts der Daten, für verfehlt. Aus meiner Sicht haben Menschen mit dieser Diagnose keineswegs einen Schwarm von Identitäten oder Persönlichkeiten in sich. Sie sind, wie wir alle, nur eine Persönlichkeit mit einer Identität. Sie haben sogar eine sehr ausgeprägte Persönlichkeit, nämlich die Persönlichkeit eines Virtuosen der Selbst- und Fremdtäuschung wider Willen.

Diese Persönlichkeiten haben gelernt, sich selbst und andere zu täuschen. In ihnen steckt, wie in uns allen, ein vorpersönlicher Subjektkern, der gelernt hat und beständig daran arbeitet, sich selbst in einer Weise zu inszenieren, die nach Außen das Bild einer geschlossenen Persönlichkeit abgibt. Bei normalen Menschen folgt diese Inszenierung immer nur einem Drehbuch, das zwar modifiziert und weiterentwickelt werden kann, das aber dennoch zum Bild einer einheitlichen Persönlichkeit führt.

Bei einer sog. multiplen Persönlichkeit ist das aber anders. Hier arbeitet das unpersönliche Subjekt, diese noch formlose, gebündelte Willenskraft mit mehreren Skripts. Welches Skript realisiert wird, hängt von Umweltreizen ab. Zum Drehbuch gehört es, dass die jeweils inszenierte Persönlichkeit sich der Vielzahl seiner Inszenierungen nicht bewusst sein darf. Sie handelt so wie ein Schauspieler mit Gedächtnisstörungen, der auf der Bühne den König Lear gibt, aber nicht eine Sekunde lang in Frage stellt, tatsächlich König Lear zu sein. Bei jeder anderen Rolle ist es genau so. Fällt der Vorhang, ist er wieder Gottfried Müller und weiß nicht, dass er jemals der Hase Harvey war.

Das vorpersönliche Subjekt ist eine intelligente Struktur, die über alle Informationen verfügt, über die auch ein normaler Mensch in der gleichen Situation verfügen würde. Sie teilt aber drehbuchgemäß den einzelnen inszenierten Persönlichkeiten nur bestimmte Informationen zu. Sie kontrolliert also den Fokus der Aufmerksamkeit dieser inszenierten Persönlichkeiten. Diese inszenierten Persönlichkeiten agieren also guten Glaubens, aber sie sind Ausgeburten der Lüge.

Die spannende Frage: Warum verhält sich eine multiple Persönlichkeit so? Aus meiner Sicht gibt es nur eine Antwort, die dieses Phänomen in einer Weise zu erklären vermag, die nicht noch mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Diese Menschen wurden - von Kindesbeinen an - dressiert, sich so zu verhalten. Ihr vorpersönliches Subjekt wurde mechanisiert, durch ausgefeilte psychische und physische Folter.

Aus panischer Angst vor der Folter hat das vorpersönliche Subjekt den Zwang entwickelt, sich gemäß der ihm eingepflanzten Drehbücher, und ausgelöst durch entsprechende Hinweisreize, in dieser oder jener Form zu inszenieren. Zwänge sind Automatismen, die der kritischen Reflexion entzogen sind. Eine multiple Persönlichkeit wird kreiert, indem man durch Folter-Konditionierung Automatismen aufbaut und sie der kritischen Reflexion entzieht. Die DIS / MPS ist also eine spezifische, künstlich herbeigeführte Zwangserkrankung.

Die Amnesien zwischen den “Alters”, also den inszenierten Persönlichkeiten sind als Teil der Drehbücher autohypnotische Phänomene, psychogene Gedächtnisstörungen. Man kann sich dem Verständnis des unpersönlichen Subjekts nähern, wenn man sich mit der Hidden-Observer-Forschung beschäftigt. Der “Hidden Observer” ist eine hypnotisch erzeugte Struktur, die wahrnimmt, was dem Bewusstsein des Hypnotisierten durch einen hypnotischen Befehl verborgen bleibt, z. B. Schmerz. Erhält der “Hidden Observer” den vorher vereinbarten Befehl, reproduziert er seine Wahrnehmungen wahrheitsgemäß.

Es bleibt hier nicht mehr viel zu sagen, außer: Wer macht so was, wer kommt in Frage. Antwort: Leute mit dem entsprechenden Know-how und entsprechenden Interessen. Die üblichen Verdächtigen: Geheimdienste, Streitkräfte, ggf. sehr reiche, sehr einflussreiche Kriminelle. Ob es da Unterschiede zwischen den drei Gruppen gibt?

PS: Die sog. multiplen Persönlichkeiten sind nicht multipler als andere Menschen auch. Wir alle haben ein Nervensystem, das aus teilautonomen Subsystemen zusammengesetzt ist. Wir alle haben ein Unbewusstes, das unser Verhalten steuert, ohne dass unser Bewusstsein in jedem Fall die Gründe zu erraten vermag. Diese beiden Faktoren sind sehr sinnvoll, der Mensch wäre kein Mensch ohne sie. Sie lassen sich aber auch zweckentfremden. Wer diese Prozesse versteht, kann beispielsweise eine DID / MPS produzieren und so Menschen mental versklaven.

Mann sein

Mann sein ist nicht leicht.

Beispiel: Klamotten. Ein Mann interessiert sich eigentlich nicht für Klamotten. Rein in den Laden, das Erstbeste gegriffen, raus aus dem Laden. So macht das der echte Mann.

Und da fängt es an. Das merkt man auch daran, dass ich, um die Verästelungen dieses Problems zu erläutern, gleich schon in den Konjunktiv wechseln muss. Das heißt: Schluss mit dem schnörkellosen Stakkato des rechten Mannes.

Es muss nämlich heißen: So würde es der echte Mann machen, wenn man ihn denn ließe. Das tut man aber nicht, denn Hemd, Hose, Jacke, ja, sogar - man glaubt es kaum - die Socken sind keineswegs nur Bekleidung, also Gegenstände zum Verhüllen unvorteilhafter Ausbuchtungen des Körpers, sondern sie sind Status-Symbole.

Diese aber sind erforderlich, wenn man seine Position in der Hierarchie finden und halten will. Das will der echte Mann.  Und so hat er ein Problem, eins zusätzlich. Ein echter Mann interessiert sich weniger für Herrenmode als seine Frau. Also muss er seine Frau zum Einkaufen mitnehmen. Das kostet wertvolle Lebenszeit. Zum Glück ist der echte Mann leidensfähig, wenn es ums Große und Ganze geht. Nur eine Frau weiß, was feine Qualität ist.

Doch damit ist das Problem noch längst nicht gelöst. Schließlich muss der echte Mann anderen echten Männern u. a. mit seinen Klamotten signalisieren, dass er zu recht seine Position innerhalb der Hierarchie besetzt. Wo kämen wir denn da hin, wenn ein Untergebener ein teureres Jackett trüge. Manche sind ja so schamlos. Also muss das Jackett jenseits seiner Preisklasse liegen. Versteht sich. Da muss ein Jackett her, dass sich die da unten nicht leisten können.

Nun sind aber auch die Tretminen in der Hierarchie unter dem echten Mann ihrerseits echte Männer, die von Klamotten nichts verstehen. Feines Tuch können die auch nicht von Zeltbahnen unterscheiden. Zwar gibt es Sekretärinnen, aber die halten sich zurück, solange sie nicht unter sich sind. Die Ehefrauen kann man aber nicht mitbringen. Also müssen die Klamotten des echten Mannes ihren Wert in einer Weise demonstrieren, die auch andere echte Männer verstehen.

Zu diesem Zweck wurden die Marken-Klamotten geschaffen. Sie sind noch deutlich teurer, als die Klamotte ohnehin wäre aufgrund ihrer Qualität - es lohnt sich aber, dieses zusätzliche Geld auszugeben. Das schafft nämlich Klarheit - und Klarheit liebt der echte Mann.

Dummerweise gibt es auch Fälschungen von Markenartikeln. Ob das Krokodil wohl echt ist? Ja, dem echten Mann schlägt Misstrauen entgegen - nicht nur in diesem Bereich. Es ist nicht leicht, ein echter Mann zu sein. Da hat es die echte Frau viel leichter, denn sie liebt ja die Zauberwelt der Mode. Als ausgleichende Gerechtigkeit werden ihrer modischen Phantasie Grenzen gesetzt, wenn sie selbst im Geschäftsleben steht. Doch der Ausgleich ist nur ein bescheidener, denn die echte Frau betrachtet die Business-Kleidung als Herausforderung ihrer Kreativität und Gewitzheit.

Da kann der echte Mann, dem außer der Marke nichts bleibt, natürlich nur staunen. Doch Neid ist nicht am Platze. Die modische Idiotie des Mannes erspart ihm viel Zeit, die für viel wichtigere Anliegen aufgewendet werden kann, zum Beispiel im Reich der Automobile. Doch davon, liebe Kinder, erzähle ich euch in der nächsten Märchenstunde.

Schöne Wirtschaft

Was nütze es denn, wenn Deutschland Export-Weltmeister sei, wird gefragt - und wenn es den kleinen Leuten im Lande dennoch immer schlechter gehe? Die Binnen-Nachfrage müsse angekurbelt werden. Die Leute müssten endlich wieder Geld in der Tasche haben, damit sie nicht jeden Pfennig umdrehen müssten. Immer mehr Menschen würden sich zu Geizkragen entwickeln und seien sogar stolz darauf. Die archaischen Leidenschaften der Steinzeit würden wieder durchbrechen. Die Menschen mutierten zu Schnäppchen-Jägern und Gebrauchtwaren-Sammlern. Das sei Gift für die Wirtschaft.

Ja, Kinder, was ist denn das für eine Wirtschaft, die nur dann richtig funktioniert, wenn die Leute ihre sauer verdienten Groschen für überflüssigen Kram herauswerfen, der u. U. sogar gesundheitsschädlich ist und die Umwelt belastet?

Unsinn, sagen die Strategen der staatstragenden Parteien. Wenn die Leute etwas kaufen wollen, dann können sie es auch gebrauchen - was sinnvoll sei, könnten die Konsumenten nur selber entscheiden, da dürfe sich der Staat nicht einmischen. Man müsse dem freien Markt nur seinen Lauf lassen, dann würde sich schon alles bestens entwickeln.

Bestens. Sicher. Fragt sich nur, für wen? Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auf. Die Reichen werden immer reicher, die Armen im Vergleich dazu immer ärmer. O. K, sagst du, das ist in Ordnung so, denn die Eliten, die Leistungsträger müssen motiviert werden, nicht nachzulassen in ihrem edlen Bestreben, die Wirtschaft voranzubringen.

Klar. In die Mehrheit der kleinen Leute schaut in die Röhre. Die sind eben nicht Elite, waren es nie und werden es auch nie werden. Denn wer Elite ist, bestimmt die soziale Herkunft. Wenn Vater und Mutter Elite waren, dann sind die Sprößlinge auch Elite. Waren aber die Eltern kleine Leute, dann werden aus ihren Kindern ebenfalls kleine Leute. Da können sie sich abrackern wie sie wollen. Es gibt sicher Ausnahmen, doch die sind so selten wie Schnee im August.

Ach, machen wir uns nichts vor: Die Kluft zwischen Arm und Reich wuchs noch nie so schnell wie heute - und das sind die Nachwirkungen der Politik eines gewissen Schröder und eines gewissen Noname, der einmal Super-Minister war. Kurz: dafür ist die SPD verantwortlich, diese Arbeiterpartei aus Tradition. Die Arbeiter, die kleinen Leute, die SPD wählen, entscheiden sich völlig richtig, wenn sie die Eliten fördern wollen.

Die kurbeln die Wirtschaft an, und wenn für die kleinen Leute ein paar Brosamen abfallen, dann nicht vergessen… Kauft nutzloses Zeug, damit die Wirtschaft weiter brummt! Ihr braucht das ja, sonst würdet ihr es nicht kaufen, und damit ihr es auch weiterhin kaufen könnt, müsst ihr jede sauer verdiente Mark (ähh Euro) dafür herausschmeißen. Und natürlich Eliten wählen, sonst geht gar nichts.

Schöne Wirtschaft.

Pfunde weg, Glück weg?

Ihr nehmt ab, macht Diät, seid unglücklich?

Kein Wunder, warum hab Ihr auch nicht vorher Onkel Ulrich gefragt?

Wer erfolgreich abspeckt, muss auf Dickmacher verzichten. Das sind vor allem all die köstlichen Speisen, die Zucker und Fett miteinander kombinieren. (Es gibt allerdings eine Ausnahme, davon später.) Dann noch ein paar Aromastoffe, und der Dickmacher ist perfekt. 

Das Dumme ist nur, dass die Kombination von Fett und Zucker die Serotonin-Ausschüttung im Gehirn stimuliert. So was Blödes aber auch. Ist Serotonin doch ein Glücklichmacher.

Hey, keine Bange, Onkel Ulrich weiß Rat. Komponiert nach folgendem Rezept einen Schlank- und Glücklichmacher. Man nehme für einen kleinen Obstsalat:

Allerlei Früchte - von ganz süß bis bitter, gut gemischt. Dann wird das Ganze großzügig in Öl getränkt.

Halt, nicht so schnell. Nehmt nicht das erste beste Öl: Nehmt Kokosöl. Neben anderen segensreichen, gesundheitsfördernden Wirkungen regt dieses Öl nämlich die Fettverbrennung an. Kaum zu glauben, ist aber so.

Wenn ihr wollt, könnt ihr den Salat mit Pfeffer und Salz würzen. Auch ein Tropfen Balsamiko kann nicht schaden; es sollte aber nur ein Tropfen des alleredelsten Stoffs sein. Gut durchmischen, fertig. Ne, ne, ne - Finger weg!  Kein zusätzlicher Zucker aus der Dose, natürlich.

Bewusst genießen. Das Glücksgefühl setzt innerhalb weniger Sekunden ein und entfaltet sich dann im Lauf der nächsten Stunde zu voller Blüte, während des Fett im Körper dahinschmilzt.

Ja, hättet ihr besser vorher Onkel Ulrich gefragt.

PS: Es genügt wirklich ein kleiner Obstsalat pro Tag  zum Glücksdoping. Ansonsten dürft ihr natürlich nicht vergessen, nur wenig Kohlenhydrate und viel mageres Fleisch zu essen. Fleisch regt ebenfalls die Fettverbrennung an. Da steckt allerdings ein Wermutstropfen drin. Wenn ihr den in den Obstsalat gießt, sind es sogar zwei Wermutstropfen. Der ohnehin drinsteckende ist die Tatsache, dass die in Bereitschaftsstellung wartende Fettverbrennung auf das Startsignal wartet. Das könnt nur ihr geben, durch moderate körperliche Aktivität.

PPS: Es empfiehlt sich, alle Zutaten aus dem inhabergeführten Biohandel zu beziehen. Dann macht eure Tat nicht nur euch selbst, sondern auch die Bio-Ladner glücklich. Dieser kombinierte Altruismus und Egoismus steigert euer Glücksgefühl sogar und wirkt durch Stressreduktion sogar zusätzlich schlank machend. 

Narzissmus ist überall

Das trutzige Bergvolk der Schweizer hat ein Narzissmus-Problem. Man könnte es auch als Provinzposse im nationalen Maßstab bezeichnen. Das ist nicht ungewöhnlich. Wo Narzissmus im Spiel ist, wird’s immer komisch, nur zu oft auch tragikomisch.

Zum Fall: Der Schweizer Armee-Chef Roland Nef musste gehen, weil durch Indiskretionen herauskam, dass er seine Ex-Freundin belästigt und in ihrem Namen Sex-Anzeigen geschaltet haben soll (Stalking). Außerdem wurde von einer Schweizer Zeitung enthüllt, dass ihm ein psychiatrisches Gutachten  eine narzisstische Persönlichkeit becheinigt habe.

Die Schweizerische Boulevard-Zeitung Blick wollte nun von einem Psychologen wissen, was eine Narzisstische Persönlichkeit sei und ob deren Symptomatik das Verhalten des zurückgetretenen Armee-Chefs erklären könne. Das Interview konzentriert sich natürlich auf die Frage, wie sich Narzissten in Machtpostionen verhalten. Es gehört schließlich  zur Symptomatik von Narzissten, dass sie abhängig sind von bedingungsloser Anerkennung, Bewunderung und Unterwerfung ihrer Mitmenschen unter ihre Bedürfnisse. So kompensieren sie durch Grandiosität ihre unterdrückten, extremen Minderwertigkeitsgefühle. Es liegt nahe, dass sie sich ein Biotop suchen, das sich besonders gut zur Kompensation eignet und ihrem narzisstischen Hunger auf Bestätigung ihrer Grandiosität geeignetes Futter bietet.

Es versteht sich von selbst, dass Chefetagen ideale Weideplätze für Narzissten sind. Je höher der Narzisst in dieser Chefetage angesiedelt ist, desto besser. Am allerbesten ist es, wenn man sein eigener Chef ist. Kritik kommt dann allenfalls noch von Kunden, aber für Fehler kann man die Mitarbeiter verantwortlich machen. Etwaige Selbstzweifel beschwichtigt die sorgfältig ausgesuchte Chefsekretärin. Doch bevor ich mich hier in wohlfeiler Managerschelte ergehe, halte ich lieber Ausschau nach anderen, an die Bedürfnisse von Narzissten angepassten Biotopen, die vielleicht sogar noch schmackhafteres Futter bieten, das zudem noch leichter zu haben ist.

Hier denke ich beispielsweise an das Amt des Richters. Seine Stellung ist kaum anfechtbar. Sein Macht gewaltig. Alle schauen zu ihm auf: der arme Sünder, der Anwalt, der Staatsanwalt. Dann spricht er Recht. Und nur er allein. Ist es ein hoher Richter, sie hat er nur noch den weiten blauen Himmel über sich. Für einen Narzissten ist das kein schlechter Ausblick.

Und erst ein Professor in Deutschland, meine Güte, welch ein Paradies! Über ihm steht nur noch der Kultusminister - und der ist weit weg. Und so genießt er die Freiheit der Wissenschaft und wahrt ihr Wohl zum Beispiel durch die sorgfältige Auswahl junger, aufstrebender Wissenschaftler, die an seinen Lippen hängen und die Perlen sammeln, die aus seinem edlen Munde kullern. Welcher Narzisst möchte nicht gern Professor sein, zumindest für den Anfang. Die Bezahlung ist zwar verhältnismäßig schlecht, zu Beginn der Karriere. Doch dank der eigenen Grandiosität finden man schnell Sponsoren in der Wirtschaft, die einen zukünftigen Nobelpreisträger nicht darben lassen.

Diese Liste könnte ich nun über Stunden fortsetzen; eine etwaige Ergänzung will ich aber der Phantasie des Lesers überlassen. Vielmehr schließe ich mit dem genialsten aller Biotope für Narzissten. Äußerlich betrachtet wirkt es eher unscheinbar, aber es hat’s in sich. Es ist das Behandlungszimmer eines Psychotherapeuten.  Die Interaktionen, die dort stattfinden, sind hoch kalorienhaltiges Futter für den narzisstischen Hunger. Häppchen für Häppchen erlesener kulinarischer Genüsse verschwinden im unersättlichen Mäulchen des narzisstischen Psychotherapeuten.

Die beinahe grenzenlose Liebe des Patienten für den Therapeuten ist in diese Beziehung gleichsam eingebaut; der Therapeut, so übel er auch sein mag, kann das gar nicht verhindern. Die Psychoanalytiker nenen diesen Prozess “Übertragungsliebe”. Und dann erst der hohe Stuhl, auf dem der Psychotherapeut sitzen darf. Dessen physisches Substrat bleibt natürlich immer gleich groß und ist auch nicht höher als das Pendant des Patienten. Doch im Laufe der Therapie sieht der Patient mit zunehmender Klarheit, dass der Psychotherapeut der erfahrene und wissende Seelenkenner und Problemlöser ist, während er selbst gescheitert ist und dringend der Hilfe bedarf.  Entsprechend wird der Wertschätzungsstuhl des Patienten immer niedriger und der des Therapeuten etwas höher. Dies nennt die Psychiatrie “Krankheitseinsicht”.

Hockt der Patient aber ganz am Boden und kommt aus eigener Kraft, die geschwächt wurde durch kluge Suggestionen des Therapeuten, nicht mehr hoch, dann steigt der Therapeut gnädig von seinem Stuhl herab und hilft den Daniederliegenden huldvoll auf. Ein schönes Bild. Da kann kein Narzisst wiederstehen. Das ist ein Festmahl. Eine solche Szenerie können sich eigentlich nur Narzissten ausdenken, oder?

Woran erkennt man vertrauenswürdige Therapeuten?

Wie oft werde ich von Opfern der Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung gefragt, woran man vertrauenswürdige Therapeuten erkenne. Wie könne man ausschließen, dass ein Helfer mit den Tätern zusammenarbeitet.

Meine Standard-Antwort ist eine Gegenfrage: “Woher wissen Sie, dass sie mir vertrauen können?”

Die Antwort lautet meist, ich hätte ein gutes Buch zum Thema geschrieben, das ihnen geholfen habe.

Dann sage ich: “Zumindest eine Person, die ein hilfreiches Buch zu diesem Thema geschrieben hat, habe ich mit eigenen Augen und Ohren dabei beobachtet, wie sie mit den Tätern kooperierte.”

Darauf folgt meistens Schweigen. Ich warte eine Weile und fahre fort: “Opfer von Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung können noch nicht einmal sich selbst vertrauen. Sie können nie sicher sein, dass nicht, tief eingegraben in ihr Unterbewusstsein, noch Programme aktiv sind, die sie zwingen, im Sinne der Täter zu denken, zu fühlen und zu handeln. Vertrauen entsteht immer - so schrieb einst der kluge Souziologe Niklas Luhmann- immer und stets entsteht Vertrauen durch Signale, die darauf hindeuten, dass Vertrauen gerechtfertigt sei. Dies betrifft das Vertrauen in andere gleichermaßen wie das Vertrauen in sich selbst.”

“Das klingt plausibel”, antworten dann viele. “Aber gleichzeitig ist es sehr vage. Das hilft mir nicht.”

“Es muss natürlich konkretisiert werden. In jeder Kommunikation, auch in inneren Selbstgesprächen, tauchen Signale auf, die für Vertrauenswürdigkeit sprechen oder dagegen. Dies Signale muss man abklopfen. Man frage sich, wem nützt ein Gedanke, eine Äußerung?”

“Geht es nicht noch konkreter?”

“Ein Beispiel: Allen Opfern, ausnahmslos alle Opfern wurden Programme eingepflanzt, deren Aufgabe darin besteht, die Identität der Täter zu verschleiern. Dies ist natürlich logisch. Alle Straftäter versuchen, alle Hinweise auf ihre Person zu eliminieren. Sie ziehen sich Handschuhe an, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, sie tragen Masken beim Bankraub usw. Sie stellen sich bei ihren Taten niemals mit Namen und Adresse vor. Darum gaukeln auch die Täter der Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung ihren Opfern vor, etwas anderes zu sein, als sie wirklich sind. Ein beliebtes Gaukelspiel sind satanische Rituale, Masken, Roben und anderer Firlefanz. Wenn nun ein Opfer sich unter Qualen an seine Torturen zu erinnern beginnt, wenn es die konditionierten amnestischen Barrieren durchdringt, dann tauchen natürlich zunächst solche Erinnerungen auf und das Opfer ist verständlicherweise davon überzeugt, es sei von Satanisten missbraucht und misshandelt worden.”

“Hmm, und welche Konsequenzen hat dieses Beispiel für die Vertrauenswürdigkeit von Helfern?”

“Heute kann sich niemand mehr herausreden, dass er den genannten Zusammenhang nicht versteht. Es liegt auf der Hand, dass die Täter keine Dummköpfe sind, sonst wären sie schon längst massenhaft überführt worden. Daher ist es auch selbstverständlich, dass sie sich tarnen. Und so setzt jeder Helfer, der die Satanismus-Theorie eines Opfers für bare Münze nimmt und nicht weiter hinterfragt, ein drastisches Signal, das gegen seine Vertrauenswürdigkeit spricht. Selbst wenn er nicht arglistig handeln würde in diesem Falle, schürte er dennoch Zweifel an seiner Vertrauenswürdigkeit: Denn wer vertraut schon gern ausgemachten Idioten?”

“Ist dies das einzige Signal, auf das es ankommt?”

“Natürlich nicht. Das Schema ist immer das Gleiche. Alle Interaktionen des Helfers, die in letzter Konsequenz dem Täterschutz dienen, aus welchen Gründen und Motiven auch immer - all diese Interaktionen sind Signale mangelnder Vertrauenswürdigkeit. Häufen sie sich, dann darf man ziemlich sicher sein, dass die Täter nicht weit sind.”

“Warum kooperieren Helfer mit den Tätern?”

“Wer weiß? Vielleicht werden Sie erpresst, vielleicht lassen sie sich bestechen, mit Geld, mit Karriere-Aussichten. Vielleicht glauben sie sogar, auf der Seite der Guten zu stehen. Manchen reicht es auch, den Mächtigen gefällig zu sein.”

“Soll ich alle Helfer meiden?”

“Nein, natürlich nicht. Lass sie nur spüren, dass du ihnen an den Kragen gehst, wenn sie ein falsches Spiel mit dir treiben. Sag ihnen im coolen Ton, dass du diesen Verrat niemals vergessen würdest. Mach ihnen klar, dass ihre eventuellen Hintermänner sie auf der Stelle fallen lassen, wenn verräterischen Helfern Fehler unterlaufen und man ihnen eine Tatbeteiligung bzw. eine Vertuschung von Straftaten nachweisen kann. Für die Täter an der Spitze der Pyramide dieses Tätersystems sind die willigen Vollstrecker an der “psycho-sozialen Front” höchstgradig entbehrlich und auswechselbar. Wenn die Entwicklung so positiv weiterläuft bisher, dann müssen sich einige von diesen Leuten früher oder später sehr warm anziehen.”

“Ich habe nicht die Kraft für ein so souveränes Auftreten und Auftrumpfen!”

“Reiß dich zusammen, sonst bist du verloren! Ich weiß, welche Power du hast. Hättest du diese Power nicht, dann hätten dich die Täter ganz schnell aussortiert. In dir stecken enorme, überdurchschnittliche Kräfte. Deshalb wurdest gerade du ausgewählt. Nutze nun diese Kraft für dich selbst. Motiviere dich durch deinen Hass auf die Täter, durch deinen Rachedurst.”

“Ich brauche Zeit, um das zu verarbeiten.”

“Du hast keine Zeit zu verlieren. Die Täter haben dir schon genug Lebenszeit gestohlen. Vergeude keine Sekunde in Freiheit!”

Dicke sind Helden

Dicke sind Helden. Mit ihren Zähnen kurbeln sie die Wirtschaft an. Manchmal schlingen sie auch nur. Essen sie für Zwei, dann machen sie auch Umsatz für Zwei.

Dicke sind ja so duldsam. Klaglos stellen sie Ihren Verdauungstrakt als Schnittstelle im Produktions-, Distributions- und Verwertungsprozess der Ernährungsindustrie zur Verfügung.

Dicke sind Asketen. Mit offenen Ohren für das Gesäusel der Marketing-Experten und mit empfangsbereiten Geschmacksknospen für die suchterregenden Künste der Food-Designer nehmen sie die Zerstörung ihrer Genussfähigkeit willig in Kauf und bezahlen sogar noch dafür.

Dicke sind Masochisten. Darum fügen sie sich willig in den Mechanismus einer Profitmaschinerie, die tief in ihre Körperchemie eingreift und dazu führt, dass sie immer hungrig sind.

Dicke sind gehorsam. Widerspruchslos gehorchen sie den Befehlen ihres unermesslichen Hungers und lassen die Kassen klingeln.

Dicke sind die Helden unserer Zeit. Sie dienen vielen Herren. Wie schlecht ginge es den Medizinfabriken, der Pharma-Industrie und den Sargschreinern ohne sie. Auch die Erfinder und Vermarkter von Diäten kämen in Bedrängnis, gäbe es keine Dicken.  Ganz zu schweigen von allen den bunten Blättern, die mit diesem Thema kräftig Auflage machen.

Mein Gott, was täten wir nur ohne unsere Dicken? Die ganze Wirtschaft würde zusammenbrechen. Haus und Hof würden wir verlieren. Mutterseelenallein stünden wir da in einer frostigen Welt, ohne die Wärme der Fettmassen unserer Dicken.

Und wie danken wir es ihnen. Obwohl sie inzwischen in der Mehrheit sind, schauen wir auf sie herab, verlachen sie, beschuldigen sie sogar, für die hohen Gesundheitskosten verantwortlich zu sein. Wir jagen ihnen ein schlechtes Gewissen ein und bezweifeln ihre Fähigkeit zum manierlichen Geschlechtsverkehr.

So geht das nicht! Da muss die Politik was tun! Tut sie aber nicht, im Gegenteil. Sie brüskiert vielmehr die Dicken mit Kampagnen gegen das Übergewicht. Als wenn die sonst nichts zu tun hätten. Die sollen die Wirtschaft fördern - doch selbst wenn sie sich dabei ein Bein ausreißen würden (kaum zu erwarten), wäre ihr Beitrag höchstens fliegengewichtig im Vergleich zum Schwergewicht, das der gebündelte Kampfkraft unserer Dicken entspricht.

Wir müssen unsere Dicken ehren. Wie wär’s mit einem Tag der Dicken? Vielleicht sollte man den 1. Weihnachtsfeiertag entsprechend umwidmen. Dann sind doch nicht nur unsere Dicken erfahrungsgemäß gut im Futter.

Möglicherweise behagt Ihnen, lieber Surfer, meine Argumentation nicht. Das bin ich gewöhnt. Wer hat es schon gern, wenn ich ihm den Schleier von den Augen reiße. Was, was sagen Sie: Meine Auslassungen seien ein Grund zum Abnehmen. Machen Sie nur. Da hab’ ich keine Bange vor. Da verlasse ich mich vertrauensvoll auf den Jo-Jo-Effekt.

Was hilft beim sog. Rituellen Missbrauch?

Mitunter fragen mich Betroffene, interessierte Laien und seltener sogar Fachleute: Was hilft beim Rituellen Missbrauch. Ich bin es müde, mir auf derartige Fragen differenzierte Antworten auszudenken, denn die richtige Antwort ist zwar nicht populär, aber sie ist eindeutig: Rache.

Wer von Kindesbeinen an

  • gefoltert, unter Drogen gesetzt, hypnotisiert, mit Elektroschocks traktiert, mit Reizentzug und sozialer Isolation gequält, mit brutalen Erziehungsmethoden gedemütigt wurde,
  • wessen soziale Beziehungen und schulische bzw. universitäre und berufliche Entwicklung beständig torpediert wurden,
  • nur um ihn in einen mentalen Sklaven zu verwandeln, der auf Knopfdruck bereit ist, für die Täter Kopf und Kragen zu riskieren…
  • wer all diese Torturen überstanden hat - gebeutelt, zerbrochen, seiner Seele, seiner Menschenartigkeit beraubt - dem kann nur noch eins helfen:
  • Rache.

Der muss den Rachedurst in sich kultivieren, der muss lernen, Freude zu schöpfen aus der Vorstellung, dass er dazu beitragen kann, den Tätern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er muss sein Leben einem Ziel weihen: rächende Gerechtigkeit - angemessene Strafe für Täter, die das unmenschlichste Verbrechen begangen haben, das sich ein Menschenhirn nur auszudenken vermag.

Dies ist im Kern die einzige Therapie, die diesen Namen verdient.

Welches Motiv, sagt mir, wäre denn auch stärker als die tief ins Unbewusste eingegrabene Furcht vor endloser Folter - wenn nicht die Rache, wo doch die alles verzeihende Liebe angesichts der Ungeheuerlichkeit des Verbrechens einer Verhöhnung der Humanität gleichkäme?

Woran erkennt man den Fortschritt der Therapie?

Wie oft höre ich die Klagen von Therapeuten, dass der Patient nach einigen Fortschritten immer wieder in das alte, programmierte, selbstschädigende Verhalten zurückfalle, dass man sich mit diesem Patienten im Kreis bewege und nie wisse, ob er sich nach vor oder zurück bewege.

Gut, wer sich im Kreis bewegt, der bewegt sich immer vom jeweiligen Ausgangspunkt weg und auf ihn zu. Er gibt zum Glück ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein tatsächlicher Fortschritt, ein entscheidender Durchbruch geschafft wurde. Dieses Zeichen ist die Entwicklung eines tödlichen Hasses auf die Täter. Solange das Opfer noch Teil des Tätersystems ist, wirkt ein Programm, das die Entwicklung dieses nur zu verständlichen, durch und durch menschlichen Hasses blockiert. Dies ist ein zentrales Programm im System der Bewusstseinskontrolle. Sobald diese Schwelle überschritten ist, sobald er endlich da ist, dieser langersehnte und erflehte tödliche Hass - wenn das endlich geschafft ist, dann zeigt sich Licht am Ende des Tunnels.

Nun besteht die Aufgabe des Therapeuten darin, das Opfer nicht im Feuer dieses tödlichen Hasses verglühen zu lassen. Der Hass braucht eine Richtung. Und diese Richtung ist das vom Rachedurst angetriebene Streben nach Gerechtigkeit, nach der angemessenen Strafe für die Täter, ihre Hintermänner, ihre Helfershelfer, für die willigen Vollstrecker. Allein die Beschäftigung mit Taktiken und Strategien zur Lösung dieser Aufgabe besitzt heilende Kraft. Und der kleinste Schritt in diese Richtung ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Überwindung der seelischen Verkrüppelung, die von Kindesbeinen an durch Folter, Hypnose, Drogen, sensorische Deprivation, brutale, demütigende Erziehung und Abrichtung zur Selbstzerstörung auf Befehl verursacht wurde. Eine vollständige Heilung so schwerer psycho-physischer Schäden ist allerdings unmöglich. Doch das Leben der Opfer wird erträglich, wenn sie sich klug und zielstrebig von Hass und Rachedurst leiten lassen: unverzagt, beharrlich, intelligent, umsichtig, bis ans Lebensende.

Lieb’ SPD, magst ruhig sein…

Noch nicht, aber bald. Nehmen wir als Beispiel einen Bäcker, damit der Unterschied klar wird. Stellen Sie sich vor, dieser Bäcker hätte sich auf Weißbrot spezialisiert. Von weither kommen die Leute, die Weißbrot lieben, um sein gutes Weißbrot zu kaufen. Eines Tages aber entschließt sich dieser Bäcker, warum auch immer, seinen Kunden klammheimlich Schwarzbrot in die Tüten zu packen. Das muss zu Irritationen führen, ganz klar.

Bis hierhin stimmt die Parallele zwischen unserem Bäcker und der SPD. Die Leute haben inzwischen gemerkt, dass nicht überall da, wo Sozialdemokratie draufsteht, auch Sozialdemokratie drin ist. Unseren Bäcker meiden nun die Weißbrotfans. Und die Schwarzbrot-Liebhaber bleiben bei den ihnen vertrauten Anbietern. Auch die SPD verliert zur Zeit Anhänger, Mitglieder und Prozente bei den Umfragen.

Bei der SPD aber kommt noch ein anderer Mechanismus zum Tragen, der seit Jahrzehnten, fast möchte ich schreiben, seit ihrer Gründung den Schwarzbrot-Effekt aufgehoben hat. Ist die SPD in der Regierung, dann wird sie rechts und vergrätzt die Wähler, für die eine sozialdemokratische Partei interessant ist. Muss sie aber wieder in die Opposition, dann streift sie sich das rote Revoluzzerkittelchen über und macht ihren Stammwählern Freude.

Da das Gedächtnis der meisten Wähler kurz ist, bemerken nur wenige Anhänger und Mitglieder den Schwindel. Die Partei “Die Linke” muss sich also vorsehen, dass sie den Stimmanteil der SPD nicht unter die Koalitionsfähigkeit drückt. Zumindest muss es reichen, dass SPD, CDU, Grüne und FDP eine Mehrheit zusammen  bekommen. Eine SPD in der Opposition: Nicht auszudenken für den Stimmanteil der Linken!

Vermutlich wird dies der Linken angesichts der selbstzerstörerischen Tendenzen in der SPD nicht gelingen. Die SPD wird in die Opposition absteigen und dann prozentual wieder kräftig zulegen. Dies wäre bei den niedrigen Ausgangswerten natürlich auch kein Wunder.

Die SPD muss sich also gar keine Sorgen, ja noch nicht einmal Gedanken machen. Die eingeschliffenen Mechanismen dieser alten, erfahrenen Partei sorgen schon von allein dafür, dass sie schon bald wieder im Aufwind segelt.

Clement

Clement ist die Symbolfigur für Hartz IV.

Hartz IV ist der Hauptgrund für das Erstarken der Partei “Die Linke”, sogar für deren Existenz in ihrer jetzigen Form.

Nun soll Clement aus der SPD ausgeschlossen werden. Grund: Der Mann hatte vor der Landtagswahl in Hessen die Wähler dazu aufgerufen, die SPD-Kandiatin Ypsilanti nicht zu wählen.

Vor rund fünfzig Jahren habe ich im Gemeinschaftskunde-Unterricht gelernt, dass sich ein Demokrat u. a. dadurch auszeichnet, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Ypsilanti hatte die Mehrheit der SPD in Hessen hinter sich. In jeder demokratischen Partei würde das Verhalten Clements als parteischädigend empfunden.

Dieses Verhalten ist der offizielle Grund für seinen Ausschluss. Doch de facto geht es in dem Streit deswegen um eine andere Frage. Die einen meinen, Clement solle schändlicherweise für Hartz IV abgestraft werden - und die anderen sagen, es sei gut, dass er ausgeschlossen werde, wegen Hartz IV.

Die einen betonen seine Verdienste, die anderen fragen nach den Quellen seines Einkommens. Derweil sieht Clement keinen Grund zur Reue. Mehrheiten hin oder her, die SPD solle gefälligst zu Kreuze kriechen und ihn nicht unbotmäßig bei der freien Äußerung seiner Meinungen stören.

Recht hat der Mann. Durch seinen Ausschluss könnte die Linke Stimmen verlieren. Die SPD soll sich nicht zieren und noch einmal ein Auge zudrücken. Mit verdienten Totengräbern sollte die SPD nicht so schamlos umgehen. Ein Rauswurf würde doch nur missverstanden im Volke.  Und das wäre sehr schlecht für uns alle - oder präziser: für 98,5 Prozent der Bevölkerung.

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