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Archive für 23.6.2008

Warum sind schwarze Roben und Satansmasken so kleidsam?

Weltweit behaupten Menschen, sie seien von frühester Kindheit an durch Folter, Drogen, Hypnose, systematischen Reizentzug, soziale Isolation, Elektroschock-Behandlung und eine generell erniedrigende Erziehung absichtlich in multiple Persönlichkeiten verwandelt worden. Die Persönlichkeitsfragmente, die sog. Alters seinen brutal dressiert worden, damit die Betroffenen die - oft kriminellen - Aufträge der Täter willenlos ausführen, ohne sich hinterher an die Aufträge, die Täter und die Gehirnwäsche erinnern zu können. Die Täter hätten Schwarze Roben und Satansmasken getragen und die absichtliche Spaltung der Persönlichkeit des Opfers sei in satanische Rituale eingebettet gewesen.

Die meisten Menschen, die noch halbwegs bei Trost sind, halten derartige Geschichten für den Ausdruck purer Hysterie, für überhitzte Phantasie oder für die Folge der Suggestionen feministischer Psychotherapeutinnen.

Und in der Tat: Wer noch halbwegs bei Trost ist, der muss derartige Geschichten auch für nackten Wahnsinn halten. Und dies nicht, weil die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer bizarre Grausamkeiten enthalten. Dass Menschen zu bizarren Grausamkeiten fähig sind, beweisen tagtäglich die Fernsehnachrichten.  Und dies nicht, weil es keine Satanisten gäbe. Die gibt es natürlich, und viele bekennen sich freimütig zu ihrem Glauben. Dies auch nicht, weil die mentale Versklavung von Menschen durch eine absichtlich erzeugte Multiple Persönlichkeitsstörung unmöglich wäre. Die psychologischen Mechanismen und Methoden, die dies möglich machen, sind seit mehr als einem Jahrhundert Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen; es kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, dass Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung effektiv ist. Und man weiß auch, warum sie effektiv ist.

Dennoch sind diese Geschichten nackter Wahnsinn, diese Geschichten von den Satanisten, die Gehirne waschen. Sie sind nackter Wahnsinn, weil die Machtstrukturen unserer Welt derartige satanistische Organisationen nicht zulassen. Wem gehört diese Welt?

Sie gehört nicht den Satanisten, sie gehört nicht irgend welchen durchgeknallten Sadisten, die in schicker Satansrobe mit furchterregender Teufelsmaske in muffigen Kellern ihr Unwesen treiben. Sie gehört Eliten, die sich geistig und emotional auf der Höhe des 21. Jahrhunderts bewegen. Diese Eliten sind fest davon überzeugt, dass die reichen Staaten die armen Staaten beherrschen müssen. Sie sind fest davon überzeugt, dass die wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Eliten die reichen Staaten beherrschen müssen. Und sie sind fest davon überzeugt, dass es den Eliten durch die Mittel der Massenkommunikation, zur Not auch durch Erpressung, Bestechung und zuletzt durch schiere Gewalt gelingen muss, die Massen zur Wahl ihrer Gewährsleute in die Parlamente zu bewegen. Fest überzeugt sind sie auch davon, dass es ihnen, den Eliten nur in äußersten Notfällen  erlaubt ist, sich über die Regeln des Rechtsstaats hinwegzusetzen.

Diese Eliten würden eine globalen satanistischen Untergrund, eine weltweite Satanistenverschwörung, die Menschen mental versklavt, auf keinen Fall dulden. Sie akzeptieren keinen fremden, unberechenbaren Mächte neben sich. Und sie hätten die Mittel, derartige Bewegungen schon im Keim zu ersticken.

Und so wissen Menschen, die noch ganz bei Trost sind, instinktiv, dass an diesen Geschichten über satanisch rituellen Missbrauch etwas faul ist. Doch was ist faul daran?

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem jungen Mann mit schwarzen Haaren und starkem Knoblauchgeruch vergewaltigt worden.  Nennen wir diese Annahme “Fall 1″.

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem Wesen mit grüner Haut, Insektenaugen und Antennen auf dem Kopf vergewaltigt worden. Nennen wir diese Annahme “Fall 2″.

Nehmen wir einmal an, die Polizei fände eine offenbar seelisch aufgewühlte junge Frau in einem Park. Die Frau gibt an, sie sei von einem kräftigen Mann, der nach Schwefel roch und einen Klumpfuß hatte, vergewaltigt worden. Nennen wir diese Annahme “Fall 3″.

Am nächsten Morgen erscheinen die üblichen Pressemeldungen. Ich stelle hier drei Schlagzeilen zur Auswahl:

Schlagzeile 1: “Junge Frau im Stadtpark vergewaltigt. Die Polizei verfolgt mehrere heiße Spuren.”

Schlagzeile 2: “Verwirrte Frau im Stadtpark aufgegriffen. Die 23-jährige wurde zur Diagnose in die Psychiatrie eingewiesen.”

Schlagzeile 3:  “Vergewaltigung im Stadtpark. Kirchen besorgt.”

Welche Schlagzeile passt zu welchem Fall?

Gesetzt den Fall, die mutmaßlichen Opfer seien tatsächlich in Kindheit und Jugend einer systematischen Gehirnwäsche unterzogen worden, warum erinnern sie sich dann an etwas so offensichtlich Unglaubwürdiges wie Satanisch Rituellen Missbrauch?

Man braucht kein Übermaß an kriminalistischem Spürsinn, um auf die wahrscheinlichste Lösung zu kommen. Die Täter haben ihren Opfern suggeriert, sie seien Satanisten. Und dies nicht, um den Verdacht auf andere zu lenken, sondern um das Opfer, das dies behauptet, unglaubwürdig zu machen.

Denn jeder Mensch, der noch halbwegs bei Trost ist, hat doch mühelos Erklärungen bei der Hand, warum Satanisch Ritueller Missbrauch eine “urbane Legende” sei. Hier ein paar Beispiele:

  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung der Kirchen. Die sind doch immer noch auf Dämonenjagd.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung von Feministinnen. Die lassen doch keine Gelegenheit aus, dem sog. Patriarchat die aberwitzigsten Verbrechen anzudichten.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Phantasie schwacher Geister, die zu viel Horrorfilme im Fernsehen gucken.
  • Der Satanisch Rituelle Missbrauch ist eine Erfindung von Leuten, die sich Aufmerksamkeit verschaffen wollen.

Wenn tatsächlich Kinder und Jugendliche mental versklavt wurden, dann wären die Täter nicht schlecht beraten gewesen, sich als Satanisten zu tarnen.

Wie sollten Strafverfolgungsbehörden in diesen Fällen also vorgehen? Wie üblich, denke ich. Wenn irgendwo beispielsweise ein Kind gefunden wird, das vergewaltigt und getötet wurde, dann fragt sich die Polizei routinemäßig, wer im Einzugsgebiet des Tatorts wegen sexuell motivierter Gewaltdelikte oder Pädophilie vorbestraft ist.

Wenn der Verdacht besteht, dass Menschen in Kindheit und Jugend einer Gehirnwäsche durch Persönlichkeitsspaltung unterzogen wurden, dann sollte sich die Polizei entsprechend fragen, wer ähnliche Taten in der Vergangenheit schon begangen hat. Im Fall des angeblichen Satanisch Rituellen Missbrauchs fragt sich die Polizei dies offenbar nicht gründlich genug, denn ein Hauptverdächtiger wird überhaupt nicht berücksichtigt. Seltsam, nicht wahr?

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