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Archive für Januar 2008

Donald Duck und der Satanismus

Drei Gestalten überfallen eine Bank. Sie tragen Donald-Duck-Masken. Die Bankangestellten händigen ihnen ein paar tausend Euros aus und die Täter verschwinden mit kreischenden Reifen. Die Polizei erscheint am Tatort. Die Angestellten werden verhört. Sie müssen die Täter beschreiben. Schließlich wird ein Phantombild angefertigt. In den nächsten Tagen und Wochen suchen Polizeibeamte, ausgerüstet mit dem Phantombild, an den Tümpeln, Teichen und Seen des näheren Umfelds der Bank nach verdächtigen Enten.

ente.JPGKönnen Sie sich das vorstellen? Die Geschichte taugt allenfalls für eine Comedy-Show - und das wäre dann eine schlechte.

Erschreckenderweise tragen sich ähnliche Geschichten immer wieder zu - und zwar weltweit. Menschen berichten, sie seien als Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs und physischer Misshandlung geworden, man habe mit Geheimdienstmethoden ihre Gehirne gewachsen und sie in geistige Sklaven verwandelt. Die Täter hätten schwarze Roben getragen und satanistische Rituale vollzogen.

Überall und immer, wo dies bisher geschah, suchte die Polizei nach Satanisten - und konnte keine Teufelsanbeter entdecken, die für die Tat in Frage kamen. Die Folge war, dass die Glaubwürdigkeit der mutmaßlichen Opfer erschüttert wurde. Was wäre geschehen, wenn die angeblichen Täter keine Satansroben, sondern Donald-Duck-Masken getragen hätten?

In  der Tat: Das wäre wirklich dümmer, als die Polizei erlaubt. Warum gestattet sich die Polizei aber derartige Dummheiten, wenn die Täter angeblich Satanisten waren. Klar: Satanisten sind böse. Sie sind unmoralisch. Sind sie deswegen aber auch verdächtig, kleine Kinder zu vergewaltigen, zu foltern, unter Drogen zu setzen, mit Elektroschocks zu traktieren, um sie geistig zu versklaven?

In der wissenschaftlichen Literatur zum Satanismus, den es natürlich unbestreitbar gibt, findet sich kein Beleg dafür, dass diese religiösen Bewegungen kleine Kinder einer Gehirnwäsche mit Folter, Drogen und Hypnose unterziehen. In der wissenschaftlichen Literatur zum amerikanischen Geheimdienst CIA finden sich jedoch bestens dokumentierte Berichte über Gehirnwäsche-Projekte. Diese hatten das Ziel, sog. “Manchurian Candidates” zu kreieren. Dabei handelte es sich um Menschen, die durch Folter, Drogen und Hypnose in willenlose Werkzeuge ihrer Herren verwandelt werden sollten.

Aber die Polizei sucht weiter bei den Satanisten. Auch manche Experten und Psychotherapeutinnen werden nicht müde, die Satanisten anzuklagen. Ist denn die ganze Welt verrückt geworden? Was soll das? Warum hält man sich nicht zunächst einmal an das Naheliegende. Liegt es nicht nahe, dass sich die Täter nur als Satanisten getarnt haben, wie die Bankräuber in meinem Beispiel als Enten?

Diese Tarnung hätte nämlich viele Vorteile für die Täter. Man könnte die Berichte der Opfer nämlich nur zu leicht als Hirngespinste abtun. Es handele sich dabei, so könnte man behaupten, um die Phantastereien irgend welcher fundamentalistischen christlichen Sekten aus Amerika, die überall Teufelswerk wittern. Es handele sich dabei, so könnte man unterstellen, um die Niedertracht von durchgeknallten Feministinnen, die ja bekanntlich dazu neigen, Männer zu dämonisieren.

Doch welches Motiv sollten Geheimdienste haben, Menschen in Mandschurische Kandidaten zu verwandeln, also in mentale Sklaven, die jeden Befehl ausführen, und koste es auch das eigene Leben? Denken wir z. B. an die Zeit des Kalten Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Der Gedanke daran ist natürlich mit der Assoziation eines Atomkriegs verbunden, in dem sich die beiden Imperien mit Langstreckenraketen gegenseitig auslöschen.

Doch so war das gar nicht geplant. Ein Szenario ging beispielsweise davon aus, im Falle eines sowjetischen Vormasches über die deutsch-deutsche Grenze mit taktischen Nuklearwaffen zurückzuschlagen. Entlang der Grenze hatte man dementsprechend auch schon Vorrichtungen für atomare Landminen installiert. Dabei handelte es sich um nukleare Sprengsätze mit geringer Reichweite, um die nukleare Verseuchung zu begrenzen. Sie wären aber nur effektiv gewesen, sind sich die sowjetischen Panzer in unmittelbarer Nähe befunden hätten.

Braucht man viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass man für so einen Krieg Himmelfahrtskommandos benötigte. Man brauchte Himmelfahrtskommandos, die sich aus Menschen zusammensetzten, die auf Kommando auf den Zünder der Landminen drückten, obwohl dies ihren sicheren Tod bedeutet hätte.

Alles Spekulationen? Sicher. Natürlich. Die Welt ist voller Spekulationen. Vielleicht sind Banräuber mitunter sogar Enten. Wer weiß?

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