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6.9.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Wer auf sein Vaterland stolz sei, meinte einst der bekanntermaßen griesgrämige und scharfzüngige Philosoph Schopenhauer, sei ein erbärmlicher Tropf. Der Nationalstolz verrate “in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz seyn könnte, indem er sonst nicht zu Dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen theilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen (Parerga und Paralipomena I).”
Man könnte Schopenhauers bissige Sätze durchaus als Folie benutzen, um die aktuelle Forderung einiger Politiker der CDU und CSD einzuordnen, dass sich diese konservativen Parteien wieder verstärkt zu den sog. deutschen Tugenden bekennen sollten, als da sind: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, Treue und Anstand.
Ob diese, früher als Sekundärtugenden gering geschätzten, Eigenschaften tatsächlich Stolz begründen könnten, wäre zu diskutieren - dass sie nicht als Grundlage eines deutschen Nationalstolzes taugen, steht außer Frage, denn welches Volk auf diesem Erdball könnte nicht mit gleichem Recht (oder Unrecht) diese Tugenden für sich beanspruchen wie das deutsche.
Hinter derartigen Appellen verbirgt sich vermutlich die realistische Einsicht, dass die Stimme erbärmlicher Tröpfe an der Wahlurne ebenso viel zählt wie die jener, die bedeutende persönliche Vorzüge besitzen.
Dennoch halte ich den Nationalstolz für eine bedeutende politische Produktivkraft und ich fände es verheerend, wenn die Linke dieses hohe Gefühl den Rechten überließe, die, daran kommt man nicht vorbei, in deutscher Geschichte damit schon mehrfach schlimmen und schlimmsten Missbrauch getrieben haben.
Beim Nationalstolz lautet die kritische Frage nämlich nicht: “Stolz worauf?” sondern: “stolz wozu?” Ich wähle keine Politiker, die Stolz bekunden, weil sie zu einem Volk gehören, das sich seiner Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, Treue und seines Anstandes rühmt. Ich wähle Politiker, von denen ich hoffe, dass sie zu stolz sind, sich vor dem Imperium in den Staub zu werfen und die Stiefel seiner Militärmacht zu lecken. Das nenne ich tätigen deutschen Nationalstolz. Sehe ich einen Deutschen stolz auf sein Land der Tyrannis widerstehen, dann höre ich klingendes Spiel und Marschmusik mit meinem inneren Ohr.
Geschrieben in Philosophie, Psychologie, Politik | Drucken | 2 Kommentare »