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August 2007
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Archive für August 2007

Venezuela

Alle reden über Venezuela - vor allem, weil Oskar Lafontaine sich hin und wieder lobend über Hugo Chávez, den Präsidenten des Landes äußert - und die Rechte ihm, sich darauf berufend, liebend gern unterstellt, er habe Sympathien für einen neostalinistischen Diktator. Es spielt dabei keine Rolle, dass Chávez stalinistische Ideen unmissverständlich ablehnt und keinerlei diktatorische Gelüste an den Tag legt. Schließlich geht es überhaupt nicht um den Bolivianer, sondern um den Saarländer. Letzterer nämlich ist einfach zu populär - und das ist schlimm. Schlimm natürlich nur für Leute, die den kleinen Leuten schaden und den großen nutzen wollen, warum auch immer.

Man hört und liest in unseren Medien also nicht viel Gutes über Venezuela. Und daran ist Oskar Lafontaine schuld. Den Leichtgläubigen und den Uninteressierten mag es genügen, was wir aus Presse, Funk und Fernsehen über den nichtmuslimischen Lieblingsfeind von George Bush erfahren. Wer sich lieber aus erster Hand informieren möchte, wäre besser beraten, venezuelanische Quellen aufzusuchen. Diese sprudeln natürlich überwiegend in Spanisch - und wer kann schon Spanisch? Immerhin gibt es eine ausgezeichnete Web Site in Englisch, VenezuelaAnalysis.com, die ich hiermit wärmstens empfehlen möchte.

Eine göttliche Partei und die freiwillige Wehrpflicht

Dass die SPD eine göttliche Partei ist, wissen wir spätestens, seitdem Helmut Schmidt als Stellvertreter des Weltgeistes die Staatsgeschäfte in Deutschland führte. Heute zeigt sich die Göttlichkeit allerdings nicht mehr personifiziert - sie wurde zur Parteilinie. Wie der Weltgeist steht diese über den Niederungen der klassischen Logik - und nur dies bedenkend vermögen wir zu begreifen, wie man zugleich sozialdemokratisch und neoliberal sein kann - außerhalb von Gummizellen. Nun blitzte und donnerte der göttliche Funke erneut über der SPD-Parteizentrale und der Widerhall und Widerschein formte sich zu einer Forderung, deren göttlicher Ursprung uns nicht klarer vor Augen treten könnte: die freiwillige Wehrpflicht.

Die Idee der freiwilligen Wehrpflicht wäre so göttlich nicht, sondern recht menschlich und irdisch, wenn man aus der Pflicht im Sinne eines Gesetzes eine moralische Verpflichtung machte. Junge Männer eilen freiwillig zu den Fahnen, um einer moralischen Verpflichtung gegenüber dem Vaterland gerecht zu werden. Doch dies wäre nur dann mehr als eine hohle Phrase, wenn die Bundeswehr ausschließlich ein Garant der äußeren Sicherheit unseres Landes wäre - und keinesfalls ein williges Instrument der militärischen Abenteuer des Imperiums.

Doch eine göttliche Partei wie die SPD wird vermutlich immer gern “god’s own country” an ihrer Seite wissen - ganz gleich, wohin der Weltgeist marschiert. Vielleicht kreiert sie ja für diese Treue zum Freunde aus der Zeit des Kalten Krieges ein neues Wort im Stil des sozialdemokratischen Neoliberalismus und der freiwilligen Wehrpflicht: “Autonome Abhängigkeit” oder “souveränes Vasallentum”. Das Reich der Ideen schwebt bekanntlich über den Niederungen schnöder Realitäten. Was soll’s. Hauptsache, man ist rasiert und gewaschen.

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