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2.7.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Die schiere Existenz der Partei “Die Linke” gibt vielen Menschen, die in den letzten Jahren durch den wildgewordenen, neoliberalen Turbokapitalismus und infolge des Verrats der SPD gedemütigt wurden, Mut und Kraft, ja, sie spendet ihnen Trost. Das schwergewichtige politische Zugpferd Oskar Lafontaine verstärkt diesen ermutigenden und ermächtigenden Effekt der Parteigründung. Die alte PDS mit ihren Geburtsmakeln aus Zeiten des Kalten Krieges ist verschwunden - und den Strategen der sich an die Macht klammernden altbundesrepublikanischen Parteien, die aus dem Geiste der Besatzungszeit geboren wurden, treten die Schweißperlen auf die Stirn. Aus gutem Grund: denn die Mehrheit der Bevölkerung will den Sozialabbau und die Kriegspolitik der letzten Jahre rückgängig machen; sie will, was Programm ist bei der Linken.
Dies bedeutet natürlich nicht, dass diese Mehrheit, die eigentlich in vielen Fragen eines Geistes ist mit der Linken, diese neue, geeinte Partei auch wählen würde. Sie misstrauen ihr: Nicht nur, weil sie nicht begreifen kann, dass die alte SED durch einen historisch-alchemischen Prozess aus der neuen Partei herausgewaschen und geschleudert wurde. Nicht nur, weil die antikommunistische und antisozialistische Gehirnwäsche, der das deutsche Volk während des Kalten Kriegs unterzogen wurde, immer noch nachwirkt. Nicht nur, weil die Deutschen, vielleicht stärker als andere Nationen, geneigt sind, sich den Mächtigen nicht nur zu unterwerfen, sondern sich mit ihnen zu identifizieren - im Sinne einer Identifikation mir dem Aggressor.
Nein, nicht nur diese Faktoren, die zweifellos auch sehr wichtig sind - nicht nur diese Einflüsse sind dafür verantwortlich, dass viele Deutsche, die eigentlich in vielen Belangen eines Sinnes sind mit der Partei “Die Linke”, Lafontaines und Biskys Truppe nicht wählen werden, noch nicht.
Und das hat sich die Linke selbst zuzuschreiben. Ihre eigenen Taten, Nicht-Taten und Untaten, die sich durch die Geschichte ziehen wie ein - hier stimmt die Farbgebung doppelt - wie ein roter Faden, haben viele Menschen misstrauisch gemacht gegenüber der Linken.
Da ist zunächst natürlich der arge Verrat der sozialistischen Ideen durch machtgierige Politiker wie Lenin und Stalin, Mao und Tito einschließlich ihrer farblosen Nachfolger, deren Namen dem Vergessen anheimgegeben sein mögen. Da ist zunächst natürlich die Spaltung Deutschlands, die man nicht allein dem Westen ins Sündenbuch schreiben kann. Da ist zunächst natürlich das offenkundige Versagen der sog. kommunistischen Regime im Ostblock. Da ist noch viel mehr zu erwähnen, was viele Deutsche, die eigentlich in vielen Fragen die gleichen Ziele verfolgen wie die Linke, davor zurückschrecken lässt, ihr Kreuzchen bei dieser Partei zu machen.
Denn all dies ist Geschichte - und die Erinnerung daran verblasst. Was bleibt ist, angesichts all dieser Fehler, das tiefsitzende Gefühl, die Linke habe einen notorisch unterentwickelten Sinn für Realitäten, sowohl für jene der Welt um uns herum, als auch für die der menschlichen Seele. Und diese doppelte Sehschwäche ist tatsächlich vorhanden. Ein Beispiel dafür: das Thema “Nation”. Die Linke hatte es immer unendlich schwer zu begreifen, welch konstruktive Kraft der Nation sowohl in der alteuropäischen Geschichte, als auch in der Innenwelt der Menschen spielte - auch der “Proletarier”. Statt mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, neigen die Linken dazu, festen Halt in den Lüften, im Reich der blutleeren Ideale zu suchen.
Doch dies kann und muss sich ändern, wenn die Linke Macht erkämpfen will, um zu gestalten und Ziele durchsetzen zu können. Wir brauchen eine Linke, die - dem Rat der PR-Strategen trotzend - die Propaganda-Schwaden der rechten Parteien mit einer klaren Analyse der (Macht-)Verhältnisse, wie sie nun einmal sind, durchdringt.
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