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Juli 2007
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Archive für Juli 2007

Zombie oder Auto

wellen.jpgSeit unserem ersten Atemzug wird unser psychisches Leben von Kräften und Mächten beeinflusst, die nicht oder die nur teilweise unserer Kontrolle unterliegen. Diese Mächte und Kräfte mögen Interessen verfolgen, die mit unseren eigenen subjektiv und / oder objektiv übereinstimmen. Doch häufig ist dies nicht der Fall.
Wir erleben unsere Gedanken, Gefühle und Stimmungen zwar als Ausdruck unserer Persönlichkeit, unserer Erfahrungen oder als unvermittelte Reaktionen auf Veränderungen in unserer Umwelt. In vielen Fällen aber handelt es sich bei diesen Vorgängen in unserer Innenwelt um das Ergebnis von absichtlichen Manipulationen, die vom Säuseln werbetreibender Verführer bis hin zu massiven Formen der Gehirnwäsche reichen.
Und so praktiziere ich seit vielen Jahren eine Methode der Meditation, die ich den Buddhisten abgeschaut und für die Zwecke der Manipulationsbekämpfung und inneren Befreiung modifiziert habe. Es handelt sich um eine Form der Achtsamkeitsmeditation.
Zu diesem Zweck nehme ich eine bequeme, aber nicht zu bequeme Meditationshaltung ein, schließe meine Augen und wende meine Sinne nach innen. Den hervorquellenden Gedanken, Gefühlen und Stimmungen lasse ich freien Lauf - ich reflektiere und ich interpretiere sie nicht. Aber ich hefte ihnen eines der folgenden Etiketten an: “zombie”, “zombie-like” oder “auto”. Auto sind alle inneren Ereignisse, die mit dem sicheren Gefühl verbunden sind, das sie in meinem ureigenen Interesse stehen. Das Label “Zombie” erhalten alle anderen Regungen meines Geistes. Im Zweifelsfall vergebe ich das Etikett “zombie-like”.
Man wird durch diese Übung nicht im Schnellverfahren zu einem autonomen Menschen; aber im Verbund mit anderen Maßnahmen erlebe ich sie zunehmend als hilfreich. Sie bedarf täglicher Übung.

Ein Griff in die rhetorische Mottenkiste

Nach dem Untergang der Sowjetunion und ihrer Satelliten war das Thema “Sozialismus” out. Das Feindbild des islamischen Fundamentalismus hatte es fast völlig verdrängt. Seitdem aber Oskar Lafontaine sich wieder sehr geschickt als Erbe Willy Brandts inszeniert, wird er von den Rechten, denen der Angstschweiß den Rücken herunterläuft, wahlweise als kommunistischer Widergänger oder als ‘nationaler Sozialist’ diffamiert. Zu diesem Zweck wurde auch wieder die Mottenkiste antisozialistischer Rhetorik geöffnet. Eine dieser frisch entstaubten rhetorischen Figuren ist die Behauptung, das nationalsozialistische Deutschland sei ein sozialistischer Staat gewesen… Lesen Sie weiter.

Vernunft, ja, bitte

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Lafontaine - ein nationaler Sozialist?

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Penisverlängerung, Ergussverzögerung, Potenzsteigerung, ewiger Wohlstand

Nerven Sie auch die eMails in Ihrer Box, die Ihnen eine neue, garantiert erfolgreiche Penisverlängerung um 250 Prozent anpreisen. Solche virtuellen sexuellen Belästigungen sind ja nicht nur ärgerlich, wenn man keinen oder aber einen ohnehin schon übergroßen Penis hat. Nicht besser sind Anzeigen für Viagra und ähnliche Mittelchen zur Massierung der männlichen Lendenkraft. Als wenn man das nötig hätte!? Und dann erst jene Anzeigen mit Titeln wie: “Ihre Freundin wird begeistert sein!” Was, Sie haben gar keine Freundin? Dann helfen vielleicht jene Anzeigen, die Ihnen ewigen Wohlstand versprechen, wenn Sie dieses oder jenes tun?

In der Tat. Was tun? Was tun, um diese lästigen virtuellen Schmeißfliegen loszuwerden, die offenbar ihre Brutplätze in unseren Mailboxen eingerichtet haben? Sicher: Es gibt gute Spam-Filter. Googlemail z. B. leistet hervorragende Arbeit. Doch, seitdem ich hin und wieder neben zahllosen Unerträglichkeiten auch einige wichtige eMails in den Netzen gefunden habe, weiß ich: Man muss, um sicher zu gehen, auch den Spam-Ordner regelmäßig durchsehen… und damit relativiert sich der Vorteil erheblich.

Was also, was tun? Wo liegt das Problem. Liegt es darin, dass wir unseren Computer mit Viren und Würmern verseuchen, weil wir die Anhänge anklicken, die häufig mehr oder weniger gut als harmlos getarnt, den unsäglichen eMails anhaften wie Kaugummis auf Straßenbahnsitzen. Nein, natürlich nicht, so dumm, darauf zu klicken, sind wir doch seit Jahren nicht mehr. Was also?

Ja was denn? Es ist der Ärger, dieser gewaltige, dieser sinnliche Ärger, diese hilf- und heillose Wut darüber, dass niemand diesem Wahnsinn, dieser Schande des Internets wirksam Einhalt zu gebieten vermag. Doch halt, mein Freund. Wer wird denn gleich in die Luft gehen. Abonniere Lyrikmail. Dann geht alles wie von selbst. Wer diesen kostenlosen Service nutzt, findet jeden Morgen in seiner Mailbox ein Gedicht… meist ein großes oder kleines Meisterwerk, mitunter auch lyrisches Pupertätsgeheul… immer aber findet der Abonnent ein Gegengift zum alltäglichen Spam… und der Tag wird gut.

Lasset die Kindlein zu mir kommen

Die Linke erfreut sich nicht nur zunehmender Zustimmung bei den Wählern, sie muss auch hektisch Beitrittsformalare nachdrucken. Linke, die bisher grübelnd und mit Magengrimmen in der SPD verharrten, geben sich einen Ruck und folgen ihren alten Idealen in die neue Partei des wiederauferstandenen Geistes der Sozialdemokratie. Linke, die bisher, ihren alten Idealen treu, in Sekten mit ihrer politischen Bedeutungslosigkeit haderten, überwinden ihre Skepsis und schließen sich einer Partei an, in der demokratischer Sozialismus wieder eine Massenbasis gewinnt. Linke, die bisher - Kofler: “progressive Elite” oder Wehner: “freischwebende Arschlöcher” - isoliert in ihren Studierstuben den Lauf der Welt kritisch betrachteten, ergeben sich mit erlahmendem individualistischem Widerstand dem gewaltigen Sog des Erfolgs einer neuen Partei, die wie kaum eine andere Strömung die Wiedervereinigung unserer Nation symbolisiert.

Was ist eigentlich die einigende Kraft, die dieses Phänomen hervorruft? Ist es eine zwingende Ideologie? Ist es der Verrat der SPD? Ist es gar das Charisma von Oskar Lafontaine? Ist es die mediale Aufmerksamkeit im Zuge der Parteigründung?

Wohl kaum, wohl kaum, wohl kaum und noch einmal: wohl kaum. Die Ideologie spielt heute in der deutschen Politik generell eine geringere Rolle als je zuvor. Die SPD hat die Arbeiter nicht zum erstenmal verraten - doch früher blieben sie ihr dennoch treu (aus Gewohnheit und Trägheit, wie mancher Mann seinem untreuen Eheweib). Lafontaine - diese Mischung aus Napoleon und Uwe Seeler - gibt zwar mit Erfolg den guten Kumpel, der sich treu geblieben ist - aber die langen Jahre in zweifelhaften politischen Kreisen haben sein Image angekratzt. Und auch die kurzfristige zusätzliche Aufmerksamkeit, die der Vereinigungsparteitag auslöste, gibt doch höchstens den letzten Anstoß zum Parteieintritt. Nein, all diese Gründe können dieses Phänomen nicht erklären.

Aus meiner Sicht ist es die Kraft der deutschen Einheit und des wiederentdeckten nationalen Interesses, die der Linken Zulauf bringt. Die Linke kämpft gegen die Wurzeln und Auswirkungen der Globalisierung. Die Linke kämpft gegen Bundeswehreinsätze im Interesse des Imperiums. Die Linke propagiert ein Unternehmertum, das sich den Bürgern und der Nation verpflichtet fühlt. Die Linke ist demnach keine Partei nur für Linke, sondern, trotz des Namens, auch für patriotische, antifaschistische Rechte - sie hat das Potenzial, eine gesamtdeutsche Volkspartei zu werden. Die Linke ist im übrigen die einzige Partei in Deutschland, die den Geist und die Schützengraben-Mentalität des Kalten Krieges bewusst überwindet und zu einer Neubewertung nicht nur der DDR, sondern auch der alten BRD gelangt.

Eine große Gefahr besteht natürlich darin, dass das System die neue politische Kraft vereinnahmt und in seinem Interesse ummodelt wie einst die Grünen. Das System spielt mit den allzumenschlichen Begehrlichkeiten wie auf einem Klavier. Eine zweite große Gefahr ist die gegen den neuen Geist gerichtete Propaganda der Herrschenden. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, seit Beginn des Kalten Krieges hat das System die alte, schwarzmagische Kunst der psychologischen Kriegsführung gegen das Volk zu einer höchst effizienten Wissenschaft ausgebaut.

Der Feind ist schlau, so schlau wie nie. Aber das war - Zeichen des Fortschritts - immer schon so.

Die Linke

Die schiere Existenz der Partei “Die Linke” gibt vielen Menschen, die in den letzten Jahren durch den wildgewordenen, neoliberalen Turbokapitalismus und infolge des Verrats der SPD gedemütigt wurden, Mut und Kraft, ja, sie spendet ihnen Trost. Das schwergewichtige politische Zugpferd Oskar Lafontaine verstärkt diesen ermutigenden und ermächtigenden Effekt der Parteigründung. Die alte PDS mit ihren Geburtsmakeln aus Zeiten des Kalten Krieges ist verschwunden - und den Strategen der sich an die Macht klammernden altbundesrepublikanischen Parteien, die aus dem Geiste der Besatzungszeit geboren wurden, treten die Schweißperlen auf die Stirn. Aus gutem Grund: denn die Mehrheit der Bevölkerung will den Sozialabbau und die Kriegspolitik der letzten Jahre rückgängig machen; sie will, was Programm ist bei der Linken.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass diese Mehrheit, die eigentlich in vielen Fragen eines Geistes ist mit der Linken, diese neue, geeinte Partei auch wählen würde. Sie misstrauen ihr: Nicht nur, weil sie nicht begreifen kann, dass die alte SED durch einen historisch-alchemischen Prozess aus der neuen Partei herausgewaschen und geschleudert wurde. Nicht nur, weil die antikommunistische und antisozialistische Gehirnwäsche, der das deutsche Volk während des Kalten Kriegs unterzogen wurde, immer noch nachwirkt. Nicht nur, weil die Deutschen, vielleicht stärker als andere Nationen, geneigt sind, sich den Mächtigen nicht nur zu unterwerfen, sondern sich mit ihnen zu identifizieren - im Sinne einer Identifikation mir dem Aggressor.

Nein, nicht nur diese Faktoren, die zweifellos auch sehr wichtig sind - nicht nur diese Einflüsse sind dafür verantwortlich, dass viele Deutsche, die eigentlich in vielen Belangen eines Sinnes sind mit der Partei “Die Linke”, Lafontaines und Biskys Truppe nicht wählen werden, noch nicht.
Und das hat sich die Linke selbst zuzuschreiben. Ihre eigenen Taten, Nicht-Taten und Untaten, die sich durch die Geschichte ziehen wie ein - hier stimmt die Farbgebung doppelt - wie ein roter Faden, haben viele Menschen misstrauisch gemacht gegenüber der Linken.

Da ist zunächst natürlich der arge Verrat der sozialistischen Ideen durch machtgierige Politiker wie Lenin und Stalin, Mao und Tito einschließlich ihrer farblosen Nachfolger, deren Namen dem Vergessen anheimgegeben sein mögen. Da ist zunächst natürlich die Spaltung Deutschlands, die man nicht allein dem Westen ins Sündenbuch schreiben kann. Da ist zunächst natürlich das offenkundige Versagen der sog. kommunistischen Regime im Ostblock. Da ist noch viel mehr zu erwähnen, was viele Deutsche, die eigentlich in vielen Fragen die gleichen Ziele verfolgen wie die Linke, davor zurückschrecken lässt, ihr Kreuzchen bei dieser Partei zu machen.

Denn all dies ist Geschichte - und die Erinnerung daran verblasst. Was bleibt ist, angesichts all dieser Fehler, das tiefsitzende Gefühl, die Linke habe einen notorisch unterentwickelten Sinn für Realitäten, sowohl für jene der Welt um uns herum, als auch für die der menschlichen Seele. Und diese doppelte Sehschwäche ist tatsächlich vorhanden. Ein Beispiel dafür: das Thema “Nation”. Die Linke hatte es immer unendlich schwer zu begreifen, welch konstruktive Kraft der Nation sowohl in der alteuropäischen Geschichte, als auch in der Innenwelt der Menschen spielte - auch der “Proletarier”. Statt mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, neigen die Linken dazu, festen Halt in den Lüften, im Reich der blutleeren Ideale zu suchen.

Doch dies kann und muss sich ändern, wenn die Linke Macht erkämpfen will, um zu gestalten und Ziele durchsetzen zu können. Wir brauchen eine Linke, die - dem Rat der PR-Strategen trotzend - die Propaganda-Schwaden der rechten Parteien mit einer klaren Analyse der (Macht-)Verhältnisse, wie sie nun einmal sind, durchdringt.

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