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19.4.2007 von Sebastian Seferlyn.
Die Deutschen lieben die Meinungsfreiheit nicht. Sie haben sie noch nie geliebt. Sie haben auch ihre Obrigkeit selten geliebt, nur wenn sie besonders entschlossen und brutal die Meinungsfreiheit unterdrückte, dann liebten sie sie. Sie liebten Hitler nicht, weil er sie mit geraubtem Reichtum bestach. Dafür bewunderten sie ihn. Sie liebten ihn auch nicht, weil er die Juden umbringen ließ. “Das hätte er nicht tun dürfen!” sagten sie später achselzuckend. Sie liebten ihn auch nicht, weil er Kriege führte. Kein Mensch, auch kein Deutscher, mit Ausnahme der Staatenlenker, will Krieg, weil er dabei letztendlich nichts gewinnen, aber viel, vielleicht sogar sein Leben verlieren kann.
Die Deutschen liebten Hitler, weil er besonders gemein und niederträchtig die Meinungsfreiheit unterdrückte. Die Deutschen kuscheln sich für ihr Leben gern zusammen in der Kuhlstallwärme übereinstimmender Meinungen. Ist es da ein Wunder, dass sie jetzt ganz Europa beglücken wollen mit Einschränkungen der Meinungsfreiheit? An deutschem Wesen soll wieder einmal die Welt - und wenn nicht die Welt, so doch das Gemeinsame Haus Europa - genesen.
“Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will die Europäische Union erstmals auf gemeinsame Mindeststandards im Kampf gegen Rassismus und Fremdenhass verpflichten”, heißt es heute in den Medien. Nun bin ich kein Rassist und auch kein Fremdenhasser. Es könnte mir also gleich sein, ob einem Antisemiten die Holocaustleugnung oder einen Antiislamisten die Verunglimpfung von Moslems verboten werden. Es ist mir aber nicht gleich: Zwar bin ich Deutscher, glühender Patriot, Nationalist sogar - aber diese deutsche Untugend, dieser Hass auf die Meinungsfreiheit ist mir dennoch fremd.
Freud lehrte, dass die Verdrängung verpönter Wünsche und Gedanken zur Widerkehr des Verdrängten führt, und zwar oft in Form von allerlei psychischen Störungen oder gar körperlichen Krankheiten. Die Verdrängung, wird sie im Übermaß betrieben, ist ein krankmachender Prozess. Was für den Einzelnen gilt, trifft auch auf die Gesellschaft zu. Überall in der Welt, und so auch in Deutschland gibt es in beachtlicher Zahl Rassisten und Fremdenhasser. Es sind zehn bis zwanzig Prozent, die aus ihrer Einstellung keinen Hehl machen. Und vermutlich kommen noch einmal zehn bis zwanzig Prozent dazu, denen der Unmut unausgesprochen auf der Zunge liegt.
Wenn wir diesen Menschen nun einen Maulkorb flechten aus den stählernen Bändern des Gesetzes und der politischen Korrektheit, dann wird sie diese Einschränkung nicht vom Rassismus, nicht von der Fremdenfeindlichkeit heilen. Das Ressentiment wird dadurch noch tiefer in ihrer Seele gepresst, es wird noch böser, noch destruktiver.
Deutsche Rassisten und Fremdenfeinde hätten nichts lieber als einen neuen Hitler, der Andersdenkenden die freie Äußerung ihrer Meinung verbietet. Sie möchten sich in der Kuhlstallwärme übereinstimmender rassistischer und fremdenfeindlicher Meinungen mit ihren Landleuten verbrüdern. Deutsche Antirassisten und Fremdenfreunde sind ganz begeistert von den Vorstößen wohlmeinender Demokraten, die Andersdenkenden die freie Äußerung ihrer Meinung verbieten. Sie möchten sich in der Kuhlstallwärme ihrer politisch korrekten Gesinnung mit ihren Landsleuten verschwestern.
Es ist zum Kotzen. Wer den freien Geist nicht bedingungslos achtet, der liebt auch die Menschen nicht als Menschen, der liebt das Menschliche am Menschen nicht - der liebt nicht das, was den Menschen potenziell vom dressierten Hund unterscheidet.
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