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12.4.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Wär’s nicht so traurig, könnt’ man’s possierlich nennen. Das Spiel läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Jemand rührt an das Nazi-Holocaust-Antisemitismus-Tabu. Rührt er zu stark, nimmt er Schaden. Rührt er zu schwach, merkt es keiner. Es kommt darauf an, so stark zu rühren, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert, aber keineswegs zu stark, damit einen nicht die Nazi-Holocaust-Antisemitismus-Keule trifft.
Das Spiel ist beliebt unter Politikern, Künstlern und anderen Selbstdarstellern. Es wird immer beliebter, weil man mit einigem Geschick ohne großes Risiko sich bundesweites mediales Interesse sichern kann. Die Beerdigung Hans Filbingers war eine schöne Gelegenheit, dieses Spiel zu spielen… und alles lief nach Schema F ab.
Dieses Spiel gehört zu den dumpfen, düsteren Ritualen bundesdeutscher Behäbigkeit und Verlogenheit. Wer es spielt, gewinnt nicht nur Aufmerksamkeit, er darf auch prickelnde Angstlust genießen, wie in einem Horrorfilm, nur intensiver. Manche werden süchtig danach, wenige verbrennen daran. Wer es spielt, verhöhnt die von den Nazis gemeuchelten Juden ebenso wie das deutsche Volk, die deutsche Nation.
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