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März 2007
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Archive für 29.3.2007

Mini-Nukes

Wer wissen will, wie die sog. Atomic Demolition Munition (Mini-Nukes) fachgerecht angewendet wird, gegen welche Ziele sie sich richtet und welche Zwecke sie erfüllt, kann dies im Field Manual 5-102 der US-Army nachlesen.

Laut Feldhandbuch haben diese Nuklearwaffen erheblich Vorteile gegenüber konventionellem Sprengstoff, aber auch gegenüber anderen Atomwaffen. Mag sein. Die Anwendung ist aber offenbar nicht ganz unproblematisch.
Ed Mitchell, ein Offizier der US-Armee im Ruhestand, erinnert sich an seine Zeit in Deutschland: “Ich hatte die Aufgabe, … Personal auszuwählen, das die Aufgabe erledigen konnte, doch das als entbehrlich betrachtet wurde.”
Ein anderer Offizier, Rowe Attaway fügt im Hinblick auf den Ernstfall hinzu: “Einsatzgruppen hätte man mit 7-Tage-Rationen versorgt, erwartet, dass sie die zugewiesene Aufgabe erledigen und dann abgeschrieben (written off the books).”

Der Umgang mit den Mini-Nukes galt unter Soldaten scheinbar als Himmelfahrtskommando. Es nützt ja nicht viel, nur irgendwo große Krater in die Landschaft zu sprengen. Um die kann der Feind natürlich herum fahren. Dafür braucht er etwas länger, aber er kommt dennoch zum Ziel.
Besser ist es, die Ladung zu zünden, wenn der Feind ihr ganz nahe ist. Dazu muss man in der Nähe bleiben und rechtzeitig auf den Knopf drücken. Dann aber hat der Anwender vermutlich nicht mehr genug Zeit, sich aus dem Staub zu machen.

Trotzdem: Für das Konzept eines begrenzten Atomkriegs waren die Mini-Nukes im Kalten Krieg einfach unentbehrlich - und so brauchte man auch Menschen, die sie an der Front oder gar hinter den feindlichen Linien einsetzten.

Re-Education

443px-bush_43_10-19-04_stpete.jpgDem Spiegel-Autor Claus Christian Malzahn sind die Deutschen zu antiamerikanisch; er fordert daher eine zweite Re-Education. Das, finde ich, geht zu weit. Das ist doch ein wenig ungerecht. Die erste Re-Education war nämlich wirklich erfolgreich. Der Beweis: Deutschland war während des Kalten Kriegs gespickt mit Atomwaffen. Wären die Sowjets in Westdeutschland einmarschiert (warum auch immer), dann hätte die NATO das Anbranden der roten Panzerflut mit taktischen Nuklearwaffen gestoppt. Diese Strategie nannte sich “flexible response” und ihre Urheber vesprachen sich davon eine Begrenzung des Atomkriegs auf deutsches Territorium.
Das von den Amerikanern geführte Militärbündnis rechnete mit Millionen toten Deutschen innerhalb von nur 14 Tagen. Die Deutschen haben diese Situation ohne Murren ertragen und immer wieder die deutschen Politiker gewählt, die diese Politik der NATO unterstützt haben. Sie waren also heldenhaft bereit, für Freedom and Democracy zu sterben. Für Freiheit und Demokratie wäre Deutschland, illuminiert von Atomblitzen, heroisch untergegangen. Der heute so populäre Slogan: “Du bist Deutschland” wäre damals im Verteidigungsfall wahr geworden.
Nur wenige dachten: Lieber rot als tot. Sicher: Hätte sich die Deutschen den Russen kampflos ergeben, dann wären auch im Westen Verhältnisse wie in der DDR die Folge gewesen: Keine Bananen, kein Mallorca und der Trabbi. Scheußlich, fürwahr. Aber als Alternative zum womöglich qualvollen Strahlentod?
Gut, das ist Geschichte. Fakt aber ist: Damals war die überwiegende Mehrheit der Westdeutschen glühend antikommunistisch, so glühend, dass man gar nicht darüber nachdachte, was die Steigerung des glühenden Antikommunismus gewesen wäre: der strahlende Antikommunismus.

Die Re-Education hatte also bestens funktioniert, und, da bin ich sicher, sie wirkt bis heute nach. Gut, heute sind viele Deutsche scheinbar antiamerikanisch, weil George Bush im Fernsehen nicht so gut ankommt wie der smarte Bill Clinton. Und das mit der Lewinsky war doch irgendwie menschlich, oder nicht? Die Hillary soll ja so eine Kalte gewesen sein!

Die gegenwärtigen Ressentiments gegenüber Amerika sind kein “echter” Antiamerikanismus, sondern ein Anti-Bushismus. Da kann die “Achse des Guten” ganz unbesorgt sein. Eine zweite Re-Education ist also nicht erforderlich. Die Deutschen wären wieder ganz zufrieden, wenn die Amerikaner statt eines öligen einen ordentlichen Hollywood-Präsidenten hätten. Und dass die Deutschen heute die Amis für gefährlicher halten als die Mullahs!?…! Na wenn schon. Wenn hier in Deutschland die erste Kofferbombe hochgeht und auf den Überresten des Koffers beweiskräftige iranische Hoheitszeichen zu erkennen sind, dann wird sich das schon ändern. Hmm, damit keine Missverständnisse entstehen: Dies will ich jetzt nicht als Maßnahme zur Re-Education empfehlen.

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