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März 2007
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Archive für 27.3.2007

Sind die Nukes noch scharf?

1964. Die Beatles sangen: “I want to hold your hand.” Bernd Spier meinte trotzig: “Das kannst du mir nicht verbieten.” Leonid Breshnew wurde Generalsekretär der KPdSU. Die Amerikaner begannen ein militärisches Abenteuer, das als “schmutziger Krieg” in die Geschichte eingehen und mit einer schmählichen Niederlage enden sollte. Am 7. August 1964 ermächtigte der amerikanische Kongress mit der Tonkin-Resolution den US-Präsidenten Lyndon B. Johnson, zur Abwehr von Angriffen auf US- und verbündete Streitkräfte in Südostasien alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Das war der offizielle Start des Vietnamkriegs.

Der Name dieser Resolution bezieht sich auf den sog. Tonkin-Zwischenfall. Nordvietnamesische Schiffe hatten angeblich den US-Zerstörer USS Maddox attackiert. Heute wissen wir, dass dieser Angriff niemals stattfand. Noch nicht einmal der Präsident und sein Verteidigungsminister Robert McNamara glaubten damals daran. Es handelte sich um Kriegspropaganda.

1964. In Deutschland war das Leben friedlich. Südostasien war weit weg. Über die Leinwände der Republik flimmerte “Für eine Handvoll Dollars”. Sergio Leone begründete mit diesem Streifen das Genre des Italo-Westerns. Die Deutschen lehnten sich in die Kino-Sessel zurück und knabberten Popcorn.
Heinrich Lübke wurde zum Bundespräsidenten wiedergewählt. Was haben wir über seine Scherze gelacht! “Meine Damen und Herren, liebe Neger…”. Es war damals nicht ausgeschlossen, dass unser Lachen in einem Atomblitz verhallt wäre.

Am 13. November 1964 traf sich der amerikanische Verteidigungsminister McNamara mit seinem deutschen Kollegen Kai-Uwe von Hassel. In von Hassels Gefolge befanden sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Heinz Trettner und General Bernd Freitag von Loringhoven. Von Loringhoven war ein Zeuge der letzten Tage im Führerbunker.

Heinz Trettner bezweifelte, dass die strategische nukleare Abschreckung noch glaubwürdig sei. “Flexible Response”, die gestufte Abschreckung sei nunmehr erforderlich. Diese Einschätzung teilte er mit dem amerikanischen Verteidigungsminister und dessen frischgebackenem Stabschef General Earle G. Wheeler. Die massive Vergeltung solle einem nuklearen Überraschungsangriff oder einem totalen konventionellen Angriff des gesamten Warschauer Paktes vorbehalten bleiben.

Die deutsche Generalität hatte sich auch eine Alternative zum weltweiten atomaren Overkill ausgedacht. General von Loringhoven trug das Konzept vor: Im Falle eines Angriffs der Sowjets auf Westdeutschland sollten Heer und Luftwaffe mit konventionellen Mitteln zurückschlagen. Gleichzeitig aber sollten die atomaren Landminen, die bereits entlang der deutsch-deutschen Grenze deponiert worden waren, gezündet werden. Sobald NATO-Truppen in Gefahr stünden, zerstört zu werden, sollten zusätzliche taktische Atomwaffen eingesetzt werden. Eine weitere Eskalation könne vermieden werden, wenn die sowjetische Aggression auf dieser Stufe gehalten werden könne. Nach diesem deutschen Konzept sollten die Nuklearwaffen nur auf deutschem Boden und nicht gegen die sowjetischen Kommunikationslinien eingesetzt werden.

Waren dies militärische Sandkastenspiele? Oder sollte Deutschland wirklich auf dem atomaren Schlaftfeld geopfert werden. Mit Zustimmung der westdeutschen Führung, ja, sogar einem Konzept der westdeutschen Generalität folgend? Wer weiß.
Ron Chiste war als GI in Deutschland und diente in der 3. US-Panzerdivision. Im Mai 1972 erhielt er den Befehl, die taktischen Atomwaffen scharf zu machen. Was war geschehen? Präsident Richard Nixon hatte angeordnet, dass der nordvietnamesische Hafen von Haiphong bombardiert werden solle. Das Weiße Haus war sich nicht sicher, wie die Russen reagieren würden.

2007. Der Vietnamkrieg ist längst Geschichte. Heute führen die USA den Krieg gegen den Terror: in Irak, Afghanistan und anderswo. Schließlich hatte Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen. (Oder war das auch nur Kriegspropaganda wie einst der Angriff in der Bucht von Tonkin?) Damals befürchtete Nixon, dass in Deutschlang Vergeltung geübt werden könnte für die Bombardierung von Vietnam. Und heute?

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Hintergrundfakten zum Kalten Krieg in Deutschland: Ingo Wolfgang Trauschweizer: CREATING DETERRENCE FOR LIMITED WAR: THE U.S. ARMY AND THE DEFENSE OF WEST GERMANY, 1953-1982 . Dissertation: University of Maryland, 2006

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