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März 2007
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Archive für 23.3.2007

Selbstmord-Missionen

Ron Chiste war 1979 als GI in Deutschland. Er erinnert sich an ein sog. EDP-Briefung, also eine Lagebesprechung zur Einnahme der Kriegsposition. EDP bedeutet: Emergency Deployment Position. Das Briefing war streng geheim, die Fenster wurden abgedunkelt und Wachen standen vor den Türen. Am Ende der Lagebesprechung waren Fragen erlaubt. Chistie sagt, er müsse damals wohl noch sehr naiv gewesen sein. Er fragte nämlich, wie viel Zeit das Batallion denn habe, um in Stellung zu gehen. Die älteren Offiziere trauten ihren Ohren nicht. Der Instrukteur antwortete cool: “Sie werden keine Zelte mitnehmen, keine Feldküchen oder irgend etwas dergleichen. Die C- und B-Batterien werden über die Fulda rasen und die A-Batterie wird in Reserve gehalten. Wir rechnen nicht damit, dass C und B zurückkehren werden.”

Ron Chiste betitelte seinen Bericht mit der Überschrift: “The EDP Briefing or Suicide Mission at the Fulda Gap.” Die Geschützgruppen, die in Position gebracht werden sollten, waren nuklearfähig. Im Fulda-Gap erwartete man einen Angriff sowjetischer Panzerverbände. Im diesen abzuwehren, benötigte man offensichtlich Himmelfahrtskommandos.

Dass die amerikanischen Streitkräfte seit Gründung dieser glorreichen Nation immer schon todesmutige Soldaten in ihren Reihen hatten, will ich nicht bestreiten. Aber es ist doch etwas anderes, ob man fürs Vaterland in Tod riskiert, aber eine Überlebenschance besitzt, oder ob man beim Einsatz von taktischen Atomwaffen den eigenen, sicheren und womöglich qualvollen Tod in Kauf nimmt. Und so kann ich mir kaum vorstellen, dass die amerikanischen Streitkräfte genug geborene Selbstmord-Soldaten besaßen, um erfolgreich einen taktischen Nuklearkrieg in Deutschland zu führen.

Eher könnte ich mir vorstellen, dass normale Soldaten, gleich welcher Nation, in einer solchen Situation kaum in der Lage gewesen wären, diszipliniert ihre Aufgaben zu erfüllen, geschweige denn, kühlen Mutes in den sicheren, qualvollen Tod zu gehen.
Ob es wohl die regulären Truppen gewesen wären, die im Ernstfall die Codes und Zündschlüssel für die “tactical nukes” erhalten hätten - oder Spezialeinheiten, die in Deutschland für den Fall aller Fälle bereitstanden? Vielleicht gab es ja “Soldaten” mit einer speziellen Ausbildung für die suizidalen Einsätze des Atomkriegs.

Eine Spekulation über die Art dieser Ausbildung ist mein Roman “Ein Slave der Freiheit“.

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