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20.3.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Dr. Richard Meiling war ein Pionier-Mediziner des Nuklearzeitalters. Er war der Vorsitzende des “Armed Forces Medical Policy Council”, der führenden Beratergruppe des amerikanischen Verteidigungsministers zu Beginn des Kalten Krieges. Im Juni 1951 verfasste er ein sorgenvolles Memorandum für seinen Chef. “Die Furcht vor Strahlung”, heißt es dort, “ist beinahe allgegenwärtig unter den Uneingeweihten und bevor sie in den Streitkräften nicht überwunden wurde, könnte sie ein überaus ernstes Problem darstellen, sobald Nuklearwaffen eingesetzt werden.”
Er schlug vor, Soldaten nach einem Atombombentest in unmittelbarer Nähe des “Grund Zero” exerzieren zu lassen, um sie an den Einsatz von Nuklearwaffen zu gewöhnen. Er rannte mit seinem Vorschlag bei den Militärs offene Türen ein. In den folgenden Jahren waren mehr als 200.000 Menschen bei amerikanischen Atombombentests anwesend und einige Tausend nahmen an Manövern unter dem Atompilz teil. Man bemühte sich natürlich, die Übungen realitätsnah zu gestalten. Dies war jedoch nur sehr eingeschränkt möglich, und zwar nicht nur aus moralischen und juristischen Gründen. Schließlich bestand ja das Hauptziel der Manöver darin, die Angst vor Strahlung abzubauen. Tote und Schwerstkranke infolge der Tests wären da nicht gerade förderlich gewesen.
Und so exerzierten Soldaten unmittelbar nach dem Knall am Ort der Explosition oder sprangen über “Ground Zero” mit dem Fallschirm ab, aber die Strahlenexposition war dennoch verhältnismäßig gering. Über Langzeitschäden machte man sich damals kaum Gedanken. Es versteht sich von selbst, dass in einem realen Atomkrieg die in einem Manöver vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen nicht immer verwirklichen lassen. In einem Manöver kann man einen Atombombenabwurf z. B. bei Niederschlag und widerigen Winden abblasen, im Krieg nicht immer.
Wer tödlich verstrahlt wurde, stirbt entweder sofort oder er erholt sich wieder, für ein paar Tage, um dann besonders qualvoll zu verrecken. Wer dies weiß oder vielleicht sogar bei anderen beobachtet hat, wird sich u. U. lieber wegen Befehlsverweigerung erschließen lassen, statt einen Befehl mit garantiertem Strahlentod auszuführen. In einem Atomkrieg wären solche Himmelfahrtskommandos aber unvermeidlich.
Was tun? Zu Beginn der fünfziger Jahre beunruhigten Gerüchte Politiker und die Öffentlichkeit, dass die Kommunisten Gehirnwäschemethoden entwickelt hätten, mit denen man Menschen mental versklaven könnte. Da traf es sich gut, dass auch die CIA derartige Methoden erforschte. Ein einst streng geheimes, inzwischen aber freigegebenes Dokument beschreibt die Ziele dieses Forschungsprojekts:
“(1) Evaluation und Entwicklung jeder Methode, durch die wir Informationen von einer Person gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen erhalten können. (2) Wie können wir den oben genannten Maßnahmen begegnen, wenn sie gegen uns angewendet werden? (3) Können wir ein Individuum bis zu einem Punkt kontrollieren, an dem es unsere Befehle gegen seinen Willen und sogar gegen so fundamentale Naturgesetze wie den Selbsterhaltungstrieb ausführt? (4) Wie können wir solchen Maßnahmen begegnen, wenn sie gegen uns angewendet werden?”
(Die Fotokopien dieses Dokuments können hier heruntergeladen werden.)
Ob die CIA die Absicht hatte, Menschen mit Gehirnwäschemethoden für Himmelfahrtskommandos in Atomkriegen abzurichten, geht aus der Akte nicht hervor. Punkt (3) legt eine derartige Interpretation jedoch nahe. Auch andere Fakten sprechen dafür. So wurde z. B. die deutsch-deutsch Grenze in der heißesten Phase des Kalten Kriegs von einer “Atomic Battle Group” bewacht, die über eine nukleare Panzerfaust verfügte, das Waffensystem “Davy Crockett”. Es handelte sich dabei um eine taktische Nuklearwaffe, die anrückende sowjetische Truppen stoppen sollte. Die Mindesreichweite, die eingestellt werden konnte, betrug 1000 Feet, als etwa 300 Meter. Eine nukleare Panzerfaust auf ein Ziel in dieser Entfernung abzufeuern, wäre absolut tödlich - für die Getroffenen und für die Schützen.
Dies ist keine Verschwörungstheorie, keine Science Fiktion. Das war so. Hier in Deutschland. Und weiß Gott, die Welt stand in dieser Zeit mehr als einmal kurz vor einem Atomkrieg. Hurra, wir leben noch. Glück gehabt. Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.
Geschrieben in Geschichte, Mind Control | Drucken | 1 Kommentar »