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März 2007
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Archive für 7.3.2007

Korruptionsbekämpfung durch Emotionen

Eine neue britische Studie hat festgestellt, dass die Berichterstattung der Medien in den letzten Jahren viel emotionaler geworden sei. Manche deuten dies als Ausdruck der Feminisierung westlicher Gesellschaften, sehen das kritische Denken und dadurch die Demokratie in Gefahr. Die “Feminisierung” als Ursache auszumachen, liegt natürlich nahe, ist aber aus meiner Sicht zu vordergründig. Zwar sauge ich Argumente, die den Feminismus für alle Unbill unserer bösen Welt verantwortlich machen, meist widerstandslos auf wie ein Schwamm, aber in diesem Falle muss ich dieser lustvollen Neigung, so leid es mir tut, widerstehen. Der Grund für diese Tendenz zur Emotionalisierung ist diesmal ausnahmsweise ein anderer: die Männer sind schuld, tatsächlich. Denn die meisten Experten sind immer noch Männer.

Unsere moderne Welt ist so komplex, genauer, unser Wissen über die moderne Welt ist so vielschichtig, so kompliziert geworden, dass die meisten von uns selbst die Themen, die uns unmittelbar angehen, selbst die Sachverhalte unseres alltäglichen Lebens nicht mehr verstehen. Wir müssen also, um uns zurecht zu finden, diese Komplexität verringern. Der naheliegende Mechanismus zur Reduktion von Komplexität ist, wie Luhmann einst in seiner gleichnamigen Schrift analysierte, das Vertrauen.

Doch die Experten, denen wir vertrauen könnten, haben sich heillos kompromittiert. Sie waren vielleicht schon immer korrupt, aber wahrscheinlich nicht so korrupt wie heute. Jedenfalls ist den Menschen in den letzten Jahren immer klarer geworden, dass sie den Experten nicht vertrauen können, weil die meisten gut geschmiert sind und es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Und so ersetzt zunehmend die Emotionalisierung das Vertrauen als Mechanismus zur Reduktion von Komplexität. An die Stelle der Experten treten die Betroffenen. Denn Komplexität müssen wir reduzieren: Wenn das Vertrauen fehlt, bleibt nur die Emotionalisierung.

Es entsteht eine neue Klasse der Betroffenheits-”Experten”. An die Stelle von Wissenschaft, Logik und Fakten treten persönliche Erfahrung, das “uralte Wissen” der Vorfahren und die emotionale Intensität. Diese neuen “Experten” sind übrigens meistens Frauen.

CIA-Dokumente im Internet

Zu den schauerlichsten Verbrechen des amerikanischen Geheimdienstes CIA zählt die Erforschung und Entwicklung von Gehirnwäschemethoden, deren Ziel darin bestand, “Manchurian Candidates” zu kreieren. Darunter verstand man Menschen, die ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen totaler Fremdsteuerung unterlagen und bei denen sogar der Selbsterhaltungstrieb ausgeschaltet werden konnte. Die Amerikaner erprobten raffinierte Kombinationen von Hypnose, Drogen, Folter und sensorischer Deprivation, Elektroschock-Behandlung, um dieses Ziel zu erreichen.

Zu den bedeutendsten politischen Errungenschaften des amerikanischen Volkes zählt das Informationsfreiheitsgesetz “Freedom of Information Act” (FOIA). Die CIA hat’s zwar versucht, aber es ist ihr nicht gelungen, alle Dokumente zu ihren Gehirnwäsche-Projekten zu vernichten - und dank des FOIA kann nun jeder die Akten einsehen, die versehentlich dem Reißwolf entgangen sind: Sie stehen im Internet zum Download bereit.

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Meine Schrift über Gehirnwäsche durch absichtliche Persönlichkeitsspaltung (”Unsichtbare Ketten“) stützt sich u. a. auf diese Dokumente. Sie bilden auch einen der wichtigsten Hintergründe des Tatsachen-Romans “Ein Sklave der Freiheit“.

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Die Folter-Exzesse in Abu Ghraib und anderswo haben viele Menschen geschockt und zutiefst verunsichert. Die scheußlichen Bilder, die von diesen bestialischen Torturen aufgenommen wurden, erwecken den Eindruck, als seien hier psychopathische Sadisten am Werke. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Dieser scheinbare Wahnsinn folgt einer ausgeklügelten Strategie. Den Maßnahmen des amerikanischen Militärs und seiner Geheimdienste zur Beeinflussung des menschlichen Verhaltens und Erlebens durch traumatisierenden Stress (Folter) liegt eine wissenschaftliche Systematik zugrunde, die für viele Millionen Dollar von hochkarätigen Psychiatern, Neurologen, Psychologen und anderen Verhaltenswissenschaftlern erforscht und perfektioniert wurde.

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