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März 2007
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Klars Realitätsverlust

Christian Klars Blick für die Realität war wohl schon immer arg getrübt. Wer - selbst als sehr junger Mensch -  jemals glaubte, das Konzept der Stadtguerilla habe in der Bundesrepublik Deutschland auch nur die allerbescheidensten Erfolgsaussichten, dem fehlt offenbar jedes Talent zur Bodenhaftung. Es muss wieder einmal dieser mit der Muttermilch eingesaugte Realitätsverlust gewesen sein, der seine Feder führte, als er sein Grußwort an den Rosa-Luxemburg.Kongress verfasste. Der Man will schließlich Hafterleichterungen, will sogar begnadigt werden. Und dann kritisiert dieser linksterroristische Mordbube ausgerechnet den Kapitalismus und Imperialismus.

Nein, die Einschätzung der bundesrepublikanischen Realität war seine Sache noch nie. Hätte dieser Mann nicht einige Menschenleben auf dem Gewissen, dann könnte man beinahe gerührt sein angesichts dieses naiven Glaubens an die Reife des Rechtsstaates in der Bundesrepublik Deutschland. Die Idee des Rechtsstaates ist ja ein Kind der Vernunft, der Aufklärung. Die Idee des Rechtsstaates besteht darin, die Willkür in der Rechtssprechung zu begrenzen und die Urteile an die Rationalität zu binden. Rational betrachtet, bedeutet die Kritik an Kapitalismus und Imperialismus keineswegs, dass Klar seine Taten nicht bereue und dass er nach wie vor zu Mordtaten bereit sei. Müsste man unter diesen Bedingungen nicht erwarten, dass Politiker Klars Auslassungen dann auch rational interpretieren?

Sicher, so etwas erwartet man, wenn man an dermaßen schwindelerregenden Ausmaßen des Realitätsverlusts leidet wie Christian Klar. Wen aber nur der Hauch einer zart aufkeimenden Ahnung von der Wirklichkeit in unserem Lande umweht, der konnte wissen, was Klars Grußbotschaft unweigerlich hervorrufen musste: sich selbst aufschaukelnde Bestrafungsphantasien nämlich, die darin gipfeln, Klar möge im Knast verrecken.

Ist Klar immer noch gefährlich?  Die RAF hat ausgedient, sie ist heute so gefährlich wie die Sowjetunion. Was bleibt von der RAF? Die Erkenntnis, dass sich hinter dem weißen Laken der revolutionären Unschuld nicht ein durch Deutschland geisterndes kommunistisches Gespenst, sondern ein stinkendes Fäulnisprodukt der von fragwürdigen Kriegen geschüttelten demokratischen Welt verbarg. Klar dürfte nach menschlichem Ermessen ein von langjährigem Knast ausgelaugter, vorzeitig gealterter Mann sein, der zur terroristischen Gewalttaten psychisch und physisch kaum noch in der Lage wäre, selbst wenn er sich dazu noch einmal aufraffen wollte. Ist Klar noch gefährlich?

Vorsicht Konvertit. Was wäre, wenn man in Klars Zelle, eingewickelt in einen Gebetsteppich, den Koran fände? Hat der Mann einen Bart? Steckt er überhaupt noch in seiner Zelle oder bemüht sich die Bundesregierung bereits aufopferungsvoll, ihn aus Guantánamo freizubekommen? Vorsicht Konvertit? Haben sie nicht die religiöse Inbrunst in seinen Augen bemerkt? Ja, ja, sehen Sie, jetzt fällt es Ihnen auch auf. Und so einer soll freigelassen werden!?

Hat Christian Klar Gnade verdient. Ja, natürlich. Er ist nämlich nicht nur Täter, sondern auch Opfer des Kalten Kriegs, wie wir alle hier in Deutschland. Christian Klar ist einer von uns, und wir alle haben Gnade verdient - und bitter nötig.

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