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27.2.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Christian Klar sitzt seit 1982 im Gefängnis. Er ist ein vielfacher Mörder. Nun erwägt der Bundespräsident seine Begnadigung. Im Januar wandte sich Klar mit einer Erklärung an die Rosa-Luxemburg-Konferenz. Der Stil dieser Erklärung ist ungenießbar, er erzeugt Magengrimmen. Die Substanz dieses Statements lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Im “Stern” kommentiert der Journalist Niels Kruse Klars Erklärung: Diese “verwirrten Ausführungen über den bösen Kapitalismus” zeigten eigentlich nur, wie “erschreckend debil der Ex-RAF-Terrorist” geworden sei. Der bayerische Innenminister und baldige Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein meinte, der “aggressive Ton” und die “ideologische Botschaft” der Stellungnahme Klars machten deutlich, dass es sich bei ihm um einen “unverbesserlichen terroristischen Verbrecher” handele. CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte, Klar müsse bis ans Ende seines Lebens hinter Gitter bleiben. Auch der liberale Parteichef Guido Westerwelle lehnt eine Begnadigung des Ex-Terroristen strikt ab. “Wer Gnade vor Recht erbittet, aber unsere Grundordnung nicht anerkennt, hat keine Gnade verdient”, sagte Westerwelle.
Auf Deutsch: Wer Hugo Chávez gut findet, wer die Kriegspolitik der Vereinigten Staaten und ihrer europäischen Verbündeten ablehnt, wer Hartz-IV-Empfänger gegen Rechts beeinflussen und für eine bessere Zukunft für unsere Kinder kämpfen will, der verdient keine Gnade, der soll im Knast verrecken.
Es gibt gute Gründe, Christian Klar nicht zu begnadigen. Sein Offener Brief an die Rosa-Luxemburg-Konferenz gehört sicher nicht dazu. Man muss nur dessen Kern vom fauligen Fruchtfleisch befreien, um dies zu erkennen. Hier ringt ein vom Knast zermürbter Mann verbal um seine persönliche Identität, die ihm vollends abhanden zu kommen droht - seine Inhalte unterscheiden sich kaum von linken Mainstream-Positionen - zumindest jene nicht, die er in seinem Statement präsentiert. Allein seine Sprache erinnert in leisen Anklängen an die Tiraden der RAF. Das blecherne Getöse verhallt schal in den leeren, kalten Räumen der nützlichen Idiotie, die das Konzept und die Taten der Stadtguerilla immer schon kennzeichnete.
Manche meinen, dass Klar keine Reue zeige, beweise die Tatsache, dass er immer noch den Kapitalismus und “imperialistische Bündnisse” geißele. Als ob Reue wegen terroristischer Morde und eine linke Geisteshaltung unvereinbar seien!
Und vor allem müsste jedes fühlende Wesen eigentlich empfinden, dass dieser Mann, Christian Klar offenbar sein Ringen um persönliche Identität nur in verstaubten politischen Formulierungen auszudrücken vermag. Freiheit, sagte Rosa Luxemburg, sei immer die Freiheit des Andersdenkenden. Wer will diesen Aphorismus umdrehen. Sollen nur noch die Konformisten “frei” sein?
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