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Die Stachanow-Mutter

mixa_walter_bischof.jpgDer katholische Bischof Walter Mixa zog vom Leder: Der Absicht der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die Kleinstkinderbetreuung aufwändig auszubauen, degradiere die Frauen zu Gebämaschinen. Diese Politik sei „vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren“. Es ginge gar nicht um das Kindeswohl und um Familienförderung, sondern darum, die “Doppelverdiener-Familie” zum “ideologischen Fetisch” zu erheben.

Ursula von der Leyen selbst scheint jedoch der beste Beweis dafür zu sein, dass sich Kinder und Familie durchaus mit einer anspruchsvollen beruflichen Karriere der Mutter vereinbaren lassen. Straft ihr Beispiel den Bischof Lügen?
Überdies ist sie ja nicht die einzige Mutter, die Kinder und Karriere unter einen Hut gebracht hat. Widerlegen diese Frauen und ihr wohlgeratener Nachwuchs nicht Mixas Behauptung, die Politik der Bundesfamilienministerin sei schädlich für Kinder und Familien.

Nach Meinung von Experten kommt heute bereits ein Drittel der Kinder mit erheblichen Defiziten, vor allem im sprachlichen Bereich in die Schule. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn die Erziehung dieser Kinder möglichst früh in professionelle Hände gelegt wird? Oder ist umgekehrt die dem Zeitgeist entsprechende Entwertung des Mutterseins mitverantwortlich für die durch mangelnde oder falsche Erziehung bedingten Defizite vieler Kinder?

Die Frage würde sich erübrigen, wenn zwischen der Zeit, die eine Mutter ihren Kindern widmet, um dem Erziehungsergebnis ein eindeutiger, quantitativer Zusammenhang bestünde. Für eine derartige Korrelation gibt es in der einschlägigen Forschung keinerlei Anzeichen. Frauen, die ihre Kinder wie eine Glucke intensiv behüten, pflegen und umsorgen, sind keineswegs die besseren Mütter als die jene angeblichen “Rabenmütter”, die auf der Karriereleiter aufsteigend sich nicht zwangsläufig über die Interessen ihrer Kinder hinwegsetzen müssen.

Was sind das für Frauen, die Kinder und Karriere miteinander vereinbaren können? Powerfrauen? Beweise für die natürliche Überlegenheit des weiblichen Geschlechts? Hilft diesen Frauen das neuerdings viel gerühmte weibliche Talent, viele Dinge zur gleichen Zeit tun zu können? Neuere Studien lassen allerdings Zweifel an diesem Talent aufkommen. Frauen z. B., die während des Telefonierens mit dem Handy in einem Fahrsimulator fahren, können immer noch ganz passabel das Fahrzeug lenken - allerdings nur auf dem Niveau von mittelschwer Betrunkenen.

Man kann dieses Experiment wohl sinngemäß auch auf die Kindererziehung übertragen. Wenn Frauen Karrieren und Erziehung gleichermaßen und synchron meistern, dann sind dafür wohl eher nicht irgend welche übernatürlich anmutenden Fähigkeiten verantwortlich. Um dieses Phänomen zu erklären, dürfte ein Beispiel aus der Geschichte hilfreich sein:

Alexei Grigorjewitsch Stachanow förderte am 31. August 1935 in einer Kohlegrube als Hauer im Donbass in einer Schicht 102 Tonnen Kohle. Er übertraf damit die gültige Arbeitsnorm um das 13fache. Stachanow wurde von der sowjetischen Propaganda zum Helden erklärt und anderen Arbeitern als Vorbild vorbehalten. Was die Propaganda allerdings verschwieg: Stachanow hatte sieben Zuarbeiter an seiner Seite.

Mit sieben Zuarbeiterinnen und Zuarbeitern an ihrer Seite kann eine Powersuperfrau selbstverständlich auch sieben und noch viel mehr supergut geratenen Prachtkindern den Weg ins Leben ebnen. Doch allein: Wer kann sich das leisten? Wer sich das nicht leisten kann, läuft Gefahr, dass die Karriere der Mutter Stück für Stück zu Lasten des Wohls der Kinder geht - oder umgekehrt. Da möge sich niemand etwas vormachen.

Nun könnte man auf die Idee kommen, dass dann staatlich finanzierte Krippen für Kleinstkinder doch auch weniger gut betuchten Müttern helfen würden, im Beruf den Anschluss nicht zu verlieren. Nun ja: Auch die Arbeiter in der Sowjetunion, die sich der Stachanow-Bewegung anschlossen, mussten feststellen, dass ihnen die Staat keineswegs die sieben Helferlein des Helden der Arbeit zur Seite stellte. Das ganze war eine Mogelpackung.

Und so steht zu erwarten, dass die massenhaften Kinderkrippen für die ganz Kleinen bestenfalls schlechter Ersatz für mütterliche Zuwendung und schlimmstenfalls Experimente zur Umkrempelung von gerade entstehenden Kinderseelen im Sinne der jeweils herrschenden Ideologien sein werden. Die solide mit Staatsknete unterfütterte “Jungenarbeit” z. B. zeigt, wo’s langgeht.

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