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12.2.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die USA und ihre europäischen Verbündeten während der Münchener Sicherheitskonferenz am Samstag massiv attackiert (Putins Rede in Englisch). Der Versuch der USA und des Westens, eine “unipolare Weltordnung” zu schaffen, habe mit Demokratie nichts zu tun, sondern ziele darauf ab, dem Rest der Welt seinen Willen gewaltsam aufzuzwingen.
Putin spricht der Mehrheit der Europäer, vor allem aber der Deutschen aus der Seele, wie eine internationale Meinungsumfrage der BBC zeigt. Dennoch beeilten sich die Politiker unserer Regierungskoalition, die Amerikaner bzw. die von den USA dominierte NATO zu verteidigen. Ihre Treue zu den Machthabern in den USA ist offenbar stärker als ihre Furcht vor einem Popularitäsverlust bei den deutschen Wählern. Die meisten deutschen Politiker reagierten zwar betont gelassen auf die Rede Putins und räumten ein, er habe berechtigte Sorgen angesprochen - in der Sache ließen sie aber keinen Zweifel daran, dass sie hinter der amerikanischen Position stehen.
Nun ist Putin selbst kein lupenreiner Friedensengel, wie die aggressive Kriegsführung der russischen Armee in Tschetschenien beweist. Dennoch - und dies war auch schon zu Zeiten der Sowjetunion und des Kalten Krieges nicht anders - die meisten Kriege brechen die Amerikaner vom Zaun, die meisten Toten gehen auf ihr Konto.
Dennoch ergibt sich ein neuer, bemerkenswerter Aspekt im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Niemals hat ein Generalsekretär der KPdSU die Einstellung des deutschen Volks gegenüber der amerikanischen Machtpolitik so gut auf den Punkt gebracht wie - nach dem Zerfall der kommunistischen Supermacht - der ehemalige KGB-Agent aus Dresden und heutige russische Präsident Wladimir Putin. Angela Merkel wäre bestimmt beliebter in Deutschland, wenn sie, statt des Russen, dessen beherzte Worte gefunden hätte.
Früher versteckte sich die Mehrheit der Westdeutschen furchtvoll unter den ausgebreiteten Flügeln der amerikanischen Glucke; ein Konsens auch nur in Teilbereichen zwischen den Deutschen und der sowjetischen Führung wäre zu Zeiten des Kalten Krieges nicht denkbar gewesen. Die meisten Ostdeutschen waren vermutlich ebenfalls keine besonders glühenden Verfechter der brüderlichen Zusammenarbeit zwischen der DDR und der SU.
Dieses Phänomen einer gleichsam automatischen Solidarisierung mit den Amerikanern gibt es heute nicht mehr - trotz 9/11 und der allgegenwärtigen Bedrohung durch fundamentalistischen Terrorismus. Ich glaube auch nicht, dass dies anders wäre, wenn heute ein Teil Deutschlands von Islamisten besetzt wäre wie einst die DDR von den Kommunisten. Die Deutschen neigen einfach nicht mehr dazu, reflexartig die amerikanische Machtpolitik, wie auch immer sie sich gebärden möge, als dem eigenen Schutz dienend zu betrachten.
Im Gegenteil. Immer mehr Deutsche erkennen, dass die brutalen Interventionen der Vereinigten Staaten die Gefahr erhöhen, im eigenen Lande von Bomben zerfetzt oder vielleicht sogar von schmutzigen Atomwaffen verstrahlt zu werden. Natürlich sind uns Menschen, die Ehebrecherinnen steinigen, Homosexuelle von hohen Dächern schmeißen, Dieben die Hand abhacken und abtrünnige Glaubensbrüder mit dem Tode bedrohen, nicht geheuer. Diesen barbarischen Sitten und Gebräuchen, wie zum Beispiel auch der Genitalverstümmelung von Frauen, liegen menschenverachtende Ideologien zugrunde, die wir zu recht fürchten und ablehnen. Doch allmählich begreifen wir, dass es noch gefährlichere Ideologien gibt, Ideologien des Imperialismus, die unseren Planeten mit Kriegen und Hunderttausenden von unschuldigen Toten überziehen.
Die Welt sei nicht sicherer geworden nach dem Ende der Sowjetunion, mahnte Putin. Dem Imperium fehlt das Gegengewicht, es verliert jedes Maß. Neocons liebäugeln mit dem Einsatz von Atomwaffen gegen unbotmäßige Staaten. Kriegsgründe werden gefälscht oder provoziert, nationales und internationales Recht missachtet. Wir leben wieder in sehr, sehr gefährlichen Zeiten.
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Quelle des Bildes von Wladimir Putin: http://www.kremlin.ru
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