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Archive für 10.2.2007

Migration und Kriminalität

 Ausländer häufiger kriminell als Deutsche

Der aktuelle Sicherheitsbericht der Bundesregierung stellt einen Zusammenhang zwischen “Kriminalität und Migrationshintergrund” fest. Dieser Zusammenhang verschwindet auch dann nicht, wenn man statistische Störfaktoren aus den Daten herausrechnet, die sich zuungunsten der Ausländer auswirken. Die Erklärung der Bundesregierung für dieses Phänomen klingt politisch korrekt, dürfte aber dennoch zutreffen:

 ”Integrationsschwierigkeiten von Migranten führen zu sozialen Belastungsfaktoren, die die Gefahr einer Straffälligkeit erhöhen.”

Nun dürfte es ein Kriminalitätsopfer, das von Ausländern zusammengeschlagen wurde, wenig trösten zu wissen, Integrationsschwierigkeiten des Täters seien dafür verantwortlich, dass es nun mit Gehirnerschütterung und Rippenprellungen im Krankenhaus liegt. Es wird vermutlich auch vielen der hier friedlich lebenden Ausländer nicht einleuchten, warum ihnen - angeblich aufgrund von Integrationsschwierigkeiten - eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Straffälligkeit zugeschrieben werden muss.

Jugendliche, Kriminalität und Migration

Es liegt nahe zu vermuten, dass der von der Bundesregierung konstatierte Zusammenhang durch einen eingegrenzten Kreis von Migranten gestiftet wird.
Sind besonders jene Ausländer kriminalitätsanfällig, die unter sozial und ökonomisch schwierigen Bedingungen leben? Christian Pfeiffer und Peter Wetzels vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen e. V. sind dieser Frage - bezogen auf Gewalttaten ausländischer Jugendlicher - nachgegangen. Die Daten zeigen zwar eine enge Korrelation zwischen dem sozio-ökonomischen Status und der Gewaltbereitschaft, aber dies ist noch nicht die ganze Wahrheit:

“Die bisher dargestellten Erkenntnisse könnten zu der Annahme verleiten, wir hätten damit bereits ausreichende Antworten auf die eingangs gestellten Fragen gefunden. Dann aber dürften sich im Vergleich der Gewaltraten der Jugendlichen, die sozial relativ privilegiert aufwachsen, nur geringe Unterschiede zeigen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar verringert sich der Abstand etwas. Aber immer noch dominieren die jungen Türken mit einer im Vergleich zu den Deutschen etwa doppelt so hohen Rate (22,9 % zu 11,1 %). Es folgen die Jugendlichen aus dem früheren Jugoslawien mit deutlichem Abstand vor den anderen ethnischen Gruppen. Es muss also noch andere Belastungsfaktoren geben, die besonders bei türkischen Jugendlichen zum Tragen kommen (Christian Pfeiffer / Peter Wetzels: Junge Türken als Täter und Opfer von Gewalt).”

Die Statistik zeigt, dass insbesondere männliche türkische Jugendliche durch eine erhöhte Gewaltbereitschaft gekennzeichnet sind. Dieser Zusammenhang wird nicht durch den sozio-ökonomischen Status allein hervorgerufen:

“Wenn man auch bei ihnen die sozialen Faktoren kontrolliert, verringert sich im Vergleich zu den Deutschen zwar der Abstand in der Gewaltrate. Es bleibt aber dabei, dass männliche türkische Jugendliche mehr als doppelt so oft Mehrfachtäter von Gewalt sind wie Deutsche. Wir deuten das so: Ein beachtlicher Teil von ihnen ist stark durch ein traditionelles Männlichkeitskonzept geprägt, das sie in ihrer familiären und kulturellen Sozialisation erlernen und das ihre Gewaltbereitschaft deutlich erhöht. Die Forschungsergebnisse sehen wir damit als Ausdruck eines Kulturkonfliktes, der sich insbesondere für solche türkischen Familien ergibt, die sich nach der Einwanderung in Deutschland stark an diesen traditionellen Rollenmustern für Männer und Frauen orientieren. Dort wird die Vorherrschaft des Vaters, der den Gehorsam der Familienmitglieder notfalls mit Gewalt einfordern darf, zum Ausgangspunkt dafür, dass die Söhne in ihrer neuen Heimat in massive Gewaltkonflikte geraten.”

Alternativen zum Gefängnis

Wenn diese Einschätzung zutrifft - und die Daten sprechen dafür - dann ist das traditionelle Gefängnis mit Sicherheit der falsche Platz für Straftäter dieses Typs - vor allem dann, wenn man mit der Haft den Gedanken der Rehabilitation verbindet. Das falsche, Gewalt produzierende Rollenmuster ist in diesem Milieu eine nachgerade notwendige Überlebensstrategie.

royal.jpgDie französische Präsidentschaftskanditatin der Sozialisten, Ségolène Royal hatte eine Idee, die bei den Kollegen im Vorstand ihrer Partei weniger gut ankam als beim französischen Volk. Sie schlug vor, straffällig gewordene Jugendliche in militärisch betreuten Einrichtungen einen Beruf erlernen oder ein humanitäres Projekt ableisten zu lassen. So falsch, so unmenschlich, so unsozialistisch, wie sie auf den ersten Blick erscheint, ist diese Idee gar nicht. Sie ist vermutlich kein Allheilmittel für alle kriminellen Jugendlichen. Aber für solche Gewalttäter, die von zu Hause aus nur die harte Hand, nur die brutal autoritäre Erziehung und den Zwang zur Unterordnung kennen, ist konsequenter militärischer Drill vermutlich die beste Hilfe, auch, und vor allem im Interesse dieser Straftäter.

Es gibt ein erprobtes Modell, in dem dieser notwendige militärische Drill praktiziert werden könnte, die Therapeutische Gemeinschaft nach dem Modell der amerikanischen Drogenhilfsorganisation DAYTOP-Village. Dieses konsequente, harte Modell wird auch in Deutschland angewendet, allerdings in zunehmend weicherem Stil, weil sogar die meist geistig nicht sehr beweglichen deutschen Drogentherapeuten inzwischen erkennt haben, dass diese Behandlungsform für den heute vorherrschenden, mental und emotional desolaten Typ des Drogenabhängigen denkbar ungeeignet ist. Selbst die Amerikaner sind “softer” geworden als früher üblich. Aber für die oben beschriebenen jugendlichen Straftäter wäre die klassische, die rigorose Therapeutische Gemeinschaft, natürlich ergänzt durch die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, das Mittel der Wahl.

Konservative Leser, die skeptisch sind, ob denn Kriminelle wirklich Therapie benötigen, sollten sich durch diesen Begriff nicht abschrecken lassen. Die echte “Therapeutische Gemeinschaft” hat mit Psychotherapie im Sinne verständnisvoller Seelenerkundung nichts zu tun. Ihr Ziel besteht darin, vorhandene, sozialschädliche Rollenmuster zu zertrümmern und durch sozialverträgliche zu ersetzen. So etwas darf man natürlich nur machen, wenn alle anderen Mittel versagen. Leider sind die Zeitungen voll von Berichten über Jugendliche, bei denen genau dies der Fall ist.

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