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Archive für 9.2.2007

Heroinprogramme

Sie wurden mit sündhaft teuren Forschungsprogrammen evaluiert. Es kam heraus, was ohnehin schon bekannt war: Heroinprogramme funktionieren. Man kann mit ihnen Heroinsüchtigen, die auf Methodonprogramme nicht angemessen ansprechen, besser helfen als mit Methadonprogrammen. Wer hätte das gedacht?

Die Wissenschaft spricht also dafür, Heroinsüchtigen die Droge auf Krankenschein zu verschreiben. Vermutlich aber wird das Modellprojekt nach Abschluss des Modellprojekts keine Fortsetzung dieser Form der Hilfe geben. Die CDU/CSU-Fraktion ist dagegen. Deren drogenpolitische Sprecherin, Maria Eichhorn fürchtet nämlich eine “Enttabuisierung harter Drogen”, wenn das Betäubungsmittelgesetz entsprechend geändert und die Behandlung mit Heroin zugelassen würden. Der Hauptkritikpunkt sind aber die Kosten. Die Heroinprogramme seien viermal so teuer wie die Methadon-Substitution.

Hilf Himmel: Die Kosten! Als hätten jemals die Kosten eine Rolle gespielt. Da werden Unsummen in die sog. Abstinenztherapie für Drogenabhängige gepumpt, obwohl deren Ergebnisse mit “kläglich” noch beschönigend umschrieben würden. Die Strafverfolgung von Dealern und Süchtigen verursacht gigantische Kosten, ohne dass die Drogensucht so in den Griff zu bekommen wäre. Im Gegenteil: Die Kriminalisierung der Drogenabhängigen und die Drogenprohibition führen zur Beschaffungskriminalität, verschlechtern die gesundheitliche Situation der Betroffenen und verursachen somit zusätzliche, vermeidbare Kosten für das Gesundheitssystem.

Mit einem Federstrich, nämlich durch die Legalisierung aller Drogen könnte viel Geld für sinnvolle Maßnahmen gegen die Drogensucht gespart werden. Mit diesen Mitteln könnte man an den Ursachen ansetzen, statt, wie bisher, erfolglos an den Symptomen herumzupfuschen. Was wurde nicht gerätselt, wer oder was an der Drogensucht schuld sei: der Erziehungsstil der Eltern, sexueller Missbrauch, mangelnde Autorität der Lehrer, fehlende Lehrstellen, Kulturzerfall, Verlust der religiösen Orientierung oder die Gene, Geburtsschäden und was weiß ich nicht noch alles. Kaum eine gesellschaftliche Interessengruppe fühlte sich nicht berufen, mehr Geld für ihr Thema als Allheilmittel gegen die Drogensucht zu verkaufen.

Dabei ist längst bekannt, welche Kräfte die Drogensucht antreiben. Es sind - oft unbewusste, verdrängte, mental abgewehrte und kompensierte - Ängste und depressive Verstimmungen. Legalisierung wir also die Drogen, sparen wir dadurch viel, viel Geld und nehmen dieses Geld zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Ängste und depressive Verstimmungen schüren. Die Erfolge würden sich in kürzester Zeit zeigen. Gehen wir mit offenen Augen durch die trostlosen Wohngebiete an der Peripherie unserer Großstätte, gönnen wir uns ein paar Körnchen Phantasie und denken darüber nach, welche Wunder man mit ein bisschen Geld hier wirken könnte, indem man die Kids auf andere Gedanken bringt.

Mein Gott, wie blöd sind wir doch alle geworden durch die Antidrogen-Propaganda, die wir nun seit Jahrzehnten den Amerikanern nachbeten und durch die wir in beständig schlimmere Schwierigkeiten geraten. Lassen wir die Amerikaner ihre “Wars” doch alleine führen, auch den “War on Drugs”. Sorgen wir für menschenwürdige Lebensbedingungen, gewähren wir Chancen zum gesunden Aufwachsen, Lernen und Spaß Haben. So helfen wir den Kindern in unserem Lande am besten. Vielleicht ist ja der “War on Drugs” die beste Lösung für amerikanische Kinder; für unsere Kinder sicher nicht.

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