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Archive für 27.1.2007

Ein göttliches Wesen

franz_josef_strauss_muenze.jpgDer Parteivorsitzende der CSU ist offenbar ein göttliches Wesen, ein Avatar von Franz Josef Strauß. Anders ist es kaum zu erklären, dass die CSU-Oberen mehrheitlich eine Kampfabstimmung um diesen Posten auf Teufel komm raus vermeiden wollen. Ein göttliches Wesen geht nicht aus einem schnöden Ringen um Stimmen hervor, es lässt sich huldvoll durch eine Wahl in sein Amt einstimmen. Und sollte die Wahl nicht einstimmig ausfallen, so wäre dies ein Werk des Teufels und Symbol für die gewaltigen Aufgaben, die sich vor dem mythischen bayerischen Helden auftürmen.

Mit dem Herzen betrachtet, ist die Wahl zum Parteivorsitzenden der CSU immer einstimmig. Es ist eine gefühlte Einstimmigkeit. Da kann es unmöglich mehrere Kandidaten geben, denn der Parteivorsitzende ist die CSU. Als göttliches Wesen ist er die heilige Vielfaltigkeit Bayerns. Die SPD, ja, sogar die anderen Parteien dürfen durchaus ein paar Stimmen bekommen, damit die überwältigende Mehrheit der CSU umso eindrucksvoller zur Geltung kommt. Und da die CSU mit dem Parteivorsitzenden identisch ist, muss dieser auch Landesvater sein, um die mystische Einheit Bayerns zu vollenden. Da hapert es natürlich mit der zur Zeit ins Auge gefassten Doppelspitze.

Es ist daher auch nicht weiter erstaunlich, dass sich Beckstein nur als Übergangslösung sieht. Doch wer kommt danach und rückt die Dinge wieder gerade im schönen Bayernlande? Wird’s gar eine Frau, die Pauli? Als Avatar von Franz Josef Strauß ist sie zwar nur schwer vorstellbar… Aber wer weiß, vielleicht sind im Himmi dort droben spontane Geschlechtsumwandlungen möglich, die dann hienieden wahre Wunder wirken. Im erzchristlichen Bayern hat die Frau, biblischer Weisung getreu, zwar immer noch in der Gemeinde zu schweigen, aber ob das auch für göttliche Wesen gilt?

Nun gut, ich gebe zu, das sind Gedankenspiele. Für eine Ministerpräsidentin ist das Bayernland wohl noch nicht reif genug, zumal in diesem Falle ja alle höheren Herren der CSU in die Landesgruppe nach Berlin wollten - und wer trägt dann der Dame hier das Schminkköfferchen? Also Frau Pauli nicht, aber wer dann? Vielleicht sollte die CSU in dieser Frage einem Rat folgen, den Strauß in solchen Fällen zu geben pflegte: Den Nachfolger Becksteins muss sich die CSU in Oberammergau schnitzen lassen.

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