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Archive für 24.1.2007

Liberal-sozialer Nationalkapitalismus

Schon als Kind war ich Sozialist im Herzen. War es nicht ungerecht, wenn manche hundertmal mehr verdienen als andere, ohne hundertmal mehr zu leisten? Sobald das Denken in mir erwachte, wurde ich Anhänger der freien Marktwirtschaft, auch wenn ich dies mir selbst und anderen ungern eingestand. Die Marktwirtschaft ist eine feine Sache, in Reinform. Viele mehr oder weniger kleine Wirtschaftseinheiten konkurrieren miteinander um die Gunst der Kunden und wer den Bedarf der Konsumenten am besten befriedigt, hat die Nase vorn. Das ist doch wirklich ideal, eine tagtägliche Demokratie, die freie Wahl zwischen Waren und Dienstleistungen.

Die Sache hat leider einen Haken, weil die Großen die Kleinen fressen. Ein Wesensmerkmal jeder Marktwirtschaft ist ein beständiges Auf und Ab - und manche bleiben, warum auch immer, auf der Strecke. Dies führt unweigerlich dazu, dass überall da, wo der Markt dies zulässt, Oligopole entstehen. Nur noch eine Handvoll potenter Firmen teilen sich den Markt auf.

Dagegen ist auf den ersten Blick nichts einzuwenden. Schaut man aber genauer hin, dann stellt man fest, dass diese Oligopolisten den freien Markt zu ihren Gunsten aushebeln - und damit geht auch der Vorteil dieser Wirtschaftsform für den Kunden verloren. Es müssen nicht immer direkte, verbotene Preisabsprachen sein (obwohl es diese natürlich auch gibt); es genügt, wenn sich die kleine Zahl der Oligopolisten in einer Branche preispolitisch am Marktführer orientiert. Dann können alle Oligopolisten einen Monopolpreis für ihre Produkte realisieren, der über dem Preis liegt, der sich einpendeln würde, wenn die freie Konkurrenz nicht außer Kraft gesetzt worden wäre.

Die Oligopole realisieren also einen - nicht selten satten - Monopolprofit, obwohl de jure kein Monopol existiert. Und so werden die Oligopole reicher und reicher - so reich, dass sie sich mühelos ganze Armeen von Wirtschaftsprofessoren, ja sogar ausgewachsene Regierungen kaufen könnten, wenn sie nicht zu moralisch für diesen demokratiefeindlichen Missbrauch ihrer Macht wären (was in einen Blog mit dem Titel “Blaue Augen” natürlich vorausgesetzt werden muss.)

Schon als junger Mann war ich mit dem Herzen Sozialist, mit dem Verstand aber Liberaler. Lange Zeit hielt ich beide Positionen für unvereinbar und fühlte mich innerlich zerrissen. Inzwischen aber habe ich entdeckt, dass dieser Widerspruch in Wirklichkeit gar nicht existiert. Nur in ideologisch verkleisterten Gehirnen erscheint widersprüchlich, was sich in der Realität wundersam ergänzt. Die Lösung besteht darin, die Oligopole nicht etwa abzuschaffen, sondern zu verstaatlichen. Sie würden weiterarbeiten wie bisher, sie würden quasimonopolistische Gewinne erwirtschaften wie bisher, aber sie würden geführt von Managern, die auf der Gehaltsliste des Volkes stehen (und marktfähige Gehälter erhielten).

Der Staat würde die Monopolgewinne einstreichen und könnte mit ihnen, nach der Methode des früher hochgelobten, in neoliberalen Zeiten aber beinahe verpönten Keynes Staatsaufträge zur Ankurbelung der Wirtschaft finanzieren. Da es keine privaten Oligopole mehr gäbe, die querschießen könnten, wäre dann endlich auch eine effiziente Wirtschaftspolitik des Staates möglich.

chavez.jpgNun höre ich schon: “Ja aber das Ausland, ja aber die Amerikaner…”. Klar, ihr Ja-Aber-Leute, nur Politiker mit Mut zu einer handfesten nationalen Politik könnten diesen Plan verwirklichen, keine Frage. Deutschland braucht einen Chávez. Deutschland braucht eine Kombination aus Sozialismus, Liberalismus und Nationalismus.

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