Sie befinden sich aktuell in den Blaue Augen Blog-Archiven für den folgenden Tag 18.1.2007.
18.1.2007 von Hans Ulrich Gresch.
Was ist eigentlich Spiritualität? Es hat den Anschein, dass “Spiritualität” heute überwiegend als Ersatzbegriff für “Religion” verwendet wird. Dieser Ersatzbegriff wurde von religiösen Marketing-Experten populär gemacht. Aus gutem Grund: Es ist ja nicht zu übersehen, dass Religion bei einigen wesentlichen Zielgruppen des Heiligen Geschäfts ein sehr schlechtes Image hat:
Kurzum: Religion gehört in der Erfahrungswelt vieler Menschen zur geistigen Realität mächtiger Männer und trägt daher die Mitverantwortung für deren Untaten. Religion bedeutet organisierter Glaube: Bürokratie, Geld und Macht. Demgegenüber denkt man beim Begriff der Spiritualität eher nicht an Kirchen und weltliche Machtgefüge, an das höchst fehlbare “Bodenpersonal”, sondern an höhere Mächte, verborgene Kräfte und an der Verkörperungen auf Erden: entrückte Mystiker.
Selbstverständlich schreckt der Begriff der “Religion” die hartgesottenen, meist schon in früher Kindheit religiös abgerichteten Gläubigen nicht. Doch deren Zahl wird immer kleiner. Das religiöse Marketing muss sich heute auch für jene Zielgruppen etwas einfallen lassen, die den kirchlichen Traditionen entfremdet sind.
Spirituelle Angebote unterbreiten längst nicht mehr nur jene Newcomer im religiösen Business, die Hirne mit Räucherstäbchen, sondern auch jene, die sie mit dem althergebrachten Weirauchschwenker umnebeln.
Weil auch die Kirchen immer häufiger den Begriff der “Spiritualität” verwenden, wird er natürlich früher oder später verbraucht sein. Er wird dann als gleichbedeutend mit “Religion” erfahren. Man darf gespannt sein, welches neue Substitut sich die Marketing-Experten einfallen lassen. Es wird ja bereits mit einigen Kandidaten experimentiert: Achtsamkeit zählt dazu.
Geschrieben in Religion, Wirtschaft | Drucken | 1 Kommentar »