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Archive für 10.1.2007

Geheime Krieger

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden in allen NATO- und einigen anderen Staaten geheime Armeen, auch in Deutschland. Sie hatten zwei Hauptaufgaben: Erstens: Im Falle eines sowjetischen Einmarsches sollten sie spionieren, Sabotage verüben und Attentate begehen. Zweitens: Sie sollten mit allen legalen und illegalen Mitteln verhindern, dass in diesen Staaten durch freie Wahlen Kommunisten an die Macht kamen oder an der Macht beteiligt wurden.

Diese geheimen Armeen standen unter dem Kommando der Vereinigten Staaten. Sie wurden von der NATO, der CIA und Geheimdiensten der Staaten, in denen sie operierten, ausgebildet, koordiniert und finanziert. Ihre Mitglieder waren entschiedene Antikommunisten und vielfach Rechtsextremisten. In Deutschland zählten der Schlächter von Lyon, Klaus Barbie sowie der Nazi-Spion und spätere BND-Chef Reinhard Gehlen zu den Geburtshelfern der geheimen NATO-Armee.

Die NATO-Geheimarmeen wurden unter dem Namen “Gladio” bekannt - infolge der Enthüllungen durch den italienischen Ministerpräsidenten Guilio Andreotti im Jahr 1990. Unter dieser Bezeichnung operierte die Geheimarmee in Italien. in den anderen Staaten hatte sie andere Namen wie z. B. “Absalon” in Dänemark.

Um die westlichen kommunistische Parteien zu schwächen, verfolgten die geheimen NATO-Armeen eine sog. Strategie der Spannung. Die Fakten deuten darauf hin, dass sie Geheimarmeen in einigen NATO-Staaten für terroristische Verbrechen verantwortlich waren. So wollte man die Linken diskreditieren, die Bevölkerung verunsichern und den Ruf nach einer rechten Regierung mit einem starken Mann an der Spitze provozieren.

Der Schweizer Historiker Daniele Ganser hat die bisher bekannten Tatsachen in einem sorgfältig recherchieren Buch zusammen getragen: “NATO’s Secret Armies. Operation Gladio and Terrorism in Western Europe” (London & New York, Frank Cass, 2005). Eine deutsche Ausgabe liegt bisher leider noch nicht vor.

Geheime Kriege waren keine Spezialität der NATO und sie waren auch keine Randerscheinung. Sie waren und sind ein wesentliches Kennzeichen amerikanischer Politik seit Ende des zweiten Weltkriegs. Die CIA ist auch kein klassischer Geheimdienst, sondern eine Geheimarmee der amerikanischen Präsidenten. Seit ihrer Gründung hat sie jeder amerikanische Präsident für geheime Operationen eingesetzt, und keine dieser Operationen geschah ohne Genehmigung durch den Präsidenten. In vielen Staaten rund um den Globus führten die Vereinigten Staaten von Amerika geheime Kriege mit brutalsten Methoden, die viele Menschenleben kosteten. Dies weist der amerikanische Historiker John Prados in seinem Buch “President’s Secret Wars” (Ivan R. Dee, Chicago, 1996) nach.

In seinem Vorwort zu Gansers Buch fragt Prados: “In this age of global concern with terrorism it is especially upsetting to discover that Western Europe and the United States collaborated in creating networks that took up terrorism. In the United States such nations are called ’state sponsors’ and are the objects of hostility and sanction. Can it be the United States itself, Britain, France, Italy, and others who should be on the list of state sponsors?”

Die CIA, die NATO und die Regierungen der beteiligten Staaten mauern natürlich, wenn sie von Journalisten und Wissenschaftlern um Unterstützung, z. B. durch Akteneinsicht gebeten werden. Es ist also damit zu rechnen, dass erst ein Bruchteil der Fakten und Vorgänge bekannt ist. Ob sie jemals dem Vergessen entrissen werden? Schließlich ist der Kalte Krieg vorbei. An seine Stelle trat der “War on Terror” mit neuen Problemen und Strategien. Wirklich neu?

Siehe: Gladio-Projekt der Uni Zürich

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