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Archive für 3.1.2007

Folter - so amerikanisch wie Hamburger

Heute berichten die Medien, das FBI habe Dokumente über Misshandlungen in Guantanomo freigegeben. Noch immer will uns die US-Regierung weismachen, bei den Folterungen auf Cuba oder in Abu Ghraib handele es sich um Übergriffe untergeordneter Soldaten. Die militärische Führung oder gar die US-Regierung seien dafür nicht verantwortlich.

Fakt ist, dass seit den frühen fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die CIA und andere US-Behörden  Methoden der Folter erforschen, foltern (auch in Deutschland), foltern lassen und Folterer ausbilden. Dies sind keine Ausgeburten der Phantasie notorischer Antiamerikaner, sondern Tatsachen, die durch freigegebene amtliche Dokumente der Vereinigten Staaten bewiesen werden können.

Die Amerikaner foltern nicht nur selbst, sondern sie geben ihr Wissen auch weiter - auf hohem Niveau. Ein Beispiel dafür ist die “School of the Americas” in Ford Benning. Sie wurde 2001 in “Western Hemisphere Institute for Security Cooperation” umbenannt. Doch der alte Geist blieb lebendig, mein Father Roy Bourgeois, ein katholischer Priester und langjähriger Missionar in Südamerika, der die “School of the Americas Watch” gründete.

1996 brachte die Washington Post bündig auf den Punkt, was die “School of the Americas” war: “U.S. Army intelligence manuals used to train Latin American military officers at an Army school from 1982 to 1991 advocated executions, torture, blackmail and other forms of coercion against insurgents, Pentagon documents released yesterday show.”

Die in dieser Schule verwendeten Unterrichtsunterlagen rechtfertigten Exekutionen, Folter, Erpressung und andere Formen des Zwangs. Die 1946 in Panama gegründete und 1984 nach Fort Benning in Georgia verlagerte Schule hat im Lauf ihrer Geschichte ca. 60.000 Militär- und Polizei-Offiziere, überwiegend aus Lateinamerika ausgebildet. Die Liste der Absolventen liest sich wie ein Who-is-Who von Staatsterroristen.

Father Bourgeois gründete die “School of the America Watch” 1990 und verbrachte seither annähernd 4 Jahre in amerikanischen Gefängnissen wegen seiner gewaltlosen Proteste gegen die Schule der Folterer und Attentäter. Für sein mutiges Engagement erhielt er 2005 den Aachener Friedenspreis.

Die “School of the Americas” ist kein Einzelfall, sondern sie charakterisiert die amerikanische Politik seit Ende des 2. Weltkriegs. Dies belegt der amerikanische Historiker Alfred W. McCoy in einem Artikel, der am 14. Mai 2004 im “Boston Globe” erschien.

Im Bewusstsein dieser Tatsachen sollte man sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen, was George Bush anlässlich der Hinrichtung von Saddam Hussein sagte. Die Hinrichtung sei „ein Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak“ gewesen. Saddam hätte ein faires Verfahren erhalten, das er den Opfern seines brutalen Regimes verweigert habe.

Ein faires Verfahren? Ein faires Verfahren allerdings würde ich mir für einige andere Herren wünschen, zum Beispiel für Henry Kissinger. Die möglichen Grundlagen eines Prozesses gegen den Mann aus Fürth beschreibt der amerikanische Journalist  Christopher Hitchens 2001 in einem Artikel für Harper’s Magazine. Hitchens Vorwürfe sind schwerwiegend und wohlbegründet: Zumindest in einem Fall nahm er an einem Mord-Komplott teil und in zahllosen anderen Fällen war er die treibende Kraft hinter verschiedenen Maßnahmen, die man mit guten Argumenten als Kriegsverbrechen bezeichnen kann.

Ein faires Verfahren? Weder mit diesem, noch überhaupt mit einem Verfahren ist im Falle Kissingers zu rechnen. Er ist immer noch einer der einflussreichsten Männer der Vereinigten Staaten und er hat seine Bewunderer im Weißen Haus. In einem neueren Artikel für Slate behauptet Kitchens, dass Kissinger einer der Strippenzieher hinter der Irak-Politik von Präsident Bush sei.

Und so schließt sich dann der Kreis.

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