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31.12.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Saddam ist tot. Er war ein arger Schlächter. Die Freude der Überlebenden seiner Gräueltaten lässt auch mein Herz höher schlagen. War seine Hinrichtung also ein Akt der Gerechtigkeit? Es scheint so - bei oberflächlicher Betrachtung. Sieht man jedoch genauer hin, dann drängen sich Fragen auf: Hat Saddams Politik der harten Hand vielleicht einen Bürgerkrieg im Irak verhindert und damit wesentlich mehr Menschenleben gerettet als vernichtet? War Saddams Kampf gegen das Imperium gar ein menschheitsgeschichtlich notwendiger, für andere Völker beispielgebender Akt des Ungehorsams?
Gerechtigkeit? Dient die Todesstrafe der Gerechtigkeit, Strafen überhaupt? Man mag dies bezweifeln - zumal die Frage, ob der Mensch überhaupt einen freien Willen besitze und schuldig werden könne, philosophisch und biologisch umstritten ist.
Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Tötung von Staatsverbrechern. Menschen, die im Namen und unter dem Schutz eines Staates Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, haben ihr Leben verwirkt. Dies gilt nicht nur für Saddam, sondern für zahllose Despoten und deren Handlanger, auch für Amerikaner und deren Helfershelfer.
Es geht dabei nicht um Gerechtigkeit. Auch nicht um Abschreckung. Diese Verbrecher sollen auch nicht aus symbolischen Gründen sterben. Es geht darum, Tatsachen zu schaffen. Ihr Tod soll so real sein wie das Leiden ihrer Opfer. Mehr nicht. Das war’s.
Die Todesstrafe lehne ich ab. Ein gewöhnlicher Verbrecher bricht das Gesetz, aber er stellt sich nicht über das Gesetz. Er soll deswegen auch nach dem Gesetz gerichtet werden. In unserem Land wurde die Todesstrafe aus guten Gründen abgeschafft. Ein Verbrecher, der sich Verbrechen unter staatlichem Schutz begeht, stellt sich jedoch über das Gesetz. Er soll daher auch nach überstaatlichen, übergesetzlichen Maßstäben behandelt werden, er soll, wenn dies die Schwere seiner Tat gebietet, sterben. Seine Hinrichtung ist nicht Vollzug der Todesstrafe, sondern Notwehr des Volkes: eine Mini-Revolution, blutig und schön.
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