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17.12.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Angesichts der Arbeitslosenfrage ist der deutsche Stammtisch tief gespalten. Galt es früher als ausgemacht, dass Arbeitslose nur zu faul zum Arbeiten seien, melden sich heute nachdrücklich Stimmen zu Wort, die allen Ernstes behaupten, dass manche eigentlich fleißige Menschen arbeitslos seien, weil es keine freien Stellen gäbe.
Dies war früher freilich nicht anders, spielte an Stammtischen aber zum Glück keine Rolle. Dies ist umso besorgniserregender, als auch das wohltätige Bier das Gift des Nachdenkens nicht zu neutralisieren vermag… Selbst zu vorgerückter Stunde lallen manche, es gäbe gar keine faulen Arbeitslosen, sondern nur unfähige Politiker und treulose Unternehmer.
Frieden und Eintracht an deutschen Stammtischen sind in Gefahr, weil subversive Elemente die klaren Fronten verwischen: hier die fleißigen Arbeitsplatzbesitzer, dort die faulen Arbeitslosen. Diese saubere Trennung stimmte zwar noch nie, das war aber früher an Stammtischen ohne Bedeutung. Schon immer gab es faule Arbeitsplatzbesitzer, die andere für sich arbeiten ließen und die Folgen ihres Müßiggangs Schwächeren in die Schuhe schoben. Auch an Stammtischen gehörte es zum guten Brauch, den Arbeitseifer unserer Beamten, besonders der Lehrer anzuzweifeln. Aber, bei Gott, kam die Rede auf die Arbeitslosenfrage, dann durften derartige Randerscheinungen nicht als Argument herhalten und vom Wesentlichen ablenken.
Heute ist das anders. Die Stammtischbrüder neigen sogar dazu, das Thema “Arbeitslosigkeit” zu meiden, um die bierselige Eintracht nicht zu gefährden. Der deutsche Stammtisch schwächelt. Manche fragen sich sogar, ob sie sich das Bier in der Kneipe überhaupt noch leisten können.
Zum Glück ist die Arbeitslosigkeit die einzige einstige Gewissheit, die dem Zweifel anheimgefallen ist. Bisher. Wie lange noch? Was wäre, wenn plötzlich der Islam, die Moslems… nicht auszudenken.
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