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Dezember 2006
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Archive für 16.12.2006

Globalisierung

Die Wirtschaft, heißt es, habe sich globalisiert. Daher seien Nationen nicht mehr so wichtig wie einst. Bedeutet dies, das wir nicht mehr ein paar Kilometer von unserer Wohnung entfernt arbeiten und um die Ecke einkaufen wie früher, sondern um den Globus jetten und heute hier, morgen dort schaffen, essen, trinken, lieben und schlafen?

Die kleinen Leute wurden nicht globalisiert, auch wenn sie zweimal im Jahr die Düse machen und an fernen Stränden in der Sonne grillen. Für die kleinen Leute sind nach wie vor das Finanz- und das Arbeitsamt vor Ort zuständig. Sie legen vor Ort Hand an, schlagen sich vor Ort den Bauch voll und für sie sind die örtlichen Behörden zuständig.
Globalisiert hat sich nicht die Wirtschaft, sondern die Bourgeoisie. Die Besitzer der Fabrik, in der wir unsere Brötchen verdienen, wohnen nicht mehr am Hang vor der Stadt in einer Villa, sondern irgendwo in der Welt - und sie wechseln immer häufiger. Globalisiert haben sich die Besitzverhältnisse. Und darum hat die Nation auch nicht generell ihre Bedeutung verloren. Die Nation ist nicht mehr so wichtig nur für die Besitzenden, deren Kapital über den Globus vagabundiert. Für die kleinen Leute ist die Nation so wichtig wie nie zuvor.

Ein Mann stirbt

Einem 55jährigen Mann wird eine Substanz injiziert. Sie gelangt nicht, wie vorgesehen, in eine Vene, sondern ins Gewebe. Der Mann stirbt. Der Todeskampf zieht sich über 34 Minuten hin. Menschen schauen dabei zu. Niemand versucht, ihm zu helfen.

Der Schauplatz: Florida, USA.

Der Mann war 27 Jahre zuvor zum Tode verurteilt worden. Er hatte eine Stripbar-Angestellte ermordet.

Niemand versuchte, ihm zu helfen - obwohl die amerikanische Verfassung grausame und ungewöhnliche Strafen verbietet. Dies war aber offensichtlich ein grausamer und ungewöhnlicher Vorgang. Menschen schauten zu. Niemand kam auf die Idee, ihm ein Gegengift zu injizieren. Die Leute saßen da und schauten zu, wie ein Mensch offenbar qualvoll mit dem Tode rang.

Tatort: Florida, USA. Wie es das Gesetz befiehlt…

Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. Ich bin stolz, in einem Lande zu leben, in dem die Todesstrafe abgeschafft wurde, in dem ein unbedingtes Folterverbot gilt.

Warum stolz? Stolz, weil diese Errungenschaften der Humanität nicht vom Himmel gefallen sind. Sie sind das Ergebnis eines jahrhundertelangen Kampfes, der hier im alten Europa gegen den Geist der Barbarei geführt wurde. Ich bin stolz auf mein Land, weil es nach der grauenvollen Erfahrung des Nationalsozialismus einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung getan hat.

Ich weiß: Viele meinen, dass während des Kalten Kriegs und auch später noch viele schreckliche Dinge geschahen, auch in Deutschland. Mag sein. Doch woher kamen die Impulse dazu? Wo steckten die Hintermänner?

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