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8.12.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Ursprünglich wollte er Zahnarzt werden. 1979 bis 1981 studierte er Zahnmedizin, brach das Studium aber auf eigenen Wunsch ab, um Forstfacharbeiter zu werden. Auf den Nerv geht er manchen noch immer und manchmal führt er sich auf, als sei die Axt im Walde am Werke - Henry Nitzsche, Bundestagsabgeordneter der CDU mit Direktmandat (34,8 %) aus Kamenz, 30 km nordwestlich von Bautzen. Sein Wahlkampfmotto: “Arbeit, Familie, Vaterland”.
Nitzsche warnte vor einer “Schuldkultur” in bezug auf den Umgang mit der deutschen Vergangenheit und bezeichnete Mitglieder der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung als “Multi-Kulti-Schwuchteln”. Die übliche Empörung brauste durch den Blätterwald geisterte über die Bildschirme. Nitzsche bedauerte die “missverständlichen Worte” und trat inzwischen als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Kamenz / Hoyerswerda zurück.
Missverständlich? Hmmm, unter einer Schuldkultur kann ich mir noch etwas vorstellen. Dieser Begriff gehört wohl zum Vokabular der “Schlussstrich-Mentalität”, kurz: zum Walsern. Doch, bitte, was sind Multi-Kulti-Schwuchteln? Nie wieder, so soll der Bundestagsabgeordnete nach übereinstimmenden Zeitungsberichten auf einer Veranstaltung zum Thema “Patriotismus” gesagt haben, dürfe Deutschland von “Multi-Kulti-Schwuchteln” regiert werden.
Sind Multi-Kulti-Schwuchteln also unser Unglück? Und wenn ja, woran erkennt man sie? Auch wenn Nitzsches Worte nach eigenem Bekunden “provokativ” und “missverständlich” waren, so kann es sich, nach deutschem Sprachgebrauch, bei “Multi-Kulti-Schwuchteln” doch nur um Homosexuelle handeln, die für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen in Deutschland, für ein von Toleranz geprägtes Verhältnis zwischen diesen eintreten.
Erkennt man eine “Multi-Kulti-Schwuchtel” schon allein daran, dass sie homosexuell ist? Wohl kaum, schließlich gibt es auch schwule Neonazis. Manche meinen sogar, dass sie mit ihrer Homosexualität dem Vaterland einen besonderen Dienst erwiesen. Man lese beispielsweise Folgendes:
Dies schrieb 1986 der berüchtigte schwule Neonazi Michael Kühnen über Homosexuelle. Wir sehen also, dass manche Schwule einen geradezu biologisch verankerten Trieb verspüren, sich für Horde und Führer den Arsch aufzureißen. Diese Schwulen, so darf man voraussetzen, sind auch für “Arbeit, Familie und Vaterland” zu begeistern.
Die Homosexualität kann also kein Alleinstellungsmerkmal des personifizierten politischen Unglücks unseres gebeutelten Vaterlands sein. Man ahnt, warum Nitzsche im Nachhinein seine patriotischen Äußerungen für missverständlich erklärte.
Ist dann wenigstens die Mitgliedschaft in der CDU ein Ausschlusskriterium? Dürfen wir sicher sein, dass ein Mitglied der CDU vielleicht schwul, aber keineswegs multi-kulti sei. Oh, da habe ich meine Zweifel. Es ist noch gar nicht lange her, da lagen sich alle in den Armen, im euphorischen Multi-Kulti-Taumel - während der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Und denk dir, kein CDU-Mensch, ob schwul oder hetero, hat sich geweigert, einem schwarzen Sportler die Hand zu schütteln wie einst der Führer.
Missverständlich, sicher, missverständlich waren seine Worte; damit hat Nitzsche recht. Der Mann scheint auf dem Rückzug zu sein. Vielleicht überrascht er uns schon bald mit den Eingeständnis, dass in Berlin niemals Multi-Kulti-Schwuchteln regiert hätten - bevor irgendwer auf die Idee kommt, im heutigen Berlin nach regierenden Multi-Kulti-Schwuchteln zu suchen.
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