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5.12.2006 von Hans Ulrich Gresch.
Es ist nicht rational, zur Wahl zu gehen. Angesichts von Millionen Wahlberechtigten ist das Gewicht unserer Stimme gering - so gering, dass es sich selbst bei schlechtestem Wetter und Ebbe im Geldbeutel nicht lohnt, dafür auch nur eine Stunde Freizeit zu opfern.
Erschwerend kommt hinzu, dass die wirklich wesentlichen Entscheidungen gar nicht von den Gewählten getroffen werden. Die wirklich Mächtigen, die oberen Zehntausend stehen nämlich nie zur Wahl. Sie haben gigantische wirtschaftliche Reichtümer angehäuft, mit denen sie ihren Einfluss auf politische Prozesse ausüben - und zwar erfolgreich.
Wenn wir zur Wahl gehen, dann können wir dies also nicht mit rationalen Erwägungen rechtfertigen. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in Deutschland dennoch ihre Stimme abgeben. In den USA verweigern oft mehr als fünfzig Prozent der Wahlberechtigten den Gang zur Urne, selbst bei Präsidentschaftswahlen.
Dies liegt nicht etwa daran, dass die Amerikaner ungebildeter wären als wir. Sie sind auch nicht träger oder unpolitischer. Sie haben einfach noch weniger Illusionen. Aber auch bei uns antworten immer mehr Menschen auf die Frage, ob sie sich von Wahlen etwas versprechen: “Nein, die da oben machen ja doch, was sie wollen.”
Fragt man nach, wie die da oben machen, was sie wollen, erhält man statt Erklärungen meist Beispiele als Antwort. Die Beispiele beinhalten in der Regel zwei Machtmittel, nämlich Bestechung und Erpressung. Politiker werden von den Reichen unter Druck gesetzt und / oder bestochen.
Ist die Welt wirklich so einfach? Kann man die politischen Prozesse in unserem System tatsächlich auf Erpressung und Bestechung reduzieren?
Hans-Jürgen Krysmanski, ein emerierter Soziologie-Professor aus Münster hat eine Studie verfasst, die sich mit den Machtverhältnissen in Europa auseinandergesetzt: “Wem gehört die EU“. Krysmanski beschreibt das Funktionieren eines Geldmachtapparats, der die europäischen Gesellschaften im Interesse einer winzigen Elite von Superreichen, im Sinne einer Handvoll mächtiger Clans gestaltet - bis in die feinsten Verästelungen des wirtschaftlichen kulturellen und sozialen Lebens.
Dieser Geldmachtapparat arbeitet weitgehend legal - schon allein darum, weil er die Voraussetzung für seine Legalität selbst schafft. Schließlich sitzen Profiteure dieses Systems an den Schalthebeln der Macht in den Parlamenten. Korruption und Erpressung spielen aber immer dann eine Rolle, wenn der Geldmachtapparat einmal aufgrund unvorhergesehener Wechselfälle des Lebens nicht von allein reibungslos funktioniert.
Rational ist es nicht, zur Wahl zu gehen. Warum gehen wir dann? Ist es lustvoller, (halb-)bewusster Selbstbetrug wie beim Lotto Spielen? Beim Lotto haben wir immerhin eine winzige, aber eine reale Chance auf einen Sechser. Aber bei den Wahlen?
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Wem gehört die EU (PDF-Version)
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