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Archive für 30.11.2006

CIA-Entführungen

zellengitter-geheim.jpg“Seit gestern wissen wir, dass die Praxis von Menschenraub und Folter bei der CIA längst vor dem Terroranschlag gegen das World Trade Center Usus war”, schreibt heute Christian Semmler in der TAZ.

Kaum zu glauben: Seit gestern wissen die das.

Eine Recherche im Netz erbrachte innerhalb weniger Sekunden einen Artikel aus der Washington Post, erschienen am 11. May 2004, Titel: Secret World of U.S. Interrogation. Dort heißt es unmissverständlich: “CIA Director George J. Tenet, testifying earlier this year before the commission investigating the Sept. 11 attacks, said the agency participated in more than 70 renditions in the years before the attacks. In 1999 and 2000 alone, congressional testimony shows, the CIA and FBI participated in two dozens renditions. Christopher Kojm, a former state department intelligence official and a staff member of the commission, explainend the rendition procedure at a recent hearing: ‘If a terrorist suspect is outside the United States, the CIA helps to catch and send him to the United States or a third country,’ he testified.”

Klartext: Schon vor dem 11. September entführten amerikanische Behörden Terror-Verdächtige, die sich außerhalb der Vereinigten Staaten befanden und brachten sie in Geheimgefängnisse. Solche Entführungen sind so amerikanisch wie Hallowyn. Sie sind so amerikanisch wie “torture, freedom and democracy”.

Und dies ist keineswegs neu. Wir wissen das auch nicht etwa erst seit gestern. Auch die amerikanische Öffentlichkeit weiß es schon länger. Ein ehemaliger CIA-Chef hat dies vor einem Untersuchungsausschuss schon vor Jahren eingeräumt. Auch die deutschen Bundesregierungen wissen das schon länger. Schließlich bezahlen sie Ausschnittsdienste, die ihnen Pressemeldungen in die Mappen stecken.

Folter und Menschenraub begleiten die Geschichte der CIA seit ihrer Gründung. Auch dies ist kein Geheimwissen, die Spatzen pfeifen es von den Dächern der historischen Institute. Der amerikanische Historiker und Politologe Alfred W. McCoy hat die Entwicklung in einem kurzen Aufsatz nachgezeichnet: “The Hidden History of CIA Torture: America’s Road to Abu Ghraib“.

Noch einmal: Es kostete mich insgesamt nicht eine halbe Stunde, dies herauszufinden, niederzuschreiben und ins Netz zu stellen. Es kostet auch Sie, lieber Leser, in aller Regel nicht mehr Zeit, die Behauptungen deutscher Medien im Internet zu überprüfen. Nutzen Sie bitte diese Möglichkeit. Es ist notwendig, und es ist hilfreich. Schreiben Sie Blogs. Publizieren Sie, was Sie herausfinden. Es ist notwendig! Es ist hilfreich!

PS: Wenn Sie wissen wollen, mit welcher Raffinesse und zu welchem Zweck Geheimdienste Menschen “verhören”, dann lesen Sie mein kostenloses eBook “Unsichtbare Ketten“.

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