Infos

Sie befinden sich aktuell in den Blaue Augen Blog-Archiven für den folgenden Tag 7.11.2006.

November 2006
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Archive für 7.11.2006

TV Intelligence Booster

Wer kein öffentlich-rechtliches oder privates Fernsehen mehr schauen darf, weil er keinen IQ-Punkt zu verlieren hat, muss nicht länger unter Entzugserscheinungen leiden: Ehrensenf-Fernsehen macht klug.

Mit Kopftuch, in Witwentracht, barbusig

nun.jpgWenn’s früher nieselte, trugen deutsche Frauen Kopftücher, um sich die Haare nicht zu ruinieren. Wenn’s kalt war und ihnen der Wind um die Ohren pfiff, verhüllten sie Haupt und Haar mit bunten Tüchern. Später dann, als türkische Frauen mit Kopftüchern immer häufiger in unseren Städten zu sehen waren, ließen sich deutsche Frauen immer seltener mit Kopftuch blicken.

Waren die Kopftücher bei deutschen Damen außer Mode gekommen? Was war der Grund?

Feministinnen meinen, das Kopftuch sei ein Symbol der Unterdrückung islamischer Frauen. Ob wohl deutsche Frauen aus Gründen der Solidarität auf diese doch eigentlich recht praktische Kopfbedeckung verzichten, seitdem die ersten türkischen “Gastarbeiter-Familien” ins Land kamen?

Manchem Innenminister bereiten Kopftücher Magengrimmen. Schließlich ist das Kopftuch ein Symbol des islamischen Fundamentalismus, und islamischen Fundamentalisten neigen bekanntlich zum Terror. Besteht da nicht die Gefahr, dass islamische Lehrerinnen und Schülerinnen mit Kopftüchern unsere Schulen in Brutstätten des Terrorismus verwandeln?

Muss da nicht die Gefahr gebannt werden, indem man die Gefahrenquelle, das Kopftuch aus den Schulen entfernt?

Nicht besonders kleidsam und schick, aber ein Zeichen hoher, frommer Gesinnung ist die mittelalterliche Witwentracht heute. Wer sie trägt, bekennt sich mit ganzem Herzen, also fundamental zu seinem Glauben. Zu dieser Witwentracht gehört auch ein Kopftuch. Die Nonnen, die sich so kleiden, würden selbstverständlich den Verdacht weit von sich weisen, ihr Kopftuch signalisiere „Gewaltbereitschaft“. Schließlich habe man sein Leben dem Frieden Christi geweiht, und das Kopftuch gehöre nun einmal dazu.

Natürlich betonen auch islamische Frauen, dass sie unter ihrem Kopftuch keineswegs eine Bombe, sondern nur ihre Haare verbergen – ihr Gott, Allah, sei ein Gott des Friedens, und im übrigen mit dem Herrn der Christenheit identisch.

Ein Kopftuch besteht aus Stoff. Es ist weich und anschmiegsam, wie geschaffen für die zarten Wangen der Frauen. Als Christen und Muslime in den Kreuzzügen aufeinander trafen, trugen sie Helme. Helme sind hart und starr, geschaffen für das Handwerk des Kriegs. Wäre es da nicht erst recht sinnvoll, islamischen Lehrern und Schülern das Tragen von Helmen ebenso zu verbieten wie ihren weiblichen Glaubensgenossen das Kopftuch – es den Christenmännern aber weiterhin zu gestatten, mit dem Motorrad zur Schule zu fahren.

Wir sind ja schließlich hier im Abendland, und wer aus dem Orient zu uns kommt, muss sich an unsere Sitten und Gebräuche anpassen. Keinesfalls dürfen Muslime durch das Tragen von Motorradhelmen die Bereitschaft signalisieren, das Abendland zu unterjochen.

Doch Spaß beiseite. Zu billig wäre es, das muslimischen Frauen und Mädchen das Tragen von Kopftüchern in der Schule zu verbieten, ohne sich mit ihren Motiven auseinander zu setzen. Man mag einigen dieser Menschen unterstellen, das Kopftuch bedeute für sie auch ein aktives Eintreten für einen radikalen, demokratiefeindlichen und gewalttätigen Fundamentalismus. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die Kopftücher den Frauen in den Herkunftsländern auch schon vorgeschrieben wurden, als es den fundamentalistischen Terrorismus noch gar nicht gab. Es handelt sich hier also um ein Brauchtum, dass sich unabhängig von den gegenwärtigen religiös-politischen Strömungen entwickelte. Der Verzicht aufs Kopftuch stellte demgemäß für traditionelle muslimische Frauen auch unabhängig von zeitgenössischen politischen Bekenntnissen ein Problem dar.

Wie fühlt sich eine gläubige Muslimin, wenn sie, gleichsam nackt, ihre Haare in der Öffentlichkeit zeigen muss? Vielleicht so wie eine schamhafte Christin, die gezwungen wird, barbusig in der Schule zu unterrichten oder zu lernen?

|